1 ...7 8 9 11 12 13 ...16 Neuzeit 1830
Eine neue Phase in der Geschichte der Geheimbünde beginnt mit der französischen Julirevolution 1830. In Frankreich gingen aus der karlistischen Partei Gesellschaften hervor, wie die der Chevaliers de la legimité. Die republikanische Partei erzeugte eine neue Charbonnerie démocratique, und als Bestandteil der zahlreichen Gesellschaften der Menschenrechte bildete sich eine besondere Section d'action. Nachdem anschließend in Italien erneute revolutionäre Versuche gescheitert waren, stifteten mehrere Emigranten, u.a. Mazzini, in Opposition mit der französischen Charbonnerie, das Junge Italien. Nach dessen Vorbild entstand ein Junges Deutschland, Junges Polen, Junges Frankreich und eine Junge Schweiz, die alle als Junges Europa in gegenseitigen Austausch zu treten suchten.
Nach dem Tod Ferdinands VII. 1833 bildeten sich in Spanienaus den Überresten früherer Vereine, aus der Carbonaria und dem Jungen Europa eine Menge geheimer Gesellschaften, wieder der Isabellinos, der Hohen Templer, der Menschenrechte, der unregelmäßigen Freimaurer und das in Barcelona gegründete Junge Spanien. Diese Vereine bezweckten entweder nur eine Abwehr des karlistischen Despotismus und der Priesterherrschaft oder sie gingen auf die Wiederherstellung der Konstitution von 1812 oder der Republik aus. Ihnen gegenüber traten mehrere karlistische Vereine auf, wie die Sonnenritter, während der gemäßigte Liberalismus der Gesellschaft der Jovellanisten zuneigte. In ähnlicher Weise tauchten in Portugal Verbindungen der Septembristen, Charlisten und Miquelisten auf, die zeitweise verschwanden und unter neuen Namen und Formen wiederauftauchten.
In Deutschland nahm ein Teil der Burschenschaft schon vor dem Frankfurter Attentat als Germania die Gestalt einer geheimen Verbindung an. Nicht lange nach jenem Attentat bildete sich in Frankfurt am Main und Umgebung ein Männerbund mitdemokratischer Tendenz.
In England traten die schon lange gegründeten torystischen Orangelogen immer entschiedener hervor. Ebenso waren in Irland seit dem 18. Jahrhundert geheime politische Organisationen unter abenteuerlichen Namen aktiv:
• seit 1760 die Whiteboys
• die Rightboys
• die Shanvests
• seit 1722 die Hearts of Steel
• die Corders
• die Caravak
• die Oak Boys and Treffers
• seit 1781 die United Irishmen
• 1817 die Bandmänner.
Diese Gruppen hatten eine agrarische Neuorganisation und politische Unabhängigkeit Irlands zum Zweck. Neben den öffentlichen Vereinen (Gewerkschaften) der Arbeiter in Großbritannien und Irland und dem Chartismus bildeten sich auch Geheimbünde, die aber mehr auf Erlangung höherer Lohnsätze als auf politische Ziele ausgingen. Überhaupt konnten in der britischen Gesellschaft politische Geheimbünde schon deshalbweniger tiefe Wurzeln schlagen, weil das Vereins- und Versammlungsrecht bereits gesetzlich anerkannt war.
Frankreich blieb im Weiteren der Hauptherd der Geheimen Gesellschaften. Nachdem dort die Republikanische Partei im Aufstand von 1834 eine schwere Niederlage erlitten hatte, entstanden die zahlreichen Vereine, die eine Verwirklichung des Sozialismus oder des Kommunismus zum Ziel hatten. Auch in einigen deutschen Staaten entdeckte man seit 1840 einige geheime, meist von Handwerkern gestiftete Vereine, die ähnliche Tendenzen aufzuweisen schienen. Diese Bestrebungen warenteilweise über die Schweiz hereingetragen worden, wo man1843 nach einer umfangreichen Untersuchung in Zürich kommunistische Verbände aufdecken konnte.
Einzelne Begriffe zur Herkunft, Gründung und Struktur
Ordensgemeinschaft
Eine Ordensgemeinschaft (auch Orden, von lat. ordo: Ordnung, Stand) ist eine durch eine Ordensregel verfasste Lebensgemeinschaft von Männern oder Frauen, die sich durch Ordensgelübde an ihre Lebensform binden und ein gemeinschaftliches religiöses Leben führen, beispielsweise in einem Kloster.
