Elisa Diallo - Französisch verlernen
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Es waren ja nicht nur die Blicke Unbekannter auf der Straße. Da war auch die Mutter meiner Gastfamilie, die bei unserer ersten Begegnung ausrief: »Für eine Schwarze bist du eigentlich ganz hübsch!« Und da war die ungefähr fünfjährige Tochter, die mir ihre schwarze Barbiepuppe mit den Worten hinhielt: »Du bist eine Negerin, du spielst mit der Negerpuppe.« Ich kannte dieses Wort nur vom Hörensagen, wie die Vokabel einer toten Sprache. Noch nie hatte ich es »in echt« aus dem Mund eines direkten Gegenübers gehört. Ich war baff und drauf und dran, die versteckte Kamera zu suchen, die mir diesen absurden Dialog erklärt hätte. Dann war da die Nachbarin, die uns manchmal in die Stadt mitnahm, weil der Linienbus mal wieder nicht fuhr. Sie war abweisend – das passiert –, aber nur mir gegenüber. Sie rauchte im Auto, und weil mir davon schlecht wurde, hatte ich das Fenster heruntergekurbelt; daraufhin hielt sie an, lief ums Auto, öffnete wütend meine Tür und kurbelte wortlos das Fenster wieder hoch. Ich war den Rest des Tages wie gelähmt.
Mir waren die zweideutigen Witze und kleinen Anspielungen auf meine Hautfarbe und mein »Anderssein« seit jeher bekannt, aber nie zuvor war ich so offen rassistischen Anfeindungen ausgesetzt gewesen. In meiner Vorstellung war ganz Deutschland so: rassistisch, provinziell, ganz einfach hinterher. Ich hatte mir geschworen, nie wieder einen Fuß hierhin zu setzen. Bis in die 1990er Jahre war es leicht, Deutschland zu verachten. Für uns junge Pariser war es das uncoolste Reiseziel der Welt. Für mich war es vor allem Feindesland. Meine guineischen Cousinen und Cousins, wie überhaupt alle Afrikaner, scherzten, man könne Deutschland ruhig auf den Frankfurter Flughafen beschränken und den Rest gerne von der Landkarte streichen, dort lebten eh nur Nazis.
Heute reden sie ganz anders.
Zuallererst weil sich Deutschland verändert hat. Die Leute, denen ich 1991 in den Schweinfurter Straßen begegnet bin, sind heute überwiegend alt. Ihnen folgte eine neue Generation, die Deutschland ein komplett anderes Gesicht verliehen hat. Deutschland hat sich innerhalb der letzten fünfundzwanzig Jahre mehr verändert als Frankreich. Vielleicht ist dieser Eindruck subjektiv, aber ich glaube, Deutschland ist jünger geworden. Als das Land 2008 wieder in mein Blickfeld rückte, war ich sehr angetan, damals lebte ich noch in den Niederlanden. Berlin war mittlerweile die sexyste Stadt der Welt, dort fühlte ich mich überall wohl, und auch wenn es auf den Straßen weniger Schwarze als in Paris gab, waren sie im deutschen Fernsehen entschieden stärker vertreten als im französischen.
