Aufgrund unserer Nähe zur Stadt wurde unser Lager täglich von etlichen Krämern und Hausierern aufgesucht. Es gab damals keinerlei Vorschriften oder Standards bezüglich der Nahrungsmittel, die ein Soldat essen durfte und so kauften wir schlicht alles, was uns angeboten wurde und uns appetitlich erschien. Würste aßen wir am liebsten und da die Wurstverkäufer bereits am frühen Morgen ins Lager kamen, verschlangen wir Würste in rauen Mengen sooft es uns beliebte. Eines Morgens saß unsere Messe also beim Frühstück zusammen, als ich unter der Pelle meiner Wurst einen harten Klumpen fand, der bei näherer Betrachtung wie ein Teil einer Katzenpfote aussah. Mit einem Schlag war uns allen der Appetit vergangen und wir begannen, unsere Würste nach Fremdkörpern abzusuchen. Es dauerte nicht lange, ehe einer der Jungs einen kleinen Katzenzahn in die Höhe hielt. Die Neuigkeit über diese Funde machte rasch die Runde im Lager und bald erreichten uns Berichte von weiteren unappetitlichen Entdeckungen. Der Preis von Würsten wurde nach Gewicht berechnet und Knochen in der Wurstmasse machten das Endprodukt natürlich schwerer. Die skrupellosesten Händler schienen dies durchaus als eine gerechtfertigte Kriegsmaßnahme zu betrachten. Einige von uns versuchten, sich zu übergeben, aber bei den meisten wollte es nicht so recht klappen. Für die nächste Zeit fanden die Wurstverkäufer in unserem Lager kaum noch Abnehmer. Die Jungs konnten ihren Ekel einfach nicht überwinden und da keine Würste mehr gekauft wurden, wurden auch bald keine mehr angeboten.
Da es uns in unseren Mußestunden freistand, die umliegende Landschaft zu durchstreifen und wir lediglich zum Morgen- und Abendappell im Lager zugegen sein mussten, bot sich reichlich Gelegenheit zur sogenannten "Nahrungsbeschaffung". In der umliegenden Gegend wuchsen üppige Heidelbeersträucher und da ich diese kleinen Beeren sehr gerne mochte, streifte ich häufig auf der Suche nach ihnen umher. Meist begleitete mich einer der Jungs und wir nahmen unsere Feldflaschen, einen großen Literbecher und eine kleine Portion Zucker mit. Wir hielten auf unseren Streifzügen die Augen nach Milchkühen offen, welche an entlegenen Stellen grasten, und wenn wir dabei auf eine stießen, die sich in Sichtweite eines Farmhauses befand, so schreckten wir sie möglichst unauffällig auf, damit sie außer Sicht trottete. Dort hielt einer von uns sie an den Hörnern fest, während der andere sie molk und die Milch in die Feldflaschen füllte. Anschließend suchten wir uns einen nahegelegenen Flecken, an dem man reichlich Beeren pflücken konnte und dort füllten wir unseren Becher etwa zur Hälfte mit den köstlichen Früchten, bevor wir den Zucker und etwas Milch hinzugaben. Dies wiederholten wir so oft, bis wir uns ordentlich satt gegessen hatten und in unser Lager zurückkehrten, zufrieden in dem Wissen, dass sich an unserer Mahlzeit kein betrügerischer Händler zu schaffen gemacht hatte. Die Kühe in dieser Gegend gaben reichlich Milch und waren nahezu ausnahmslos ausgesprochen gutmütig. Dies blieb unseren Jungs natürlich nicht lange verborgen und die Mägde der umliegenden Farmen wunderten sich wohl, warum die Euter ihrer Kühe plötzlich wie ausgetrocknet waren. Aber alles Gute hat sein Ende und die Farmer gingen schon bald dazu über, ihr Vieh nur noch in der Nähe ihrer Farmhäuser grasen zu lassen oder einige ihrer Knechte damit zu beauftragen, auf den entlegeneren Weiden ein Auge auf die Tiere zu haben. Doch auch ohne Milch mundeten uns die Heidelbeeren mit Zucker ganz ausgezeichnet. Knapp außerhalb des Lagers verlief eine makadamisierte Mautstraße, die kurz vor dem Stadtrand durch einen Schlagbaum gesperrt wurde, an dem die Fuhrleute ihre Gebühr entrichten mussten. In den späten Abendstunden drängten sich auf dieser Straße stets die Karren und Wagen der Hausierer, die noch vor Einbruch der Nacht in die Stadt zurückkehren wollten. Mir war zu Ohren gekommen, dass einige der Jungs die lange Kolonne von Wagen zu allerlei Schabernack nutzten und so suchte ich mir einen geeigneten Flecken unweit der Straße, um das Treiben zu beobachten. An mehreren Stellen am Wegesrand sah ich kleine Grüppchen von Soldaten, die im Gras lagen, umherspazierten oder sich mit Spielen die Zeit vertrieben. Sie alle schienen sich hier versammelt zu haben, um die letzten Sonnenstrahlen des Tages zu genießen. Als dann die Wagen langsam an ihnen vorüberfuhren, begannen einige der Jungs, neben ihnen her zu schlendern und dabei stahlen sie von der Ladung, was sie einfach und unauffällig erreichen konnten. Die Fuhrleute mussten sich natürlich auf die Straße vor ihnen konzentrieren und jene Burschen, die hinter ihnen fuhren, dachten im Traum nicht daran, ihre Konkurrenten zu warnen und amüsierten sich stattdessen über deren Missgeschick, ohne zu ahnen, dass sie selbst zeitgleich ebenfalls bestohlen wurden. Manch einer unserer Langfinger ging dabei mit erstaunlicher Dreistigkeit zu Werke, aber die Hausierer hinter ihm waren nur umso amüsierter und vergaßen völlig, auf ihre eigene Ladung zu achten. Da die Kolonne aus etlichen Wagen bestand, häuften die Diebe einen beträchtlichen Haufen Beute an. Es dauerte einige Tage, ehe die Hausierer den Jungs auf die Schliche kamen, aber von jenem Zeitpunkt an waren sie auf der Hut und damit hatte der Spaß ein Ende. Die Jungs sagten, einige der alten Krämer hätten sie an Eulen erinnert, wie sie dort oben auf ihren Kutschböcken saßen und misstrauisch ihre Köpfe in alle Richtungen reckten, ohne dabei ihre Oberkörper zu drehen.
