Der Balken im eigenen Auge
Ausstieg aus dem Streit – aber wie?
Schritt 2: Selbstregulation
Regulieren statt runterschlucken
Schritt 3: Gespräche über wichtige Themen
Kleines Kommunikationstraining
Zusammenfassung des 3-Schritte-Modells
3WAS IST NORMAL? KLEINER EINBLICK IN BEZIEHUNGSDYNAMIKEN
»Die Zicke« und »der nette Kerl«
Verstärkererosion
Verlangensunterschiede und Polarisierung
Regenbogenqualitäten
Sprachen der Liebe
Heterozentrierung und Autozentrierung
Chronischer Stress
Berührungen
4PRÄVENTION: LANGFRISTIG GLÜCKLICH UND IM KONTAKT
Positivität statt Negativität
Engels- statt Teufelskreise
In Kontakt miteinander bleiben – emotionales Updating
Richtiges Zuhören
Restrukturierung des Systems
Noch ein Blick auf chronischen Stress
Noch ein Blick auf Verlangensunterschiede
Und noch ein Blick auf Berührungen
Resignative Reife und Balance
Ausklingende Schleifen
UND WEIL’S SO WICHTIG IST: NOCH MAL!
FALLS ES NICHT ALLEIN KLAPPT
Beziehungsratgeber
Professioneller Rat
Paarkurse
Wenn einer nicht mitmacht
Was kostet das?
Anlaufstellen bei Paarkrisen
ZU GUTER LETZT
EMPFOHLENE LITERATUR
VERZEICHNIS DER ÜBUNGEN
ÜBER DIE AUTORIN
Seit vielen Jahren arbeite ich mit Paaren. In Paartherapien ist oft ganz schön was los, manchmal fliegen richtig die Fetzen.
Ich bin nicht konfliktscheu, aber über die Jahre habe ich gelernt, dass es nichts nützt zu streiten. Hier werden viele Leserinnen und Leser das erste Mal stolpern: »Was? Soll ich jetzt noch mehr schlucken und unter den Teppich kehren?« Wahrscheinlich haben Sie den Eindruck, dass vieles Wesentliche in Ihrer Beziehung bisher noch nicht genügend geklärt wurde – meist, weil der andere konfliktscheu ist und schwierige oder emotionale Themen generell vermeidet. Das kann sehr belastend sein und mittelfristig dazu führen, dass Paare sich entfremden. Da bin ich ganz auf Ihrer Seite.
Allerdings nützt es auch nichts, über wichtige Themen zu streiten. Einzig der Effekt des Dampfablassens tut dabei gut. Inhaltlich kommt das Paar meist keinen Schritt weiter. Das erlebe ich sowohl privat als auch professionell immer wieder.
In den letzten Jahren habe ich mit einer Kollegin ein Lehrbuch für Paartherapie geschrieben und mich im Rahmen dessen viel mit Hirnforschung beschäftigt. Insbesondere die Polyvagaltheorie ist für mich zu einer Art Baukastensystem geworden, mit dem man Zwischenmenschliches nachvollziehbar erklären kann.
Und so hatte ich Lust, etwas Leichtverständliches zu schreiben, das jeder, der sich eine gelungene Partnerschaft wünscht, zur Hand nehmen kann. Funktionierende Partnerschaften sind nämlich gar nicht so kompliziert zu erklären, wie viele denken. Es gibt bewährte Regeln, die man eben ohne Wenn und Aber einhalten muss. Für eine harmonische Ehe gibt es keine Garantie. Aber wie Sie die Chancen fürs Gelingen deutlich steigern können, lesen Sie hier.
Und weil zwischen Theorie und Praxis oft Welten liegen, jeder Mensch anders ist und manche Leser und Leserinnen sich gern noch intensiver mit der Thematik beschäftigen möchten, habe ich am Ende jedes Abschnitts Übungen eingebaut. Wenn Sie am liebsten nur querlesen, können Sie diese auch einfach überspringen. Wenn die Übungen aber Ihr Interesse wecken, können Sie sie mit Stift und Herz bearbeiten und so das Erlernte noch intensiver mit dem eigenen Leben verknüpfen.
Was Sie in diesem Buch erwartet
Wie funktionieren Partnerschaften? Was passiert bei Streit? Warum sind wir manchmal so kompliziert? Und wie können wir es besser machen?
