Die zweite große Unbekannte besteht darin, ob Wuhan tatsächlich der Ursprungsort des Ausbruchs der Krankheit ist (siehe Abschnitt 4: „Wann und wo waren bisher Epizentren?“)
Die erste positiv getestete Person außerhalb Chinas wurde am 21. Januar 2020 in den USA registriert, in Frankreich am 24. Januar 2020. Nach einer etwa einmonatigen Frist kam es dann jeweils zu den ersten Todesfällen. Getestet wurde mit der PCR-Methode – dem Nasen-Rachenabstrich auf entsprechendes Genmaterial des neuen Virus. 12
2. Virusnachweis mit PCR und Antigen-Schnelltest
Ein Virus ist im Prinzip ein Stück Erbgut, in einer Kapsel verpackt, mit dem Potenzial, lebende Zellen eines Wirtsorganismus zu befallen und sich in diesen zu vermehren. Im Gegensatz zu anderen Krankheitserregern (Bakterien, Parasiten) sind Viren so klein, dass sie nur im Elektronenmikroskop zu erkennen sind. Der sichere Nachweis erfolgt über die PCR (Polymerase-Kettenreaktion, Polymerase Chain Reaction): Dabei werden die Spuren von genetischem Material so lange kopiert, bis sie im Labor nachweisbar sind. Diese Methode kann aber nicht unterscheiden, ob es sich noch um „lebende“, also vermehrungsfähige Erreger handelt oder um abgestorbene Reste. Aus Krimis kennen wir diese Methode als „DNA-bzw. RNA-Nachweis“.
Bei den Viren gibt es Familien mit DNS ( Desoxyribo nuklein säure, englisch DNA) als Erbgut, andere mit RNS ( Ribo nuklein säuren) als Erbgut. Zu letzteren gehören die Coronaviren.
Bei Verdacht auf Covid-19 wird das Material durch einen Abstrich von der Schleimhaut der Nase und des hinteren Rachens gewonnen. Dieser kann durch den geöffneten Mund oder durch die Nase erreicht werden. Mit neuester Technik kann der Nachweis charakteristischer Teile des Erbguts von CoV-2 innerhalb von nur 16 Minuten erfolgen. Inzwischen wurden bereits Labor-Vollautomaten für diese Untersuchung entwickelt. Bereits im Mai 2020 war in Deutschland die Kapazität der Labore für diesen Test bei 840 000 pro Woche, durchgeführt wurden zu diesem Zeitpunkt lediglich etwas über 330 000 Untersuchungen. 13Das vorhandene Test-Potenzial wurde nie ausgeschöpft! Im Gegenteil! Ab dem 9. November 2020 wurden die wöchentlichen Tests um fast 300 000 reduziert und erst ab dem 7. Dezember wieder um 150 000 auf 1,45 Millionen erhöht. Seit dem 16. November 2020 beträgt die wöchentliche Testkapazität über 2 Millionen.
PCR-Tests auf CoV-2 in Deutschland – Anzahl und Ergebnisse
1. 3. 2020 – 31 5. 2020 |
(90 Tage) |
4 368 709 Tests |
davon 4,2 Prozent positiv |
1. 6. 2020 – 31. 8. 2020 |
(90 Tage) |
8 014 305 Tests |
davon 0,78 Prozent positiv |
1. 9. 2020 – 1. 12. 2020 |
(90 Tage) |
16 758 158 Tests |
davon 5,51 Prozent positiv |
Bewertung von PCR-Tests auf CoV-2
In der Medizin wird die Bezeichnung „falsch positiv“ für ein Testergebnis verwendet, welches einen Erreger anzeigt, obwohl er gar nicht vorliegt. Gesunde würden dadurch irreführend als krank erklärt. Die Treffsicherheit, dass nur Virusträger als positiv bezeichnet werden, nennt man „Spezifität“.
Der Begriff „falsch negativ“ bedeutet, dass trotz Anwesenheit von Virusmaterial dieses nicht angezeigt wird. Virusträger würden in diesem Fall übersehen. Die Qualität eines Tests diesbezüglich wird als „Sensitivität“ bezeichnet. Die Sensitivität der oben genannten PCR-Tests wird statistisch mit 99,9 Prozent angegeben. Dabei werden allerdings auch Virusreste erfasst, ohne dass die Infektion angegangen ist.
Ein Problem ist, dass viele Abstriche in Testzentren falsch durchgeführt wurden, zum Beispiel nur durch oberflächliches Abwischen der Wangenschleimhaut. Das erklärt eine hohe Zahl falsch negativer Tests.
