Wir haben hier ein sehr gutes Betriebsklima. Es kommt auch einmal vor, dass der eine oder andere miese Laune hat, aber deswegen bringt man doch keinen um.“ Leni: „Mit was genau verdienen sie hier ihr Geld?“ Johanson: „Wir machen Telefonmarketing, Adressenhandel, Alibiservice, Support für verschiedene Firmen und seit einem Jahr haben wir auch eine Sexhotline. Das sind unsere Betätigungsfelder. Wir haben über zwei Millionen Kunden weltweit. Unser Jahresumsatz beträgt über acht Millionen Euro jährlich und haben insgesamt 260 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Micki: „Alle hier angestellt?“ Johanson: „Nein. Angestellte haben wir etwas über fünfzig. Der Rest ist selbstständig, oder sitzt im Ausland und ist dort angestellt.“ Micki: „Welchen Aufgabenbereich hatte Frau Hoffmann innerhalb der Firma?“ Schneider: „Sie hatte das Callcenter unter sich. Dazu gehören, der Alibiservice, und die Sexhotline. Die anderen Bereiche stehen unter unserer Zuständigkeit. Die Aufgaben sind bei uns klar verteilt. Jeder hat sein Gebiet in dem er sein Bestes gibt. Egal was einer macht, die Bezahlung ist für die Geschäftsführer gleich. Also alle Gewinne oder Verluste, werden geteilt.“ Micki: „Kannten sie Frau Hoffmann auch privat? Ich meine, hatten sie auch private Aktivitäten?“ Johanson: „Klar, wir sind öfters einmal zum Essen oder Tanzen ausgegangen.“ Leni: „Und wo sind sie zum tanzen hingegangen?“ Schneider: „Ins „Big Apple“ natürlich. Manchmal auch ins „Noble House“. Leni: „Wann haben sie Jana zum letzten Mal gesehen, oder gesprochen?“ Johanson: „Ich habe mit ihr das letzte Mal am Freitag um 17:00 Uhr gesprochen. Ich habe ihr noch ein paar Unterlagen gebracht, die sie für den Montag brauchte. Kurz danach ist sie gegangen.“ Schneider: „Und ich habe sie um 16:00 Uhr gesprochen. Ich habe mich von ihr verabschiedet und ihr ein schönes Wochenende gewünscht.“ Leni: „Wo waren sie am Sonntagabend zwischen 20:00 Uhr und 22:00 Uhr.“ „Da waren wir bei mir und haben Karten gespielt“, meinte Johanson. Und Schneider bestätigte das durch ein „ja“ und Kopfnicken. Leni fragte weiter: „Wissen sie ob Frau Hoffmann noch Verwandte hatte?“ Schneider: „Soviel ich weiß, hatte sie keine Verwandtschaft mehr, außer einer Tante. Das war glaube ich die Schwester ihrer Mutter. Die muss irgendwo in der Schweiz wohnen. Aber wo kann ich ihnen auch nicht sagen.“ Micki: „Wie sah es denn mit ihrem Liebesleben aus, hatte sie häufig wechselnde Beziehungen, oder hatte sie einen festen Freund?“ Schneider: „Im Augenblick war sie Solo. Ihrem letzten Freund hat sie den Laufpass gegeben, weil er ihr einen Antrag gemacht hatte. Jana hatte schon immer Probleme mit den Männern. Jeder der ihr zu Nahe kam und von Hochzeit redete, wurde gefeuert. Von heute auf morgen, beendete sie die Beziehung.“ Micki: „Wissen sie noch die Namen der Verflossenen?“ Johanson: „Der Letzte war Heiko Weiss. Ein feiner Kerl. Der hat sie abgöttisch geliebt. Er hätte alles für sie getan. Mit ihm war sie circa ein Jahr zusammen. Manchmal sehe ich ihn in der Stadt, wenn er Blumen für den städtischen Bauhof gießt. Ich meine er ist Landschaftsgärtner. Und davor das war, glaube ich, Jens Dahlke. Mit ihm war sie nicht solange zusammen. Mit Uwe war sie wohl am längsten zusammen. War auch schwer in Ordnung. Der arme Kerl arbeitet auf dem Standesamt und musste seine eigene Hochzeit absagen. Der war schwer geknickt und war richtig sauer auf sie. Er hat sie Monate lang verfolgt und Telefonterror gemacht. Wie hieß der noch gleich?“ Johanson: „Matt, Uwe Matt hieß der.“ Leni: „Wie ist es eigentlich mit den Geschäftsanteilen jetzt nach ihrem Tod geregelt?“ Johanson: „Das haben wir gleich bei der Gründung notariell festgelegt. Wenn einer der Gesellschafter stirbt, erben die anderen beiden zu gleichen Teilen dessen Anteile. Wenn einer der Gesellschafter seinen Anteil verkaufen möchte, so haben die beiden anderen Gesellschafter das Vorkaufsrecht.