Tom Bleiring - Schattenwelten

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Duncan wächst in einem Waisenhaus nahe London auf.
Ohne Freunde, fern von jeder Wärme und Herzlichkeit, lebt er dort still für sich dahin.
Erst kurz vor seinem 18ten Geburtstag wird er von einem wohlhabenden Geschäftsmann adoptiert.
Anfangs wähnt sich Duncan noch im 7ten Himmel, doch bald schon findet er heraus, daß hinter der Fassade des biederen Geschäftsmannes mehr steckt.
Der junge Mann entschließt sich zur Flucht aus seinem neuen Heim, womit er aber eine Reihe von Geschehnissen in Gang setzt, die ihn schnell an allem zweifeln lassen, was er bisher für normal gehalten hat.
Sein Weg führt ihn direkt in die Schattenwelt…

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Noch nicht , << flüsterte jemand, doch außer Duncan schien niemand die Worte gehört zu haben. >>Vielen Dank, Mr. Miller, aber ich stehe lieber, < >>Wie du möchtest, << sagte dieser und lachte dabei, >> aber nenn mich nicht Mister Miller. Jonathan genügt völlig. Andernfalls käme ich mir doch sehr alt vor. << Selbst Duncan schmunzelte, ebenso wie Mr. Miller und Miss Piper, doch Mrs. Carver schien dieser Aufforderung nichts abgewinnen zu können. >>Unsere Kinder sind so erzogen, in Gegenwart von Erwachsenen oder Höhergestellten zu stehen und zu schweigen, << teilte sie ihren Gästen mit. >>Die Papiere sind vollkommen in Ordnung, Mister Miller, << verkündete Miss Piper und unterbrach damit die eisige Stille, die nach Mrs. Carver’s letzter Bemerkung eingetreten war. >>Sehr schön, << sagte Mister Miller und nahm ihr den Stapel aus Dokumenten ab. >>Und, Duncan ? Erzählst du uns etwas von dir ? << Diesmal kam die Aufforderung von Miss Piper, die ihm dabei wieder eines ihrer besonderen Lächeln schenkte. >>Es gibt nicht sehr viel, was ich über mich erzählen könnte, << sagte er. >>Man hat mich in einer Silvesternacht vor fast achtzehn Jahren vor der Pforte dieses Waisenhauses ausgesetzt. Ich war wohl kaum mehr als ein paar Stunden alt, wie Mrs. Carver mir erzählte. Es kam niemals jemand, um sich nach mir zu erkundigen. Nur ein kleines Pappschild lag bei mir, auf dem mein Name geschrieben stand. << >>Sonst war da nichts weiter ?, << hakte Mr. Miller nach. >>Nein, nichts weiter, < >>Traurig, traurig, < >>Aber ich bin mir sicher, dass es dir bei uns auf jeden Fall gefallen wird. << Mrs. Carver schien aus einer Art Starre zu erwachen, denn sie beugte sich vor und fragte : >>Sie wollen also Duncan adoptieren? << >>Natürlich, << erwiderte Mr. Miller, als könne es bei dieser Frage gar keine zwei Meinungen geben. >>Der Junge sollte also seine paar Sachen zusammen packen, denn ich möchte ihn heute noch mitnehmen. Das stellt doch kein Problem dar, oder etwa doch ? << >>Selbstverständlich nicht, << antwortete Mrs. Carver, und ein Ausdruck von Erleichterung huschte über ihr altes Gesicht. >>Geh und pack deine Habseligkeiten, Duncan. Mr. Miller und ich klären nur noch die Details, dann sagen wir Lebewohl. << Zum ersten Mal sah er ein freundliches Lächeln auf den Gesichtszügen seiner Heimleiterin, was Duncan im ersten Moment irritierte, doch dann kam er der Aufforderung nach und kehrte in sein Zimmer zurück. Dort warf er rasch seinen wenigen persönlichen Besitz in einen zerschlissenen Seesack, den er vor Jahren auf dem Speicher gefunden hatte, vergaß auch seinen Teddy nicht dabei und wollte dann schleunigst