Carsten Freytag - Wenn Wolken Wandern
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Pech war nur, dass ich an jenem Freitagnachmittag, Anfang Juni, erwischt wurde. Auf der anderen Seite war dies doch nur die Konsequenz einer logischen Betrachtung: je öfter ich klaute, desto höher die Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden. Und wenn ich die Anzahl meiner Diebstähle in Vergleich zu der Anzahl meiner Verhaftungen setzte, dann war das Ergebnis durchweg positiv. Anders ausgedrückt, ich war erfolgreich. Nicht in der Schule, aber in der Mitnahme von unbezahlten Gegenständen. Alles, was ich trug, war gestohlen. Meine Schuhe. Meine Jeans. Meine Bluse. Ja, auch der Kunstschmuck, den ich trug, wurde unrechtmäßig erworben. Anders ausgedrückt, alles war umsonst. Es war leicht, meine Mama anzulügen, weil sie sich keine großen Gedanken um mich machte. „Du hast neue Schuhe?“, fragte meine Mama. „Von meinem ersparten Taschengeld gekauft“, log ich sie an, „und die Bluse hat mir eine Freundin geschenkt, die die Bluse nicht mag.“ Und so weiter. Und so weiter. War ich erfolgreich im Klauen, so war ich auch erfolgreich beim Lügen. Und je mehr ich log, desto stärker glaubte ich an die Lüge, die zu einer unumstößlichen Wahrheit wurde. Ich war so erfolgreich, dass ich die Anführerin eine Diebesbande wurde. Und das nach nur drei Jahren in Deutschland. Ich glaube nicht, dass meine Englischlehrerein an meiner Gesamtschule diesen Weg gemeint hat, den ich eingeschlagen habe, als sie mich in der ersten Schulstunde in Englisch darauf hinwies, dass ich meine Chance, in so einem reichen Land wie Deutschland leben zu können, nutzen muss.
Sicherlich war ich nicht intelligent, aber ich war clever. Einen Dreisatz zu berechnen fiel mir schwer, die mechanische Arbeit mit den ganzen Formeln zu berechnen, bereitete mir größte Kopfanstrengungen, aber eine Verkäuferin in einem Gespräch so abzulenken, dass sie nicht merkte, wie ich mit flinken Händen die Ohrringe in das Oberteil meiner Bluse rutschen ließ, ist für mich ein Zeichen von Cleverness oder Abgezocktheit, wie es meine Freundinnen bewundernd nannten. Als durchtrieben bezeichneten mich diejenigen in der Schule, die mich nicht mochten.
Meine kriminelle Karriere, dieses Wort hatte ich in dem Gespräch zwischen dem Polizisten und meiner Mama aufgeschnappt, hatte in der Gesamtschule begonnen. Wenn der Polizist meine Verhaftung als den möglichen Beginn einer kriminellen Karriere bezeichnete, so kann ich dazu nur sagen, dass sie schon lange vor der Verhaftung stattgefunden hatte.
Alles begann mit dem Wunsch, dem Kaschmir-Klub anzugehören. Natalia aus Russland war im Kaschmir-Klub, auch Adelina aus Rumänien gehörte dazu, Dorentina aus dem Kosovo und Ute und Monika, zwei deutsche Schülerinnen, hatten die Mutprobe bestanden und waren nun stolze Mitglieder im Kaschmir-Klub. Sie alle trugen stolz ihre teuren Kaschmirpullover nach der bestandenen Mutprobe im Unterricht. Und ich wollte dazugehören. Ich suchte Kontakt zu Menschen, um aus meiner Einsamkeit herauszukommen. Und ich suchte Anerkennung, die ich bei dem Mann im Haus, bei den drei Söhnen und sogar bei meiner Mama nicht erhalten hatte. Natalia, Adelina, Dorentina, Ute und Monika waren cool. Sie ließen sich nichts gefallen. Ermahnungen von Lehrerinnen und Lehrern prallten bei ihnen ab. Über Einträge ins Klassenbuch lachten sie nur. Wenn sie eine Fünf in einer Klassenarbeit ausgeteilt bekamen, standen sie wortlos auf, gingen zum Papierkorb, zerrissen ihre Klassenarbeiten und warfen die Papierfetzen, höhnisch grinsend, dort hinein. Auf dem Schulhof wurden sie von niemandem blöd angemacht. Alle hatten Respekt, wenn nicht sogar Angst vor ihnen, denn sie konnten auch zuschlagen. Den Lehrer ignorierend, prügelten sie sich mit anderen Schülerinnen, wenn es ihrer Meinung nach erforderlich war; auch während des Unterrichts. Und den Freund Dorentinas anzumachen, der die 10. Klasse beendet hatte, war Grund genug gewesen, die Sache im Unterricht sofort mit kräftigen Argumenten zu klären.
