Als Marvin verschwunden war, ließ Damian sich nach hinten fallen und blickte an die Decke. Ein paar seiner viel zu langen Harre hingen ihm noch immer im Gesicht und ich streifte sie zur Seite. Noch immer glänzte das Kreuz an seinem Ohr, welches für mich noch immer ein Mysterium war – wie so vieles an ihm. Seine Augen richteten sich auf mich, nachdem ich meine Hand auf seine Wange legte. „Ich dachte du kannst ihn nicht leiden? Wieso bist du nicht einfach froh darüber, dass er gerade angefangen hatte mich zu hassen. Jetzt wird er über deine Worte nachdenken und später bestimmt wieder mit mir reden. So wirst du ihn nie loswerden“, bemerkte ich und hob meine Augenbrauen. „Ich kann ihn nicht leiden, dass stimmt zwar aber er hat dich verletzt und das wird er auch weiterhin, wenn er es nicht einsieht und anfängt es zu akzeptieren. Aus Hass wächst nur weiterer Hass, der dich irgendwann alles zerstören und vernichten lässt.“
„Wieso habe ich das Gefühl, dass du von John sprichst?“
„Was sollte das bitte schön mit John zu tun haben?“, leugnete er und richtet sich wieder auf. „Der Kerl interessiert mich kein bisschen und dich auch nicht. Jedenfalls nicht als meine Lady.“ Nur leider wirkte er für mich kein bisschen so, als wäre John ihm egal. Seine Mutter hatte wohl tatsächlich recht. Ich musste verhindern, dass Damian auf John traf und die beiden gegeneinander kämpften. Ich musste es schaffen ihn friedlich hierher zu bekommen.
In der Hoffnung, dass dieser mysteriöse Brief tatsächlich diese Macht besaß, glitt ich vom Bett herunter. Ich durfte keine Zeit mehr verlieren. „Wo willst du hin? Es ist noch nicht einmal neun! Vor dem Frühstück lass ich dich hier nicht weg“, bestimmte Damian und wenn er sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann gab es auch kein Pardon.
Nachdem ich daher mit ihm frühstücken musste, gab er mir sogar tatsächlich mein Handy zurück. Endlich! Dafür hätte ich ihn eigentlich noch länger schmollen lassen sollen. Aber er gab sich wirklich Mühe dabei, sich zu ändern und dazu gehörte auch, mir meinen Freiraum zu lassen. In meinem Zimmer wählte ich sofort die Nummer von Nicki, die bereits ein dutzend Mal versucht hatte, mich anzurufen.
„Meine Güte du lebst ja noch? Das ist ja wirklich der Wahnsinn“, erklang ihre sarkastische Stimme am Telefon, ohne ein Hallo oder andere Höflichkeiten. Ich konnte es ihr auch schlecht verübeln. „Hör mal, können wir uns treffen? Dann reden wir und ich erkläre dir alles.“
„Das musst du auch! Marvin hat mich nur kurz auf den neusten Stand der Dinge gebracht und ich habe eine Menge Fragen an dich.“ Sie klang tatsächlich ziemlich wütend, allerdings wusste ich auch, dass mir Nicki nie wirklich lange böse sein konnte. „Deine alte Adresse?“, fragte ich sie, während ich mich in meine Jacke zwängte, was mit einem Arm nicht ganz so einfach war, als gedacht. „Ja, dass selbe Haus, dass selbe Chaos.“ Ich lachte kurz, verstummte dann aber als mir auffiel, wie schwer es für sie im Moment sein musste. Früher hatten wir uns immer über Tom lustig gemacht aber nun … Im Haus herrschte wohl noch immer das Chaos der Renovierungsarbeiten. Tom hätte eigentlich noch so vieles machen müssen. Mal abgesehen von der Küche, fehlten im Bad noch ein paar Anschlüsse. Die Wände mussten noch gestrichen und das Laminat in einigen Zimmern verlegt werden. Generell gab es in wohl jedem Raum noch ein paar Baustellen. Und nun war er tot und sie schwanger. Ich fühlte mich wirklich schlecht, dass ich nicht für sie da gewesen war. Ich, als ihre vermeintlich beste Freundin. „Ich bin sofort da“, bestätigte ich ihr und legte auf. Ich würde ihr erzählen müssen, dass Damian mich festgehalten hatte. Ich will und würde sie nicht mehr anlügen.
Bevor ich das Zimmer und dieses Haus endlich verlassen konnte - worauf ich seit über zwei Monaten gewartet hatte, passte Damian mich natürlich ab. Es wäre auch ein Wunder gewesen, wenn er mir nicht noch etwas zu sagen hatte, nachdem er mich nun endlich nach draußen ließ. Wie ein Fels positionierte er sich zwischen Tür und Flur. „Was ist nun wieder?“, fragte ich genervt und verdrehte die Augen „Ich habe nun wirklich keine Lust, mit dir erneut darüber zu diskutieren, warum ich nicht eingesperrt werden will.“ Damian betrachtete mich mit einem wehmütigen Ausdruck in seinen Augen, der mich weich werden ließ. Seitdem er seine Kräfte zurück hatte, war er wieder der alte und dieser Ausdruckpasste daher eigentlich so gar nicht zu ihm. „Versprich mir, dass du zu mir zurück kommen wirst.“ Ich seufzte und machte einen Schritt auf ihn zu, um ihm einen Kuss zu geben. „Du musst wirklich lernen, mir zu vertrauen. Wieso sollte ich denn nicht wieder kommen? Diese Angst ist ja ganz süß von dir, aber normalerweise würdest du jetzt so was sagen wie: Ich erwarte, dass du zu mir zurückkommst. Oder so etwas in der Art.“ Ich sagte diese Worte mit einer ruhigen und einfühlsamen Stimme, um ihn auch wirklich zu beruhigen und gehen zu können. Nicht, dass er es sich noch anders überlegte. „Ich weiß auch nicht, was mit mir los ist. Ich sagte ja, vielleicht werde ich einfach alt.“ Auf diese Antwort konnte ich nur lachen. „Wow mit 28 bist du wirklich schon mehr als alt, steinalt sogar.“ Glücklicherweise lächelte nun auch Damian und legte seine Arme um meine Taille. Ich ließ ihm diesen vorerst letzten Moment und legte meinen Kopf an seine Brust.
Doch es sollte der letzte für eine sehr lange Zeit werden.
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