Es drückte in der Brust, als sie an ihren anderen Vater dachte. Sie konnte ihn nicht anders nennen. Stiefvater würde völlig verkehrt klingen. Er war kein Stellvertreter. Er hatte sie großgezogen und war während ihres gesamten Aufwachsens für sie da gewesen. Wenn sie hingefallen war und gepustet und getröstet werden musste. Am ersten Schultag. Beim ersten Liebeskummer. Als sie die Abiturientenmütze bekommen hatte. Er hatte stolz vor dem Prüfungsraum auf sie gewartet. Er hatte sie in der Kirche zum Altar geführt und sie an Tao übergeben. Er war da gewesen, als Anya geboren wurde und Silje eine postnatale Depression bekam. Er war einfach immer da gewesen und war es immer noch. Solange es dauerte. Als sie am Abend zuvor kurz miteinander telefoniert hatten, bevor der Akku ihres Handys leer war, wirkte er besorgt um sie und bat sie, schnell nach Hause zu kommen. Sie war bereit gewesen, sofort aufzubrechen, aus der unvermittelten Angst heraus, dass sie es nicht schaffen würde, ihn wiederzusehen und es überkam sie das Gefühl, dass es ihm mit ihr ebenso erging. Der Zweifel, ob sie das Richtige tat, kehrte zurück.
Sie schaute aus dem Fenster, als sie plötzlich hitzige Stimmen und lautes Rufen hörte.
„Was ist los, Samanta?“, rief sie, als sie sie zusammen mit den anderen entdeckte. Sie wirkten alle sehr aufgewühlt. Samanta war offenbar nach dem Mittagessen noch nicht ins Krankenhaus zurückgekehrt.
„Hast du Assefa gesehen?“, rief Samanta zurück.
„Wen?“
„Die Frau mit dem Albino-Kind. Sie ist verschwunden!“
Silje eilte nach draußen. Die Hitze traf sie wie eine Mauer und sie lief schnell in den Schatten unter dem Mangobaum, wo sich die anderen aufhielten.
„Nein, ich habe sie seit gestern nicht gesehen, als sie mit dem Kind hier saß. Ist das Kind auch verschwunden?“
„Ja, seit gestern Abend hat sie keiner mehr gesehen. Farsiris hat Fareem und seinen Opa aufgesucht, zu denen sich Assefa manchmal zu Besuch wagte, aber sie sind auch weg. Ihr Haus ist verlassen.“
Samanta wirkte sehr besorgt.
„Was kann passiert sein?“
„Ich weiß es nicht, aber ich befürchte das Schlimmste. Alem ist rausgefahren, um nach ihnen zu suchen. Ich hoffe, dass nicht die Verkehrten sie gefunden haben“, erwiderte Samanta.
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