Der bärtige Astronom wandte sich zunächst an Benj. Die beiden trieben schwerelos im Beobachtungsraum, der im Mittelabschnitt des Satelliten lag. Tebbetts hatte die Barke mit seinem Schüler längsseits zu sehen erwartet, aber hinter der Transparentwand erkannte man nur auf der einen Seite die Sonne und auf der anderen die matte Scheibe Dhrawns. „Wo ist er denn, Benj?
Hoffentlich verspätet er sich nicht. Sogar mit Nomografen statt mit Computern müßte er mittlerweile korrekter manövrieren können.“
„Dort ist er.“ Der Junge deutete auf das blinkende Objekt. „Zweihundert Meilen entfernt, in einer Siebzehnkommaachtminutenkreisbahn um den Satelliten.“
Tebbetts blinzelte. „Aber das ist ja lächerlich. Er soll beschleunigen und…“
„Das macht er durchaus. Beschleunigung zweihundert G — das entspricht dem Gravitationswert in seinem Heimathafen auf Mesklin, und die Rotationsdauer stimmt mit der von Mesklin überein. Er sagt, so wohl habe er sich nicht mehr gefühlt, seit er für Barlennan arbeitet.“
Der Astronom lächelte bedächtig. „Ja, ich verstehe. Wirklich verständlich. So etwas hätte ich mir denken sollen. Ich glaube, ich muß ein bißchen mehr auf ihn eingehen. Würdest du meine Sprachkenntnisse überwachen? Für das heutige Training fehlen mir einige Stennish-Vokabeln, schätze ich.“
„Zu dumm, daß die Kwembly schließlich doch noch geborgen werden konnte“, bemerkte Aucoin.
„Aber Dondragmers Mannschaft leistet hervorragende Geländestudien, während sie auf die Kalliff wartet. Die Lösung, nur die beiden Steuerleute an Bord zu nehmen und nicht die ganze Mannschaft, war sicherlich die beste; ohne erfahrene mesklinitische Piloten wäre das Risiko einer zweiten Landung ganz schön hoch gewesen…
Aber nun haben wir Schwierigkeiten mit der Smof.
Bei diesem Verschleiß werden uns die Fahrzeuge ausgehen, bevor wir die Tiefdruckzone Alpha zur Hälfte erforscht haben. Kennt jemand den Captain der Smof so gut, wie Easy Dondragmer kennt? Du nicht, Easy? Weißt du, ob man erwarten darf, daß er mit der Situation allein fertig wird? Oder sollen wir die Barke runterschicken, ehe das Training der beiden Meskliniten beendet ist?“
„Tebbetts meint, daß Beetc hermarlf nunmehr eine Oberflächenlandung durchführen kann, vorausgesetzt, es treten keine mechanischen Komplikationen auf“, berichtete ein Ingenieur.
„Ich persönlich hätte keine Bedenken.“
„Kann sein, aber ich würde es vorziehen, Beetchermarlf und Takoorch das Training fortsetzen zu lassen. Die Planetologen sollen einen geeigneten Landeplatz in der Umgebung der Smof lokalisieren, aber wir greifen noch nicht ein. Ich möchte, daß die Besatzung der Smof ihr Bestes gibt, um das Fahrzeug zu retten, und nicht in Versuchung gerät, es im Ausblick auf sichere Rettung voreilig aufzugeben.“ Ib Hoffman zeigte ein wenig Unruhe, sagte aber nichts; in gewisser Hinsicht hatte Aucoin wahrscheinlich recht. „Gibt es inzwischen endgültige Resultate über das Phänomen, an dem die Kwembly gescheitert ist?“ erkundigte sich der Planer übergangslos. „Die Proben, die Beetchermarlf besorgt hat, liegen nun seit Wochen im Labor.“
„Ja“, antwortete ein Chemiker. „Es handelt sich um ein faszinierendes Beispiel von Oberflächenaktivität. Der Stoff ist sensitiv gegenüber Natur und Größe der auf ihn einwirkenden Mineralienpartikel, Wasser-und Ammoniakanteilen, Temperatur und Druck. Die Hauptursache war natürlich das Gewicht der Kwembly — die beiden Meskliniten vermochten sich auf dem Untergrund gefahrlos zu bewegen.
