Beim Kauf sollten Sie sich ausreichend Zeit lassen, und die Preise im Internet in Fachkatalogen sorgfältig recherchieren.
Was die Katalogpreise angeht, gilt hier dasselbe wie bei Briefmarken. Die enormen Werte, die in den gängigen Standardwerken verzeichnet sind, treffen nur auf herausragende Exemplare zu. Schon kleinste Fehler (wie Kratzer oder Abnutzungen) führen zu drastischen Abschlägen. Kaum eine Münze erfüllt die Idealbedingungen des Höchstwertes. Insbesondere bei antiken oder mittelalterlichen Münzen ist die Stufe „vorzüglich“ schon das Allerbeste, was Sie überhaupt auf dem Markt finden.
Spezialisieren Sie sich auf ein seriöses und anerkanntes Fachgebiet. Laien kaufen vor allem „modische“ Münzen, über die Experten und Numismatiker insgeheim unverkennbar die Nase rümpfen. Dazu gehören die Münzeditionen von Zwergstaaten aus der Südsee, die selbst Geografen mit einem Bachelor nicht sofort auf dem Globus finden. Skurril sind auch Gedenkmünzen, mit denen manche Länder geradezu den Weltmarkt überschwemmen, als wären sie Supermächte. Münzen, die anlässlich einer Olympiade oder einer Meisterschaft herausgegeben werden, sind ebenso wenig in Fachkreisen als sammelnswert eingestuft wie die Kursmünzensätze aus San Marino, Monaco oder dem Vatikan, die zwar kurzzeitig bei der Euroumstellung einen Hype auslösten, aber von ernstzunehmenden und honorigen Münzsammlern gemieden werden.
Seriöse Sammelgebiete, die auch den Ansprüchen von Historikern genügen, sind die griechische und römische Antike, das Mittelalter, die Renaissance, die frühe Neuzeit oder das 19. Jahrhundert.
Aber auch die sorgfältig auswählenden Münzsammler sind gegen Enttäuschungen nicht gefeit. Denn die Rendite ist nicht selten überaus bescheiden.
Das vergangene Jahrzehnt war wegen des historisch unvergleichlichen Booms bei den Edelmetallen eher eine seltene Ausnahmeerscheinung.
Die Wertsteigerung ging primär auf das Edelmetall zurück und nicht auf eine Zunahme des Sammlerwerts. Langfristig aber muss die Rendite vor allem über eine gestiegene Nachfrage erwirtschaftet werden.
ACHTUNG
Wer Münzen sammelt, sollte dieses Hobby als ein kurzweiliges Steckenpferd, aber weniger als eine sinnvolle Geldanlage betrachten. Bedenken Sie auch, dass die Transaktionskosten enorm sind. Während beim Börsenhandel mit Aktien, Anleihen und Fonds nur geringfügige Kosten anfallen, sind beim Münzhandel haarsträubende Aufschläge bisweilen die Regel.
Nur bei Bullion Coins, also Anlagemünzen, bei denen der Gold- oder Silberwert im Vordergrund steht, halten sich die Aufschläge mit fünf oder zehn Prozent in Grenzen. Aber auch hier erleben Sammler drastische Einbußen, wenn sie Zehntelunzen einer Gold- oder Silbermünze erwerben. Die Händler berechnen Aufschläge von über 30 Prozent. Wer so Gold und Silber einkauft, darf sich nicht wundern, wenn er nur Verluste macht. Als Investment eignen sich wegen der Händlerspannen nur Ein-Unzen-Münzen.
Münzen sind demnach ein eher kostspieliges Hobby als eine lukrative Geldanlage. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen. In den gängigen Numismatikforen im Internet werden Sie vor allem Zeitgenossen antreffen, die über die geringe Wertentwicklung und den Niedergang des Münzsammelns lamentieren. Auf jedem Fall sollten Sie vor Ihrem Kauf ein solches Forum konsultieren und auch einem von Händlern unabhängigen Numismatikverein beitreten; dort können Sie wertvolle Tipps erhalten, die Sie vor Schaden bewahren.
