Du bist wieder unfair … Verflixtes Gewissen. »Du beziehst dich auf das Findlings-Mädchen.«
»Ja, ja. Genau die.«
»Was ist mit ihr?« Der Hutmacher hob zum zweiten Mal die Tasse, erinnerte sich zu spät daran, dass ihr der Inhalt fehlte und stellte sie dann mit einem Schnauben ab.
»Gareth ist in schlechter Verfassung. Seit das Wunderland Cadence zurückgewiesen hat, er –«
»Cadence?«
»Ihr Name.«
»Wenn du das sagst.« Kein sehr guter Name. Obwohl, das sind nur wenige.
»Seit das Wunderland Cadence ausgewiesen hat,« wiederholte Devrel wegen der Unterbrechung wütend starrend, während er sein charakteristisches Grinsen beibehielt. »Er isst kaum. Er will nichts machen . Er hat Liebeskummer und es muss enden, bevor ich ihm aus Langeweile die Augen auskratze. Die Rote Königin hatte Mitleid mit ihm und schenkte ihm eine Galgenfrist von ihren Heiratsforderungen, aber sie wird zunehmend unruhig. Sie wird ihn nicht für lange unverheiratet sein lassen.«
Der Hutmacher fuhr mit seinem Finger entlang des Rands der Tasse und murmelte: »Es ist immer tragisch, wenn ein solch vielversprechender Mann dem Herzen zum Opfer fällt.« Die Worte waren bitter ausgesprochen, dennoch bemerkte Devrel den Unterton entweder nicht oder er beschloss es nicht zu kommentieren. Er erwartete nicht viel anderes.
Die Katze warf ihren Blick auf die Decke und schüttelte seinen Kopf. »Hutmacher, Hutmacher. Lieber, süßer, nichtsahnender Hutmacher. Wir müssen Cadence zurückbringen. Du weißt, dass diese Land Emotionen verstärkt. Erinnerst du dich, als Alice salzige Tränen vergoss?«
Der Hutmacher bleckte seine Zähne. Sie war zu einer größeren Größe verzaubert worden und dieser tumben Persönlichkeit fehlte es an Manieren. Es hatte nichts damit zu tun Lust mit Liebe zu verwechseln. »Das Wunderland hat den Findling zurückgewiesen. Warum es schlimmer machen, indem man solche Mühen für nichts auf sich nimmt?«
Devrel schritt auf dem Arbeitstisch auf und ab. Der Hutmacher bewegte seine Augen hin und her, während der Schwanz der Katze in die Federn seines kürzlich fertiggestellten Huts schlug. Wieder. Wieder. Und noch einmal. Er schnappte den Hut und trug ihn zu einem anderen Hut-Pflock, weit außerhalb der Flugbahn von Devrels Schwanz.
»Sie war nicht vorbereitet«, sagte Devrel, der von den Handlungen des Hutmachers unbehelligt schien. »Sie hatte Familie Zuhause und es wog zu schwer auf ihr. Auf dem Weg zum Roten Königreich habe ich sie und Gareth zusammen beobachtet. Da war etwas, das sich bildete, aber noch nicht ganz Früchte trug. Wenn wir sie zurückbringen, hätte sie die Chance zu beweisen, dass sie hierher gehörte, mit Gareth. Er hatte Zeit zu erkennen, was er will, und alles, was er benötigt, ist eine letzte Chance.«
Nun ja, wenn Gareth eine weitere Chance will, dann unter allen Umständen … »Romantik ist eine Zeitverschwendung. Ein Mythos. Warum sie verfolgen?”
»Ich habe nicht gesagt, dass du daran glauben musst.«
Liebe beeindruckte ihn nicht. Wenn er es nicht in seinen Händen halten, ausbessern, formen, gestalten konnte, dann … existierte es nicht. Nichts, das er nicht für sich erschaffen konnte, hatte Substanz, noch hatte er die Zeit dafür. Der Hutmacher studierte Devrel und fragte: »Warum glaubst du, dass das Wunderland eine zweite Chance gewähren würde?«
»Alice hat es getan.”
Die Katze schien entschlossen zu sein ihren Namen in die Konversation zu schieben. Alice . Das Mädchen, das in den Kaninchenbau gefallen war und ihr Reich aufgerüttelt hatte. Sie hatte es irgendwie geschafft zweimal einzureisen, als sie über einen der Spiegelzugänge gestolpert war. Der Hutmacher war damals jung gewesen, ein Junge von vierundzehn beim ersten Mal, lediglich zwei Jahre älter als sie. Er war von ihr fasziniert gewesen, aber … sie war gegangen.
Zweimal.
