„Achso, ich dachte schon Sie wären von der Polizei. Das wäre für mich auch unvorstellbar, dass Alfredo Garcia etwas verbrochen hätte, aber bei seinem Neffen weiß man nicht. Den kenne ich nicht“.
„Also, wissen Sie, wo er wohnt?“
„Ja, er wohnt in der Rua Lauterique. Die Straße ist gleich hier um die Ecke. Sein Haus ist das gelb gestrichene in der Mitte Rua Lauterique. Es ist das einzige richtig gelb gestrichene dort. Man kann es kaum verfehlen.“
„Vielen Dank, Sie haben mir sehr geholfen“, sagt Laura und spaziert mit großen Schritten in Richtung Rua Lauterique.
„Grüßen Sie Alfredo von mir“, ruft der Passant hinter ihr her. „Ich bin ...“. Laura läuft weiter ohne dessen Namen zu hören und ruft zurück:
„Mache ich, Tchau!“
Sie geht bei ihrem Auto vorbei, um sich ihre Dienstwaffe und Handschellen zu holen. Als sie in der Rua Lauterique ankommt, sieht sie schon von weitem das gelb gestrichene Haus. Langsam nähert sie sich dem Haus. Sie schaut sich in alle Richtungen um. Es halten sich keine Leute auf der Straße auf, nur zwei Häuser weiter sitzen zwei Frauen auf Campingstühlen vor der Tür. Am gelben Haus eingetroffen, prüft Laura den Namen, der am Türschild steht. Es ist korrekt: Alfredo Garcia. Mit der linken Hand drückt sie die Haustürklingel, die rechte Hand greift nach der Pistole. Die Tür öffnet sich. Es steht ein über 70-jähriger Mann vor Laura. Durch einen Schlag mit dem linken Ellbogen streckt Laura den Mann nieder. Er liegt auf dem Rücken am Boden. Laura springt auf ihn und hält ihm die Pistole an den Kopf:
„Polizei, Mordkommission. Sind Sie Pedro Garcia?“
„Nein, ich bin Alfredo Garcia der Onkel von Pedro“, antwortet der Mann mit ängstlicher Stimme.
„Wo ist Pedro?“
„Was wollen Sie von Ihm? Hat er etwas verbrochen?“
„Ich stelle hier die Fragen. Haben Sie verstanden? Wo ist dieser Pedro?“ fragt Laura drohend.
„Er ist im Badezimmer unter der Dusche.“
„Bleiben Sie am Boden liegen und geben keinen Ton von sich!“ befiehlt Laura und steht auf.
Sie schaut sich um, da hört sie auch schon das Geräusch der Dusche. Die Badezimmertür ist geschlossen. Es scheint sogar, dass sie von innen verriegelt ist, denn als Laura den Griff nach unten zieht und leicht dagegen drückt, öffnet sich die Tür nicht. Die Polizistin geht einen Schritt zurück. Dann tritt sie mit Schwung oberhalb des Schlosses gegen Tür, dass diese komplett aus dem Türrahmen fällt. Sie betritt das Badezimmer, dabei hält sie mit beiden Händen die Pistole, und ein Finger ist am Abzug. In der Duschkabine steht ein Mann, der sich erschreckt und schreit:
„Hilfe, Hilfe, Hilfe!“
„Was? Hilfe?“
„Ich habe leider kein Geld für Sie. Ich habe nur eine Armbanduhr, die können Sie mitnehmen. Das ist ein Erbstück meines Vaters und bestimmt sehr viel wert. Ich rufe auch nicht die Polizei. Töten Sie mich nicht. Bitte!“ fleht der Mann Laura an.
„Hör auf zu winseln, Du falscher Samariter. Ich bin von der Polizei und von der Mordkommission. Hände hoch!“
Der Mann hebt seine Hände hoch. Laura legt ihn Handschellen an. Der Mann leistet keinen Widerstand.
„Sind Sie Pedro Garcia?“ fragt Laura.
„Ja, der bin ich.“
„Sie sind verhaftet!“
„Wieso? Warum? Was habe ich verbrochen?“
Laura antwortet nicht. Stattdessen ruft sie über ihr Handy bei der Polizeizentrale an und lässt sich mit der Wache in Capão Redondo verbinden. Dort bestellt sie einen Streifenwagen, der Pedro ins nächstgelegene Gefängnis bringen soll.
Knapp eine Stunde später befindet sich Pedro schon hinter Schloss und Riegel.
