«Genau das, Jack!» nickte Jan. «Ich würde jede Wette eingehen – wenn ich überhaupt wetten würde –, daß wir es hier mit einer Bande von Falschmünzern zu tun haben.»
Die Freunde brachen in Überraschungsrufe aus, und Erling sagte eifrig: «Laß mich den Brief noch einmal lesen.»
Als er ihn zum zweitenmal gelesen hatte, nickte er anerkennend. «Du hast zweifellos recht, Sherlock Holmes, und wir bewundern deine messerscharfen Schlußfolgerungen. Ich bin sicher, daß es sich um Falschmünzer handelt.»
Jan nickte bloß und begann, das letzte Fach der Brieftasche zu durchsuchen. Es enthielt sechs, nein, sieben nigelnagelneue Geldscheine. Er hielt einen der Scheine gegen das Licht und verglich ihn dann mit einem der anderen Geldscheine, die er in der Brieftasche im ersten Fach gefunden hatte. Dann sagte er mit großer Bestimmtheit: «Es besteht wirklich nicht der geringste Zweifel. Ich bin zwar kein Experte, aber man kann erkennen, daß die Wasserzeichen nicht ganz übereinstimmen. Diese neuen Scheine müssen die falschen sein. Es sind wohl die Proben, die der Briefschreiber erwähnt.»
Jan steckte einen der neuen Scheine ein. «Hiermit habe ich also auch einen Diebstahl begangen, aber die Polizei wird gewiß ein Nachsehen mit mir haben, denn der Schein ist ein wichtiges Beweisstück.»
«Und was nun?» fragte Jack Morton.
«Wir müssen die Polizei informieren», meinte Jesper. «Sonst kommen wir noch alle ins Gefängnis.»
Jan zog die Schultern hoch und seufzte. «Die Angelegenheit wird immer komplizierter. Das einzig Richtige wäre natürlich, die Polizei zu benachrichtigen, aber dann könnten wir nicht vermeiden, daß Yan Loo in den Fall verwickelt wird... und das ist für unseren kleinen Freund zu gefährlich! Nein, wie die Dinge liegen, müssen wir selbst versuchen, den Fall zu klären. Unter diesen Umständen hat es keinen Sinn, die Brieftasche dem Besitzer anonym zuzuschicken. Dann weiß er nämlich, daß sie in fremden Händen war. Er soll dagegen glauben, er habe die Brieftasche irgendwo im Restaurant verloren.»
«Hm!» sagte Erling skeptisch. «Sicher wird er dann gleich merken, daß einer der falschen Geldscheine fehlt.»
Jan schüttelte den Kopf. «Das ist nicht so sicher. In dem verschlossenen Fach der Brieftasche lagen sieben falsche Geldscheine, jetzt sind es nur noch sechs. Aber erstens war sich der Maître d’Hôtel vielleicht nicht ganz im klaren über die genaue Anzahl, und zweitens wird er kaum mißtrauisch werden, wenn die ‹verlorene› Brieftasche gefunden wird. Versetzen wir uns doch in die Lage des Mannes. Wenn ich eine Anzahl falscher Geldscheine zur Beurteilung zugesandt bekäme, würde es mich kaum interessieren, wieviel es sind, sondern ausschließlich, ob sie auch echt, also unverdächtig aussehen.»
«Ja», entgegnete Jack, «das klingt einleuchtend. Der Maître d’Hôtel weiß sicher nicht genau, wieviel Geldscheine es waren, daher wird er auch nicht merken, daß jetzt einer davon fehlt. Wie willst du es aber anstellen, die Brieftasche zu ‹verlieren›?»
«Ich will heute nacht versuchen, die Brieftasche an einem passenden Platz im Restaurant fallenzulassen...» Jan unterbrach sich einen Augenblick und überlegte. Dann fuhr er fort: «Und ab morgen früh werden wir fünf dann wieder einmal Detektiv spielen!»
Erling machte eine saure Miene, und Carl sagte nachdenklich: «Ich sehe zwar ein, daß wir es so machen müssen, weil es keine andere Möglichkeit gibt, aber wir laufen sehr große Gefahr. Erstens ist es sowohl ungesetzlich als auch recht riskant, wenn du heute nacht einen Einbruch begehen willst. Und zweitens können wir immer noch eine Menge Unannehmlichkeiten bekommen, auch wenn dein Einbruch glückt. Die Polizei hätte allen Grund dazu.»
«Das weiß ich, Carl», sagte Jan ernst. «Wir riskieren eine ganze Menge, aber ich tue das gern, wenn ich dadurch Yan Loo vor Unannehmlichkeiten bewahren kann. Ich halte große Stücke von dem Kleinen.»
«Wir auch!» erklang es im Chor.
«Gut. Dann sind wir uns also einig?»
«Jawohl», gab Carl nach.
Und seufzend fügte Erling hinzu: «Ich gebe meine Zustimmung ohne besondere Begeisterung, lieber Freund. Wahrscheinlich werden wir alle hinter Gittern landen... aber, all right... weil es um Yan Loo geht, will auch ich mich nicht drücken!»
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