Martin Ahrends - Damals im Café Heider

Здесь есть возможность читать онлайн «Martin Ahrends - Damals im Café Heider» — ознакомительный отрывок электронной книги совершенно бесплатно, а после прочтения отрывка купить полную версию. В некоторых случаях можно слушать аудио, скачать через торрент в формате fb2 и присутствует краткое содержание. Жанр: unrecognised, на немецком языке. Описание произведения, (предисловие) а так же отзывы посетителей доступны на портале библиотеки ЛибКат.

Damals im Café Heider: краткое содержание, описание и аннотация

Предлагаем к чтению аннотацию, описание, краткое содержание или предисловие (зависит от того, что написал сам автор книги «Damals im Café Heider»). Если вы не нашли необходимую информацию о книге — напишите в комментариях, мы постараемся отыскать её.

Das Café Heider am Nauener Tor in Potsdam war DDR-weit bekannt. Das einzige Privatcafé der Stadt beherbergte eine Mischung aus allen Schichten, schräge Typen, SED-Genossen, DEFA-Regisseure, Schüler, Künstler, Stasi-Spitzel und Familien. «Was sich abspielte an wildem Leben in diesem Warteraum der Weltrevolution hat der Autor Martin Ahrends in seinem Interviewband „Damals im Café Heider“ (Verlag Schwarzdruck Potsdam) zusammengetragen. Er sprach mit ehemaligen Gästen und Mitarbeitern jenes Szene-Treffs, deren Lebensbeichten das genaue Gegenbild zum „Neuen Menschen“ waren…Von singenden Dichtern wird da berichtet, von fliegenden Scheuerlappen und anderen Umsturzplänen, von Spitzeln, die sich versehentlich outen.» Der Spiegel, 2006.

Damals im Café Heider — читать онлайн ознакомительный отрывок

Ниже представлен текст книги, разбитый по страницам. Система сохранения места последней прочитанной страницы, позволяет с удобством читать онлайн бесплатно книгу «Damals im Café Heider», без необходимости каждый раз заново искать на чём Вы остановились. Поставьте закладку, и сможете в любой момент перейти на страницу, на которой закончили чтение.

Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Also: Keine RAF, keine Honecker-Attentate. Aber Schreiber, Maler, Fotografen, Theaterprojekte. Wartesaal und Entwicklungskammer. Roger und ich, wir schmiedeten jahrelang neue Fluchtpläne, das war so ein Sport. Ich hatte einen Ausreise-Antrag gestellt und eben meine Zeit zu warten. In dieser Zeit hat man nachgedacht über Ballons. Roger durfte seinen behinderten Stiefvater in den Westen begleiten und kam nicht wieder. Und ich bat meine damalige Freundin Anna, mir einen Ballon zu nähen, die war Textilgestalterin, sie hätte das gemacht. Jedoch kam dann dieser Ostberliner in Steglitz runter, mit leerem Ballon schlug er wie ein Stein in irgendeinem Vorgarten auf. Der hatte sich einen Ballon gebastelt. Man konnte die Dinger schlecht vorher ausprobieren. Er hatte einen Heißluftballon, aber ohne Ablassdüsen, jedenfalls stieg der höher, bis er hoch oben in dünner, kalter Luft zusammenklatschte und runterkam. Wie eine Bombe im Steglitzer Vorgarten – genau das wollte ich nicht. Schon nach Steglitz, aber nicht auf die Weise.

Ich wollte über Südostpolen, die Beskiden, nach Russland, von da über das Schwarze Meer in die Türkei, ich dachte, das ist so ein skurriler Umweg, das müsste relativ einfach sein.

Mit Roger dachten wir uns die verrücktesten Sachen aus. Wir arbeiteten beide bei der DEFA, da stand ein „Ural“ rum, ein schwerer russischer Militär-LKW, der hatte die Stromgeneratoren für die Außendreharbeiten geladen. Auf der Landkarte haben wir die langen Geraden Richtung Mauer ausgeguckt, so ein Uri braucht Anlauf, um auf wenigstens 70, 80 zu kommen. Wir baten einen Freund in West-Berlin, auszugucken, wie es auf der anderen Seite aussieht, wir wollten nicht gerade in einen Kindergarten einschlagen mit unserm Uri. Das hat der für uns geklärt. In Kleinmachnow hatten wir eine lange Gerade im Auge, das Problem waren die mördergroßen Blumentöpfe, sehr hohe Töpfe, aber mit Stiefmütterchen bepflanzt. So viel verstehe ich von der Gartenarbeit, dass ich weiß, was Stiefmütterchen brauchen. Wir dachten also: Na klar, Vollbeton und ein Fingerbreit Erde. Wir haben’s gelassen. Stellte sich nach der Maueröffnung als weise Entscheidung heraus. An diesen Blumentöpfen hätte sich unser Chassis vom Fahrwerk gelöst, das Fahrwerk wäre kleben geblieben, wir im Chassis durch die Mauer gehammert. – Und das wäre noch die günstigste Variante gewesen. Wir wollten das aber überleben. Naja, irgendwann ging das mit Ungarn los, da bin ich mit meiner damaligen Freundin nach Ungarn, so wie alle. Zugfahrkarte – und das war’s.

