Mehr als 1.000 weitere Zertifikatsinhaber blieben in Bergen-Belsen zurück, viele von ihnen kamen in den folgenden zehn Monaten bis zur Befreiung des Lagers durch die britische Armee im April 1945 und auch noch in der Zeit danach wegen der erlittenen gesundheitlichen Schäden ums Leben. Warum gerade diese 222 Menschen auf der Austauschliste standen, ist seit langem Gegenstand von Überlegungen. Gültig ist immer noch die Vermutung von Simon Heinrich Hermann bereits aus dem Jahre 1944: „So dürfte die definitive Transportliste die nach langen Verhandlungen festgestellte Komponente verschiedener Interessenrichtungen darstellen.“ 9 Wie hoch der Anteil von Glück oder Zufall am Überleben von Änne Gröschler war, lässt sich nur erahnen, zumal es schon unwahrscheinlich war, den Westerborker Deportationen in die Vernichtung entgangen zu sein.
Das mit „Jerusalem, im Herbst 1946“ auf der letzten Seite datierte Typoskript – 39 engzeilige Seiten im britischen Foolscap-Format 10– entstand offenbar schon relativ kurz nach der Ankunft in Jerusalem, vermutlich im Juli 1944. In der Zeit der Erzählung ist der Zweite Weltkrieg noch nicht beendet, die Befreiung von Groningen im April 1945 und das Überleben der Verwandten sind Änne Gröschler nicht bekannt. Wie der Text verdeutlicht, ist sie seit ihrer Ankunft in Palästina erkrankt und in stationärer Behandlung. Klare Symptome der Krankheit werden nicht genannt. Wie ihre Tochter Käthe Löwenberg-Gröschler 1984 dem Herausgeber mitteilte, habe sie einen Zusammenbruch erlitten und deshalb auf Anraten der Ärzte den Bericht niedergeschrieben. Den habe sie in späteren Jahren immer „Aus dieser schweren Zeit“ genannt. Vielleicht erklärt sich das falsche Datum aus der später erfolgten Übertragung eines handschriftlichen Urtextes in das Typoskript.
Der Text wurde in Rechtschreibung und Zeichensetzung korrigiert und im Satzbau an wenigen Stellen angepasst. Linguistische Untersuchungen, z. B. über eventuelle Reflexe des Jiddischen, sollten auf das originale Typoskript zurückgreifen. Die Übersetzung hält sich so nah wie möglich an den deutschen Wortlaut und an den spezifischen Schreibstil von Änne Gröschler, selbst wenn sie zwischen verschiedenen Zeitformen wechselt.
1984 besuchten von den Nationalsozialisten vertriebene Juden aus Jever ihren alten Wohnort. Sie folgten der Einladung einer Projektgruppe von Schülern und Lehrern des örtlichen Gymnasiums. Während der Besuchswoche überließen Käthe und Alfred Löwenberg-Gröschler ihm das Typoskript zur Erstellung von Fotokopien und zur weiteren Verwendung, eine Kopie wurde dem Niedersächsischen Landesarchiv in Oldenburg zur Verfügung gestellt. Der Herausgeber veröffentlichte 1988 Auszüge des Berichts in einem Aufsatz über den Novemberpogrom 1938 in Jever. Werner Vahlenkamp edierte in demselben Jahr die Jever betreffenden Passagen, das sind etwa zehn Prozent des Gesamttextes.
2014 mietete der Zweckverband Schlossmuseum Jever das Erdgeschoss des 1954 auf dem Grundstück der abgetragenen Synagogenruine erbauten Gebäudes an, um hier ein „Zentrum für die Geschichte der Juden und der Zeitgeschichte der Region“ aufzubauen. Die Einrichtung sollte nach Hermann und Julius Gröschler heißen, den letzten beiden Vorstehern der Synagogengemeinde Jever. Zum 70. Jahrestag des „Transports 222“ fand hier im Juli 2014 ein Vortrag über Änne Gröschler und ihre Rettung statt, zu dem drei ihrer Nachfahren aus England und den Niederlanden nach Jever kamen. Bei dieser Gelegenheit entstand die Idee der vollständigen Veröffentlichung von „Aus dieser schweren Zeit.“ Die Nachfahren von Hermann und Änne Gröschler, Julius und Hedwig Gröschler und der Familie Hoffmann-Levy, die an der Namensgebungsfeier für das GröschlerHaus Ende September 2014 teilnahmen, bekräftigten das Projekt. Anita Engler-Haas, Erica Groschler, Heidi Groschler, Roslyn und Walter S. Groschler, David Haas, Bob Löwenberg, Hans Löwenberg, Jacqui Lynskey-Haas, Andrea Shalinsky, Lauren Sokolski, Michael Stuart und andere, die im Ausland leben, haben den Herausgeber ermutigt, auch eine englische Version zu erstellen. Leider konnten Roslyn und Hans die Veröffentlichung der Erinnerungen 2017 nicht mehr erleben.
Eine Papierkopie des Typoskripts befindet sich im Niedersächsischen Landesarchiv Oldenburg (Best. 297 D Nr. 155). Eine digitale Kopie stellt das GröschlerHaus Jever auf Anfrage zur Verfügung.
7 | 1984 kehrten jüdische Menschen, die die NS-Zeit überlebt hatten, auf Einladung des örtlichen Gymnasiums für eine Woche nach Jever zurück. Käthe Löwenberg-Gröschler hielt am 25. April 1984 die Festrede beim Ehrenempfang im Schloss Jever, rechts im Bild Dr. Alfred Löwenberg.
Werner Beyer übertrug das nur schwer lesbare Typoskript in ein Dateiformat. Bob Löwenberg unterstützte die Kommentierung des Berichts seiner Großmutter durch eigene Recherchen, Fotos und die Beantwortung von Fragen. Joan Greening, Michael Greening, Claudia de Levie, Antje C. Naujoks und Lauren Sokolski stellten Fotos und Informationen zur Verfügung. Bei ihrer Übersetzungsarbeit für die englische Ausgabe merkte Linda Robbins-Klitsch noch näher zu klärende Sachzusammenhänge des Berichts an. Uta Esselborn, Rolf Keller, Hans-Jürgen Klitsch, Thomas Rahe, Mareike Spiess-Hohnholz und Klaus Tätzler gaben zusätzliche Informationen oder lasen Korrektur. Außerdem danke ich Guido Abuys, Matthias Bollmeyer, Ingrid Donk, Holger Frerichs, Karin Glatzer, Sabine Glaum, Volker Landig, Hermann Lüers, José Martin, Heidrun Peters, Andreas Reiberg, Antje Sander, Peter Tolksdorf und Werner Vahlenkamp für ihre Unterstützung.
Private Spender an das GröschlerHaus Jever, der Jeverländische Altertums- und Heimatverein e.V., die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, die Johanne-Gruner-Stiftung der Stadt Jever und die Oldenburgische Landschaft haben den Druck der ersten Auflage von 2017 ermöglicht.
Hartmut Peters, im Juli 2020
Änne Gröschler
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