Mara drückt sich mit den Füßen an Johannes hoch und legt ihren Kopf auf seine Schulter. Ein Moment des Glücks liegt auf seinen Lippen.
Deine Haare riechen nach Rauch.
Maras Blick entgleist. Mit einer Hand auf dem Boden und einer auf Johannes Brustkorb, stemmt sie sich hoch. Am Horizont erheben sich drei Rauchsäulen. Der Geruch von brennenden Menschenfleisch, getragen von der warmen Morgenluft, hat etwas Endgültiges. Johannes richtet sich auf. Nur wenige Schritte den Hügel hinauf, blicken beide erneut auf die Unwürdigkeit der Seelenträger.
Die Scheiterhaufen sind zu weit weg um die Schreie der Frauen und ihrer Mörder zu hören, doch die tanzenden Flammen sind selbst im Tageslicht gut zu sehen. Ohne ihr Zutun steigt ein einzelnes Wort aus Maras Mund.
Hexen.
Jetzt morden die Christen schon vor dem ersten Stück Brot.
Johannes schließt seinen Mund und sieht zu seiner Gefährtin. Sie streicht sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und blickt nachdenklich in den dichten schwarzen Rauch.
Wie willst du sie strafen?
Wie straft man Menschen die andere verbrennen, nur weil sie die falschen Pflanzen im Wald pflücken?
Mara sammelt sich einen Moment, bevor sie antwortet.
Langsam. Jeden der einen Holzscheit gegeben, geschlagen oder angezündet hat.
Sie dreht sich schwungvoll um, dass ihre Haare den Wind, für einen kurzen Moment, bezwingen.
Ich zieh mich an.
_KAPITEL 16
_Garten // Heute Nacht
D
ie Türe schließt sich hinter dem kleinen Mädchen, das barfuß den schäbigen Garten betritt. Im Arm hält sie eine nackte Puppe mit rotem Lockenkopf. Das Kind ist erst sieben Jahre alt, doch der Engel, der sich ihrem Körper bemächtigt, ist so alt wie die Idee der Zeit. Während Kevin und Cengiz sich über Baby-Pitbullwelpen mit Schwimmflügeln streiten, beißen sich die Blicke der beiden Engel. Hinter dem Mädchen erheben sich hochmütige, für Menschen nicht sichtbare, Flügel aus gleißenden Licht. Mara würde mit der Flasche nach dem Engel werfen, doch sie würde nur das Kind treffen. Tiefschwarze Runen ziehen von ihren Schulterblättern über ihren Nacken. Das kleine Mädchen holt aus und wirft den dreien die Puppe vor die Füße. Cengiz und Kevin beenden die Schwimmflügel-Diskussion und springen beide synchron von ihren Stühlen auf. Kevin fällt fast vorne über.
Du wohnst doch nich' hier!
Bist du weggelaufen?
Hat dir jemand wat getan?
Wir hauen den platt!
Mara verliert kurz ihre Coolness.
Jungs, setz euch und haltet die Klappe!
Die beiden folgen ihrem Befehl mit wackligen Beinen.
Jawohl Frau General.
Mara hebt ihr Kinn und blickt auf das Mädchen herab.
Was hat er zusagen, was er mir nicht selbst sagen kann?
Kevin und Cengiz sehen verwirrt hin und her. Das besessene Mädchen beginnt.
Du und dein Gefährte haben den Menschen nicht errettet, Simon hat die Gemeinden in Ketten gelegt, die er von seinen eigenen Schultern nahm und Jesus wollen sie nicht folgen. Um ihr Leben zu schonen, wollen Simons Soldaten die Federn durch den Engel selbst ersetzen. Ein Opfer, das der Himmel billigend in Kauf nehmen würde.
Die beiden Männer sind zu perplex, um einen Kommentar abzugeben.
Kein Prophet wird gesandt, kein Wunder wird getan, doch gibt es welche in eurer Runde, die fähig sind. Nicht nur das Böse ist rastlos. Es ist nicht nur Verantwortung.
Kevin kann sein Nichtverständnis nicht mehr mit seinem Alkoholkonsum erklären.
Wat zur Hölle läuft denn hier?
Das kleine Mädchen zeigt erst auf ihn und dann auf Cengiz.
Die Menschen dürfen sich wehren. Gottes Willen können sie Legion besiegen.
Das kann nicht dein Ernst sein!
Mara ist fassungslos, ihr Verstand fällt zu Boden und muss erst wieder aufgesammelt werden. Jeder Mensch auf der Party wäre eine bessere Wahl als die beiden, selbst wenn sie nüchtern wären. Kevin ist aufgekratzt und bereit zum Angriff.
Wer is' Legion? Worin sollen wir ihn besiegen? Boxen? Ich kann gut hauen!
Ein kindliches Grinsen huscht auf das Gesicht des kleinen Mädchens.
Sie sind perfekt. Bring sie einfach hoch! Oder willst du geopfert werden? Ihr denkt doch nicht wirklich, dass der Erzengel Michael einen Fuß aus dem Himmel setzen wird. Gott sieht alles, Schwester.
In den letzten Satz mischt sich tiefe Abscheu. Sie dreht sich um und verlässt ohne ihre Puppe den trostlosen Ort. Die Saufkumpanen werden aus der Situation nicht schlau. Mara nimmt einen großen Schluck aus der Champagnerflasche.
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