zurück ins Erdgeschoss eilen, doch Lee versperrte ihm den Weg. Mit verweinten Augen blickte sie ihn an, umarmte ihn dann und drückte ihn fest an sich. Schluchzend flüsterte sie: >>Vergiss mich nicht, Duncan, egal wohin du gehst. << Dann ließ sie ihn los und eilte davon. Duncan blieb einige Augenblicke wie angewurzelt stehen, denn in seinem Inneren schien sich gerade ein großes schwarzes Loch zu öffnen. Er würde von hier fortgehen, dachte er zuerst, doch dann gesellte sich ein zweiter Gedanke hinzu. Du musst Lee Ann zurücklassen. Erst jetzt, in der Stunde des Abschieds, begriff Duncan die ganze Tragweite und Bedeutung dieses kurzen Satzes. Er war mit ihr groß geworden, sie war fast eine Schwester für ihn. Es gab niemanden sonst, dem er so bedingungslos vertrauen konnte. Ein besonderes Band schien sie immer miteinander verbunden zu haben. Doch jetzt musste er sie zurücklassen. Jemand rief von unten aus nach ihm, und das sehr energisch. Benommen ging Duncan hinab in die Empfangshalle, wo Mrs. Carver mit seinem neuen Vater bereits wartete. >>Alles in Ordnung , mein Sohn ?, << fragte Mr. Miller. Duncan nickte und lächelte nur, denn ein Klos im Hals hinderte ihn am Sprechen. Du hast ihr etwas versprochen, schoss es ihm durch den Kopf. Miss Piper, die gerade durch die Tür treten wollte, blieb abrupt stehen, so dass Duncan gegen sie prallte. Sie wandte sich ihm nicht zu, doch er hörte klar ihre Stimme sagen: >> Versprechen muss man halten . << Dann setzte sie ihren Weg fort. Duncan blieb wie angewurzelt stehen. Hatte Miss Piper das wirklich gerade gesagt? Aber wie wusste sie davon? Er hatte Lee Ann ihr gegenüber doch mit keiner Silbe erwähnt. >>Ist noch irgendetwas ?, << hörte er seinen neuen Dad hinter sich fragen . Duncan schüttelte den Kopf und trat in den kalten, aber sonnigen Herbstmorgen hinaus. Die Fahrt dauerte fast zwei Stunden. Duncan blickte immer wieder neugierig durch die getönten Scheiben hinaus und betrachtete die vorbeiziehende Landschaft. Er war noch nie außerhalb von Waltham Abbey gewesen und kannte das Land und die Orte, durch die sie fuhren, höchstens vom Namen her. Als sein Magen nach einer Weile laut zu knurren begann, hielten sie an einem Restaurant, in dem sie ein verspätetes Frühstück aßen, bestehend aus Burgern, Fritten und Cola. Miss Piper steuerte den Wagen sicher durch den stärker werdenden Verkehr, hinein in das Verkehrschaos von London. Vor ihnen wuchs die Metropole, aus kleinen Häusern der Vorstadt wurden gewaltige Türme aus Stahl und Glas. Menschenmassen drängten sich auf den Gehsteigen und an den Zugängen zur Londoner U-Bahn. Mister Miller saß während der Fahrt stumm neben Duncan und arbeitete an seinem Laptop. Nur hin und wieder sah er auf und schenkte Duncan ein aufmunterndes Lächeln. Als sie am Parlamentsgebäude vorbei fuhren, presste der junge Mann seine Nase gegen die Fenster, um wirklich alles sehen zu können. Miss Piper quittierte seine kindliche Neugier mit einem amüsierten Lächeln und lenkte den Wagen an den Straßenrand. >>Na los, spring raus und guck es dir genau an, << sagte sie. Mister Miller öffnete die Tür und stieg vor ihm aus. Zusammen überquerten sie die Westminster Bridge und blickten auf Big Ben und das imposante Parlamentsgebäude. >>Interessant, nicht wahr ?, << fragte Mister Miller. >>Ich kenn das alles nur von Bildern aus den Büchern im Waisenhaus, << erwiderte Duncan und bestaunte