Und so klaute ich nicht einen, sondern zwei Kaschmirpullover am Tag der Mutprobe. Von da an gehörte ich zu ihnen. Ich war endlich jemand. In der Gruppe war ich akzeptiert. Wir trafen uns bei mir zu Hause, tranken Tee, den Hans-Jürgen zubereitet hatte. Er war froh, wie er sagte, dass ich endlich Freunde gefunden hatte. Er hatte wirklich keinen Schimmer. Oft trafen wir uns in der Altstadt und zogen los, um Beute zu finden. Kein Geschäft war vor uns sicher. Um als Gruppe nicht aufzufallen, teilten wir uns auf. Eau de Toilette, CDs, Sonnenbrillen, Modeschmuck, sogar eine Flasche Wodka verfingen sich in meinem Mantel. Am Ende teilten wir die Beute bei Natalia auf, deren Mutter nie vor 20 Uhr von der Arbeit als Wurstverkäuferin nach Hause kam. Mein Aufstieg in der Clique vollzog sich automatisch. Je häufiger ich klaute und je wertvoller die Gegenstände, desto größer war die Anerkennung. Sie alle erkannten, dass ich es echt draufhatte. Ich hätte sogar einen Flachbildschirm gestohlen, wenn ich nur einen Weg gewusst hätte, den Fernseher unerkannt aus dem Laden herauszubringen. Irgendwann wurde mir Hattingen zu klein, zu eng, zu gefährlich, so dass ich die Idee hatte, unser Bummeln durch die Innenstädte in größere Orte zu verlegen. Und so traf ich die Entscheidung, wann immer die Zeit es erlaubte, uns am Hattinger Bahnhof zu treffen, um nach Bochum oder vorzugsweise in die Kettwiger Straße in Essen zu fahren, weil es da im Vergleich zu Bochum nur so von Geschäften wimmelte.
Wohlstand in der Armut
M anchmal war meine Oma mit mir und den Brüdern meiner Mama im Jeepney nach Bacolod gefahren, nicht weit weg von Victorias City, und wir guckten uns die Geschäfte im Robinsons Place an. Niemals hatten wir etwas in der Shopping Mall gekauft, niemals waren wir in die Restaurants gegangen, um dort etwas zu essen, weil es zu teuer war, denn wir waren schrecklich arm. Wir waren zum Windowshopping gezwungen. Ich wunderte mich immer wieder über die Menschen, die so viel Geld hatten, im Robinson Place einkaufen gehen zu können. Ich beneidete sie. Sicherlich gehörten viele der Kunden den Familien der Zuckerbarone an, denen die Zuckerrohrfelder gehörten, auf denen die Brüder meiner Mama und alle anderen sacadas, auch minderjährige Kinder, für zweihundertvierzig Pesos am Tag auf den Zuckerrohrfeldern schuften mussten.
