Mit der Haut als sensibles Organ oder erotischen Zonen haben sich Männer hingegen noch kaum befasst. Von selbst kommt ihnen das nicht in den Sinn. Und selbst darauf hingewiesen, empfinden sie Streicheleinheiten als unmännlich und inaktiv. Hier hatte ich schon immer Vorteile gegenüber meinen weiblichen Konkurrentinnen. Da ich mit den pupertierenden Burschen aufgewachsen war, forderte ich von Männern einfühlsam und sprachgewandt und ohne jede Scheu, was mich glücklich machte.
Und ich liebe Streicheleinheiten, küssen und kuscheln. Ich konnte noch nie genug davon bekommen. Wenn ein Mann das selbst nach einfühlsamer Anleitung nicht bringen konnte, wurde er von der Bettkante gestoßen. Das war eine Seite an mir, für die manche Männer mich hassten. Trotz meiner feuchten Lage, entspanne ich mich bei jedem meiner Rückblicke mehr. Ich hatte, einmal aufgewacht, später viel erlebt, sogar sehr viel. Und das auf allen Ebenen.
»Gott, hab ich schon viel Glück gehabt in meinem Leben. Bitte, bitte, schenk mir dieses Glück nur noch ein letztes Mal. «
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Als ich eben auf den Gipfel einer Welle getragen wurde, sah ich ein Schiff. Es war unglaublich nah.
„Danke, so schnell hätte ich das wirklich nicht erwartet!“, durchschoss mich ein Gedanke. Ich schrie, was meine strapazierten Lungen hergaben. Mein Herz raste wie wild. „Vielleicht ein großes Fischerboot?“ spekulierte ich. Die Hoffnung stirbt zuletzt!! Gott! Die waren so nah, würden mich die noch überfahren, anstatt zu retten?
Ich musste noch eine Rakete riskieren. Vorsichtig entnahm ich dem Notfallkoffer eine der Rettungsraketen und verschloss ihn sofort wieder, bevor eine Welle ihn mit Wasser füllen konnte. Dann zerbiss ich wie schon zuvor die Plastikfolie, welche die Rakete vor Feuchtigkeit schützen sollte. Mit dem richtigen Ende nach oben halten und an der Schnur ziehen. Das war ja inzwischen fast schon zur Routine geworden. Es klappt diesmal auch auf Anhieb. Die Rakete schoss mit einem Feuerschweif nach oben und explodierte mit einer orangen Kugel. So hatte ich wirklich reelle Chancen, gesehen zu werden. Wenn es ein Fischkutter war, konnte ich nur hoffen, dass nicht alle besoffen waren und selbst bei diesem Wellengang mit Autopilot fuhren oder schliefen. Ich nahm das kleine Paddel und begann mit meiner restlichen Kraft wie verrückt zu rudern. Mit kurzen, euphorischen Schlägen versuchte ich, etwas näher an das Schiff heranzukommen. Ich paddelte bis ich kraftlos und beinahe bewusstlos auf den Boden meines Dingis sank. Waren Sekunden oder Minuten vergangen? Als ich endlich die Kraft hatte, mich wieder aufzuraffen, lag die schmerzliche Wahrheit klar und offensichtlich auf der Hand. Man hatte mich nicht bemerkt. Außerdem war ich mit meinem verzweifelten Paddeln sicherlich keinen Schlag von der Stelle gekommen. Der Wind, die Strömung und die starke Dünung arbeiteten unbarmherzig gegen mich. Das Schiff entfernte sich bei jedem Sichtkontakt auf einem Wellenberg immer mehr und mehr, und war kurz darauf hinter dem Horizont verschwunden. Ohhh Hoffnung, wo bist Du geblieben?
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Dennoch, trotz ihrer Fürsorge hätte sich meine Mutter einmal beinahe selbst das sprichwörtliche Ei ins Nest gelegt. Noch vor meinen ersten Erfahrungen mit Jungs, als ich vierzehn war, glaubte mein Vater, dass es an der Zeit wäre, aus dem verwilderten Mädchen eine verantwortungsbewusste Frau zu machen. Am besten dafür geeignet schien ihm ein Ferienjob zu sein.
„ Hätte ich einen Jungen, würde ich ihn zur schönsten, erfahrensten, nettesten Dirne bringen, die ich finden kann.“
Um mich ja nicht aus den Augen zu verlieren, fragte Mutter den Bäcker, der noch nicht einmal ein Einheimischer war, aber jeden Tag Brot in die Siedlung, ja bis ans Haus brachte, nach einem Ferienjob. Die Idee mit mir als Bäckergehilfin gefiel beiden ausgezeichnet. Dem Bäcker allerdings aus ganz anderen Gründen.
Selbst als er den Vorschlag machte, dass ich ja aus organisatorischen Gründen – Bäckergehilfen müssen ziemlich früh aufstehen – bei ihm im Haus, also oberhalb der Bäckerei übernachten könnte, ahnte meine Mutter nichts. Der Bäcker war ja ein ehrenwerter Mann, und jeden Tag am frühen Morgen einige Kilometer bis zur Backstube zu fahren, wäre für mich zu mühsam und gefährlich gewesen. Doch die Gefahr lauerte ganz wo anders.