Zu jener Zeit lebte ich seit über zehn Jahren in Amsterdam, wo die Stimmung immer mehr kippte. Mir wurde zunehmend klar, dass ich meinen Sohn dort nicht großziehen konnte. Die Populisten gewannen Sitze im Parlament und hatten nur ein Thema: die nationale Identität und natürlich die Einwanderung. Man muss schon hart im Nehmen sein, wenn man Geert Wilders über Islam, Muslime und Niederländer besonders marokkanischer Herkunft reden hört. Zu jener Zeit um 2008 traute ich oft meinen Ohren nicht. Gleichzeitig wunderte ich mich, dass sich nur wenige zu seinen Standpunkten äußerten und widersprachen. Heute gehören seine Reden von damals zum Mainstream, aber 2008 war Wilders für mich ein Verrückter, und das Schweigen, mit dem die Leute aus meinem Umfeld diesen Wahnsinn quittierten, war für mich nur in Holland vorstellbar. Immer öfter, vielleicht auch aus dem Kontrast heraus, erschien mir Deutschland als eine logische Alternative. Ich konnte die deutsche Presse nicht verfolgen, weil ich kein Deutsch sprach, aber mir erschienen die politischen Diskussionen zivilisierter als in Holland oder Frankreich. Wenn ich meinen deutschen Freunden die niederländische politische Situation beschrieb oder vom Erstarken des Front National in Frankreich berichtete, waren sie erschüttert, als ob sie so etwas in Deutschland für unmöglich hielten. Je öfter ich Deutschen begegnete, und je öfter ich mit ihnen die europäische Politik diskutierte, desto klarer wurde mir die Besonderheit Deutschlands. Die Deutschen waren so sehr von ihrer Nazi-Vergangenheit traumatisiert, dass sie nicht Gefahr liefen, dem je wieder auf den Leim zu gehen.
Im Gegenzug dazu schien sich in den 2000er Jahren überall sonst die Büchse der Pandora zu öffnen, und heute, über zehn Jahre später, scheint alles möglich zu sein. Wenn meine guineischen Cousinen und Cousins Deutschland nicht mehr verteufeln, dann nicht nur, weil sich Deutschland zum Besseren verändert, sondern weil sich der Rest Europas zum Schlechteren gewandelt hat. Ich habe Frankreich und Holland hautnah erlebt, ich habe beschlossen, dort nicht mehr zu leben. Aber die anderen europäischen Länder, die ich aus der Ferne beobachte, finde ich auch nicht besser. Sie scheinen alle von ein und derselben Sache besessen zu sein: der nationalen Identität, der Immigration. Man spricht schon gar nicht mehr von Immigration, sondern vom »Problem Immigration«. Unmöglich, das Wort »Problem« wegzulassen. Man spricht zudem von fast nichts anderem mehr als von Flüchtlingen, Immigranten, Muslimen – all jenen, die Europa nicht haben will. Unwichtig, dass es sich hierbei um eine kleine Minderheit handelt, dass Europa einer der wohlhabendsten Kontinente der Welt ist, dass sich seine Bevölkerung auf etwas mehr als 500 Millionen Einwohner beläuft und es daher absurd erscheint, dass diese Bevölkerung 2015 ernsthaft Angst vor drei Millionen Flüchtlingen hat. Als würde sich eine Gruppe von fünfhundert Personen vor dem Eintreffen drei neuer Menschen fürchten. Das Problem ist nicht die Anzahl der Flüchtlinge. Nur zwei pro Monat wären schon zwei zu viel. Deutschland hat auf dem Höhepunkt der »Flüchtlingskrise« ein positives Zeichen gesetzt. Für ein so reiches Land kam es nicht in Frage, Menschen in Not nicht aufzunehmen. Und wenn es sich um Muslime handelte! Die ganze Welt hat das »Wir schaffen das« der deutschen Kanzlerin vernommen. Angela Merkel hatte diese Worte anlässlich einer Pressekonferenz, auf der sie viel anderes gesagt hat, ganz spontan geäußert, aber diese Aussage war so bedeutsam, dass sie in den südlichen Ländern plötzlich zur populärsten westlichen Politikerin wurde. Um es ganz konkret mit Frankreich zu vergleichen, das sich für ein gastfreundliches Land hält: Mannheim, wo ich lebe, hat 2015 vierzehntausend Flüchtlinge, vor allem Syrer, aufgenommen. Die Stadt hat dreihunderttausend Einwohner. Im selben Jahr hat der französische Präsident François Hollande sich einverstanden erklärt, dreißigtausend Flüchtlinge aufzunehmen. Ich spreche nicht von Bordeaux, das so viele Einwohner wie Mannheim hat. Nein, ich spreche von Frankreich, einem (reichen) Land mit siebzig Millionen Einwohnern.
