„Ach, weißt Du, ich bin eigentlich ganz glücklich, dass ich von dem Laden nichts mehr sehe“, brummte Neureiter, sich zurücklehnend.
„Das kann ich mir vorstellen“, erwiderte ich.
„Und wie gefällt Dir die Position? Ist ein verdammt anstrengender Job, was?“
Er schaute mir direkt ins Gesicht und musterte es.
„Da hast Du recht. ... Naja, kann sein, dass ich Deine Hilfe brauche, Bernd. In einer sehr unangenehmen Sache“, begann ich.
„Oh.“ Diesmal wirkte er wirklich überrascht. „Was ist denn los?“
„Nachher“, winkte ich ab. „Erst mal interessiert mich, wie’s Dir geht. Ich hab gehört, Du hast Deinen Mercedes verkauft, stimmt doch?“
„Ja, jetzt fahre ich ein kleinbürgerliches Auto. Einen VW Typ 36 1600. Drastischer Abstieg, aber war nichts zu machen. Was Besseres konnte ich mir nicht leisten.“ Er sprach ruhig. Es wunderte mich, dass er sich mit so wenig zufriedengab.
„Aber ein BMW ist doch gar nicht mehr so teuer, oder?“ Gut gemeinte Worte, die jedoch nicht so ankamen.
„Worauf willst Du hinaus, Randy? Wird das ein Verhör?“ Neureiter hatte das Gesicht verzogen.
„Um Gottes willen, nein“, wehrte ich mit beiden Händen ab und fügte mit schwarzem Humor an: „Keine Sorge. Ich werde Dich nur gleich aufs Präsidium mitnehmen und mindestens zehn Jahre einbuchten.“
„Naja, gut. Also, vermutlich hast Du recht. Aber ein BMW? Ich weiß nicht. Nicht unbedingt der Wagen, den ich mir kaufen würde“, sagte er schließlich.
„Aber Du erinnerst Dich doch noch an den Fall vor drei Jahren?“
„Von vor drei Jahren“, verbesserte er mich. Eine Macke seinerseits, die manchmal nervig werden konnte.
„Ja, sicher. ... Du warst ja schon immer ein Perfektionist in Grammatik.“ Reine Wortspielerei, dachte ich nichtsdestotrotz.
„Wir hatten vor drei Jahren viele Fälle“, befand Neureiter knapp.
„Ich meine den Mordfall mit diesem blauen Wagen. Ein BMW war’s, glaube ich.“
Neureiter versteifte sich.
„Gibt es irgendeinen Anlass, in dieser alten Geschichte herumzuwühlen?“, fragte er schließlich unterkühlt.
„Ja, den gibt es. Der blaue Wagen ist wieder aufgetaucht.“
„Ja, und?“
„Mich würde interessieren, warum der Fall damals so schnell zu den Akten gewandert ist. Ich meine, ... es war immerhin ein Mord.“
„Das ist nicht erwiesen, Ran. Es ist absolut nicht erwiesen, dass es ein Mord war. Könnte auch Selbstmord gewesen sein. An dem Gürtel befanden sich keine anderen Fingerabdrücke...“
Ich ärgerte mich etwas, schließlich war der Fall schlussendlich als Mord eingestuft worden.
„Ja, ich weiß schon. Aber trotzdem. Wie bist Du an die Identität der Frau rangekommen, Bernd?“ Eine Frage, die mich damals schon beschäftigt hatte.
„Die Identität? ... Du meinst die Identifizierung der Toten? Mir wurden anonym das Foto und die Daten zugesandt. Als ich dann auch noch festgestellt habe, dass der Wagen auf den Namen der Frau zugelassen war, war die Sache für mich klar.“
Und das kam Dir nicht komisch vor? Ein Gedanke, den ich nicht unterdrücken konnte. Es schien, als wollte Neureiter noch etwas sagen, aber er schwieg plötzlich.
„Du wolltest noch was sagen, Bernd?“ Ich warf ihm einen fragenden Blick zu.
„Ach, es ist bestimmt nicht mehr wichtig, aber wenn du’s trotzdem hören möchtest, gut. Ich hab’s niemandem erzählt, aber Dir als altem Freund kann ich es ja wohl erzählen, was? Also: Ich bin von höchster Stelle darauf hingewiesen worden, nicht weiter in der Sache zu ermitteln. Und ich würde Dir raten, das auch nicht zu tun. Es gibt Leute, denen man lieber nicht begegnet, und man vergisst sie auch so schnell nicht wieder, wenn man ihnen begegnet ist.“
So war das also, dachte ich. Doch ich musste zugeben, die Antwort befriedigte mich nicht sehr.
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