Sophie Reyer - 1431

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Johanna von Orléans, Märtyrerin und französische Nationalheldin, wird 1431 als englische Gefangene in Rouen hingerichtet. Ungemein feinfühlig und präzise schreibt Sophie Reyer über das Leben der heiligen Jungfrau, ihr Erwachsenwerden und ihren Niedergang.
Johanna wächst während des Hundertjährigen Krieges in einem kleinen französischen Dorf auf. Bereits als junges Mädchen hat sie Visionen, die sie immer stärker prägen, bis sie dem Fanatismus verfällt. Johanna weiß, dass sie aus dem traditionellen Frauenbild ausbrechen und in den Krieg ziehen muss. Doch sie gerät in einen Strudel aus Hinterlist und Verrat, aus dem sie nicht mehr herauskommt. Kurz vor ihrer Hinrichtung trifft sie schließlich auf Nicolas Loyseleur, ihren vermeintlichen Beichtvater. Dieser soll ihr ein Geständnis entlocken, wird aber selbst immer tiefer in ihren Bann gezogen.
Mit viel Fingerspitzengefühl beschreibt Sophie Reyer Johannas Leben – die Entwicklung einer starken, jungen Frau, die den konventionellen Erwartungen widerspricht und ihr Leben selbst bestimmt.

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Die anderen Mädchen sind schön wie Rosen. Johanna aber hat eine Stimme, die in ihrem Inneren klingt, weiß sie. Doch für diese Stimme muss sie allein sein. Sie ist ein Seil zwischen ihr und dem Himmel, sie bindet sie an die Welt an. Sie muss die Stimme finden. Sie streift umher, wandert weit, dorthin, wo sanft das Tal sich verengt und eine Schwere sich auf die Landschaft senkt, tiefer und tiefer. Wo der liebe Gott als Licht durch die Bäume hindurchschimmert, durch das schmale Flussbett eilt, so, als rufe er Johanna. Er kommt sie besuchen, zuerst nur leise. Ein inneres Klingen. Sie sucht ihn manchmal in der Muttergottes, für die jemand eine Kapelle errichtet hat. Dort auf dem Berg in der Nähe des Feenbaumes. Der Berg ist heilig, die Wolken beben. Johanna möchte verloren gehen in der Landschaft. Sie liebt die Tauben mit den Halskrausen, die sie aufplustern. Erst viel später wird sie Menschen kennenlernen, die das auch tun. Prinzen und Könige, Soldaten und Bischöfe. Doch jetzt ist Johanna noch Kind und findet in sich die Stimme. Hin und wieder sitzt sie mit der Großmutter am Wasser. Dann betrachten sie die Wellen, wie sie durcheinanderwirbeln, weiterfließen bis hinein in den Kessel des Tals. Die Fische schimmern durch die Tiefe hindurch, sind schillernde Leibe, klein und behände, sie eilen wie der Wind, sind von ihm nicht zu unterscheiden.

»Die Fische, schau, Johanna!«, sagt die Großmutter und lacht.

Johanna nickt.

»Ich sehe sie kaum!«

»Ja, sie sind vom Strom nicht zu trennen! So wie der Mensch nicht von Gott!«, kommt es zur Antwort.

»Woher dann aber die Angst, Großmutter?«

Die Großmutter lächelt und ihre Augen werden Halbmonde. Silbrig glitzern die Leiber im Wasser, die stromlinienförmig schnellen. Die Großmutter wirft mit den Brotsamen nach ihnen. Mit jenen, die nicht für die toten Seelen sind. Eine Antwort kann sie Johanna nicht geben. Und auch der Gott in Johannas Kopf schweigt.

So vergehen die Jahre, in denen Johanna die Tiere auf die Weide treibt. Eine willige Arbeiterin ist sie. Manchmal, als sie älter wird, steht sie auch einfach nur da, schwer wie ein Stein. Ein Klumpen ohne Inneres. Johanna lauscht und wartet auf Gott. Darauf, dass er sich offenbart. Manchmal lässt er sie lange warten. Manchmal sogar einen ganzen Sommer lang. Johanna steht dann am Fuße des Feenbaums, wartet und horcht.