Das Heider war eine wilde Mischung aus fast allem: Intellektuelle, Aussteiger, Randgruppen, Touristen. Mitten in Potsdam, im alten, heruntergekommenen Zentrum, wo die wohnten, die nicht in den Neubauten der Peripherie wohnen wollten oder an keine Neubauwohnung rankamen. Das Altstadt-Zentrum wartete mehr oder weniger auf seinen Abriß. Und diese Atmosphäre mit ihren destruktiven und konstruktiven Tendenzen versammelte sich im Heider. Es gab so eine gemeinsame kulturelle Basis: den Osten, das hat diese Atmosphäre geprägt. B. und ich haben einen Tisch mit Wermut-Schoppen voll gestellt und eben aufeinander zu gesoffen, bis keiner mehr was gemerkt hat. Die Meute hat gejohlt und geklatscht, bis ich in eines der leeren Gläser gepisst und es dem B. dazwischenstellte, weil die Farbe passte, ich war zu faul, inzwischen aufs Klo zu gehen, und B. soff das kaltlächelnd aus, obwohl er sofort mitgekriegt hat, dass das kein Wermut war. Mit großer Geste, ohne mit der Wimper zu zucken. Da waren wir schon jenseits der Zurechnungsfähigkeit. Na gut, Pisse ist keimfrei, aber eben eklig. - Hinten wurde gelegentlich gepokert um kleinere Beträge.

Es gab ein Haufen Leute im Osten, die lebten intelligent von den (klaffenden) Marktlücken. Einer hat Alf-T-Shirts gedruckt, hat diese weißen Lappen mit 300% Gewinn auf dem Broadway verscheuert. Ist fast Millionär geworden. Andere machten Schmuck. Ich handelte mit alten Möbeln. Wir sind über die Dachböden der Abrisshäuser, nahmen alles mit, und wenn es die Messingbeschläge waren. Wir sind ins Rote Luch gefahren, auf eine alte Deponie, die 1909 geschlossen worden ist. Da machte man einen Stichgraben, einen Meter tief, und es kam der Müll von 1909 hoch. Weinflaschen, Nippes, eine komplette Porzellan-Kuh, mit Schwanz, die ging für glatte tausend Mark über den Flohmarkttisch. Meine damalige Ehefrau hat Batik-Kleider genäht, das waren Laken mit einem Gummi in der Mitte und zwei Löchern für die Ärmel, das ganze batik-gefärbt. So etwas kostete 125 Mark. Wir machten Dias von Potsdam, an die Wand geworfen, mit Zeichenfeder nachgemalt, koloriert, Passepartout, Seriennummer, und damit die Touristen beschissen: hundert Mark. Das zogen wir im Park Sanssouci ab. Wir lebten goldig, hatten Geld ohne Ende. Und wir hatten Spaß dabei. Wenn der Flohmarkt um zehn losging, waren um zwölf die ersten tausend Mark drin. Viele Heider-Leute machten so was, die wenigsten wollten an der Stanze arbeiten.

Mit Roger hatte ich gewettet, dass ich von der Mokkastube bis zum Tresen und zurück laufe mit einer weißen Pappe in Höhe des Hosenstalls, darauf Senf, eine Scheibe Weißbrot und eine Bockwurst. Bloß, dass die Bockwurst keine Bockwurst war, sondern mein Schwanz. Vom hintersten Platz zum Tresen und zurück, ohne, dass es jemand merkt. Hat funktioniert in diesem Tohuwabohu. Zu vorgerückter Stunde.