Es hat keinen Tag gedauert, da saß er schon an meinem Bett.
Wie es mir denn so gehe, und so... „hast du dich schon an die Arbeit gewöhnt…“ und … ob ich immer mit Pyjama schlafen würde und … das würde da unten doch ein bisschen einschneiden und so, „oder nicht?“ … „Lass mich doch mal fühlen, ja, sehr eng …“
Ich wusste damals nichts von „Sexunholden“. Irgendeine besondere Art von ›Mädchenfreund‹, eine Tiroler Spezialität? oder doch nicht? Der Bäcker jedenfalls entpuppte sich schnell als ein geiler Wicht und Kinderverführer. Über Sex oder gar Kinderschänder war bei uns nie gesprochen worden. Heute kann ich es ja laut denken, der Bäcker lebt nicht mehr, die Mutter kann ihn somit nicht umbringen. Damals hatte ich in meiner Naivität Stress! So oder so. Ich wollte sehr bald keine Semmel mehr backen und auch sonst nichts anbrennen lassen, und schon gar nicht meine Muschi. Nicht durch die Hand oder das Ungeheuer dieses Bäckers! Ich wusste in meiner Naivität nur, da läuft irgendetwas nicht richtig, durfte es aber niemandem sagen. Und so blieb ich weiter in den Fängen des auf Teens geilen Meisters. Der ließ sich immer neue Schikanen einfallen, um mich für meine erfolgreiche Zurückhaltung zu bestrafen. So musste ich mit dem vollen Brotkorb den Berg hoch radeln, und immer früher aufstehen, um die anstrengendsten Arbeiten in der Backstube zu erledigen.
Ich schwitzte bei der Arbeit und noch mehr zu Hause, wenn meine Mutter wissen wollte, wie es denn bei dem netten Bäcker so wäre. Zum Glück hatte er noch andere Opfer aus dem Ort, die inzwischen alles angesehene Hausfrauen waren. Der Bäcker ersann sich immer neue Möglichkeiten, wie er mich gefügig machen könnte, meiner naiven Mutter fiel jedoch immer noch nichts auf. Nach einigen fehlgeschlagenen Wochenendbergtouren schöpfte sie nicht einmal Verdacht, als der Bäcker ihr scheinheilig vorschlug, zum Edelweißpflücken wäre doch eine kurze Lederhose am geeignetsten.
»Na, ja sicher doch.«
Original Tiroler Lederhosen haben vorne eine blattgroße Klappe bzw. ein Tor mit zwei Knöpfen. Und selbst ohne dieses Tor ist viel Platz für eine Bäckerhand. Meine Mutter steckte mich also in eine dieser Lederhosen. Ich schwitzte Blut und Wasser. Keine Ausrede, die ich erfand, half. Ich musste auf die Bergtour.
Zum Unterschied von zu Hause gab es auch immer sehr gute Jausen und Getränke während solcher Touren. Nach dem Motto der bösen Hexe: „ Zeig mir doch deinen Finger, äähh deine Nippel, werden sie auch schön groß und hart?“
Der Bäcker dachte bei Finger aber wohl an etwas anderes. Also auf der Höhe, wo das Edelweiß nun mal wächst und sonst die brave Heidi-Sennerin singt, wurde wieder ein Versuch gestartet, aus der Jungfrau eine Hure zu machen. Nachdem die Bemühungen meines geilen Verführers bei mir zu landen bis dato gescheitert waren, wollte der grausige Unhold, dass ich bei ihm doch noch etwas zuwege bringen sollte. So packte er neben der Jausenwurst auch seine Wurst zwischen den Beinen aus. Er wollte, dass ich daraus eine Hartwurst machen sollte. So wie die Salami, in die ich so gerne biss. Das hier war aber etwas anderes, und ganz sicher wollte ich da nicht rein beißen oder daran lutschen. Viel Glück und die entsprechende Naivität ließen mich mit meinen mit Krallen bestückten Fingern so ungeschickt und extrem fest zugreifen, dass dem Schwein ein für allemal die Lust daran verging.
Der frustrierte Sexunhold lief daraufhin wie verrückt den Berg hinunter, ich stolperte hinterher und hätte mir beinahe das Genick gebrochen, bei diesem wilden Abstieg. Im Anschluss fuhr er noch wie verrückt die kurvenreiche Bergstraße hinunter und ich hatte berechtige Angst um mein junges Leben. Nach einigen weiteren Racheaktionen, die ich irgendwie glücklich überstand, war auch diese Episode nach einiger Zeit unbeschadet überstanden. Der Bäcker blieb trotz allem erfolglos. Inzwischen kann ich sogar darüber lachen. Einige Mitschülerinnen hatten weniger Glück, waren weniger standhaft oder sitthaft – je nach Sprachgebrauch – und leiden teilweise noch heute darunter. Meine Mutter ahnt bis heute nichts. Der Bäcker wurde Jahre später mit allen dörflichen Ehren beerdigt. Ich wundere mich, dass es ein Bäcker war und nicht der Pfarrer oder ein sonstiger Kirchenfürst. Oder verdränge ich da doch noch etwas? Heutzutage deckt man diese sexuellen Übergriffe ja vermehrt auf. Zu meiner Jugendzeit waren die Medien wohl noch nicht so sensationsgeil.
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