Wiglaf Droste - Nomade im Speck

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Nomade im Speck: краткое содержание, описание и аннотация

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Unterwegs als Nomade im Speck berichtet Wiglaf Droste über merkwürdige Begebenheiten und kulinarische Überraschungen in Regionen der Welt, die er auf seinen Reisen durchstreift. Und Nikolaus Heidelbach setzt diese Geschichten in ebenso überraschenden wie verwegenen Bildern um, die sich nur ungläubig und andächtig bestaunen lassen – mit 32 ganzseitigen Illustrationen.

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Mit der herrlichen Luftmatratzen-Freibeuterei war es erst mal Essig; meine Eltern verdonnerten meinen zwei Jahre älteren Bruder dazu, auf mich aufzupassen, was keinem von uns im mindesten gefiel. So werden lebenslange Antipathien gestiftet. Nach einer Woche unter Aufsicht durfte ich wieder allein ins Wasser. Ich machte mich sogar nützlich und sammelte Miesmuscheln, die von meiner Mutter zubereitet wurden. Ich aß selber niemals etwas von dem weichen Gewabbel, als das es mir damals erschien, und als ich hörte, dass Miesmuscheln auf italienisch Cozze heißen, wusste ich, warum ich so gern verzichtete. Es gibt ein Lebensalter, in dem man so etwas komisch finden darf. Die von mir ungeliebten Kutteln heißen auf italienisch Trippa, und das reicht mir bis heute als Grund, sie fast übertrieben höflich dankend abzulehnen.

Das Wasser ist immer mein Lieblingselement geblieben; ich wurde sogar Rettungsschwimmer und lernte, wie man Ertrinkende vor dem Tod bewahrt. Bei der Abschlussprüfung zum Lebensretter fielen mir viele schwarze Haare ein, und als mir später überall selber solche wuchsen, was ich mit äußerstem ästhetischem Argwohn betrachtete, fügte ich mich irgendwann und dachte: Ja, so geht das. Da hat dir wohl jemand eine Fa­ckel in die Hand gedrückt.

Auch die Kalauer mit dem Italienischen konnte ich mir nie abgewöhnen. Für manche muss man aber bezahlen. Pizza ist Pizza, Pizzo heißt Schutzgeld, und als ich in einem Restaurant in Palermo aus einer Dummejungenlaune heraus eine »Pizza Pizzo« bestellte, hatte ich das auf der Stelle zu bereuen. Die Augen des Kellners, die mir steinkohlefarben erschienen, bewiesen, dass auch die dunkelsten Augen kalt wie Gletschereis schimmern können. Oder waren sie grün, braun oder blau? Kontaktlinsen gibt es schließlich in allen Farben, und diese Vielfalt wurde erfunden für Leute, die Distanz halten wollen zu jedem, der ihnen in die Augen zu sehen versucht.

Zu meinem Glück war ich nicht allein ins Lokal gegangen. Einer meiner beiden befreundeten Ess­genossen, dem die atmosphärische Störung nicht entgangen war, spielte sofort in Speisekarten­italienisch den Clown, stand auf, ging mit dem Kellner zur Vitrine, in der frisch gefangene Fische und andere Meerestiere lagen, gestikulierte, lächelte, rabulierte und ramenterte freundlich auf ihn ein, und, darum ging es, bestellte nichts von dem Zeug für Touristen. So glättete er die Wogen des rabiaten Sizilianismus, und ich erhielt Gelegenheit, einen Seeigel auszulöffeln. Dass ich mir später die Rechnung schnappte und beglich, versteht sich von selbst.

Seeigel hatte ich vorher noch nicht gegessen, aber dann fiel mir wieder ein, wie ich als Junge im Ligurischen Meer in einen dieser Stachelpanzer getreten war. Als die abgebrochenen Spitzen aus einem Kinderfuß herauseiterten, war das mit Schmerzen verbunden.

Italien ist schön und gefährlich.

Wo die kleinen Sachsen wachsen

DIE WERDEN IMMO BLÖYDO Jeyden Toch werden die blöydo Der Chemnitzer - фото 13 DIE WERDEN IMMO BLÖYDO Jeyden Toch werden die blöydo Der Chemnitzer - фото 14

»DIE WERDEN IMMO BLÖYDO! Jeyden Toch werden die blöydo!« Der Chemnitzer Taxifahrer schimpft wie ein ganzer Schwarm Feuerrohrspatzen. Am Bahnhof bin ich eingestiegen, nur zwanzig Meter weiter muss er zum ersten Mal auf die Bremse treten, weil ein Rudel Fußgänger ungeachtet des Kraftverkehrs auf die Fahrbahn tapert und sie langsam, sehr langsam überquert.

