Freundlich und förmlich, mit allen Ehren und nach allen Statuten empfängt der Fürst seinen Kontrahenten. Lord Maris DoRina erwidert die diplomatischen Gepflogenheiten und spricht der Fürstenfamilie seinen tiefen Dank aus. Er verteilt anmutige Handküsse an Rena Badoz und ihre liebreizenden Töchter. Der Lord aus Artos genießt einen ausgezeichneten Ruf. Er gilt gewiss nicht als Kriegstreiber. Doch gilt er als unnachgiebiger Verhandlungspartner.
DoRina wird von einigen Männern des Imperators begleitet. Von Leibwächtern und Flüsterern. Auch Huren waren mit an Bord. War die Überfahrt doch lang. Auch wenn diese nicht an den Gesprächen teilnehmen werden, so werden auch diese in Nordermeer Einkehr erhalten. Auch Emor Badoz ist nicht alleine. Ihm stehen Männer der Union zur Seite. Interessenvertreter der einzelnen Reiche, Berater und Boten.
Fürstin Rena hat vier Bedienstete für Lord Maris DoRina und seine Entourage abgestellt. Sie werden sich um die Belange Ihrer Gäste kümmern. Zunächst werden die Männer und Huren in einem Gästeflügel untergebracht. Lord Maris DoRina wird die Annehmlichkeiten innerhalb des Haupthauses genießen.
“ Lord DoRina, Ihr werdet im Haupthaus wohnen”. “Wird meine Leibgarde dies auch tun Fürst Emor”. “Gewiss nicht, Eure Leibgarde wird nicht einmal Waffen tragen in meinem Haus”. “Macht das eine Leibgarde nicht irgendwie gänzlich überflüssig Lord Badoz”? “Eure Männer sind hier in der Tat überflüssig. Hätt ich Euch töten wollen, hätte ich das auf See getan, zehn Meilen vor unserer Küste. Und wollte ich euch jetzt töten, so würden Eure Männer das kaum verhindern können. Doch ich verspreche Euch, beim Leben meiner Kinder, von mir habt Ihr nichts zu befürchten solange Ihr nicht als erster die Klinge zückt”. “Nun denn Fürst Badoz, auf gute Gespräche”. “Wir erwarten Euch im Speisesaal Lord DoRina”.
Maris DoRina richtet sich zunächst ein. Er bezieht sein Zimmer im Ost-Turm der Veste. Kaum hat er seine Sachen verstaut, lässt er sich eine der Huren bringen die ihn begleitet haben. Lord DoRina zieht es vor, sich vor einer Auseinandersetzung zu verlustieren. Ganz gleich ob es ein Kampf auf dem Schlachtfeld oder am Tisch ist. Eine Liebelei löst die Spannungen pflegt er zu sagen.
Der Fürst muss indes seine Gattin besänftigen. Während sie sich in Ihren Gemächern für das offizielle Essen herausputzen, diskutieren sie sehr angespannt. “Ich mag diesen Mann nicht Emor. Er ist verschlagen und unehrlich. Und ich mag es nicht das seine Männer in unserer Veste schlafen”. “Sei unbesorgt Rena, sie schlafen im Gästeflügel an der Ostmauer. Und die Waffen mussten sie bereits abgeben. Und was Lord DoRina betrifft, alle Diplomaten sind unehrlich”. “Was wirst du mit diesem Mann aushandeln”? “Wenn ich das nur wüsste meine Liebste. Die Union will Jupita zurück. Wir können es nicht dulden das sich Provinzen abspalten und zum Imperium überlaufen”. “Denkst du das Imperium wird sich darauf einlassen”?
Emor Badoz blickt mit besorgter und ernster Miene zu seiner Frau. “Nein, wird es sicher nicht. DoRina ist nicht hier um über Jupita zu verhandeln. Das ist nur Schein. Er ist hier weil der Kaiser wissen möchte ob die Union zum Krieg bereit ist meine Liebste”. “Dann schicke den Kopf dieses Mannes zurück nach Artos, damit der Kaiser seine Antwort bekommt”.
Emor Badoz packt seine Frau an ihren Schultern und dreht sie zu sich herum. “Sei nicht töricht Rena! Würde ich seinen Kopf zurückschicken, was glaubst du wie lange es dauern würde bis seine Armada hier wäre? Seine Flotte treibt sich vor Toranga herum, ich halte das gewiss nicht für einen Zufall meine Teuerste. Wir kämpfen wenn wir kämpfen müssen! Aber wir werden diesen Krieg gewiss nicht nach Conreba tragen wenn es nicht nötig ist. Nicht zu dir und nicht zu unseren Kindern”! “Dann glaubst du nicht das wir gewinnen können mein Fürst”? “Ich glaube, egal wie heldenhaft wir kämpfen würden, Conreba wäre zerstört ehe die restliche Union ihre Truppen in gang setzen würde”.