Er drängte seine Emotionen hinter die Wände, welche er errichtet hatte, um dieses spezielle Thema einzudämmen, und sprach durch zusammengebissene Zähne: »Alice hat ihren Weg selbst gefunden und konnte dennoch nicht bleiben. Du hast den Findling hergebracht.«
»Ich kann sie nicht zweimal auf demselben Weg hierherbringen. Ich habe es versucht. Sie sieht mich nicht einmal, wenn ich jetzt die Reiche durchquere; ganz gleich was ich mache oder versuche zu ihr zu sagen. Alice hatte nichts, was sie hier band, aber Cadence hat das. Wenn sie für Gareth zurückkehrt, wird sie vielleicht bleiben.«
Der Hutmacher dachte darüber nach, als er seine Teetasse einsammelte und aus dem Raum schritt. Nichts, das sie hier band, was? Pah! Alice hatte Freunde hier. Sie hätte alles, wovon sie geträumt hat, haben können und mehr. Bei ihrer zweiten Unternehmung war er einundzwanzig gewesen und sie neunundzehn. Er hatte sie gebeten bei ihm zu bleiben, hatte sie geküsst und sie hatte es interessiert erwidert, aber es war nicht vorherbestimmt gewesen.
Wunderland wählte sorgfältig, wenn es jemandem erlaubte zu bleiben. Manchmal machte es Sinn, zu anderer Zeit schien es völlig verrückt. Alice hatte es nicht genug gewollt. Was bedeutete, ganz gleich wie viel Zuneigung Cadence für Gareth hatte, sie war ebenfalls nicht stark genug gewesen. Liebe war lediglich eine über-verklärte Vorstellung, keine kraftvolle Macht, die, wo auch immer sie sich hinwagte, glückliche Ausgänge erschuf. Einst hatte er an eine solche Sache geglaubt. Nicht mehr.
Devrel folgte, als der Hutmacher sich durch die sich verdrehenden Kurven seines Zuhauses und aus der Hintertür heraus torkelte. Unter einem Pavillon waren vier Tische verschiedener Größen zusammengeschoben, auf denen Tischdecken mit unterschiedlichen Mustern drapiert und Teekannen und Snacks aller möglicher Arten verstreut darauf platziert waren. Ein Mann saß auf dem Platz, der sich neben dem Stuhl des Hutmachers ganz am Ende befand, der mit trägen Schlägen mit einem langstieligen Löffel eine Tasse Tee umrührte. Auf seinem Kopf stießen Hasenohren aus seinem Hut, die nur wenige Nuancen dunkler als seine Haut waren, aber dennoch heller als sein Haar. Trotz seiner Ohren war der Rest seines Körpers wie der jedes anderen Mannes. Harold March kam aus einer Familie von Halblingen. Alle von ihnen trugen tierische Charakteristiken, aber keiner teilte sich dieselbe.
»Marchy.« Der Hutmacher nickte, als er eine dampfende Kanne Tee nahm und sich eine Tasse eingoss. Er ersetzte die Kanne und hob das Porzellan an seine Lippen, hielt inne, wandte sich Devrel zu und bot ihm dann stattdessen die Tasse an. Marchy sagte nichts, aber streichelte mit seiner Fingerspitze den Hals der neben seiner Tasse schlafenden Haselmaus.
»Nein danke.« Devrel hüpfte auf einen Sessel gegenüber von Marchy und seufzte zufrieden, als er in die Konturen des Kissens sank. »Du musst für mich mit dem Kaninchen sprechen.«
Marchy saß kerzengerade auf seinem Stuhl. »Wen nennst du hier Kaninchen, Biest?«
Devrel fauchte, schreckte die Haselmaus auf, so dass diese aufwachte und einen großäugigen Blick auf Devrel warf, dann in Marchys Jackentasche huschte. Marchy tätschelte die Tasche, um sie zu beruhigen.
»Nicht du, das Weiße Kaninchen.«
Während Marchy bei dieser Idee laut lachte, runzelte der Hutmacher seine Stirn. »Niemand spricht einfach mit dem Weißen Kaninchen. Er hat sich nach der Tyrannei der Herzkönigin zur Ruhe gesetzt und taucht nur auf gesellschaftlichen Ereignissen auf, wenn es ihm gefällt.« Die Rote Königin hatte die frühere Monarchin besiegt und für die vielen Verbrechen, die sie begangen hatte, hingerichtet, wovon eines war, dass sie Devrels komplette Familie ausgerottet hatte, weil der Boojum, der sich mit Alice angefreundet hatte, sie zum Gespött gemacht hat. Das Weiße Kaninchen hatte sich seither von allen distanziert und das Geflüster, das sein Verschwinden umgab, behauptete, dass er sich dafür schämte zu viel Angst davor gehabt zu haben seinen Kopf zu verlieren, wenn er die Dienste der Königin verließe. Stattdessen lebte er in Einsamkeit, um für seine Untätigkeit zu büßen.
Читать дальше