Sie hatten alles, hatte Noel mir ungläubig staunend gesagt, als er einmal, was äußerst selten vorkam, einen der reichen Landbesitzer mit spanischen Vorfahren besuchen musste, um für ihn etwas zu erledigen. Eine Hacienda, drei große Autos mit Allradantrieb, Zimmer mit Klimaanlagen oder mit mächtigen Ventilatoren, die an den Zimmerdecken hingen wie übergroße summende Bienen. Wie herrlich kühl und luftig es in den Zimmern war. Zimmer mit Glasscheiben und Tapeten. Eine Terrasse, so groß und breit wie fünf Häuser in unserer Straße. Ein Swimmingpool, von weiten Grünflächen umgeben, in dem zwei Frauen ihre Bahnen zogen. Eine hohe Mauer verhinderte neidische Blicke auf die Hacienda, wenn es denn überhaupt eine Gelegenheit gab, einen Blick auf den Lebensstil der Zuckerbarone zu werfen, denn Mitarbeiter einer Security-Firma mit Walkie-Talkies bewachten die Anlage, die von einem drei Meter hohen Drahtzaun abgeriegelt wurde und wo eine rotweiße Schranke den Zugang auf die Anlage kontrollierte.
„ Und dennoch geht es uns besser als denen, die hinter der Anlage leben“, hatte Noel nach seinem Aufenthalt beim Zuckerbaron trotzig gesagt, und ich wusste, was er meinte. Wir hatten ein Haus, direkt an der Straße zu der großen Zuckerrohrfabrik in unserer Stadt. Es war zwar aus Stein und ohne verputzte Wände und ohne Tapeten. Aber es bot ausreichend Schutz in der Regenzeit. Wir hatten zwar keine Toilette mit einer weißen Toilettenschüssel mit fließendem Wasser. Dafür wurde unsere große Grube hinter dem Haus jede Woche geleert, obwohl es nur wenig zu entleeren gab, denn wir verrichteten meistens unsere Notdurft heimlich in den Zuckerrohrfeldern, die direkt neben unserer Straße grenzten. Dafür hatten wir eine Pumpe, die uns täglich frisches Wasser zum Kochen lieferte. Wir hatten Strom im Haus, ein Luxus, der nicht zu unterschätzen war. Außerdem hatten wir immerhin zwei fette Schweine im Hinterhof und drei stolze Kampfhähne, angekettet an einer eisernen Stange, die uns ab und zu beim Wetten Geld einbrachten, sofern sie denn den Hahnenkampf überlebten. Oma Ocampo hatte ihre kleine Rente. Noel, 1977 geboren, musste jetzt schon achtunddreißig Jahre alt sein. Noel verdiente sich sein Geld als Tricycle-Fahrer und Jeffrey, der fünf Jahre ältere Bruder, er musste jetzt schon dreiundvierzig sein, vor dem ich mich wegen seiner Unbeherrschtheit immer gefürchtet hatte, arbeitete in einer Autowerkstatt und brachte regelmäßig Geld, wenn auch nicht viel, mit nach Hause. Gab es keine Fahrgäste zu befördern oder Autos zu reparieren, waren Noel und Jeffrey während der Zuckerrohrernte zwischen Oktober und Mai gezwungen, besonders wenn das Essen zu Hause knapp wurde und die Ehefrauen böse Gesichter machten, mannshohe Grasstauden kurz über dem Erdboden mit einer scharfen Machete zu schneiden. Obwohl die Brüder meiner Mama die schweißtreibende Arbeit in den Zuckerrohrfeldern nicht nur wegen der Ameisen, so groß wie Noels Fingerkuppen, und der handflächengroßen Spinnen hassten, die sich in den Grasstauden versteckten, waren sie froh, durch die zusätzliche Arbeit im Herbst und bis zum Frühjahr ihre Kinder ernähren zu können. Bedrohlich wurde die Lage in den Sommermonaten, wenn es keinen Zusatzverdienst gab. Dann durfte der Motor von Noels Tricyle nicht streiken. Dann drohte die Gefahr der bitteren Not.
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