Elisa Diallo - Französisch verlernen

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Wenn es anfängt, weh zu tun, muss man etwas unternehmen: Das fand auch Elisa Diallo, Tochter einer französischen Mutter und eines guineischen Vaters. Aufgewachsen in Frankreich, empörte sie sich zunehmend über die Hartnäckigkeit, mit der die Grande Nation ihren Staatsbürgerinnen und -bürgern mit Migrationshintergrund immer wieder zu verstehen gab, sie gehörten zwar dazu – aber eben doch nicht ganz. Heute lebt Elisa Diallo in Mannheim, besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft und arbeitet in Frankfurt. Wie es zu diesem für eine Französin immer noch radikalem Schritt kam, das erzählt und erklärt sie in diesem wichtigen persönlichen Zeugnis in Zeiten, in denen die Frage «Woher kommst du und wer bist du?» so wichtig und unwichtig wie nie ist.

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Und dennoch war für mich die schlichte Tatsache, dass ich den Pass notfalls nicht mehr mit Drohgebärde schwenken könnte, um jeden Zweifel, jede Infragestellung meines »Französischseins« ein für alle Mal aus dem Weg zu räumen, undenkbar, ja schwindelerregend. Als würde ich mitten im Kampf die Waffen strecken und mich verunstalten lassen. Was mich abhielt, war weder meine tiefe Verbundenheit mit dem Land noch ein Gefühl von Loyalität oder Patriotismus. Was mich an meinen französischen Papieren festhalten ließ, war letztlich Angst und die Frage der Rechtmäßigkeit – ein Problem, das sicher viele Franzosen mit einem Erbe wie dem meinen teilen, all die mit sogenanntem »Migrationshintergrund«, und besonders jene, die regelmäßig mit der subtilen Hinterfragung ihrer nationalen Zugehörigkeit konfrontiert sind, weil man ihnen ihre Herkunft auf Anhieb ansieht. Sind Franzosen mit afrikanischen Eltern in der Lage, ohne Zögern zu sagen: »Ich bin Franzose«? Ohne den kleinsten Vorbehalt, ohne ein leichtes Erzittern der Seele in dem kurzen Moment, in dem man erwartet, dass Widerspruch kommt oder zumindest Fragen? Manchmal rechne ich damit, erwarte es geradezu, vielleicht täusche ich mich ja.

Ich bin mir dieses Unbehagens relativ spät, erst nach einigen Jahren im Ausland, bewusst geworden, und zwar in dem Moment, als ich anfing, mich von meiner französischen Identität zu lösen, da lebte ich schon mein halbes Leben nicht mehr in Frankreich. Erst als mich die Frage der nationalen Zugehörigkeit nicht mehr so beherrschte, dämmerte mir, wie sehr ich, fast besessen, schon immer an ihr festgehalten hatte.

Dieses Unbehagen verwandelte sich im Zuge des Brexits und des französischen Präsidentschaftswahlkampfes 2017 in Panik, zu einer Zeit, als es nicht mehr völlig abwegig schien, dass die extreme Rechte an die Macht kam. Es handelte sich zunächst um eine unbestimmte Unruhe, der ich mir erst bewusst wurde, als ich begriff, dass ich sie schon lange mit mir herumtrug. Ich konnte es nicht klar benennen, aber was mich im Innersten seit dem aufkommenden Populismus in Frankreich, England sowie überall in Europa beunruhigte, war die Möglichkeit, jemand könnte eines Tages in Betracht ziehen, mich aus Frankreich auszuweisen. Als Kind von Immigranten, wenn auch nur über ein Elternteil, gehörst du nicht mehr zu uns, was natürlich stillschweigend bedeutet, dass du nie dazugehört hast – so klang die Botschaft.

Schon das französische Gesetz zur Verwirkung der Staatsbürgerschaft vom Dezember 2015, mit dem die Möglichkeit zur Ausweisung aus Frankreich auch auf Menschen mit Migrationshintergrund ausgeweitet wurde, die schon seit ihrer Geburt in Frankreich lebten, hatte mich erschüttert. Zunächst konnte ich es einfach nicht glauben, aber dann kochte die Wut in mir hoch. Zu dieser Zeit fühlte ich mich sehr allein, denn keiner meiner Angehörigen teilte mein Entsetzen. In meinen Augen war das ein unverzeihlicher Verrat der damaligen sozialistischen Regierung unter François Hollande (in dieser Zeit schwor ich mir wütend, nie wieder die Sozialistische Partei zu wählen). All jene, so dachte ich, die wie ich seit jeher ahnten, dass ihre Zugehörigkeit zu Frankreich jederzeit in Frage gestellt werden könnte, mussten diesen symbolischen Schritt (dass er symbolisch zu verstehen war, darin waren sich alle einig) als Bestätigung ihrer Zweifel interpretieren. Es gibt eben die wahren Franzosen, und es gibt die anderen, die auf Bewährung da sind und vom guten Willen des Staates abhängen, der sich wiederum dem »Volk« mit seinen Launen und Befindlichkeiten beugt. Nach dem Erlass dieses Gesetzes schien mir plötzlich alles möglich.

