Adalbert Stifter - Witiko
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»Willig und treu wie die Waldleute«, antwortete Rowno. »Ich grüße dich, Witiko, ich nehme dein Geschenk gerne an, und gebe dir die Leute mit einigen Beschädigungen wieder. Den Wolfgang von Plan und den starken Simon vom Reutschlage kann ich dir nicht mehr geben. Sie liegen schon in der Erde der Stadt Prag.
Sie haben ihrem Platze genug getan, und Simon hat den Feinden im vorhinein vergolten, ehe sie ihn weggerafft haben.«
»Wir werden die Mutter Wolfgangs in Plan trösten und stützen«, sagte Witiko, »und um Simon tut es mir leid, er ist ein starker treuherziger Mann gewesen. Hat er Angehörige?«
»Die vom schwarzen Bache sagen«, antwortete Rowno, »daß er Vater und Mutter hat und einen Bruder, der an der Stelle des Alten die Felder besorgt.«
»Gott lohne ihm, er hat ihn gerufen«, sagte Witiko, »und den Seinigen werden wir helfen, wie wir können.«
»Man kann in einer Stadt nicht viel tun, wenn man bloß abwehren muß«, sagte Rowno, »aber zur Erhaltung haben wir doch beigetragen.«
»Beigetragen und es wird anerkannt«, sagte Witiko.
»Wir gehören nun wieder zu dir, Witiko«, rief David der Zimmerer mit heller Stimme.
»Zu dir«, rief Philipp.
»Zu dir«, riefen mehrere Stimmen.
»Zu dir«, riefen dann alle.
»Wir gehören zu ihm«, sprach der Schmied, »weil er zurückgekehrt ist, wie wir gesagt haben, wir gehören zu ihm, so lange diese Sache dauert.«
»Freunde und Waffengenossen«, sprach Witiko, »die Sache ist aus. Es ist kein Feind mehr da, der Herzog hat die Länder und den Fürstenstuhl, und wir können nach Hause gehen. Er hat aber befohlen, daß er noch mit uns sprechen will.«
»Wenn der Herzog mit uns sprechen will, warten wir schon«, sagte der Schmied.
»Jetzt aber gehabt euch wohl«, sagte Witiko, »ich und Urban und Augustin und Lambert und Jakob gehören noch zu des Herzogs Leuten, und müssen zu ihnen. Morgen und zunächst wird sich schon das andere fügen. Heute werden noch Speisen und Getränke zu euch geschafft werden, genießet sie fröhlich und gedenket unser.«
»Wir gedenken eurer«, riefen die Männer.
»Wie du schön angezogen bist, Witiko«, sagte Tom Johannes der Fiedler.
»Ich habe dir auch ein Wams aus Nürnberg gebracht, du armer Mann«, antwortete Witiko, »es wird, wenn du im Sommer keinen Rock an hast, weithin im Walde leuchten.«
»Das ist schön«, sagte Tom Johannes, »wenn nur auch die Fiedel wieder wäre.«
»Sie wird sein und klingen, und gewiß wird sie klingen, du zaghafter Mann«, sagte Witiko.
»Und nun erquickt euch«, fuhr er dann fort, »ruhet gut in der Nacht, und morgen komme ich wieder zu euch. Lebe wohl, Rowno, du auch, Osel, und ihr andern. Jetzt, Reisegenossen, besteigt die Pferde, und wir gehen zu unserer Schar.«
»Nehmt auch einen deutschen Gruß und ein deutsches Lob für eure Taten, ihr Männer der Wälder«, rief Wolfgang von Ortau.
»Wir danken euch«, sprach Rowno, »gewähret uns einmal einen Besuch in dem Walde, und genießet unser Haus.«
»Ja, ja, ja«, riefen mehrere Männer des Waldes, »kommt und wir danken für das Lob.«
»Wer weiß, was geschieht«, sagte Wolfgang von Ortau, »und ob wir nicht einmal in die Heimat Witikos kommen.«
Witiko antwortete: »Dann seid ihr dort wie die Unsrigen.«
»Wir denken es, Witiko«, sprach Wolfgang von Ortau.
»Ihr müßt dann von einem zu dem anderen gehen«, sagte Rowno.
»Nach Dub auch zu mir«, rief Osel.
»Und zu mir nach Wettern«, rief Diet.
»Und nach Hora«, rief Witislaw.
»Und nach Attes«, rief Hermann.
»Und nach Tusch«, rief Wolf.
»Es ist gut, ihr Männer«, sagte Wolfgang von Ortau, »wir kommen. Ruhet in der Nacht, morgen reiten wir wieder zu euch.«
Witiko und die Seinigen bestiegen die Pferde, und sie und die deutschen Begleiter ritten in das Lager auf dem großen Marktplatze.
Dort war neben dem Gezelte Witikos ein schöneres und geräumigeres für Wolfgang und seine Freunde hergerichtet worden. Witiko führte sie in dasselbe ein.
Jetzt kam auch der Knecht Raimund, den Witiko in Prag zurückgelassen hatte, um in der Nacht bei Witiko zu bleiben.