Das werde ich Ihnen in diesem Büchlein in aller Kürze erklären. Dabei sage ich Ihnen, worauf es wirklich ankommt. Manche Dinge sind Pflicht, andere Kür. So ist es beispielsweise unumstößlich, dass Sie wichtige Themen niemals im Streit besprechen. Wichtige Themen brauchen voll funktionierende Gehirne. Aber Partnerschaften brauchen Gespräche über wichtige Themen wie Emotionen, Wünsche und Bedürfnisse. Weil das jedoch im Streit nicht funktioniert, ist es wichtig, dass die Beteiligten die Fähigkeit haben, sich selbst zu beruhigen. Das hat nichts mit Runterschlucken oder Vermeidung zu tun, sondern mit echter persönlicher Stabilität und Reife. Und wie das alles funktionieren kann, werde ich Ihnen nacheinander aufschlüsseln und in drei umsetzbare Schritte unterteilen.
Ich nehme Sie also an die Hand und begleite Sie auf Ihrem Weg zurück in eine harmonische Partnerschaft. Sie müssen diese Schritte nur noch in die Tat umsetzen – und zwar so oft wie möglich. Auch das lehrt die Neurobiologie: Neue Verhaltensweisen müssen durch Verknüpfung und häufige Wiederholungen verankert werden. Denn wir werden in diesem Prozess Ihr Gehirn »umbauen«. Und was über Jahre und Jahrzehnte anders trainiert worden ist, lässt sich nicht durch einen Schnipp verändern. Darum lesen Sie das Büchlein ruhig öfter.
Am wirkungsvollsten ist es natürlich, wenn Sie es mit Ihrem Partner zusammen Abschnitt für Abschnitt lesen und anschließend die Übungen unabhängig voneinander bearbeiten. So können Sie alles gut verinnerlichen und machen es schon bald wie im Schlaf richtig.
Nun gibt es natürlich auch die eine oder andere Partnerschaft, bei der sich einer von beiden nicht motivieren lässt, einen »Psychoratgeber« in die Hand zu nehmen, geschweige denn, ihn aktiv zu bearbeiten. Hier gilt: Machen Sie’s allein. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und setzen Sie das Gelernte um. Ich gehe fest davon aus, dass Sie Ihren Partner bzw. Ihre Partnerin damit überraschen werden. Vielleicht führt das allein schon vom Teufelskreis zurück in einen »Engelskreis«. Vielleicht ernten Sie aber auch Interesse und Neugier und können den anderen in einer zweiten Runde mit ins Boot holen.
Und falls das immer noch nicht ausreichen sollte, finden Sie am Ende des Buches Tipps, wo und wie Sie die für Sie passende professionelle Unterstützung finden.
Ich wünsche Ihnen von Herzen gutes Gelingen!
Monika Röder
P. S.: Noch ein Satz zum Titel Eheretter . »Ehe« steht hier für »verbindliche Partnerschaft« – ob mit Trauschein oder ohne. Zwischen Mann-Frau, Frau-Frau, Mann-Mann oder was dazwischen. Und ob mit göttlichem Segen oder ohne.
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WIE WIR TICKEN: KLEINER ÜBERBLICK ÜBER DAS STRICKMUSTER DES MENSCHEN
Viele Paare streiten sich schon über die Frage, was Streit ist: »Sei doch nicht immer so aggressiv. Warum wirst du schon wieder laut?«, sagen die einen. »Das ist doch kein Streit. Das ist eine Diskussion!«, sagen die anderen. Wir sind durch unsere Herkunfts- und Familienkulturen unterschiedlich geprägt und empfinden ein bestimmtes Verhalten daher auch ganz unterschiedlich.
Wie ist das bei Ihnen? Finden Sie, Sie streiten zu viel? Oder zu wenig? Oder falsch? Durch welche Art von Auseinandersetzungen sind Sie geprägt? Wurde in Ihrem Elternhaus viel gestritten oder wenig? Wurde es auch mal feindselig? Destruktiv? Verletzend? War das Konfliktverhalten vielleicht auch gewalttätig?
Oder war es bei Ihnen zu Hause eher ruhig? Haben sich die Eltern für ihre Meinungsverschiedenheiten zurückgezogen? Oder haben sie Auseinandersetzungen gänzlich vermieden? Sollten alle nett und harmonisch miteinander sein? Wurden Konflikte evtl. auch unter den Teppich gekehrt?
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