Die höchsten Münzrenditen der Geschichte
Manche Münzen machen auch reich. Am bekanntesten ist der Fall eines Ingenieurs aus den USA, der seine gesamte Altersvorsorge auf Münzen ausrichtete. John Jay Pittman legte über 20 Jahre die Hälfte seines Einkommens in Münzen an – insgesamt 100.000 US-Dollar. Als er in Rente ging, konnte er sich eines Vermögens von fast 30 Millionen US-Dollar erfreuen.
Ebenso bekannt ist der Fall von Silvano DiGenova. Er erwarb bereits als Jugendlicher überaus seltene Münzen und wurde bereits mit 21 Jahren Millionär.
Die beiden Sammler wurden vor allem deshalb durch Münzen reich, weil sie über ein herausragendes Expertenwissen verfügten und nur erstklassige und äußerst seltene Raritäten erwarben.
Sie sehen: So schnell können Sie, wenn Sie es richtig bewerkstelligen, zu den oberen Zehntausend zählen.
Bevor Sie den erfolgreichen Numismatikern nun nacheifern, kann ich Ihnen versichern, dass es viele andere Anlagen gibt, mit denen Sie vermutlich wesentlich schneller Millionär werden.
Solche begehrten Münzen bekommen Sie nur auf Spitzenauktionen und bei Münzhändlern, die sich ihr Leben lang auf ein sehr begrenztes Gebiet spezialisiert haben. Die Massenware, die im Internet und in Zeitschriften häufig feilgeboten wird, eignet sich dazu nicht. Außerdem müssen Sie in der Lage sein, einen Preis realistisch einschätzen zu können. Wenn Sie zu teuer kaufen, werden Sie nur Verluste machen.
Der Sonderfall: Amerikanische Goldmünzen
Die USA sind in der Numismatik ein exotischer, aber interessanter Sonderfall. Zum einen haben es dort Anleger wesentlich einfacher als in Europa. In den USA gibt es nämlich ein differenziertes einheitliches Bewertungssystem, nach dem eine Münze eingestuft wird. Schon beim Kauf vom Händler wissen Sie, welchen Erhaltungsgrad die Münze hat.
Hierzulande hingegen gehen die Meinungen weit auseinander, so dass Ihre Münze unter Umständen viel schlechter bewertet wird, als Sie anfangs dachten. Damit kann ein drastischer Wertverlust einhergehen. Die Katalogpreise gehen immer von der besten Erhaltungsstufe aus. In der Praxis ist diese so gut wie nie gegeben. Ähnlich wie bei Briefmarken sind daher die Wertangaben in Katalogen drastisch zu reduzieren, um eine realistische Vorstellung von den tatsächlichen Preisen zu erhalten.
WISSENSWERT
In den USA hingegen werden Münzen nach einem standardisierten System eingeordnet, das sich in der Regel als zuverlässig erweist. Beim Händler erhalten Sie ein eigenes Echtheitszertifikat, das den Erhaltungsgrad offiziell ausweist. Als Maßstab und Instanz dienen zwei Verbände, nämlich der Professional Coin Grading Service (PCGS) und die Numismatic Guaranty Corporation (NGC), die dieses System entwickelt haben und so für ein hohes Maß an Transparenz sorgen. Im Vergleich dazu ist der traditionelle Münzhandel in Europa wenig anlegerfreundlich.
Eine zweite Besonderheit, die nur Goldmünzen betrifft, ergibt sich aus der amerikanischen Geschichte. Nach der schweren Weltwirtschaftskrise von 1929 beschloss der Präsident 1933, ein vollständiges Goldverbot zu erlassen. Goldmünzen mussten gegen einen staatlich festgelegten Kurs zwangsweise in US-Dollar umgetauscht werden. Banksafes konnten nur in Gegenwart eines Beamten geöffnet werden. Wer den Goldbesitz verschwieg und erwischt wurde, musste mit harten Strafen rechnen. Erst Mitte der siebziger Jahre wurde das Goldverbot in den USA wieder aufgehoben. Auch in anderen Ländern – in Deutschland in der Weimarer Republik und während der NS-Zeit – gab es ein umfassendes Goldverbot, das rigoros umgesetzt wurde. Selbst staatliche Gold- und Silbermünzen wurden in Deutschland eingezogen.
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