weiter die prächtigen Gebäude. >>Können wir das dort mal besichtigen, Mister Miller ?, << fragte Duncan schließlich. >>Nur, wenn du mich Jonathan oder Dad nennst, << antwortete dieser freundlich. Duncan nickte. >>Okay, Jonathan,<< sagte er. Dieser klopfte ihm wieder auf die Schulter, doch diesmal verspürte Duncan nichts. Dann wandte sich sein neuer Dad einem Zeitungsverkäufer in der Nähe zu, kaufte eine Tageszeitung und kehrte langsam zum Auto zurück. Duncan blieb noch einige Augenblicke und sog den faszinierenden Anblick in sich auf, dann aber eilte er Jonathan nach und sprang in die Limousine, als sich gerade ein Polizist dem Fahrzeug nähern wollte. Miss Piper fuhr abrupt an und fädelte sich mühelos in den dichten Verkehr wieder ein. Besorgt blickte Duncan zu dem kleiner werdenden Bobby zurück, doch Jonathan sagte: >>Der würde uns nicht behelligen, wenn er wüsste, wer in diesem Auto sitzt. << Duncan blickte ihn an und fragte: >>Was genau machst du überhaupt beruflich? << Sein Dad kratzte sich am Kinn und legte die Zeitung neben sich ab. >>Das ist schwer zu beantworten, denn ich beschäftige mich mit sehr vielen Dingen. Mit lukrativen Geschäften, aber auch mit karitativen Dingen. << >>Mrs. Carver sagte mir, dass du ein Industrieller wärst, << warf Duncan ein. Jonathan sah ihn etwas verblüfft an, dann aber nickte er langsam. >>Ja, in gewisser Weise bin ich das, wenn auch nicht ausschließlich. Ich bin, wie schon gesagt, in vielen Bereichen aktiv. Aber darüber werden wir uns später unterhalten, wenn ein geeigneter Moment gekommen ist. Denn ich schätze mal, du möchtest zuerst dein neues Zuhause begutachten. Duncan sah nach draußen und erkannte gerade noch, wie sie eine Toreinfahrt passierten und vor einer kleinen Villa hielten, die ringsum von Bäumen umgeben war. Ohne eine Aufforderung abzuwarten öffnete er seine Tür und stieg aus dem Auto. Feiner grauer Kies knirschte unter seinen Schuhen, doch von dem erwarteten Stadtlärm war hier nichts zu hören. Wohltuende Ruhe umgab das kleine schmucke Gebäude und den Park, der es umgab. >>Willkommen in deinem neuen Zuhause, Duncan, << sagte Miss Piper, als sie an ihm vorbei und die Treppe hinauf zur Eingangstür ging. Die kleine Villa war weiß getüncht worden, schimmerte leicht im Licht der Herbstsonne und wirkte gut in Schuss. Nirgends bröckelte Putz ab oder zeigten sich Wasserflecken an der Fassade. Jonathan war seiner Sekretärin gefolgt, stand nun im Eingang und rief ihn zu sich. Duncan konnte seinen Blick kaum von dem schönen Haus und der herrlichen Parkanlage abwenden, doch folgte er Jonathan langsam in den Flur. Dieser hatte gerade seinen Mantel an einen Haken gehängt und griff nun nach einer kleinen schwarzen Karte, auf der mehrere rote Knöpfe zu sehen waren. Es piepte leise, dann aber brach es aus allen Ecken des Hauses hervor. Wummernde Bässe ließen Duncan erschrocken zusammen fahren, denn solche Musik hatte er noch nie gehört. Aus dem Waisenhaus kannte er nur die Musik, die Mrs. Carver stets zu hören gewillt war. Mozart, Bach, Beethoven und Händel, damit war er aufgewachsen. Diese Art moderner Musik und ihre pure Lautstärke jagten ihm einen gehörigen Schrecken ein. Jonathan lachte und trat zu ihm heran. >>Das hilft mir beim Entspannen, << rief er ! >>Im Ernst ?, << erwiderte Duncan zweifelnd . Jonathan nickte und verschwand in einem Raum, der neben dem Flur lag und scheinbar sein Büro war, denn Duncan konnte einen großen dunklen Schreibtisch erkennen. Miss Piper erschien wieder und blieb vor dem neuen Hausbewohner stehen. Mit einem Ausdruck von Unmut im Gesicht betrachtete sie Duncan’s Anzug und schüttelte den Kopf. >>Das geht überhaupt nicht,<< verkündete sie schließlich. Sie trat an die Tür des Büros und sagte: >>Sir, was der junge Mann an Kleidung mitführt ist definitiv unangemessen. Wenn sie gestatten, dann würde ich gern mit ihm in die City fahren und ein paar Einkäufe erledigen.