1 ...8 9 10 12 13 14 ...19 Bei all diesen Fähigkeiten wusste ich nie, welchem Talent ich beruflich folgen sollte. Es war mir einfach zu einseitig, zu langweilig, immer nur eine Sache zu machen, einem Talent zu folgen. Mein Bestreben ist Abwechslung. Ich brauche Veränderung. Durch meine Vielseitigkeit war es nicht einfach im freiberuflichen Dasein Fuß zu fassen. Die meisten Auftraggeber verlangen Spezialisten. Wahrscheinlich hat meine Vielseitigkeit, die ich auch immer ausgelebt habe, einige Jobgeber verschreckt. Vielleicht konnten sie sich nicht vorstellen, dass ein Mensch auf so vielen unterschiedlichen Arbeitsgebieten gut sein kann.
Aber das ist ohne weiteres möglich. Und im Gegenteil: Ich lernte, wie das eine Talent das andere unterstützen und ergänzen kann. Zudem stellte ich fest, dass die grundlegende Herangehensweise meiner unterschiedlichen Arbeitsbereiche absolut gleich ist. Nur die Verwirklichungsebene erscheint unterschiedlich.
Und so lebe ich ein kleines Nischendasein, unterstützt von einigen wenigen, die meine Professionalität und Einfühlungsvermögen, verwurzelt in einem Meer aus Kreativität, zu schätzen wissen. Die große Karriere ist scheinbar nicht machbar. Aber vielleicht will ich das auch gar nicht!
Dass ich kein Megaerfolg mit meiner Kunst habe, stört mich gar nicht. Denn ich bin zufrieden mit meinem Dasein. Ich weiß, dass der finanzielle Fluss immer gewährleistet ist, und mir ist es wichtiger Zeit, Ruhe und Spaß zu haben. Und mich weiter zu entwickeln.
Nachdem ich meine Kreativität auf jede erdenkliche Art und Weise ausgetestet und verwirklicht hatte, entwickelte sich durch die wundervoll geführte Suche nach meinem wahren Selbst eine neue Fähigkeit. Im Laufe meiner spirituellen und energetischen Forschungen konnte ich Energien und Strukturen jenseits der Dreidimensionalität wahrnehmen und verändern. Ich lernte tief in der Welten–Matrix zu arbeiten, um dort wahrzunehmen was kaputt, falsch oder blockiert war. Und um diese Verletzungen in den Energiekörpern zu verändern. Zu transformieren. Zu heilen.
Auch in diesem Bereich war es mir erstaunlich leicht gefallen, die Energien wahrzunehmen und entsprechend zu verändern. Diese neu entwickelte – oder wieder erinnerte – Kraft torpedierte meine berufliche Laufbahn erheblich, da ich plötzlich gar nicht mehr wusste, auf welchem Gebiet ich nun arbeiten sollte/wollte. Das geliebte künstlerische, spaßige Erschaffen neuer Welten von Äußerlichkeiten oder die heilende, tiefgründige Energiearbeit, eine Erneuerung der inneren Welten?
All die Talente, die sich so entgegengesetzt gezeigt hatten, die mich hin und hergerissen haben, brachten mich manchmal an den Rand der Verzweiflung. Eigentlich wollte ich alles gleichzeitig leben, aber in einer Welt einseitig ausgerichteter Zieloptimierung schien es keine finanziell ausreichende Möglichkeit dafür zu geben. Die innere Zerrissenheit, welchem Talent ich folgen sollte, wirkte sich nach außen hin so aus, dass ich in keinem Bereich richtig Fuß fassen konnte. Was die Ernährung meiner Familie immer schwieriger gestaltete.
Alle Unsicherheiten begannen sich aufzulösen, als ich erkannte, dass ich nicht viele unterschiedliche Talente hatte, sondern eigentlich nur ein einziges: Das eine Talent – ganz in der Tiefe meines Seins – ist das Wahrnehmen von Energien und deren Umsetzung in andere Zustände. All die augenscheinlichen Fähigkeiten, das Zeichnen, das Tanzen, das Fühlen von Formen und Linien, meine Empathie und Sensibilität, sind nur äußere Erscheinungen der einen, dahinterliegenden Kraft. Welche aus der Tiefe meines ureigenen Seins in mein irdisches Leben fließt. So wie jede andere dreidimensionale Erscheinung nur ein »Erscheinung« ist, die eine tiefer liegende Idee oder Kraft anzeigt.
Kurzum: Ich weiß einfach, wie Energien fließen und wie sie beherrschbar sind. Ich weiß um die Dynamiken und Möglichkeiten des Erschaffenes und Schöpfens. Das ursächliche Talent meiner Fähigkeiten liegt darin, fließende Formen und Schwingungen wahrzunehmen und in andere Erfahrungsebenen zu übersetzen. Ich fühle Schwingung, Energie oder Wesenheiten und mache sie sichtbar. Alle meine Talente sind eigentlich nur eines.