Etwas verkürzt gesagt hatte ich schon immer die leise Ahnung, dass es ein Feingefühl des »Südens« gibt, dem sich die Nicht-Weißen dieser Welt mehr oder weniger verbunden fühlen, also all jene, die die Europäer zu den Nicht-Weißen zählen. Eine Kategorie, die sich abhängig von Zeit und kollektivem Bewusstsein wandelt. Aufgrund dieses Feingefühls nehmen wir am Schicksal der Flüchtlinge aus den arabischen Ländern teil, und wenn eine europäische Regierung beschließt, ihnen die Tür zu öffnen, fühlen wir uns gleichermaßen alle willkommen. Legt man diese Hypothese zugrunde, ist das Gegenteil dieser großen Solidarität leicht vorstellbar. Ich fühlte mich persönlich verraten, als Emmanuel Macron der mit Flüchtlingen aus dem Mittelmeer überfüllten Aquarius untersagte, in Frankreich anzulegen. Mir, und ich bin sicher, das gilt auch für alle Migranten in Frankreich sowie für die Kinder von Migranten, fehlten die Worte, um meiner Enttäuschung und meiner Wut Ausdruck zu verleihen. Ich fühlte mich persönlich zurückgewiesen. Aber das Schlimmste war, dass, abgesehen von ein paar Kommentaren in der linken Presse, das Leben wie gewohnt weiterging, als wäre nichts geschehen. Unnötig zu erwähnen, dass die Menschen in meinem Umfeld fast ausschließlich weiß sind (oder vielmehr sich als weiß verstehen). Aber auch für mich ging offensichtlich das Leben weiter, als wäre nichts geschehen, dasselbe galt für meine guineischen Cousinen und Cousins oder meine wenigen Freunde afrikanischen Ursprungs. Ich glaube, dass für viele Franzosen mit Migrationshintergrund, selbst für jene, die sehr erfolgreich geworden sind, in dem Moment etwas zerbrach. Ich kann nur für mich sprechen, aber was mich betrifft, hat die Angst die Oberhand über meinen Optimismus und meinen Glauben an die Zukunft gewonnen. Ich glaube nicht mehr an ein Happy End. Als Kind und Jugendliche in den 1980er Jahren sah für mich die Zukunft wie folgt aus: Die guten Kräfte würden den bedeutungslos gewordenen und zur Auslöschung bestimmten bösen Kräften ins Gesicht lachen. Grenzen würden verschwinden, Rassismus wäre eine Sache der Alten, denen man keine Beachtung mehr schenkt. Die Zukunft gehörte den Aktivisten mit dem Sticker »Touche pas à mon pote!« [Mach meinen Kumpel nicht an] oder all den anderen, die insgeheim genauso dachten. Es stimmt, dass ich mich nicht wohl fühlte, wenn man mich fragte, woher ich kam, woher ich denn wirklich stammte. Auch wenn es mir nicht ganz bewusst war, dieses Unwohlsein war der Ausdruck meines Gefühls, nicht wirklich »dazuzugehören«. Nicht wie alle anderen ein Recht auf meine Heimat (dt. im Original) zu haben. Aber ich spürte genauso deutlich, dass mein Fremdheitsgefühl mit der Zeit abnehmen würde. Heute, 2018, habe ich den Eindruck, dass »Touche pas à mon pote!« der Vergangenheit angehört und dass wir nicht wesentlich weitergekommen sind. Ich werde nie dazugehören; wir, die wir nicht weiß sind, werden immer Fremdkörper sein – in guten Zeiten geduldet, aber Sündenböcke, wenn Unzufriedenheit um sich greift. Nie wahrhaftige Bürger mit allen Rechten und Pflichten.
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