Im Sommer brennt die Sonne auf die Erde herab. Sie droht auseinanderzubrechen, denkt Johanna, wie Scheite im Feuer. Jeder flieht in den Schatten, alles welkt, wird dürr und trocken. Der Speichel im Mund. Lange Streifen sind die Lichter, die erst wandern, wenn es Nacht wird. Johanna ist dann dankbar über jede Wolkenwand, über jeden Blitz, der den Himmel aufreißt. Gott grollt im Sommer auch als Donner. Und wie niedrig die Schwalben fliegen! Sie fürchten sich, sie wissen Bescheid. Blitz um Blitz fügt die Natur sich dem göttlichen Willen und erbebt in ihrem Leid. Der Wind jagt dahin als böser Geist. Doch er reinigt auch. Deshalb schickt Gott das Böse. Dass alles neu wird im Sturm. So zerspaltet er die Bäume, die die Wiesen beschützen. Andere müssen nachwachsen! Johanna trauert. Doch sie weiß, dass das alles nur aus der Nähe so weh tut. Gott sieht mehr, er hat einen großen Plan. So wartet Johanna, lautlos. Sie wartet, bis es Herbst wird.

Mit der Kühle kommt die totale Erschöpfung. Die Sommer sind heiß gewesen, Libellen flogen über dem Wasser und klebten aneinander, Johanna ging nicht mehr fort aus dem Nass des Teichs, so heiß war es. Jetzt aber lässt sich nicht mehr schwimmen. Es treiben, durch das Nass aufgelöst, Blätter auf der Wasseroberfläche. Transparente Strukturen. Die Luft säuselt.

»Wo bist du, Gott?«, ruft Johanna.

Es ist Herbst und Gott schweigt. Er schickt bloß Wind, viel Wind. Und dann einmal kurz ein inneres Klingen. Schnell aber ist es wieder verschwunden, wie eine Luftspur nur. Und mit dem Wind kommt das Älterwerden. Johannas Hände wachsen. Mit den Jahren wird sie immer trauriger. Grau ist der Himmel. Johanna arbeitet am Feld, kümmert sich um die Schafe und sieht, wie sie geschlachtet werden. Johanna weint. Der Tod ist stark, das Leben zerbrechlich, denkt Johanna. Doch wir haben eine Pflicht dem Leben gegenüber. Nachdenklich einen Käfer betrachtend, der am Rücken liegt und den Ameisen das Fleisch wegreißt, wird Johanna aufgebracht.

»Wie gemein!«, ruft sie aus.

»Weine nicht!«, sagt die Großmutter da.

»Warum nicht?«, fragt Johanna trotzig. »Alles stirbt. Siehst du es nicht? Auch mein Lieblingsschaf hat der Vater tot gemacht letzte Nacht.«

Die Großmutter lacht.

»Du hast doch selbst gewusst, was dich erwartet. Hättest du es eben nicht liebgewonnen!«

Johanna schüttelt den Kopf.

»Nein, das ist keine Lösung!«

»Siehst du«, sagt die Großmutter, »es ist ein Preis, den man zahlen muss, oder?«

Sie schweigt.

»Aber was tun jetzt?«

»Es geduldig ertragen, du, mein kleiner Schatz!«, entgegnet die Großmutter und drückt ihr einen Kuss auf die Wangen. Johanna sieht sie an und ihr fällt auf, wie alt und dünnhäutig sie mit den Jahren geworden ist. Leicht, papieren. Nur noch Luft. Sie verschwindet langsam, wie eine Feder. Sie wird begraben sein, du wirst auf ihr gehen, denkt Johanna. Denn das Auge der Großmutter ist schon ganz offen und leer. Die Mädchen um sie herum hingegen wachsen. Ja, alle Mädchen springen in diesen Jahren auf, als wären sie Knospen. Abends hängt ein Friede über der Landschaft, ohne dass man etwas tun müsste. Gleichzeitig senkt sich eine Schwere auf das Schilf, das hinter dem Haus rauscht. Die Spinnerin seilt sich lautlos ab. Der Himmel atmet Rauch ein und aus. Ein ausladender Himmel, der sich bald mit Wolken füllen wird. So verstreicht die Zeit wieder und Gott schweigt, bis eines Tages ein weißes Gewand erscheint.