Diese Erkenntnis veränderte mein Bestreben die verschiedenen Talente auch beruflich ausleben zu wollen aufs Gründlichste. Durch das Loslassen der Kontrolle, wie welche Fähigkeit wann und auf welche Weise mir Spaß und Geld bringen sollte, öffnete sich eine neue Welt voller Wunder und fantastischer »Zufälle«.
Ich fließe auf der Welle meines Könnens. Jeden Tag eine andere Möglichkeit ausschöpfend, ohne bewusstes Kontrollieren. Und seitdem erfahre ich erst wirklich, was Spaß und Vielfalt heißt. Die mir so wichtige Abwechslung kommt immer genau dann, wenn ich es brauche. Wenn ich schon lange nicht mehr gezeichnet habe, kommt ein entsprechender Auftrag. Vermisse ich das energetische Arbeiten, kommt ein Klient zu mir, der meine Hilfe braucht. Und perfekt ist es, wenn ich Seelenbilder malen soll. Da kann ich meine Wahrnehmung der Energien und mein Talent mit Seelen zu sprechen mit meiner kreativen Ader vereinen. Die wahrgenommenen Informationen in bildhafte Form zu illustrieren, erfüllt mich über alle Maßen. All meine Wünsche in einem Job. Solche Aufträge genieße ich sehr.
Und jetzt sitze ich hier mit verspannten Muskeln im Schulterbereich und schreibe auch noch. Während sich draußen die Sonne durch den weißen Nebel künstlicher Wolken schiebt.
Die Woche erstrahlt im Glanz ständiger Wiederholungen. Wie ein gut gestelltes Uhrwerk funktionieren Millionen von Menschen nach dem selbst aufgestellten Plan eingefahrener Tätigkeiten. Der gesamte Tagesablauf ist programmiert und vorherbestimmt. Selbst die Freizeit ist geregelt und organisiert.
Das fängt schon im Kindesalter an. Jeden Morgen erleben sie in der Schule die gleiche Routine. Schon allein um sich an das stete Wiederholen zu gewöhnen. Nur der wechselnde Inhalt verwässert den Eindruck der festzementierten Abläufe. Ist der Mensch dann in der Arbeitswelt angelangt, geht es munter weiter. Wiederholungen: morgens, mittags und abends. Das Wochenende in seiner freien Gestaltungsweise ist ebenfalls genauestens geregelt, der Urlaub ist schon Monate zuvor geplant, durchdacht und bestellt. Jeder Tag ist minutiös in Form gepresst, aus dem Katalog erlesen, bestellt und ausgeführt. Tagein tagaus, über Wochen, Monate, Jahre.
Das Leben wird voraussehbar, bis die ungeliebte Lebensarbeitszeit vorbei ist. Um dann endlich in die wohlverdiente Rente zu gehen, um weiterhin ein Spielball geregelter Tagesabläufe zu werden.
Die Freiheit der eingeengten, in ein unbewegliches Korsett verpackten Gefühlswelt wird gnadenlos der Angst vor dem Unbekannten geopfert. Ohne Vertrauen ergibt sich mensch in die vermeintliche Sicherheit fester Gewohnheiten. Die Folge ist Krankheit und Siechtum. Der Geist will leben und kann in seiner unterdrückenden und durchorganisierten Enge nur Krankheit erzeugen. Dieses Kranksein folgt dann wieder einem vorgegebenen Plan der von Ärzten geregelten Vollendung im Dahinscheiden.
Vom ersten Tag an begeben wir uns in bereits ausgerollte und von der Gesellschaft vorgefertigte Bahnen. Keine Chance, ein individuelles, auf sich selbst maßgeschneidertes Leben voller Abenteuer und überraschender Erlebnisse zu erfahren. Wir sind fremdbestimmte Roboter geworden, mit der Programmierung im engen Netz der begrenzten Möglichkeiten herumzustehen und abzuwarten. Selbst wenn man versucht dieser Lebendigkeit tötenden alltäglichen Gewohnheit zu entkommen, endet man irgendwann wieder in einer anderen, selbst geschaffenen Wiederholung. Gewohnheiten sind ein grundlegender Teil unseres Daseins. Da kommen wir nicht drum herum. Aber wenn man die falschen Gewohnheiten zelebriert, bleibt von einem erfüllten Dasein nicht mehr viel.
Auch mein Leben ist von Routine durchzogen, obwohl ich so frei wie möglich lebe. Und egal, ob ich morgens die Kinder zum Schulbus bringe oder ausschlafen kann: spätestens um acht Uhr steh ich in der Küche, koche den Kaffee auf dieselbe Art und Weise, frühstücke in zwei manchmal abwechselnden Varianten, meditiere oder gehe gleich an meine Arbeit.
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