Ausgelöst durch ein Druckmaximum, das überschritten wurde, verlor das Zeug plötzlich seine Festigkeit…“
„Gut, gut“, sagte Aucoin, „halten Sie den Rest schriftlich fest. Lassen solche Schichten sich erkennen, bevor man darauf steht?“
„Hmm. Ja, glaube ich. Messungen der Strahlungstemperatur dürften ausreichen; oder wenigstens so viel verraten, daß man sicherheitshalber weitere Tests durchführen kann.“
Aucoin nickte und wandte sich anderen Fragen zu. Forschungsberichte, Presseberichte, Versorgungsmaßnahmen, Planungsaussichten. Er war noch immer ein wenig erschüttert, nachdem er seinen Fehler eingesehen hatte, verließ sich jedoch darauf, daß ihm niemand etwas anmerkte; außer den Hoffmans, versteht sich, vielleicht auch andere… er mußte umsichtiger sein, um verantwortungsvolle und anerkennungswürdige Arbeit leisten zu können. Immerhin, pflegte er beharrlich in Gedanken zu wiederholen, die Meskliniten waren wirklich Leute wie alle anderen, wenn sie auch wie Raupen aussahen.
Ib Hoffmans Aufmerksamkeit schweifte häufig von der Tagesordnung ab, obwohl er wußte, daß wichtige Aufgaben bevorstanden. Seine Überlegungen kreisten immer wieder um die Kwembly, die Smof und um ein Tauchgerät, das beinahe einen elfjährigen Jungen getötet hatte. Die Berichte und Referate schienen kein Ende nehmen zu wollen; Ib bemühte sich um Konzentration.
„Wir machen Fortschritte“, bemerkte Barlennan.
„Nachdem wir die Kommunikatoren aus der Kwembly entfernt haben, weil sie endgültig geräumt wurde, werden wir unbeschränkten Gebrauch von ihr machen können. Außerdem haben wir Reffels Helikopter zur Verfügung, da die Menschen auch ihn für verschollen halten.
Jemblakee und Deeslenver sind sich darin einig, daß die Kwembly in einem Tag wieder fahrbereit sein wird.“ Er blickte zu der schwachen Sonne empor, die fast genau über ihnen stand. „Die menschlichen Chemiker waren hinsichtlich des Schlamms, worin sie steckte, äußerst hilfreich. Es war komisch, wie sie einen prächtigen Einfall nach dem anderen vortrugen und ständig beteuerten, es seien alles bloß Vermutungen.“
„Zweifel an den eigenen Fähigkeiten scheint geradezu eine menschliche Gewohnheit zu sein“, meinte Guzmeen. „Wann kam diese Neuigkeit?“
„Vor einer Stunde traf die Deedee ein und ist schon wieder fort. Das Luftschiff ist gegenwärtig überfordert. Schlimm genug, daß wir die Elsh verloren, und mit dem Verschwinden von Kabremm und der Gwelf begannen dringende Angelegenheiten, sich zu verzögern. Vielleicht findet ihn die Kalliff; Kenankens Scouts sind gerade dabei, eine Landroute zu Dondragmers Lager auszukundschaften, und bei dieser Gelegenheit entdecken sie womöglich eine Spur. Er ist noch keinen Tag überfällig, so daß noch eine Chance besteht…“
„Und trotzdem sagst du, wir machen Fortschritte?“
„Sicherlich. Das ganze Este-Manöver, wie du weißt, sollte bezwecken, daß die Menschen uns Raumschiffe in eigener Regie benutzen lassen, und unsere Errungenschaften in der Selbstversorgung sind nur willkommenes Nebenresultat. Wir haben das Ziel viel früher als erwartet erreicht, ohne große Opfer; ja, die zweite Basis, gewiß, die Elsh und ihre Besatzung, vielleicht auch Kabremm und…“
„Aber auch Kabremm und Karfrengin sind unersetzlich. Auf dieser Welt befinden sich nicht viele von uns. Und falls Dondragmer und seine Mannschaft nicht überleben können, bis die Kalliff eintrifft, wäre das ein ernster und schwerer Verlust; schließlich sind Wissenschaftler und Techniker darunter.“
„Don ist in keiner echten Gefahr. Das Lager kann jederzeit von Beetchermarlf mit dem menschlichen Raumschiff evakuiert werden — mit unserem Raumschiff, meine ich natürlich.“
„Und wenn bei dieser Operation etwas mißlingt, verlieren wir unser einziges Raumschiff und unsere beiden einzigen Raumpiloten.“
„Was es mir ratsam erscheinen läßt“, sagte Barlennan nachdenklich, „daß wir etwas von dem verlorenen Boden zurückzugewinnen versuchen sollten. Sobald die Kwembly fahrtüchtig ist, soll sie einen geeigneten Platz ausfindig machen und eine neue Zweitbasis errichten. Dons Wissenschaftlern dürfte es nicht schwer fallen, eine gute Stelle zu finden; Dhrawn ist offenbar reich an Metalladern.“
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