Am nächsten Morgen treffen sich die drei Polizistinnen der Mordkommission und deren Chef Charly wie immer in dessen Büro, um die Lage im aktuellen Falles zu besprechen. Ausnahmsweise sind heute alle pünktlich eingetroffen. Die drei Frauen haben sich jeder eine Tasse von dem Kaffee, den ihr Chef zuvor gekocht hat, eingegossen. Als alle dann am Tisch sitzen, beginnt Charly:
„Guten Morgen alle zusammen, ich hoffe, ihr hattet ein schönes Wochenende! Über das Fußballspiel wollen wir lieber nicht reden, da gibt es bestimmt wie immer Meinungsverschiedenheiten.“
„Wieso? Ich habe die strittigen Szenen gestern Abend nochmal im Fernsehen gesehen. Da kann es keine zwei Meinungen geben“, unterbricht Naomi ihren Chef.
„Naomi, bitte jetzt nicht. Du weißt, wo das endet?“ Charly versucht, eine Diskussion über Fußball zu vermeiden.
„Ok“, willigt Naomi ein.
„Wenn Du schon reden willst, dann erzähle uns, was Du bezüglich der Prostitutionsspur herausgefunden hast“, fordert Charly Naomi auf.
„Der Zeuge behauptet, dass unser Mordopfer als Prostituierte in der Rua Augusta gearbeitet hätte. Er ist sich hundertprozentig sicher, dass es die Frau auf unserem veröffentlichten Foto ist. Angeblich nennt oder nannte sie sich dort Athena.“
„Das kennen wir doch. Immer wenn wir nach einer Frau öffentlich suchen, meldet sich irgendein Mann, der behauptet, dass er die Frau Prostituierte ist und in der Rua Augusta arbeitet“, wirft Laura ein.
„Diesmal könnte sogar etwas dran sein, denn gestern Abend und heute Morgen haben wir noch fünf weitere Meldungen von Zeugen bekommen, die das auch behaupten“, entgegnet Charly. „Naomi, erzähl mehr. Was hälst Du von dem Zeugen? Wie glaubwürdig ist er?“
„Das ist ein ganz normaler Mann. Wir haben ordentlich miteinander kommuniziert. Mehr gibt es dazu nicht zusagen“, antwortet Naomi.
„Jetzt zu Dir, Janaina. Du warst in Santana bezüglich eines Nachbarn. Erzähl uns etwas darüber!“
„Die Zeugin behauptet, dass Ihr Nachbar ein Geliebter des Opfers war. Ich konnte diesen Nachbarn leider nicht persönlich sprechen, da er nicht zu Hause war. Dafür habe ich mit einigen anderen Leuten aus der Nachbarschaft gesprochen. Die behaupten alle, dass das ganze nur eine Intrige unserer Zeugin sei, und dass sie unser Mordopfer nie dort gesehen haben. Da unsere Zeugin keine plausiblen Beweise für ihre Aussagen hat und in der Vergangenheit auch schon mehrfach diesen Nachbarn wegen anderer Delikte anzeigte, meine ich, wir müssen dieser Spur nicht mit hoher Priorität nachgehen. Aber die Entscheidung liegt bei Dir, Charly.“
„Ich stimme Dir zu, Janaina. Wir sollten dieser Sache nur nachgehen, wenn wir keine andere heiße Spur haben.“
Dann dreht sich Charly zu Laura.
„Zum Schluss zu Dir, Laura. Du hast ja eine Erfolgsmeldung, die Verhaftung unseres Hauptverdächtigen Pedro Garcia.“
„Danke Charly“, antwortet Laura stolz. „Der Kerl leugnet zwar noch die Tat, aber das kennen wir ja von anderen Tätern. Wenn wir den mal richtig bearbeiten, wird er sicherlich ein Geständnis ablegen.“
„Der Verdächtige wird noch heute Morgen hier ins Polizeipräsidium eingeliefert werden, dass wir von der Mordkommission ihn verhören können. Ich schlage vor, dass Laura und ich dieses Verhör vornehmen und Ihr beiden, Janaina und Naomi, geht der Prostitutionsspur nach. Hört Euch mal in der Rua Augusta um. Jeder startet an einem Ende der Straße, der eine an der Avenida Paulista, der andere im Zentrum. Hat jemand von Euch irgend einen Einwand?“
Keine der Frauen rührt sich.
„Dann beende ich hiermit unsere Sitzung.“
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