Die Spurensicherung vertrieb uns schließlich aus den Räumen, um alles genau zu untersuchen, und die Gerichtsmedizin transportierte die drei Leichen ab. Es gab nichts mehr für uns an diesem Ort. Alle privaten Sachen hatten wir schon mitgenommen, auch alle unsere Aufzeichnungen.
Im Polizeirevier unterzog man uns einer endlos langen Befragung, selbstverständlich getrennt voneinander. Und die, denen wir da gegenübersaßen, verstanden ihren Job. Wir hatten den Eindruck, dass man uns einen gewissen Teil Mitschuld an den Morden gab, weil wir nicht schon längst die Behörden informiert hatten. Während des Verhörs erhielten die Polizisten den Arztbericht von der Untersuchung der Mädchen. Man legte uns Fotos vor, die einem das Blut in den Adern gefrieren ließen. Ein akkurates Muster aus Narben auf ihren kleinen Körpern ... "
"Narben? Auf der Brust? Die hat Ahmad auch!", platzte Trajan aufgeregt dazwischen.
Tariq hob die Hand, um ihn zu unterbrechen. "Dazu kommen wir gleich. Jedenfalls war für uns unvorstellbar, wie ein Mensch ihnen das hatte antun können. Und dass es Leute gab, die das gleichgültig mitangesehen oder einfach weggesehen hatten.
Aharon fragte, was nun mit den drei Kindern geschehen würde. Man antwortete ihm, dass sie in medizinische Behandlung kämen. Selbstverständlich gäbe es auch eine intensive psychische Betreuung für sie. Das beruhigte uns einigermaßen. Man würde sich gut um sie kümmern. Trotzdem fühlten wir uns unsagbar schlecht und außerdem schuldig, denn wir hatten versagt. Zwei unschuldige Männer hatten wir in die Sache hineingezogen, ebenso ein Kind. Alle drei waren jetzt tot. Jeff war selbst Vater gewesen, hatte Matt erzählt. Und Mato Rayan, der Mörder, konnte entkommen. Das war wohl das Schlimmste. Wir befürchteten, er würde ganz bestimmt in absehbarer Zeit irgendwo anders seine unfassbaren Experimente fortsetzen."
Mit versteinertem Gesicht starrte Tariq ins Kaminfeuer. Seine Finger umklammerten gedankenverloren das Wasserglas in seiner Hand.
"Doch das sollte nicht die letzte Schreckensbotschaft sein", fuhr er leise fort. "Die Eltern der Kinder waren spurlos verschwunden. Auch die des Jungen, der mir in die Arme gelaufen war. Sie galten ab dem Tag, an dem ihre Kinder entführt wurden, als vermisst. Zwar wurde mit Hochdruck nach ihnen gefahndet, aber sie blieben unauffindbar. Und je mehr Zeit verging, desto mehr erhärtete sich der Verdacht, dass sie ermordet wurden.
Die Kinder waren also potentielle Waisen. Ich fasste einen Entschluss. Nach ihrer langen psychischen Rehabilitationsphase stellte ich einen Antrag auf Pflegschaft für alle drei. Und obwohl ich keine Frau hatte, wurde er bewilligt, weil die Mädchen sich während meiner zahllosen Besuche bei ihnen schon an mich gewöhnt hatten. Ein halbes Jahr nach diesen Ereignissen holte ich sie und auch den Jungen nach Darach Manor."
Tariq war ans Fenster getreten. Eine Hand in die Hosentasche geschoben und mit der anderen das Wasserglas zwischen den Fingern drehend, stand er einfach nur da und starrte hinaus in den Garten. Am heftigen Heben und Senken seiner Schultern konnte man sehen, wie sehr ihn diese Geschichte mitnahm.
Keiner wagte es, das Schweigen zu brechen. Jeder ließ das Gesagte auf sich wirken.
Schließlich drehte sich Tariq um und sah jeden einzelnen der Reihe nach an.
"Das Ganze ist jetzt fast dreißig Jahre her. Inzwischen wurden die Eltern für tot erklärt und ich habe die Kinder adoptiert. Sie leben heute noch hier. Imara und Tamira, die beiden Schwestern, die damals sechs und acht Jahre alt waren, und Tanyel, der Junge, der damals zehn Jahre alt war."
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