<< Jonathan erschien neben ihr, blickte Duncan mit kritischem Blick an und nickte dann nur. Miss Piper trat zu ihm und schob ihn mit sanftem Nachdruck wieder hinaus auf den Hof. >>Wir werden wohl Harrods und einige andere Läden aufsuchen müssen, um aus dir einen echten jungen Gentlemen machen zu können, << sagte sie und öffnete die Zentralverriegelung der Limousine per Fernbedienung. Duncan hatte nur mit halbem Ohr zugehört, denn er hatte ein neues Detail im eh schon herrlichen Garten des Hauses ausgemacht. Einige Meter von ihm entfernt sah er einen Rosenstrauch, der fast so groß wie er selbst war. Und dieser trug noch immer Blüten, und zwar Blaue. >>Ist das alles ein Traum ?, << fragte er und deutete auf den Busch, das Haus und alles um sich herum. Miss Piper’s Lächeln verschwand für einige Sekunden, kehrte dann aber umso strahlender zurück, als sie antwortete: >>Alles hat natürlich seinen Preis, aber das soll nicht deine Sorge sein. Steig ein und lass uns durchstarten. << Duncan sprang sofort zum Wagen und nahm auf dem Beifahrersitz Platz. Während der Fahrt in die Innenstadt beobachtete er Miss Piper, denn sie schien so etwas wie ein Kindermädchen für ihn zu sein. Sie mochte wohl Ende Zwanzig sein, auch wenn ihre Augen etwas anderes behaupten mochten. Sie hatte ihr nussbraunes Haar zu einem Dutt gebunden und trug, soweit Duncan das feststellen konnte, kein Makeup. Sie war recht attraktiv, auf ihre besondere Art und Weise. >>Man kann Menschen auch beobachten, ohne sie anzustarren, << sagte Miss Piper plötzlich. Duncan spürte, wie ihm die Schamesröte ins Gesicht stieg und blickte sofort durch das Fenster nach draußen. Miss Piper lachte. >>Das muss dir nicht peinlich sein, immerhin kennst du mich ja noch nicht sehr lange. Aber wenn du das bei anderen Frauen so machst, könnten die sich vielleicht belästigt vorkommen. Irgendwann wirst du lernen, mit einem Blick Menschen genau betrachten zu können. Dann wird dieses heimliche Starren nicht mehr nötig sein. << >>Mit nur einem Blick ?, << fragte Duncan ungläubig. Miss Piper nickte und lächelte. >>Du bist nicht oft aus dem Waisenhaus raus gekommen, oder ?, << sagte sie nach einer Weile . >>Zur Messe, am Sonntag. Und im Sommer haben wir einen Ausflug gemacht, jedes Jahr. << Duncan blickte weiter aus dem Fenster und beobachtete die Menschen am Straßenrand. >>Arbeiten sie schon lange für meinen Dad ?, < >>Oh, schon seit sehr langer Zeit, << erwiderte sie. >>Und es ist schön, dass du ihn schon Dad nennst. Ich hätte gedacht, dass du mehr Zeit brauchen würdest. Er ist ein feiner Kerl, aber er hat seine Eigenheiten. Aber die wirst du schnell herausfinden. Es wird sich einiges für dich ändern, Duncan, das kannst du mir glauben. << >>Wie meinen sie das, Miss Piper ? << Duncan hatte einen seltsamen Unterton in ihrer Stimme vernommen und wollte es nun genauer wissen, doch Miss Piper ging auf seine Frage