Der Planet Venus ist zur gleichen Zeit wie die Erde entstanden, sie rotiert aber langsamer und hat daher ein äußerst schwaches Magnetfeld. Der Sonnenwind wird darum nicht abgehalten, der Wasserdampf (H 2O) in der Atmosphäre wird in Wasserstoff (H) und Sauerstoff (O) zerlegt. Die Venus hat eine dünne Atmosphäre, es ist heute noch zu beobachten, wie Wasserstoff- und Sauerstoff-Ionen durch den Sonnenwind ins All hinaus weggeblasen werden.
Venus im Sonnenwind und unsere Erde, der nächste Planet

Der Sonnenwind trägt auch heute noch Wasserstoff- und Sauerstoff- Teilchen zu uns. Die Erde ist der nächste Planet nach der Venus, sie fängt die Teilchen auf der Umlaufbahn ein. In der Erd-Ionosphäre entsteht mit Hilfe des Sonnenwinds auf physikalischem Weg wieder Wasser daraus. Darum hat die Erde jetzt 100.000 Mal mehr Wasser als die Venus, obwohl Größe und chemische Zusammensetzung sonst annähernd gleich sind. Die Erde hat ihre sauerstoffhältige Atmosphäre der Venus und der Sonne zu verdanken.
Mit dem Wasserdampf in der Atmosphäre und dem wasserbedeckten Boden entstehen auf der Erde Bedingungen, in der sich Leben entwickeln kann. Wasserdampf ist ein gutes Treibhausgas, die Erdoberfläche wird gleichmäßig erwärmt, die Temperatur-Unterschiede von Tag und Nacht werden kleiner, das Weltklima bleibt über das Jahr stabil. Die plötzlichen Strahlungs-Ausbrüche der Sonne werden durch das Magnetfeld und die Atmosphäre abgeschwächt und ausgeglichen. Der Sonnenwind streicht über die Atmosphäre und wird so für die Erde zu einer konstanten Energiequelle. Aus dem radioaktiven hochenergetischen Sonnenplasma sind freundliche, wohlig wärmende Sonnenstrahlen geworden.
Die Sonneneinstrahlung hat in Äquatornähe mehr Wirkung, das Wasser wird dort stärker erwärmt, die erhitzte Luft steigt nach oben, kühlt auf dem Weg nach oben ab und kommt dann nördlich und südlich des Äquators wieder zurück. Auf Grund der Erdrotation bewegen diese Passatwinde die Wasseroberfläche und erzeugen dabei konstante Meeresströmungen. Heute sagen wir Golfstrom dazu. Die schwereren Elemente sind träger und schwimmen weiter unten, die leichteren kommen schneller voran und sammeln sich auf der Oberfläche an bestimmten Stellen. Süßwasser ist leichter als Salzwasser und schwimmt oben auf. Die Wasserbewegungen und Winde haben so auf physikalischen Weg durch unterschiedliche Druck und Temperaturverhältnisse damit begonnen, die Verteilung von Stoffen zu konzentrieren. Die Diffusion erzeugt Molekularbewegungen, die Moleküle wollen gleich verteilt sein. Das Bedürfnis der Elemente, überall Ausgleich zu schaffen, ordnet sie.
Die ultraviolette Strahlung lässt den Grad der Ordnung wachsen. Sie setzt den Kohlenstoff-Kreislauf in Gang: Sie zerlegt im Meer die Wassermoleküle auf photochemischen Weg, wobei Wasserstoff und Sauerstoff frei werden. Das Wasser wird mit Sauerstoff angereichert, der überflüssige Sauerstoff verbindet sich in der Luft zu Kohlendioxid, Regen transportiert den Kohlenstoff wieder zurück ins Meer, wo er sich mit Wasserstoff verbindet. Es entstehen die ersten konzentrierten Ansammlungen von Kohlenwasserstoffverbindungen wie Methan (CH 4), Ethan (C 2H 6) oder Propan (C 3H 8). Sie meiden das Wasser.
Methan (CH 4), Ethan (C 2H 6) und Propan (C 3H 8)

Verbindungen mit Kohlenwasserstoffresten bilden darum wasserunlösliche Nährstoffe, was wiederum an bestimmten Stellen weitere Stoffkonzentrationen begünstigt. Kohlenwasserstoffverbindungen können lange Molekülketten bilden, sie eignen sich sehr gut als Ausgangsstoffe für chemische Synthesevorgänge, bei denen wieder neue Verbindungen hergestellt werden. Stickstoffoxide verbinden sich im Wasser zu Säuren. Salzwasser ist ein besserer Leiter als Quellwasser, an der Grenzschicht von Meerwasser und Quellwasser bilden sich elektrochemische Gradienten heraus. Der Unterschied in der elektrischen Leitfähigkeit führt zu unterschiedlichen Ablagerungen von Elementen wie Eisen (Fe) und Schwefel (S). Diese bewirken um sich herum elektrische Felder, die in der weiteren Umgebung zu unterschiedlichen Niveaus der Basizität führen. Die berühmte Ursuppe ist entstanden.
An negativ geladenen Tonmineralen binden sich positiv geladene Ammonium-Ionen. Gleiche Moleküle finden sich zusammen und bilden Molekülketten. In Interaktion mit den geladenen Mineralien werden sie von selbst zu geordneten Kristallen mit besonderen Eigenschaften in Farbe, Form und Stabilität. Die stabile Ordnung führt zur Fähigkeit, Moleküle in der nahen Umgebung zu ordnen, ohne sich dabei selbst zu verändern. Diese katalytische Eigenschaft ist die Grundlage für die Veränderung der ganzen Welt, sie ermöglicht einen neuen Grad der Komplexität von Molekülen. Neue Flüssigkeiten entstehen, Kohlenwasserstoffe verbinden sich mit Wasserstoff-Sauerstoff-Gruppen zu Alkoholen.
Methan, Ethanol, Propanol, Buthanol

Alkohole sind Dipole: Auf der OH-Seite ziehen sie Wasser an, auf der Seite mit der Kohlenstoffkette meiden sie das Wasser. Zwischen den einzelnen Molekülen bilden sich Wasserstoffbrücken-Bindungen, sie haben daher hohe Schmelz und Siedepunkte und damit die Tendenz, länger erhalten zu bleiben. Alkohole bilden Kristallstrukturen. Diese geordneten Muster und ihre Eigenschaften als reaktionsfreudige und flexible Flüssigkeiten ermöglichen einen neuen Grad der Ordnung in ihrer flüssigen Umgebung.
Erste komplexe Strukturen: Ethanol-Kristallgitter 
Verschiedene Verbindungen mit Stickstoff lassen auf chemisch elektrischen Weg die ersten Aminosäuren entstehen. Diese organischen Moleküle sind die Grundbausteine des Lebens, sie können auf elektrische Ladungen reagieren. Sie werden automatisch nach links oder rechts gedreht sortiert.
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