Danny Cruz ist überwältigt: „Die zwei Mädchen hatten so viel Talent und Fleiß, wie ich es selten gesehen habe. Megan war kreativ, geschickt, unvorhersehbar, sie führte Spielzüge aus, die nur sehr wenige fünfzehn- oder sechzehnjährige Spielerinnen beherrschen. Sie war schnell, hatte einen guten Blick fürs Spiel, konnte alle Positionen im Mittelfeld und im Angriff besetzen. Rachael war eine wahre Naturgewalt, spielte in der Verteidigung, aber, wenn nötig, auch ohne Probleme im Sturm. Die beiden zusammen zu sehen, war ein Hochgenuss, sie fanden sich mit geschlossenen Augen. Beide waren mit Ehrgeiz und Ernst dabei, immer hochkonzentriert. Außergewöhnlich motiviert. Sobald sie auf dem Spielfeld waren, dachten sie nur an eins – ans Gewinnen. Nicht mal im Training sparten sie Kräfte. Manchmal befanden sie sich im direkten Zweikampf, Stürmerin gegen Verteidigerin. Sie ließen einander nichts durchgehen, schrien sich an, kämpften erbittert um jeden Ball. Das zeigt, wie kompetitiv beide schon damals waren.“
Nachdem sie geduscht und sich umgezogen haben, geht es zurück nach Redding. Oft schlafen die Zwillinge auf der Rückfahrt ein. Denise konzentriert sich aufs Fahren, bis sie gegen elf Uhr abends zu Hause ankommen. Meistens fahren sie diese Strecke noch ein zweites Mal pro Woche, wenn eine Extra-Trainingseinheit auf dem Plan steht. Plus die zahlreichen Fahrten am Wochenende zu Spielen und Turnieren. So kommen die Rapinoes in Kalifornien gut herum und besuchen außerdem verschiedene Orte in anderen Bundesstaaten.
„Unsere Mannschaft war gut aufgestellt, neben den Rapinoe-Zwillingen war Verlass auf Stephanie Cox [ursprünglich aus Los Gatos in Kalifornien und Olympiasiegerin in Peking 2008, Anm. d. A.]. Mit ihnen sind wir vom 147. Platz landesweit auf den ersten gerutscht“, erzählt Danny Cruz, inzwischen Trainer bei den Folsom Earthquakes RDS, der immer wieder gern von Megans Erfolgen bei Elk Grove Pride berichtet. „Damals haben wir in der U17-Meisterschaft gegen eine der stärksten Mannschaften des Landes gespielt. Wir lagen zurück, als Megan sich gegen Spielende dazu entschied, die Dinge in die Hand zu nehmen. Sie war wütend auf den Rest ihres Teams, denn sie hatten keinen guten Tag. Sie zog sich also bis an unseren Strafraum zurück und rief der Torhüterin zu, sie solle ihr den Ball geben. Von dort aus lief sie über das ganze Feld, umspielte die Gegnerinnen, die sich ihr in den Weg stellten, eine nach der anderen, und schoss ein traumhaftes Tor, eines wie Maradona. Ein unvergesslicher Moment. 2003 haben wir sogar die regionalen Meisterschaften und die auf Bundesstaatsebene gewonnen und sind Vizelandesmeisterinnen geworden. Und dabei spielten wir nicht in unserer, sondern in einer höheren Altersklasse.“
Megan und Rachael leben für ihren Sport: Die meisten Einladungen zu Partys mit ihren Freunden müssen sie ablehnen. Familientreffen zu Thanksgiving oder gemeinsame Ferien werden oft wegen eines Turnieres in einem anderen Bundesstaat verschoben. Elk Grove ist die einzige Möglichkeit für sie, ihre einzige Chance, auf einem gewissen Level zu spielen und zu den Hoffnungsträgerinnen des Landes zu zählen. Megan hat man schon seit einiger Zeit im Auge: Zuerst nahm sie am Olympic Development Program (ODP) für Jugendliche unter vierzehn Jahren teil, anschließend, im Juni 2002, an einem Sichtungslehrgang in Houston, und reiste zudem mit der U17-Frauenmannschaft nach Frankreich. „Ich wusste, sie würde irgendwann ganz oben stehen, sie würde ein Star werden“, erklärt Cruz, „denn sie wusste schon damals, als sie in unserem Team anfing, ganz genau, wohin sie wollte; sie hat immer gesagt, dass sie eines Tages das Trikot der Nationalmannschaft tragen wird. Das war von Anfang an ihr Ziel …“
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1 Who’s Who Among American High School Students ist eine Auflistung der amerikanischen Schüler und Studenten (in Buchform sowie als Internetseite, inzwischen allerdings wegen Insolvenz nicht mehr online), die sich durch besondere Leistungen oder andere Errungenschaften hervorgetan haben.
2 Die NCAA Division I (D-I) ist die höchste Stufe der Sportprogramme von vielen amerikanischen Universitäten, die von der National Collegiate Athletic Association (NCAA) in den USA anerkannt ist. An den D-I-Schulen besitzen die wichtigsten Hochschulsportarten größere Budgets, umfangreichere Einrichtungen und mehr Sportstipendien als in den Divisions II und III sowie an vielen kleineren Schulen, die sich für die höchste Ebene an interkollegialem Wettbewerb entschieden haben.
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