nicht ein. Stattdessen fragte sie : >>Vermisst du die anderen Kinder im Heim ? << Das Bild von Lee Ann rückte vor Duncan’s inneres Auge und er spürte einen Stich in der Magengegend. >>Nein, << log er. >>Aha,<< erwiderte Miss Piper und lenkte den Wagen auf einen Parkplatz. >>Wir müssen noch ein kleines Stück zu Fuß gehen, << sagte sie und zog den Schlüssel aus dem Zündschloss. >>Du kannst mich Piper nennen, wie die meisten. Miss klingt so förmlich, und außerdem bin ich nicht verheiratet. Ich nenne dich dann auch nicht Mister Dafoe, in Ordnung ?<< Sie hielt Duncan die Hand hin, in die der junge Mann sofort einschlug. >>Abgemacht, << sagte er . Zusammen stiegen sie aus dem Auto und machten sich auf den Weg zum Kaufhaus Harrods. Obwohl es noch früh am Tag war, hatte sich das Kaufhaus schon mit Menschen gefüllt. Staunend ging Duncan durch die Gänge und betrachtete die Auslagen. Nie zuvor war er in einem Kaufhaus gewesen, erst recht in keinem, das so groß war wie dieses. Hier schien es fast alles zu geben, was das Herz höher schlagen ließ. Piper zog ihn hinter sich her und führte ihn in die Abteilung für Herrenmode, wo sie von einem elegant gekleideten Verkäufer in Empfang genommen wurden. Er lauschte einige Minuten Piper’s Worten, ehe er zwei weitere Herren zu sich rief und ihnen auftrug, gewisse Kleidungsstücke für den jungen Gentlemen und seine Begleitung zu holen. Piper schien dem Verkäufer keine Unbekannte zu sein, denn er erkundigte sich höflich nach dem Befinden von Mister Miller. Es gelang Duncan kaum , ihrem Gespräch zu folgen, doch als der Verkäufer erfuhr, dass es sich bei dem jungen Mann um den Sohn von Jonathan Miller handelte, lächelte er noch freundlicher und half Duncan sogar dabei, einen teuren Anzug anzuprobieren. >>Exzellent, << verkündete er, als Duncan sich ihm und Piper präsentierte. >>Ein Gentlemen durch und durch. Dieser Anzug steht ihnen wirklich, junger Freund. Wie gemacht für sie, wenn ich mir dieses Kommentar erlauben darf. << >>Er kneift etwas, << brummte Duncan. Der Verkäufer wurde blass, trat näher und untersuchte den Anzug genau. >>Und dabei entspricht er genau ihren Maßen, Sir, << sagte er und wirkte dabei regelrecht fassungslos. >>Wo genau, wenn ich fragen darf…sitzt er nicht richtig ?<< Duncan warf Piper einen hilflosen Blick zu, den diese sofort verstand und sich schmunzelnd zurück zog. >>Etwas weiter unten, wenn sie verstehen, << flüsterte Duncan dem Verkäufer erleichtert zu, woraufhin dieser milde lächelte und nichts weiter dazu sagte. Duncan probierte danach noch einige perfekt geschneiderte Anzüge an, entschied sich für Drei und wurde dann von Piper mit Shirts, leichten Hosen und Straßenschuhen eingedeckt. Als er nach fast vier Stunden mit ihr das Kaufhaus verließ, trug er sechs große Tüten mit sich. Piper hatte sich die Anzüge gegriffen und bedachte Duncan mit einem bewundernden Blick. >>Chic und sehr flott, das muss ich schon sagen. Wenn du etwas älter wärst, dann wärst du genau mein Typ von Mann. << Duncan spürte, wie sein Gesicht heiß wurde, doch Piper lachte und stieß ihm den Ellenbogen in die Rippen. Vor einem großen Schaufenster verharrte Duncan und blickte auf das Logo. >>Ein Apfel ?, << fragte er. >>Sieht ein bisschen seltsam aus, oder ?