In meiner Kehle sprudelt ein Lachen hoch.
Wow, das ist gut. Weil es so aussah, als würde er seinen Schwanz von einer Tussi gelutscht bekommen, die nicht seine Freundin ist.
Bevor ich etwas sagen kann, packt Reed meinen Freund an der Hemdbrust und knallt ihm seine Faust ins Gesicht.
Oder besser gesagt: meinem Ex-Freund.
Ich zucke zusammen, als Tyler grunzt. "Scheiße, Mann! Immer mit der Ruhe! Es war nur ein Blowjob."
Reeds Gesicht verfärbt sich tiefrot vor Wut. Wenn Tyler auch nur einen Funken Verstand besäße, würde er seine Klappe halten. Es ist kaum eine Minute her und schon schwillt sein Auge an. Er wird morgen früh ein höllisches Veilchen haben. Nicht, dass er es nicht verdient hätte, aber ich mag keine Gewalt.
Ty leckt sich die Lippen, als sein Blick von mir zu dem wütenden Reed und dann zu den Leuten, die im Flur stehen, wandert. "Ich wollte nicht, dass das passiert. Es war …"
Bitte sag jetzt nicht, dass es ein Unfall war! So wie, dass dieses Mädchen gestolpert und auf deinen Penis gefallen ist.
Mit ihrem Mund.
"Es war ein Unfall", beendet er lahm.
Jetzt, nachdem der erste Schock abgeklungen ist, explodiere ich: "Das ist Schwachsinn, Ty." Ich deute zu dem halb nackten Mädchen auf dem Bett. O mein Gott, warum zieht sie sich nicht was an? " Das war kein Unfall. Das war Absicht."
Da ich sie in ihrem traurigen Zustand nicht anschauen kann, schnappe ich mir ihr zerknittertes Shirt vom Bett und ziehe es ihr über den Kopf, bevor ich ihr helfe, ihre Arme in die Ärmel zu schieben. Sie hat zwar keinen BH an, aber wenigstens hängen ihre Brüste nicht mehr heraus. Vielleicht sollte es mir egal sein, doch sie ist offensichtlich zu betrunken, um zu begreifen, dass die Leute gaffen, während sie Fotos schießen, die sie am Morgen bereuen wird.
"Wir sind fertig, Ty", murmle ich.
Wie hat sich dieser Abend von einer Nacht voller Möglichkeiten zur totalen Scheiße entwickeln können? Ich reibe mir die Schläfen, um runterzukommen.
"Ach, komm schon, Babe", jammert Tyler. "Es war nur ein Blowjob." Er starrt die Blondine an. "Und kein sehr guter."
"Das ist nicht das, was du vor ein paar Minuten gesagt hast", sagt das Mädchen.
Tyler presst seine Lippen zusammen und ignoriert sie.
Ich schüttle den Kopf. "Tut mir leid, nein."
"Em, bitte …"
"Nein!", schnappe ich, angewidert von ihm, weil er dachte, ich würde ihm so was durchgehen lassen. "Es ist vorbei!"
Er breitet die Arme weit aus, seine Augen verdunkeln sich vor Frust. "Was zum Teufel erwartest du von mir, wenn du mich nicht ranlässt?" Sein Mund verzieht sich zu einem hässlichen, schiefen Strich, als er knurrt: "Ich hätte es besser wissen müssen, als mit einer Jungfrau was anzufangen. Es ist zu viel Arbeit, verdammt!"
Im Raum wird es still.
Vielleicht ist es auch die gesamte Party, die verstummt.
Das einzige Geräusch, das ich wahrnehme, ist das Klopfen meines Herzschlags, der meine Ohren erfüllt. Dann kommt ein würgendes Geräusch tief aus meiner Kehle.
Reed erstarrt, bevor er sich wie in Zeitlupe umdreht und mich ansieht, als wäre mir ein Horn aus dem Kopf gewachsen.
Oder ein Jungfernhäutchen in meiner unteren Region.
Hitze überflutet meine Wangen. Ich bete, dass sich der Boden unter meinen Füßen öffnet und mich einfach verschluckt. Ich kann die Demütigung vor all diesen Leuten nicht ertragen, die mich anstarren, als sei ich ein Freak.
Jeder, der mit 21 Jahren noch Jungfrau ist, muss ein Freak sein, oder? Ich meine, es muss etwas Ernstes sein. Ein Zustand oder eine Missbildung, die derjenige versucht, zu verbergen.
Welche andere Erklärung könnte es sonst geben?
"Em?", flüstert Reed heiser, er durchbricht die Stille, die sich über die Menge gesenkt hat.
Ich öffne den Mund, um alles abzustreiten, aber es kommt nichts raus. Es ist, als ob mich etwas von innen erwürgen würde. Anstatt den Kopf hochzuhalten und stolz zu sein, weil ich eine Jungfrau bin, drehe ich mich um und schiebe mich durch die Leute, die sich im Raum und im Flur versammelt haben.