“ Leni: „Dann haben sie ja von ihrem Tod profitiert?“ Schneider: „Materiell gesehen ja. Aber menschlich ist es ein großer Verlust. Da sie den Callcenter alleine führte, fehlt uns natürlich eine helfende Hand. Alleine bekommen wir das nicht gestemmt. Vielleicht bekommen wir adäquaten Ersatz für Jana.“ Micki: „Ihre Adressen und Telefonnummern brauchen wir noch. Wären sie bitte so gut, die Adresse usw. hier in diesen Fragebogen einzutragen. Ach ja, führen sie noch auf, wo sie am Samstag und am Sonntag tagsüber bis gegen 23:00 Uhr waren und wer ihre Angaben bestätigen kann. Können wir in der Zwischenzeit das Büro von Frau Hoffmann ansehen?“ Lukas Schneider betätigte die Gegensprechanlage und sagte: „Anna, könntest du bitte kommen?“ Anna Gruber war die gemeinsame Sekretärin der drei Gesellschafter. Als sie kam sagte er zu ihr: „Würdest du den Kommissarinnen das Büro und die Abteilung von Jana zeigen?“ Und Anna begleitete sie in das Büro von Jana Hoffmann. Es war sehr modern und geschmackvoll eingerichtet. An den Wänden hingen mehrere Gemälde. Abstrakte Kunst schien ihr zu gefallen. An der Wand hinter ihrem Schreibtisch hing aber eine Scheibe eines Felsbrockens. Sie war aus Granit und war mit Sicherheit sehr schwer. Leni gefiel es gleich und meinte: „So ein Ding hätte ich auch gerne im Wohnzimmer.“ Anna Gruber schaute sie an und sagte: „Da sind sie nicht die einzige. Wenn sie die nötigen Mittel und eine zwanzig Zentimeter verstärkte Wand haben, ist das kein Problem. Wenn sie wollen gebe ich ihnen die Adresse des Künstlers.“ Micki: „Was kostet so was?“ Anna: „Das Teil hier hat fix und fertig 180000.- Euro gekostet. Jana sagte immer das wäre die sicherste Geldanlage der Welt. Vor allem ist es Diebstahl sicher. Für den Abtransport braucht man einen Kran. Das Ding wiegt immerhin knapp drei Tonnen.“ Dem Büro sah man an, dass hier Geld verdient wurde. Auf dem Schreibtisch standen mehrere Monitore. Sie bildeten, mit der dazugehörigen Tastatur, den zentralen Punkt des Tisches. Auf dem Tisch stand nur noch ein Laptop. Zwei kleinere Schränke standen auf der rechten Seite an der Wand. Leni öffnete den ersten. Er war voller Ordner, die alphabetisch geordnet waren. Leni fragte Anna was in den Ordnern wäre. Anna: „Das sind alles Kunden Daten. Hier sind alle Kundenadressen untergebracht. Einmal im Quartal, werden die Daten aktualisiert.“ Dann öffnete sie den zweiten Schrank. Auch dieser war fast voll mit Ordnern. Leni: „Sie haben aber viele Kunden.“ Anna: „Weit über zwei Millionen und jeden Monat kommen weitere 5000 dazu.“ Ein Ordner erregte aber ihre Aufmerksamkeit. Er war rot und hatte „Privat“ als Aufschrift. Leni zog ihn heraus und blätterte darin. Nach kurzen überfliegen vom Index, waren alle Dokumente wirklich privat. Hier hatte sie alle Versicherungen und Verträge eingeordnet. Micki hatte inzwischen die Schubladen der Rollcontainer durchsucht. Aber außer Büroutensilien und Schreibpapier, hatte sie nicht besonderes gefunden. Leni ließ sich noch die E-Mail - Adresse geben, um ihre E-Mails zu checken. Sie nahmen nur den Laptop und den einen Ordner mit aus dem Büro und gingen dann wieder in den Konferenzraum zurück. Dort waren beide Geschäftsführer noch mit dem Ausfüllen des Fragebogens beschäftigt. Leni bekam, beim herein gehen, nur noch den Rest des letzten Satzes mit, den Schneider zu Johanson sagte. Und das war: „…sonst gehen wir in die Kiste.“ Ihr wurde sofort klar, dass mit Kiste das Gefängnis gemeint war. Sie sprach zu beiden: „Komme ich zu Früh, oder brauchen sie noch mehr Zeit um sich abzusprechen. Also meine Herren, was sollen wir nicht wissen, damit sie nicht in den Knast müssen?“ Beide zuckten zusammen und Schneider sagte spontan: „Sie haben mich aber erschreckt.“ Leni: „Nur den der Angst hat, oder ein schlechtes Gewissen hat, kann man erschrecken. Nun was ist? Was wollen sie uns verschweigen?“ Johanson antwortete: „Nichts Frau Kommissarin.
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