<< Piper zuckte mit den Schultern und zerrte ihn in das Geschäft. Nach einer Viertelstunde verließ er das Geschäft wieder, nun als Besitzer eines modernen Handys und eines ultrakleinen Musicplayers. >>Und woher bekomme ich die Musik dafür? << wollte er von Piper wissen. >>Das erkläre ich dir zu Hause, << antwortete sie und zog ihn in ein Schuhgeschäft. Duncan stöhnte, als er die zahllosen Modelle in den Regalen sah, denn er hatte schon bei Harrods etliche Paare anprobieren müssen. Dann aber fiel ihm auf, dass es sich ausschließlich um Damenschuhe handelte. Beklommen verkroch er sich in eine Ecke des Ladens, während Piper nun ihren Kaufrausch auslebte. >>Schuhe sind für Frauen von Welt das A und O, merk dir das, << teilte sie ihm mit. Duncan nickte, wagte jedoch in Gegenwart so vieler Frauen kaum aufzusehen, geschweige denn , etwas zu erwidern. Es war ihm nicht unrecht, als er schließlich den Laden verlassen konnte. >>Bleib dicht bei mir, << sagte Piper, >> in diesem Gedränge verliert man sich schnell aus den Augen. Ich will nicht ganz London nach dir absuchen müssen. << Als sie schließlich zur Mittagszeit heimkehrten, war Jonathan nicht mehr da. Also war es an Piper, Duncan sein neues Zimmer im Hause Miller zu zeigen. Und dieses Zimmer kam ihm vor wie ein Palast im Vergleich zu der Kammer, die er im Heim bewohnt hatte. Ein dunkelroter weicher Teppich bedeckte den Boden und ließ ihn wie auf Wolken gehen. Zwei große Fenster ließen viel Tageslicht herein, statt es auszusperren. Und sein Bett war keine Pritsche mehr, sondern ein bequemes und großes Nachtlager. Voll von überbordender Freude warf er seine Einkaufstüten zu Boden und sprang, mit dem Rücken voran, auf das Bett. Die Federung war weich und hervorragend, denn es schleuderte ihn wieder empor, so dass er auf den Boden fiel. Lachend rappelte er sich wieder auf und öffnete seinen Kleiderschrank, der sich in der Wand befand. Neben dem Fenster stand ein Schreibtisch, dessen schwarze Glasplatten im Tageslicht glänzten. Darauf standen ein noch verpacktes Notebook und ein schnurloses Telefon. Auf dem Karton lag eine Nachricht von Jonathan: Lieber Duncan, ich hoffe doch, dein neues Domizil gefällt dir. Es ist dein Reich von heute an, niemand wird es ohne deine Erlaubnis betreten. Richte dich ein, wir sehen uns heute zum Abendessen Jonathan Duncan setzte sich an seinen Schreibtisch und packte das Notebook aus. Dann lehnte er sich zurück und starrte aus dem Fenster, hinauf zum Himmel. Ein Märchen war wahr geworden, jedenfalls für ihn. Niemals hätte er zu träumen gewagt, in solch ein nobles Haus zu kommen. Hier bekam er scheinbar alles, was ein junger Mann seines Alters in London haben musste. Zumindest, wenn er sich in den Kreisen bewegte, in denen sich Jonathan Miller bewegte. Es konnte eigentlich nur ein Traum sein, dachte er im Stillen und betrachtete seine neuen Kleidungsstücke und Geräte. Es klopfte an der Tür, und als Duncan sich umdrehte, stand dort Piper und wartete. >>Gefällt es dir ?, << erkundigte sie sich schließlich. >>Es ist echt der Wahnsinn, << rief Duncan und breitete die Arme aus. >>Ich kann kaum glauben, dass das alles jetzt mir gehören soll. Ist meine Mom zu Hause ? Ich würde ihr sehr gern danken für all das .