Friedenauers Gesicht wurde plötzlich ernst. Nur ganz hinten in den Augenwinkeln spielten ein paar lustige Fältchen. „Wenn Sie das Geschäft mit Frau Kreß machen, lieber Herr Thornberg, dann werden Sie vielleicht noch ungünstiger abschneiden. Die zieht Ihnen noch ganz anders das Fall über die Ohren.“
Die feineren Ohren des Bankiers erfaßten sofort den leisen Unwillen in Thornbergs Stimme. „Ich will nichts gesagt haben. Aber wenn Sie ’n anderes und vielleicht schlechteres Angebot kriegen sollten, denken Sie daran: Friedenauer nimmt sechs Prozent; nicht mehr!“
Frau Ingeborgs Augen hingen erstaunt an dem unschlüssigen Gesicht ihres Mannes. Was hatte er nur? Das war doch großartig, daß Bankier Friedenauer die Expedition finanzieren wollte! Da war man ja aller Sorge ledig. Und Erich zögerte? Heimlich begann sie hinter Friedenauers Rücken ihrem Mann Zeichen zu machen: Greif doch zu! Ich versteh dich nicht! Sag’ doch ja!
Friedenauers mausflinke Äuglein hatten sehr gut diese stumme Zeichensprache bemerkt. Er schmunzelte innerlich. Eine Bundesgenossin im Lager des Feindes! Noch dazu die Frau des Hauses! Ausgezeichnet. Eine Frau vermag viel, vermag überhaupt alles, besonders, wenn sie mit ihrem Mann so glücklich lebt wie diese Frau Ingeborg mit Thornberg. Nur nichts überstürzen. Man wird wiederkommen, morgen oder übermorgen, und dann wird der gute Thornberg Ja sagen.
Voller Zuversicht erhob sich der Bankier, küßte Frau Ingeborg die Hand und schlug abschiednehmend Thornberg auf die Schulter.
„Überlegen Sie sich die Chose, lieber Herr Thornberg. Werde mir erlauben, in ein paar Tagen noch einmal bei Ihnen vorzusprechen, das heißt: wenn die gnädige Frau es erlaubt?“
„Aber natürlich, Herr Friedenauer! Sie sind immer willkommen!“
„Ich mag ihn nicht, Ingeborg!“ Thornberg ging mit langen Schritten unruhig im Zimmer auf und ab. „Es mag unrecht sein, aber ich kann nicht aus meiner Haut. Der Mann ist mir unsympathisch.“
„Was hast du nur gegen Friedenauer?“ Frau Ingeborg schürzte schmollend die Lippen. „Ich finde ihn sehr nett und liebenswürdig. Und wenn er dir helfen will — du sagst doch selbst, daß er ein ernster reeller Geschäftsmann ist, kein Halsabschneider oder so was.“
„Um Gottes willen, nein!“ Thornbergs Gerechtigkeitsgefühl war sogleich bereit, den Bankier in Schutz zu nehmen. „Friedenauer ist in seiner Art ein guter Kerl. Vielleicht anständiger als manche anderen Geldleute. Und außerdem unbedingt eine Größe in seinem Fach.“
„Nun also? Warum sträubst du dich nur? Du weißt doch nachgerade, wie schwer es ist, einen Kapitalisten zu finden!“
Thornberg blieb stehen und sah gequält auf. „Ja, Inge, ja. Ich weiß. Ich werde ja schließlich auch wohl mit Friedenauer zusammengehen. Aber — lieber hätte ich die Sache mit Frau Kreß gemacht.“
„Ach die! Von der hast du kein Wort mehr gehört. Wer weiß, ob die überhaupt noch mal auftaucht.“
„Es kommt nicht darauf an, wer der Geldgeber ist,“ sagte Arnaluks Stimme still vom Fenster her. „Es kommt nur darauf an, daß uns die andern nicht zuvorkommen. Hast du das vergessen, Erich?“
Thornberg zuckte zusammen. Die andern! Ja, man mußte handeln, schnell und entschlossen handeln! Es war geradezu ein Verbrechen, die Gelegenheit auszuschlagen, die Friedenauer bot.
„Wenn er dir persönlich unsympathisch ist, das hat doch nichts zu sagen.“ Frau Ingeborg schmiegte sich an ihren Mann. „Mit deiner Expedition hat er ja nichts zu tun. Oder glaubst du, er will sie mitmachen?“ Frau Ingeborg lachte herzlich bei dem Gedanken. „Nun also! Er gibt das Geld, und das —“
„Ist die Hauptsache!“ ergänzte Arnaluk mit Nachdruck.
Draußen im Flur ging die Klingel. Ein Brief fiel in den Kasten. Frau Ingeborg, die hinausgegangen war, drehte etwas verwundert das lange schmale Büttenkuvert in den Händen. Ein ausgesprochen ungeschäftlicher Brief und eine gänzlich unbekannte Handschrift.
Zwei Minuten später las Erich Thornberg die lithographierte Karte, die der Umschlag enthielt:
Frau Britta Kreß gibt sich die Ehre, Herrn und Frau Thornberg zu einem zwangslosen Abendessen Donnerstag, den 17. d. M. ergebenst einzuladen.
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