Francisco de Herrera der Ältere: Der Heilige Bonaventura tritt bei den Franziskanern ein (1628)
Von Ordensleuten zu unterscheiden sind Eremiten, die zwar oft Mönche bzw. Nonnen sind, aber als Einzelne ein Leben in der Einsamkeit führen, und andere traditionelle oder moderne Formen religiösen Lebens (etwa gottgeweihte Jungfrauen oder Witwen, Beginen und Begarden, Säkularinstitute, evangelische Diakonissen und Diakonengemeinschaften), die nicht in der Tradition des Ordenslebens stehen oder andersartig verfasst sind. Der im Deutschen außerhalb des kirchenrechtlichen Sprachgebrauchs allerdings wenig gebräuchliche Oberbegriff für alle, die eine der durch Gelübde oder bindendes Versprechen begründeten Formen eines gottgeweihten Lebens (lat. Vita consecrata) leben, lautet Religiosen bzw. gottgeweihte Personen.
In der römisch-katholischen (lateinischen) Kirche wird zwischen Orden im eigentlichen Sinn (länger als 700 Jahre bestehende Gemeinschaften, darunter Mönchsorden, Nonnenorden, geistliche Ritterorden, Bettelorden und Regularkanoniker), und Ordensgemeinschaften neuzeitlichen oder modernen Ursprungs(etwa seit dem 17. Jahrhundert) unterschieden. Letztere werden meist als Kongregationen bezeichnet. Diese Unterscheidung hatte im früheren Kirchenrecht große Bedeutung, spielt aber im heutigen Kodex kaum noch eine Rolle. Allerdings spiegeln sich die traditionellen Unterschiede zumeist im Eigenrecht der jeweiligen Gemeinschaften (bei Orden meist Regel, bei Kongregationen Konstitutionen genannt) wider.
Ordensgemeinschaften im westlichen Sinn gibt es in den orthodoxen Kirchen und den in derselben kirchlichen Tradition stehenden katholischen Ostkirchen kaum. Das orthodoxe Mönchtum wird vielmehr größtenteils in selbständigen Klöstern und Klosterverbänden (z. B. die Mönchsrepublik vom Berg Athos)praktiziert. In einem allgemeinen, weiteren Verständnis werden allerdings auch orthodoxe Mönche und Nonnen unter den Oberbegriff des Ordenslebens gefasst.
Die aus dem Kirchenrecht stammende Bezeichnung Orden wurde später auch von bestimmten weltlichen Gemeinschaften verwendet. So stifteten europäische Monarchien seit dem 14.Jahrhundert eine Reihe von höfischen Ritterorden, aus denen dann meist wichtige Verdienstorden hervorgingen (z. B. Hosenbandorden). Auch verschiedene nichtchristliche oder religiös ungebundene Gemeinschaften (z. B. Freimaurerbünde, Rosenkreuzer, Druidenorden oder auch Dichtergesellschaften wie der Pegnesische Blumenorden) bezeichneten sich manchmal als Orden, was zum Teil heute noch im Bereich der Esoterik geschieht.
Außer im Christentum gibt es Orden oder ordensähnliche Gemeinschaften auch in anderen Religionen, beispielsweise im Buddhismus, Hinduismus und Islam. Spiritualität und Lebensformen sind jedoch in den verschiedenen Religionen sehr unterschiedlich.
Geschichte der christlichen Ordensgemeinschaften
Ursprünge und Frühzeit Während der Zeit der Christenverfolgung war die große Anziehungskraft des christlichen Glaubens unter anderem darin begründet, dass Menschen mit Unbedingtheit und Unbeirrbarkeit ihren Glauben vertraten (das Neue Testament nennt dies "Zeugnis ablegen"), selbst wenn sie dafür ihr Leben verloren(Märtyrer oder Blutzeugen). Dies beruhte auf der Naherwartung der Wiederkunft Christi. Man glaubte, dass das Jüngste Gerichtinnerhalb der ersten oder zweiten Generation nach Jesu Tod eintreffen werde und man sich dafür nur durch kompromisslose Hingabe an das Gottesreich würdig erweisen konnte.
Durch Kontakt mit der Gnosis und der griechischen Philosophieentwickelte die frühe Christenheit eine von einem Hang zur Askese und einer gewissen Leibfeindlichkeit gekennzeichnete Spiritualität (obgleich sich diese aus den Evangelien selbst nur schwer ableiten lässt), bei der persönliche Hingabe an die Stelle der Naherwartung trat. Die Anhänger dieser Strömung suchten eine tiefere Gottesbegegnung und ihr persönliches Heil durch Enthaltsamkeit, harte Bußübungen, ständiges Gebet und Schweigen zu erlangen. Dabei kam ein sehr radikales Vollkommenheitsideal zum Tragen, das innerhalb einer weltlich orientierten Umgebung nur schwer zu verwirklichen war.
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