»Seyhen Sie – so blöyde sind die! Die rommeln hier rümm wie die Koppudden!«

»Rommeln« hat nichts mit dem von vielen Deutschen noch immer als »Wüstenfuchs« und angeblicher Widerstandsmann verehrten Generalfeldmarschall Erwin Rommel zu tun, sondern meint, dass die Passanten rammeln wie die Kaputten; rammeln bezeichnet in diesem Fall eine nicht näher definierte Fortbewegungsweise.

»Wissense, wöhär dös kömmt, dass die olle blöyde sind?«, fragt mich der Fahrer. Er ist klein und weißhaarig, seine Augen funkeln. Das wisse ich nicht, gebe ich ermunternd zurück, und er erklärt es mir. »Dos kömmt vom Eynkoufen! Die koufen olle den gonzen Daach eyn!« Dass ein dem hemmungslosen Konsum gewidmetes Leben in die geistige und soziale Verelendung und Verwahrlosung führt, leuchtet mir ein. Aber ist denn ausgerechnet Chemnitz, das in der DDR Karl-Marx-Stadt hieß, ein Konsumknotenpunkt? Offenbar ja. Der Taxifahrer berichtet von einem »Eynkoufszentrüm« im Osten der Stadt, einem im Süden, einem im Westen und einem im Norden. Diese »gewalldichen Läyden« würden von der Bevölkerung »reyhum obgegrost«, und wenn man »olle dursch« habe, gehe es wieder von vorne los.

Er nörgelt und zetert und salpetert weiter vor sich hin; meine Laune könnte nicht besser sein. Seit ein paar Jahren lebe ich auch in Sachsen, in Leipzig, eine knappe Zugstunde von Chemnitz entfernt, und jetzt wird mir ganz heimelig von dem nöligen Singsang. Die sächsische Mundart ist häufig Gegenstand allzu billigen Spottes, obwohl die alten Bundesdeutschen, die ihre Gratiswitze darüber machen, nicht einmal die beträchtlichen Unterschiede zwischen dem Leipziger, dem Dresdner und dem Chemnitzer Sächsisch kennen. Als ich von Berlin nach Leipzig zog, fragte mich ein Kollege: »Leipzig – kann man da leben?« Der Ausdruck in seinem Gesicht sagte mir, dass er die Frage ernst meinte. »Nein«, gab ich zurück. »Auf gar keinen Fall. Leben kann man nur in Berlin oder in den Käffern, aus denen die Berliner stammen.«

Selbstbescheidung in Fragen des Humors ist mir unverständlich; wer etwas treffen will, muss sein Ziel doch kennen. Allein in Leipzig, sagen Dialektforscher, würden mindestens 17 Regiolekte gesprochen; manche zählen sogar 29 Leipziger Lokalolekte. Jedenfalls kann das Leipziger Sächsisch sehr herzig sein, und schöne Wörter hat es auch. Ein wackeliger Tisch ist nicht wackelig, sondern lawede, und das ist gut zu wissen in den laweden Zeiten, in denen wir leben beziehungsweise durchs Leben rammeln.

Vor der Fahrt nach Chemnitz besuchte ich den Leipziger Stadtteil, in dem ich wohne: Gohlis. Im Rosental, einem Park, in dem man im Sommer prima herumlümmeln, lesen und den joggenden Kniepatienten von morgen zusehen kann, wurde der sächsische Schriftsteller Karl May von Zivilpolizisten nach erheblicher Rangelei verhaftet. May, der Erfinder von Helden wie Old Shatterhand, Winnetou und Kara Ben Nemsi, von tragisch sterbenden Indianern wie Klekih-petra oder Winnetous Schwester Nscho-tschi, von Halunken wie dem Schut und dem Mübarek, war, bevor er der Groschenromanbotschafter Sachsens wurde, ein veritabler Hochstapler. Bei einem der im 19. Jahrhundert berühmten »Pelzjuden« am Brühl im Zentrum Leipzigs hatte May sich als Bediensteter eines Adligen ausgegeben, zwei Pelze in Auftrag gegeben und sie, ohne zu bezahlen, später an sich genommen; der Kürschner rief die Polizei, und im Rosental wurde May geschnappt. Die Rauchwaren – das ist keine Bezeichnung für Tabak, sondern für Pelze – wurden ihm abgenommen, er selbst landete wie so oft hinter Gittern, wo er sich ein großes Heroenleben zusammenschrieb.

Seine Hauptfiguren waren nicht nur Deutsche, sondern eben unbedingt Sachsen, denn May, geboren in Hohenstein-Ernstthal, schickte sich selbst, den Mangelsachsen, auf Reisen um die Welt und stattete ihn mit allem aus, was er vermisste und entbehrte: wunderbare Gefährten, beste Waffen, märchenhafte Fähigkeiten, Wildbret in Hülle und Fülle und Goldnuggets im Überfluss. Mays Alter Ego, der Hobble-Frank, ist klein und schmächtig, wie der unterernährt und in Not aufgewachsene May es war, doch macht er sein Handicap mit List und Schläue wett.

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