Der Fürst und seine Familie finden sich des Abends im großen Speisesaal ein. Ebenso wie ihre Gäste vom Festland. Nachdem der Hausherr und seine Gäste sich in der großen Halle von Nordermeer an Wein, Fleisch und Fisch gelabt haben, beginnt der ernste Teil des Besuches. Emor Badoz und Lord Maris DoRina ziehen sich in das private Arbeitszimmer des Fürsten zurück um erste Gespräche zu führen. Ihre Diskussionen könnten sich über Tage hinziehen. Jedoch nicht ohne das die Kämpfer des Imperiums das Zimmer vorher ausgekundschaftet und für sicher befunden haben. Fürst Badoz und Lord DoRina nehmen über dem Seeauge, in der Mitte des Raumes Platz.
Das Auge ist eine große Runde Öffnung im Boden des Raumes. Gut fünf Meter im Durchmesser. Darunter befindet sich das Meer. Über diesem Loch im Grund liegt eine große durchsichtige Kristallplatte. Dieser Kristall ist so klar und rein wie es der Diplomat noch nie gesehen hat. Lord DoRina ist fasziniert und skeptisch zugleich. “Ich habe soetwas noch nie gesehen” - merkt er an. “Seid unbesorgt Lord DoRina. Man kann an manchen Tagen zwar die Haie sehen. Doch Ihr seid gewiss sicher hier. Dieser Kristall hält für die Ewigkeit. Ein Andenken aus Aeris” .
“ Nichts hält für die Ewigkeit Fürst Emor”. “Gilt das auch für das Imperium” - fragte der Fürst mit einem verschmitzten Lächeln. “Ihr werdet Eurem Ruf wahrlich gerecht. Ich wurde gewarnt vor Eurer Schlagfertigkeit. Und vor Eurer scharfen Zunge. Doch scharfe Zungen gewinnen keine Kriege Fürst Emor”. Die Worte die Emor Badoz spricht sind stets überlegt und gespickt mit Ehre und Wahrhaftigkeit. So antwortete er - “Ich möchte keinen Krieg gewinnen. Ich will einen Krieg verhindern Eure Lordschaft” . Maris DoRina lächelt den Fürsten verschlagen zu und stößt mit ihm auf ein Glas Wein an.
Das Vorgeplänkel hat längst begonnen. Und die beiden Beauftragten tasten sich gegenseitig ab. Sie klopfen- und prüfen jede Möglichkeit ab der Gegenseite ein Zugeständnis abzuringen. Doch die Fronten sind nicht nur klar, ebenso sind sie verhärtet. Die Union der freien Königreiche will den Anschluss Jupitas an das Imperium, seit fast drei Jahren nicht akzeptieren. Doch in Lord DoRinas Augen war dies eine freie Entscheidung des Insel Volkes. Und ein heldenhafter Kampf um Selbstbestimmung und Freiheit.
Ohnehin zweifelt der Fürst an den Worten und Absichten von Lord DoRina. Er geht davon aus das es seinem Kontrahenten nicht darum geht einen diplomatischen Konflikt am Ende der Welt zu lösen. Emor Badoz ist der festen Überzeugung das Lord DoRina die Kampfeslust und Entschlossenheit der Union prüfen soll. Der Kaiser möchte lediglich wissen wie weit er gehen kann ohne einen bewaffneten Krieg auszulösen.
Doch ob heldenhafte Revolution im Willen des Volkes, oder ein angezettelter Aufstand, ganz gleich was es war. Das Imperium ist erneut gewachsen und der Rest der Welt wird kleiner und kleiner. Die Union fühlt sich zunehmend bedroht und in die Enge getrieben. Man will und kann es sich nicht leisten Gebiete oder ganze Souveräne Reiche an Artos zu verlieren und schon gar nicht wortlos abzutreten.
Artos, die große, die mächtige. Sie ist nicht nur die größte Stadt der Welt. Sie ist sowohl geographisch als auch in allen anderen Punkten der Mittelpunkt allen Seins und Schaffens. Laut den uralten Schriften der Gelehrten Männern besteht diese Stadt seit Anbeginn der Zeit. Sie ist es die alles überstrahlt. Selbst Varlons II. Familiengeschlecht hat sich stets vor dieser Stadt verneigt und ihre Ehre hinter der der Hauptstadt gestellt. Sie ist das Epizentrum aller Künste und Belange. In einem alten Heldenepos über Orannis Laarus der das Imperium einst begründete heißt es - “sie ist der Götterfunken die den Himmel erleuchtet und der Welt die Zeit geschenkt hat” .
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