Die Stimmen um mich herum explodieren.
Lachen ertönt.
Selbst nachdem ich die Haustür hinter mir zugeknallt habe, klingelt es noch in meinen Ohren.
5
Emerson ist keine Jungfrau.
Es ist einfach nicht möglich.
Das Mädchen ist im letzten Jahr auf dem College und sieht absolut umwerfend aus. Seit der Highschool hatte sie mehrere Freunde. Vielleicht hat sie ihre Jungfräulichkeit nicht wie ich mit sechzehn verloren, aber irgendwann in den letzten Jahren garantiert.
Oder nicht?
Em und ich sind seit sieben Jahren beste Freunde. Ich würde es wissen, wenn sie noch Jungfrau wäre. Sie hätte mir so etwas anvertraut. Oder nicht?
Sie hat nie was gesagt.
Es ist ja nicht so, dass wir herumsitzen und Sexgeschichten austauschen. Eigentlich ist Sex das einzige Thema, über das wir nicht sprechen. Das Letzte, was ich hören möchte, ist, wie andere Jungs sie vögeln, und ich will sie ganz sicher nicht mit meinen Sexkapaden unterhalten.
Ich schüttele den Kopf, um die Gedanken an Em daraus zu vertreiben. Dann atme ich tief ein und verpasse Tyler einen weiteren Schlag. Blut spritzt aus seiner Nase und tropft auf sein rosa Polohemd.
Er ist ein verdammter Idiot, wenn er Emerson so blamiert.
Anstatt hierzubleiben und Tyler in den Arsch zu treten, beschließe ich, Em zu finden. Ich will sicher sein, dass sie okay ist. Tyler wird sich bestimmt nicht um sie kümmern. Er ist zu sehr damit beschäftigt, über seine Nase zu jammern. Em ist ihm scheißegal. Wahrscheinlich war sie das schon immer. Er wollte nur das eine von ihr und ich bin froh, dass er das nicht bekommen hat.
Verdammt, ich würde ihn am liebsten wieder schlagen.
Ein letztes Mal, nur für mich.
"Scheiße, Alter", jammert Tyler. Seine Stimme klingt nasal, er hält sich mit beiden Händen die Nase zu. Trotzdem tropft Blut auf den Boden. "Das war total unnötig."
"Stimmt!", knurre ich. "Ich würde gern mehr Schaden anrichten, aber du bist es nicht wert."
Ich schüttle meine Hand aus und blicke die Leute an, die sich in den Raum drängen. Sie machen Fotos mit ihren Handys. Morgen früh werden die Bilder überall auf Instagram und Snapchat zu sehen sein.
Ich bin froh, dass Em abgehauen ist und nicht da ist, um das mitzubekommen.
"Also, was den Blowie betrifft", lallt die betrunkene Blondine, die immer noch auf dem Bett sitzt.
Ich ignoriere sie, mache einen bedrohlichen Schritt auf Tyler zu und steche ihm einen Finger in die Brust. Er versteift sich, aber er weicht nicht zurück.
"Halte dich verdammt noch mal von Emerson fern. Sie will nichts mehr mit dir zu tun haben."
Trotz des Bluts, das ihm vom Gesicht tropft, sagt er spöttisch: "Das ist genau das, was du wolltest, oder, Philips? Wie lange hast du darauf gewartet, an ihr Höschen zu kommen? Ich schätze, jetzt hast du deine Chance, nicht wahr?"
Ich schubse ihn einen Schritt zurück. "Verpiss dich!"
"Wie auch immer."
Ich gebe ihm einen letzten Stoß, bevor ich den Raum verlasse und mich durch den engen Gang und die Treppe hinunter schiebe. Die Nachricht, dass eine Schlägerei ausgebrochen ist, hat sich auf der Party wie ein Lauffeuer verbreitet. Alle streben wie eine Rinderherde in den ersten Stock, um einen Blick auf das Geschehen zu erhaschen.
Sobald ich den Treppenabsatz erreicht habe, bleibe ich stehen und suche die Menge nach Emersons dunklem Schopf ab. Panik erfüllt mich, als ich sie nicht finde. Ich hätte ihr sofort hinterherlaufen sollen, anstatt Tyler eine zu verpassen.
"Verdammt noch mal!" Ich fahre mir mit einer Hand durch die Haare und schaue zur Haustür. Wie ich Em kenne – und das tue ich – wird sie so viel Abstand wie möglich zwischen sich und diese Party bringen wollen. Das kann ich ihr nicht mal verübeln. Ich wünschte nur, sie wäre nicht ohne mich gegangen. Sie sollte an einem Freitagabend um elf Uhr nicht allein herumlaufen. Die Southern ist ein ziemlich sicherer Campus, aber trotzdem passiert hin und wieder was.
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