»Ich bin die heilige Katharina!«, sagt eine Stimme.

Doch bevor Johanna ihr Erstaunen hinuntergeschluckt hat und etwas antworten will, ist diese wieder verschwunden. Die Tage ähneln einander. Nachts die fremden Gestalten hinter den Augenlidern, sie kriechen in sie hinein. Tagsüber die Arbeit auf dem Feld, das Beten, Backen, Flachsen, Werken und Wirken, das Schlachten und Verzehren. Hin und wieder schimmert Freude durch, wenn im Garten Feste gefeiert werden. Dann tanzt Johanna manchmal. Wie unter dem Feenbaum.

»Wem gehörst denn du?«, fragt man.

Das ist eine Redewendung im Dorf. Man will wissen, aus welcher Familie sie stammt.

»Mir selbst«, sagt Johanna, die weiß, dass sie eigentlich den Namen des Vaters nennen sollte.

»So schöne braune Augen!«, tönt es dann aus manch einem Bauernmund.

»Die Mutter hat braune Augen, der Vater hat braune Augen und ich habe tiefbraune Augen!«, entgegnet Johanna stolz. Meistens schweigt sie, steht abseits. Betrachtet sie sich im Spiegel, fällt ihr auf, dass sie bleich wird. Traurig und still. Es vergilben die Wälder, sie hängen schwer von Laub und die Welt raschelt mit jedem Schritt vor sich hin. Hin und wieder noch Herbstzeitlose und Ringelblumen, aber der Herbst ist längst eingekehrt, auch in ihr.

Mit den Wochen raubt die Zeit auch den Bäumen ihr Kleid. Das kommt wieder, dieses Gefieder, weiß Johanna. So hätte es auch die Großmutter gesagt. Doch die ist jetzt weit weg. Verlässt kaum noch das Bett, Johanna leidet an den Herbsten, an dem ewigen Abschied vom Leben. Alles ist mit Stroh umhüllt in diesen Tagen, silbern wird der Wald von Reif überzogen, die Goldfische verbergen sich am Grund des Teichs, verweigern der Welt ihre Geschichten. Der Boden des Teichs ist mit grünem Schlamm bedeckt.

Im Schatten formen sich indes fremde Bilder und Welten, die sie an die Märchen der Großmutter erinnern. Wie Feen oder Engeln sind sie, die Umrisse der Berge am Horizont, die mit der Dunkelheit und dem Vorbeirauschen der Wolken im Schatten zu wanken scheinen. Ein Flimmern. Fremd bleibt die Welt, auch jetzt, da Johanna wächst. Oft geht sie spazieren. Um sie herum lang gestreckte Waldbrücken und Wege, die sie alle schon kennt. Der Sonnenuntergang umsäumt den absterbenden Tag mit Arabesken. Hieroglyphen die Bäume, sie zeichnen ihre Spuren in die Luft. Johanna sucht Gott in ihnen. Wälder und Burgen lösen sich im Hintergrund auf. Bald schon ist alles in Weiß gehüllt. Das Leben eine Schneewehe. Welt in Federn. Die Bäume, Fichten und Tannen, unter der Last des Schnees gebeugt, sind in die Schlafgrätsche gegangen. Johanna kann diese Welt einfach nicht begreifen. Je älter sie wird, umso weniger. Aber auch heimelig wird es im Zimmer und im Ofen knackt und knarrt das Holz.

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