»Ah, Preston, gut dass Ihr gekommen seid!« Aran kam hinter einem Stoß alter Bücher und Schriftrollen zum Vorschein. Er schien abermals jünger geworden zu sein. Seine Haltung war aufrecht und nichts erinnerte mehr an den gebrechlichen alten Mann, als den ich ihn kennengelernt hatte.
»Shania hat nach mir geschickt?«
»Ja, sie ist in einer der Nebenkammern.«
»Mir scheint, als haben die Stadtbewohner das Interesse an Büchern neu entdeckt«, sprach ich mit Ironie und deutete auf die vielen Elfengelehrten, welche eiligst von Regal zu Regal huschten.
»Ich befürchte, dem ist nicht so.« Der Magier seufzte schwer. »Wir rechnen nun ernsthaft mit einem Angriff, und in dieser Bibliothek befinden sich die kostbarsten Schätze unserer Stadt. Vollkommen gleichgültig, wie es enden wird, ich fand es ratsam, die wertvollsten Schriften mit Schiffen nach Alphradon zu verfrachten. Aber nun kommt, ich geleite Euch zur Sprecherin.«
Nachdem wir Shania in einer der kleinen Kammern angefunden hatten, widmete sich Aran wieder seiner Arbeit, während ich die Elfe musterte, wie sie mit konzentriertem Blick eine Schrift studierte. Ich stand still da, um sie in Ruhe länger beobachten zu können.
Plötzlich hob sie den Kopf und schreckte bei meinem Anblick zurück. »Oh, ich hatte Euch nicht bemerkt. Wie lange steht Ihr schon hier?«
»Ich bin gerade erst gekommen«, log ich. »Die anderen Gelehrten scheinen damit beschäftigt zu sein, Schriften zu verschiffen – ihr hingegen nehmt Euch die Zeit, sie zu studieren. Wollt ihr herausfinden, ob es die Mühe wert ist, dieses Schriftstück nach Alphradon bringen zu lassen?«
»Spottet nur, Mensch!«, gab sie mit gespielter Kränkung zurück. »Nein, ich studiere Aufzeichnungen über verschiedene Verteidigungsstrategien in den vergangenen Jahrhunderten, in denen unsere Stadt angegriffen wurde. Ihr könntet mir Gesellschaft leisten.« Sie deutete auf den Sitzplatz auf der anderen Seite ihres Pultes und auf den Stapel verschiedener Schriften. »Beherrscht Ihr die Kunst des Lesens?«, fragte sie, als ich mich gesetzt hatte und etwas verzweifelt die Schriften betrachtete.
»Ihr unterschätzt mich! Ich beherrsche sogar die Schrift der Arasien.«
»Die Arasien haben eine eigene Schrift? Das ist mir neu. Ich dachte, sie hätten sich ursprünglich nur durch Laute verständigt und erst in späterer Zeit die Sprache der Menschen erlernt.«
»Deshalb beherrsche ich ja auch ihre Schrift!«, neckte ich die Elfe und griff nach dem ersten Schriftstück. »Ehe ich es vergesse, was hat es mit dem Siegel, das Ihr dem Wächter gegeben habt, auf sich?«
»Das Siegel macht selbst einen Stallburschen zum Botschafter und verschafft ihm somit Zugang zu allen Räumen der Stadt – selbst dem Versammlungsraum der Hohen Offiziere. Zugleich kann sich ein Fremder – wie Ihr etwa – mit dem Siegelzeichen ausweisen. Ihr habt es noch bei Euch?«
Ich gab ihr das Pergamentstück und zuckte zusammen, als sie es in die Flamme der Kerze hielt, die neben dem Pult stand. »Jedes Siegelzeichen muss sofort vernichtet werden, sobald es zu dem Siegelträger zurückgefunden hat.«
»Schade, ich hatte mir erhofft, ein Erinnerungsstück an Euch behalten zu können.«
»Ich wollt uns verlassen?«
»Wie kommt Ihr darauf?«
»Dann gibt es auch keinen Grund, warum Ihr Euch an mich erinnern müsst – ich werde dicht an Eurer Seite bleiben, sofern Ihr das wünscht.«
Bis spät in die Nacht hinein studierten wir gemeinsam die Aufzeichnungen bei Kerzenschein. Einige der Schriften waren in der Sprache der Elfen verfasst und für mich unmöglich zu lesen, andere wiederum waren derart fesselnd geschrieben, dass es mir schwer fiel, sie wieder beiseite zu legen – mitunter handelte es sich sogar um Schriften des Schreibers Romanus.
Irgendwann waren die Kerzen herabgebrannt, die Augenlieder schwer vor Müdigkeit und wir waren kaum noch in der Lage, das Gelesene aufzunehmen. Der Elfe waren bereits die Augen zugefallen und auch mich übermannte der Schlaf…
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