Ein Kreis von 150 bis 200 Leuten gehörte einfach zur Heiderbelegschaft. Und die sahen sich da jeden Tag. Es versprach immer, interessant zu sein, es gab wenig Chancen, enttäuscht zu werden, bei so einer Dichte von Leuten ist immer jemand dabei, den man gern sieht. Man konnte zu jeder Tageszeit einmarschieren. Außerdem waren da: Frauen. Eine Endlosgeschichte, stets war irgendwas am Köcheln. Das hatte nie so eine übergroße Schwere. Nicht, dass das nun ein großer Puff gewesen wäre, aber diese Möglichkeit gehörte zur Heider-Atmosphäre dazu. Klar gab es herzzerreißende Beziehungsdramen. Aber das war nicht der Grundton. Der Grundton war: Mal gucken. Wir waren im passenden Alter. Zwischen zwanzig und dreißig. War eine schöne Zeit. Wir waren vollkommen harmlos Renate Wullstein Ich bin in Potsdam aufgewachsen - фото 5

Wir waren vollkommen harmlos

Renate Wullstein

Ich bin in Potsdam aufgewachsen, weil mein Vater hier als Diplomat ausgebildet wurde in Babelsberg, Akademie für Staat und Recht. Ich wurde in ein Wochenheim gesteckt, wie die meisten Diplomatenkinder. Später wohnten wir in Berlin. Anfang der Achtziger kaufte ich mir in Paretz einen Bauernhof, und als wir den wieder verkauft haben, 1986, überlegte ich mir: gehe ich nach Berlin oder nach Potsdam? Da fiel mir ein, dass ich in Potsdam aufgewachsen bin, hatte ich völlig vergessen wegen der vielen Umzüge in meinem Leben. Bin ich also nach Potsdam.

Ich durfte nicht mehr veröffentlichen seit ich einen Ausreiseantrag zu laufen - фото 6Ich durfte nicht mehr veröffentlichen, seit ich einen Ausreiseantrag zu laufen hatte, mein Mann und ich, wir haben aus der Not eine Tugend gemacht: Keramik hergestellt und verkauft. Und wir sind damit reich geworden... Hier in Potsdam hab ich die Miniaturfiguren auf der Straße verkauft. Eine Stunde verkauft, tausend Mark in der Tasche, die Leute rissen einem das aus den Händen. Und ins Café Heider und Leute eingeladen, ich wußte nicht, was ich mit dem Geld sonst machen sollte. Ich war jeden Tag im Heider. Eigentlich den ganzen Tag. Aber ich sehne mich nicht zurück. Manchmal wünscht man sich, soviel Zeit zu haben für den Austausch mit anderen Leuten, aber es war zugleich entsetzlich, weil wir viel planten und nichts umsetzen konnten. Wir wollten immer schon all das machen, was wir jetzt machen: Galerie, Café, Verlag. Wir wollten eine eigene Infrastruktur aufbauen, wir hatten alles, vom Bäcker über den Anwalt, Schornsteinfeger, Klempner, Künstler sowieso – die traf man im Heider. Wir hätten eine eigene kleine Stadt aufmachen können. Und die haben wir jetzt. All die Leute, die damals planten, haben jetzt diese Geschäfte, erst mal jeder für sich, weil die Existenzsicherung schwierig war nach der Wende, aber wir kommen allmählich wieder zusammen und kooperieren irgendwie. Der Bäcker Isenmann, der eine Zeit in Chile war, jetzt ein Bistro hat, die Malerin Olga Maslo, mit ihr habe ich gleich nach der Wende einen Laden aufgemacht, die Glasgestalterin Astrid Germo, die uns den Laden vermietete. Sie hatte schon zu DDR-Zeiten einmal in der Woche Atelierverkauf; und ich sagte zu ihr: Jetzt ist Kapitalismus, da können wir jeden Tag aufmachen. Also hatte ich mit Olga so eine Art Galerie-Laden. Ihre Bilder haben wir so was von rasend verkloppt, viel zu billig.

Читать дальше
Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Похожие книги на «Damals im Café Heider»

Представляем Вашему вниманию похожие книги на «Damals im Café Heider» списком для выбора. Мы отобрали схожую по названию и смыслу литературу в надежде предоставить читателям больше вариантов отыскать новые, интересные, ещё непрочитанные произведения.


Отзывы о книге «Damals im Café Heider»

Обсуждение, отзывы о книге «Damals im Café Heider» и просто собственные мнения читателей. Оставьте ваши комментарии, напишите, что Вы думаете о произведении, его смысле или главных героях. Укажите что конкретно понравилось, а что нет, и почему Вы так считаете.

x