<< Piper verzog das Gesicht und pfiff dabei. >>Naja, Duncan, das ist ein bisschen kompliziert, << erwiderte sie verlegen. >>Und warum ?, << erkundigte er sich . >>Weil es keine Misses Miller gibt, << antwortete Piper achselzuckend. >>Jonathan hat sie erfunden, weil er wusste, dass man ihm nie eine Adoption bewilligt hätte, wenn er nicht verheiratet wäre. Er mag viel Geld haben, aber selbst das ist nicht immer hilfreich. Es gibt da eben gewisse bürokratische Hürden, die selbst Jonathan Miller nicht beseitigen kann. Ich hoffe, du bist nicht zu sehr enttäuscht ? << Duncan war tatsächlich überrascht, aber nicht enttäuscht, wie er feststellen musste. Dann war es eben ein Männerhaushalt, na und ? Was machte das schon ? Ihm ging es hier gut, er würde auch ohne eine Mutter gut zurechtkommen. >>Das ist schon okay, << sagte er. Piper schien erleichtert aufzuatmen, deutete auf das neue Notebook und fragte: >>Darf ich reinkommen und dir beim Einrichten helfen? << >>Klar, komm ruhig rein, << erwiderte Duncan und schob den leeren Karton unter seinen Schreibtisch. Piper nickte und trat zu ihm. >>Mit dem Ding kannst du dir die Musik aus dem Internet laden, wenn du möchtest. Ich schließe schnell alles an für dich. << Duncan, dankbar für ihre Hilfe, erhob sich von seinem Stuhl und ließ Piper darauf Platz nehmen. Er wusste, dass sie beide gute Freunde werden würden. Als Jonathan am Abend heimkehrte, hatte Duncan bereits das Haus erforscht. Es gab eine kleine Bibliothek mit vielen alten Büchern, deren Titel der junge Mann nicht lesen konnte, weil sie in ihm unbekannten Sprachen geschrieben waren. Daneben lag ein Wohnraum, der fast völlig von einem großen Billardtisch eingenommen wurde. Allein im Erdgeschoss fanden sich zwei Badezimmer, in der ersten Etage ebenfalls. Dort hatte auch Jonathan seine Privaträume, die allerdings verschlossen waren. Und dort befand sich auch ein Fernseh- und Musikraum, in dem sich nicht nur ein enorm großes TV-Gerät fand, sonder auch die HiFi-Anlage, die das ganze Haus beschallte. Als Duncan zum Abendessen die Treppe hinab kam, traf er Jonathan vor dessen Büro. >>Wie war dein Einkaufsbummel in der Stadt ?, << fragte er . Duncan erzählte ihm von seinen Erlebnissen und von seinen neuen Gerätschaften. Staunend begutachtete Jonathan den MP3-Player, den Duncan inzwischen mit Musik bespielt hatte. >>So einen hätte ich auch gern gehabt, << beklagte er sich bei Piper. >>Wozu sollten sie denn so ein Ding benutzen, Sir ?, << fragte sie . >>Sie haben zwischen all ihren Terminen doch kaum Zeit zum Essen. Wann wollen sie denn da noch Musik hören? << Jonathan gab es sofort auf, sich weiter zu beschweren und setzte sich an den Esstisch. >>Ich habe uns etwas vom Chinesen kommen lassen, << verkündete Piper und trug ein Tablett herein, auf dem mehrere dampfende Schachteln standen, in denen sich Nudeln befanden. >>Miss Piper, << sagte Jonathan in strengem Tonfall, >> ich wollte den ersten Abend mit unserem neuen Familienmitglied gebührend feiern. Fast Food vom Chinarestaurant gehörte da irgendwie nicht mit hinein. Ich muss mich doch schon sehr wundern. << Piper strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und erwiderte: >>Sir, ich bitte um Entschuldigung, aber wenn sie genaue Vorstellungen gehabt haben, dann hätten sie diese auch mitteilen können. Ich hätte dann alles nach ihren Wünschen herrichten lassen können. So aber müssen wir uns mit diesem Mahl zufrieden geben. << Sie ließ sich auf einen freien Stuhl sinken und griff nach den Nudeln. >>Also ich find das Essen klasse, << sagte Duncan. Gierig schlang er die Nudeln in sich hinein und hatte schnell seine zweite Packung aufgegessen, während Jonathan und Piper noch nicht einmal ihre erste Portion