Wir hatten in diesem Lager jede Menge zu essen und so waren wir schon bald dermaßen gründlich ausgeruht und gemästet, dass die Generäle die Zeit für gekommen hielten, uns in den nächsten Schlachtpferch zu treiben. Nun brachen wir also unsere Zelte ab und marschierten in der Landschaft umher und selbst für uns einfache Soldaten war klar ersichtlich, dass unsere Armee die Konfrontation mit dem Feind suchte. Die Verpflegung der Armee auf dem Marsch war zu diesem Zeitpunkt zufriedenstellend und gingen unsere Rationen doch einmal zur Neige, so versorgten wir uns aus dem Umland mit jungen Maiskolben und grünen Äpfeln. Die Äpfel waren zwar noch nicht reif, doch wir legten damals den Begriff "essbar" recht großzügig aus, wobei uns zugute kam, dass unsere Mägen bereits durch das Soldatenleben abgehärtet waren. Ich erinnere mich, dass Kompanie F während dieses Marsches aus dem Regiment ausgegliedert und in einem Maisfeld unweit eines Flüsschens postiert wurde. Auf der anderen Seite dieses Flüsschens tauchten hin und wieder einige Yankees auf, aber es wurde nicht geschossen. Unsere Kompanie wurde anscheinend für irgendeine Eventualität in Reserve gehalten und wir lagen zwischen den hohen Maisstängeln verborgen, die bereits junge Maiskolben trugen. Wir waren sehr hungrig, wussten jedoch nicht so recht, wie man aus rohen Maiskörnern etwas Essbares zubereiten konnte. Da wir die Körner nicht kochen konnten, begannen einige der Jungs schließlich, die rohen Kolben abzunagen und es dauerte nicht lange, bis wir alle es ihnen gleichtaten, mit Ausnahme von Captain Bryan, der die Stängel schälte und kaute, als wären sie Zuckerrohr. Die Jungs neckten ihn deswegen, aber er nahm die Sache mit Humor und begann bald, ebenfalls an den Kolben zu nagen. Wir scherzten, dass dies nun unsere offizielle Verpflegung sei und dass man uns hierher beordert habe, um das Feld abzugrasen. Die Kolben waren bereits von beträchtlicher Größe und reif genug, um die Körner gut kauen zu können. Wir verbrachten mehrere Stunden in diesem Feld und währenddessen aß ich vier Maiskolben, aber einige der Jungs verschlangen noch mehr. Ein massiger Bursche namens Benjamin aß mindestens acht bis zehn von ihnen. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit wurden wir zu unserer Einheit zurückbeordert und fanden sie bei der Nachhut der Armee. Als wir aus dem Maisfeld aufbrachen, erlaubte uns der Captain, uns nach Belieben mit Maiskolben zu versorgen und so nahm ich weitere sechs Kolben mit. Wir erreichten unser Lager und schon bald brannten mehrere Feuer, über denen wir unseren Mais rösteten. Dabei beließen wir die Kolben in den sie umschließenden Blättern, da diese dabei halfen, den Geschmack der Körner zu bewahren. Zudem erhielten wir eine üppige Ration frisches Rindfleisch und auch dieses brieten wir in großen Stücken über den Feuern. All dies musste in einiger Eile geschehen, da man uns mitgeteilt hatte, dass wir schon bald unseren Marsch fortsetzen würden. Der Mais war bereits gar, aber das Fleisch noch durch und durch blutig, als die Order eintraf, in Marschformation anzutreten. Natürlich taten wir prompt wie geheißen und die Jungs versuchten auf jede nur erdenkliche Weise, ihre halbfertigen Mahlzeiten mitzunehmen. Ich selbst streifte die äußeren Blätter von meinen Maiskolben, um die erhitzten Kolben daran festzuhalten; mein Rindfleisch spießte ich auf ein kleines Stöckchen. Es war bereits nahezu völlig finster und wir kamen nur langsam voran. Sobald mein Essen hinreichend abgekühlt war, erleichterte ich mein Marschgepäck, indem ich die Maiskörner abnagte und die Kolben fortwarf. Normalerweise hätten mein mächtiges Fleischstück und meine sechs Maiskolben wohl für ein herzhaftes Abendessen und ein Frühstück ausgereicht, aber ich konnte mich nicht beherrschen und aß alles in dieser Nacht. Nachdem ich alles verschlungen hatte, kam mir der Gedanke, dass sich nun vier rohe und sechs geröstete Maiskolben sowie eine ordentliche Menge rohen Rindfleisches in meinem Magen befanden und ich befürchtete, dass meine Völlerei sich wahrscheinlich noch auf irgendeine Weise unangenehm bemerkbar machen würde, doch dies war nicht der Fall. Der nächtliche Marsch mochte wohl zu einer reibungslosen Verdauung beigetragen haben. Uns Soldaten mangelte es in der Regel nicht an Tabak, war jedoch einmal kein Händler in der Nähe, der uns einige Prieme verkaufen konnte, so plünderten wir einfach den nächstgelegenen Trockenschuppen und behalfen uns mit reinen, unbehandelten Tabakblättern.
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