Es lag zweifellos an dieser Mischung aus Angst und Wut, dass in mir der Wunsch reifte, mich einer anderen Zugehörigkeit zu vergewissern – sozusagen einer Back-up-Identität. Beim französischen Generalkonsulat in Frankfurt, wo ich zu jener Zeit meinen französischen Pass verlängert hatte, erfuhr ich rein zufällig, dass ich problemlos zwei europäische Staatsangehörigkeiten besitzen könnte, die deutsche und die französische. Das deutsche Gesetz erlaubte seit 2014 die doppelte Staatsbürgerschaft. Diese gute Nachricht war an mir vorbeigegangen. Ein Geschenk des Himmels. Ich wollte nicht gleich deutsche Staatsbürgerin werden, aber nach und nach kamen mein emotionales und mein rationales Ich zu demselben Schluss. Schließlich machte ich den Schritt, getrieben von der Angst, ganz ohne Zugehörigkeit dazustehen, und von der Gewissheit, damit nichts zu verlieren. Ich überschritt eine Linie, die zu überschreiten mir lange unmöglich erschienen war, um am Ende eine andere Nationalität anzunehmen als die, die man mir vererbt hatte.

Es war eine Ironie der Geschichte, dass mir 2017, gerade einmal siebzig Jahre nach der Nazi-Katastrophe, Deutschland als das einzige Land erschien, zumindest in Europa, in dem ich als schwarze Tochter eines Immigranten ohne Angst leben konnte. Was hätten wohl meine Großeltern dazu gesagt? Sie und auch meine Mutter waren der Meinung, dass sich Deutschland noch immer von seinem Nazi-Fieber und seinem Rassismus erholte, wenn nicht bis in alle Ewigkeit, so doch für die nächsten Generationen. Die neuen Deutschen, so hieß es, seien gewiss korrekte Leute, aber reichte das, um für die Demokratie und eine multikulturelle Gesellschaft eine Lanze zu brechen? Bis dahin sei es noch ein weiter Weg, ein sehr weiter. Frankreich dagegen, das sei das Land der Menschenrechte, eine integrierende Nation, gefeit vor Rassismus, wenigstens seit dem Ende des Kolonialismus. Das Land, in dem (im Gegensatz zu Deutschland!) alle innerhalb seiner Grenzen geborenen Menschen dazugehören, das Land der republikanischen Idee, für die es weder Hautfarbe noch Unterschiede gibt. Ein Land, in dem es jedem Migranten gut ergehen soll, jedenfalls genauso gut wie jedem gebürtigen Franzosen. Ich übertreibe vielleicht, aber nicht sehr.

Selbstkritik ist in Frankreich eine Seltenheit. Hingegen gehörte eine gewisse Bescheidenheit der meisten Deutschen gegenüber eigenen nationalen Mythen zu den ersten Dingen, die mir ihr Land sympathisch machten. Das würde gerade noch fehlen, dass sie auf ihre Vergangenheit auch noch stolz sind, die Deutschen – so denken viele Franzosen. Vielleicht, aber der naive Chauvinismus meiner französischen Mitbürger hat mich immer geärgert, und ich war sofort empfänglich für die deutsche Zurückhaltung in Sachen Patriotismus.

Und dennoch, dieses Deutschland … Ich lebte schon seit drei Jahren in München, als eine alte Freundin an meinem Hochzeitstag in ihrer Brautrede scherzte: »Wenn man mir das damals gesagt hätte …« Sie rief unsere Deutschstunden im Gymnasium in Erinnerung, wie unglaublich absurd es uns Heranwachsenden erschien, die wir cool und eher mittelmäßig in der Schule sein wollten, diese schreckliche Sprache mit ihrer unverschämt schwierigen Grammatik zu lernen.

Sie erinnerte sich auch an meinen deutsch-französischen Schüleraustausch, als ich fünfzehn war, von dem ich nur Schreckliches zu berichten hatte. Zwei Wochen lang – oder doch nur eine? – war ich in Schweinfurt gewesen, einer Provinzstadt zwischen München und Frankfurt. Das war im Juni 1991. Ich erinnere mich so gut an den Zeitpunkt, weil mein Aufenthalt in Deutschland mit einem der spektakulärsten Streiks der Kohl-Ära zusammenfiel. Aber nicht der Streik war der Grund, dass alles so schrecklich war in Deutschland, sondern die Tatsache, dass alles geschlossen war, die Museen, sogar das Schwimmbad, und dass die öffentlichen Verkehrsmittel nicht funktionierten, kam auch nicht gerade gelegen.

Noch Jahre später – und manchmal tue ich es noch heute – fasste ich die Absurdität meines Deutschlandaufenthaltes so zusammen: In dieser westdeutschen Stadt mit 50.000 Einwohnern etwas mehr als eine Fahrstunde von Frankfurt entfernt, blieben die Menschen auf der Straße stehen, um mich anzustarren. Ich kannte nur Paris und habe mich dort immer zu Hause gefühlt, als eine unter anderen. Hier war ich plötzlich so etwas wie ein Schaubudenphänomen, nur weil ich nicht weiß war, und das verunsicherte mich dann doch. Ich hatte nur eine Grenze passiert, aber mir schien, ich sei in einer anderen Epoche gelandet, in einer Zeit, in der in Europa jeder weiß war und die Schwarzen der Kolonien nur auf Abbildungen existierten. Vom ersten Abend an weinte ich jedes Mal, wenn ich mit meiner Mutter telefonierte, und ich hoffte inständig, dass sie verstand, wie sehr mich diese Erfahrung demütigte, und meinen Aufenthalt abkürzen würde.

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