Zu Unrecht wird die Aussagekraft der PCR-Methode von verschiedenen „Corona-Skeptikern“ grundsätzlich angezweifelt. Seit vielen Jahren ist der PCR-Nachweis von Virusmaterial in der Medizin allgemein anerkannt. Unterschiede in der Qualität bzw. Spezifität ergeben sich aus den Gen-Abschnitten, die dabei nachgewiesen werden. Der erste von Prof. Drosten u.a. entwickelte und in Deutschland zugelassene RNA-PCR-Nachweis von Covid-19 stützte sich auf die von chinesischen Wissenschaftlern übermittelte Gensequenzen und wurde seither noch verbessert. Zertifizierte Labors testen gegen mindestens zwei verschiedene SARS-CoV-2-spezifische Epitope (Genabschnitte). Wenn bei dieser „Dual Target“-Technik nicht alle Epitope positiv reagieren, darf der Test nicht als positiv bewertet werden. Die Spezifität liegt bei den in Deutschland zugelassenen PCR-Tests bei 99,99 Prozent. Bei 10 000 Tests ist also ein Test falsch positiv. Nach dem ersten Etappensieg in Neuseeland über die Pandemie wurden auch Tausende von Tests durchgeführt ohne ein einziges positives Ergebnis. Je nach den in anderen Ländern verwendeten Gensequenzen und der Kompetenz und Sorgfalt der Großlabors kann die Spezifität zum Teil auch geringer sein. Das muss dringend geändert und bei der Beurteilung der internationalen Pandemie-Entwicklung berücksichtigt werden! Eine Testung in einem bayrischen Großlabor erbrachte falsch positive Ergebnisse, weil falsche Reagenzien verwendet wurden. Der Fall schlug Wellen, weil Profi-Fußballer betroffen waren 14– kein Laborverfahren dieser Welt ist absolut sicher und Großlabors werden heute oft im Rahmen kapitalistischer Konzerne betrieben.
Bei einem PCR Abstrich gibt das Labor zwei Werte an. Der eine Wert ist ein qualitativer Wert: negativ oder positiv. Bei einem positiven Ergebnis gibt das Labor den Ct-Wert an. Dieser wird als Maß herangezogen für die tatsächlich vorhandene Menge an Virus RNA (Erbgut des Virus). Das Erbgut wird so lange vervielfältigt, bis ein Messsignal gefunden werden kann. Je mehr dieser Schritte zur Vervielfältigung für ein positives Testergebnis nötig sind, desto geringer war die Menge an Virusmaterial in der Ausgangsprobe – und natürlich auch umgekehrt, je weniger Schritte nötig sind, desto höher war die Virusmenge in der Probe. Damit gibt der Ct-Wert Aufschluss über die Menge an Virusmaterial und damit Hinweise auf die Infektionsität des Infizierten. Der PCR-Test weist immer nur Virusmaterial nach, beweist also nur eine Infektion, nicht eine Erkrankung. Er muss deshalb immer im Zusammenhang mit dem individuellen Krankheitsbild interpretiert werden. Den PCR-Nachweis grundsätzlich infrage zu stellen, ist Ausdruck einer medizinischen Inkompetenz oder bewußten Desinformation. Letztlich würde damit einem wesentlichen Teil der modernen mikrobiologischen Labor-Diagnostik der Boden entzogen.
Covid-19-Schnell-Test
Inzwischen sind Schnell-Tests zu akzeptablen Preisen unter acht Euro auf dem Markt. Sie erlauben es, dass das Ergebnis des Abstrichs bereits nach 15 Minuten abgelesen werden kann. Die Sensibilität dieser Tests ist allerdings zum Teil noch verbesserungswürdig und noch nicht gleichwertig mit den PCR-Tests. Insbesondere am Beginn und Ende der infektiösen Phase können falsch negative Befunde auftreten. Gleichwohl haben die Schnelltests schon sehr wertvolle Möglichkeiten eröffnet. So konnte die Tübinger Notärztin Lisa Federle mit ihrem engagierten, vielfach ehrenamtlichen und tatkräftigen Einsatz für die massenhafte Testung mithilfe der Schnelltests nicht nur die Inzidenz in Alten- und Pflegeheimen deutlich senken, sondern auch eine landesweit verstärkte Nutzung erreichen. 15
Vorteile der Schnelltests:
•Massenhaftes Screening der Bevölkerung zu akzeptablen Preisen
•Möglichst rasch vorliegendes Ergebnis gibt Klarheit über Entscheidung zur Quarantäne
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