geschafft hatten. Satt und rundum glücklich lehnte er sich zurück. >>Du isst wie ein Scheunendrescher, << bemerkte sein Dad mit einem Hauch von Missfallen in der Stimme. >>Du bist doch nicht etwa noch am Wachsen? Wenn dem so ist, dann kannst du demnächst schon wieder einkaufen gehen, weil dir deine ganzen Sachen nicht mehr passen. << >>Ich würde gern auf mein Zimmer gehen, << erwiderte Duncan und unterdrückte mit Mühe ein Gähnen. >>Du brauchst nicht extra zu fragen, << antwortete Jonathan sofort. >>Wenn du müde bist, dann geh ruhig ins Bett. Du hast einen anstrengenden Tag hinter dir. Ich wünsch dir eine gute Nacht. Ich muss nachher noch im Büro arbeiten, also wundere dich nicht, wenn du unter deinem Zimmer etwas hören solltest. Da liegt leider mein Arbeitszimmer. << Duncan bedankte sich für das Abendessen und wünschte eine gute Nacht, ehe er sich in sein Zimmer zurückzog. Dort zog er seine neuen Klamotten aus und schlüpfte in den Pyjama, den er bei Harrods gefunden hatte. Schlapp und müde ließ er sich auf sein Bett fallen, doch innerlich war er noch zu aufgeregt, um sofort einschlafen zu können. In Gedanken ließ er den Tag und die Geschehnisse nochmals Revue passieren. Wenn man es genau nahm, war er in den sprichwörtlichen Glückstopf gefallen. Er hätte auch in einer Familie landen können, in der man nicht so freundlich und großzügig zu ihm gewesen wäre. Bei den Heimkindern kursierten jede Menge Gerüchte über solche Unglückskinder. Wenn er es nicht besser gewusst hätte, dann hätte dies auch alles ein großer Traum sein können. Gut, es gab keine Misses Miller, aber das konnte er verkraften. Und es gab einiges in seinem neuen Zuhause, dass er noch nicht erkundet und gesehen hatte, doch dafür blieb ihm ja noch genug Zeit. Vermutlich würde man ihn eh auf ein Internat schicken, damit er später studieren konnte. Das Heim hatte ihm eine profunde und sehr umfassende Schulausbildung zukommen lassen, doch er musste ja irgendwann auch einen Job suchen, ob er nun der Adoptivsohn von Jonathan Miller war oder nicht. Während er so über seine Zukunft nachgrübelte, fielen ihm schließlich die Augen zu und er schlief ein. Mitten in der Nacht wurde er durch ein Geräusch geweckt. Zuerst dachte er, er wäre wieder im Waisenhaus, doch dann spürte er die weiche Matratze unter sich, das Federkissen und die wohlig warme Bettdecke und erinnerte sich wieder. Schlaftrunken schob er die Decke zur Seite und ließ die Beine über die Bettkante baumeln. Hatte er sich das Geräusch nur eingebildet? Duncan lauschte angestrengt in die Stille des Hauses. Nach einigen Minuten absoluter Ruhe gestand sich Duncan ein, dass er wohl nur geträumt hatte, wälzte sich zurück in sein Bett und griff schon nach der Bettdecke, als er ein leises Stimmengemurmel vernahm. Aha, dachte er, hab ich es mir also doch nicht eingebildet. Er stand erneut auf und lauschte im Zimmer herum, bis er schließlich unter seinem Schreibtisch eine Gitterklappe ausmachte, von der die Geräusche her in den Raum drangen. Auf Zehenspitzen schlich er sich heran, hockte sich auf den Boden und versuchte, das Gemurmel zu verstehen, welches dort aus dem Lüftungsschacht kam. Er erkannte die Stimme von Jonathan, der sich scheinbar mit jemandem unterhielt. >>Wir haben den Jungen in unsere Obhut bringen können, << sagte er zu seinem Gesprächspartner. >>Читать дальше
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