In dem Lager wurden des Abends Speisen bereitet, zu den Verteidigern der Stadt und zu andern Leuten derselben wurden Speisen und Getränke gesendet, und in dem Hofhause des Herzogs wurde das angekündigte Mahl abgehalten.
Am andern Morgen war bei dem Aufgange der Sonne unter dem freien Himmel auf dem großen Platze vor dem Herzogstuhle ein heiliger Dankgottesdienst. Der Herzog, die Herzogin, die Führer, die Hofherren, die Geleite und alle Krieger außer den Wachen und sehr viele Menschen waren bei dem Gottesdienste zugegen. Nach dem Danke wurden die Gebete für die Toten gesprochen.
Dann gingen der Herzog, die Herzogin, die Bischöfe, Äbte und viele Priester und die Führer zu den Verwundeten und Kranken.
Wladislaw verlangte, daß man ihm ein Verzeichnis von allen verfertige, welche Wunden erhalten, und welche den Tod erlitten haben.
Darauf versammelte man sich zu dem Rate in dem Saale der Hofburg.
Nach dem Rate wurden die Männer, welche den Herzog Wladislaw auf seinem Wege nach Nürnberg begleitet hatten, und welche zu dem Heere, das auf dem Wysoka gekämpft hatte, gehörten, wieder zu den Ihrigen eingeteilt.
Witiko ging zu den Waldleuten, und ließ für seine deutschen Freunde und für sich und seine Knechte Zelte errichten. Lambert, Augustin und Urban gingen auf ihre Plätze, und die Pferde des Herzogs wurden in ihren Stall zurück geschickt.
Jetzt kam auch Heinrich, der Bruder des Herzoges Wladislaw, mit den Hilfsmännern aus dem Lande Budissin an. Es wurde ihnen ein Platz gegen das Dorf Buben hin neben dem verlassenen Lager der Feinde angewiesen.
Als die Sonne an dem Mittage des Himmels stand, meldeten die Späher, daß das Heer des Königs Konrad komme.
Eine große Zahl Menschen versammelte sich an dem Wege, auf der Brücke und an anderen Stellen, um es kommen zu sehen.
Bald zog es auf dem Wege neben der Moldau herein. Und alle Menschen und alle Dinge, welche sich neben dem Wege befanden, und auch alle, die weiter waren, die Büsche des Berges Petrin und die Felsen gegen die Burg hin leuchteten von dem Scheine der Waffen und Rüstungen. An der Spitze des Zuges ritt der König Konrad. Er hatte einen goldenen Harnisch und einen goldenen Helm. Unter dem Helme waren an der Stirne blonde Haare und seine blauen Augen blickten freundlich umher. Weil man sagte, daß er so männlich sei, wie der erste Ritter in seinem Heere, so sahen alle Augen auf ihn. Dann waren die Erzbischöfe, Bischöfe, Äbte, Kurherren, Herzoge, Grafen, Ritter, Herren und Führer der Klöster und Städte. Oft waren auf ihren Rüstungen und Schilden Verschlingungen von Laub und Zweigen, von Gestalten und Zeichen aus Gold, Silber oder edlen Steinen. Hermelin oder anderes Rauhwerk war an Säumen und Rändern. Dann kamen die Krieger meist in heller Beschienung, und alles, was zu dem Zuge gehörte. Die Menschen riefen dem Könige zu, und warfen ihm Blumen oder Reiser.
Als der König zu der Brücke gekommen war, harrten an derselben auf ihren Rossen sitzend der Herzog Wladislaw, die Herzogin Gertrud, Diepold und Heinrich, die Brüder des Herzoges, dann die Bischöfe Otto und Zdik, die Äbte und Priester, dann die Herren der Ämter des Hofes und die Führer der Krieger. Sie begrüßten den König und die Seinigen, und geleiteten sie über die Brücke. An das Heer des Königs schloß sich das Heer der Stadtverteidiger an, und das, welches Heinrich aus dem Lande Budissin gebracht hatte. In langen Zügen bewegten sich die Männer über die Brücke der Moldau dahin. Sie durchzogen den rechten Burgflecken bis zu dem Marktplatze, der zwischen dem Burgflecken und dem Wyšehrad war. Dort schlossen sich auch die Krieger an, die seit gestern auf dem Marktplatze lagerten. Vor dem Burgflecken des Wyšehrad blieben die Heere stehen, und der Herzog und die Seinigen geleiteten den König mit seinen Vornehmen durch den Burgflecken gegen das Pankratiustor der Burg empor. Vor dem Tore stand der Propst Hugo und der Diakon und der Subdiakon in dem Schmucke der kirchlichen Haube und der Fußsohlen, die sie aus Vergunst des Heiligen Vaters tragen durften, und es stand der Dechant, der Meister, der Hüter, und es standen die übrigen Priester des Hauses da, und neben ihnen stand der greise Zupan Fabian mit dem Gaurichter, dem Kämmerer, dem Maier, dem Jägermeister und den anderen Zupenherren, und hinter ihnen standen die Diener der Kirche und die Diener der Zupanei.
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