Wie ändern wir diese Wahrnehmungen? Wie können wir helles Tageslicht genießen, das die Schlangen als die wirkungslosen Seile enttarnt, die sie sind? Wir werden bewusster. Bewusstsein ist wie Sonnenlicht. Es macht unsere Emotionen leichter und unser Denken klarer. Schwerfälliges Denken und verworrene Emotionen spiegeln das Bewusstsein nur schlecht wider. Unser Bewusstsein bestimmt unsere Wahrnehmung. Ein klares Bewusstsein lässt sich nie von einem Seil zum Narren halten.
Wir sind die „Kampf-oder-Flucht-Generation“, die in jeder Ecke Schlangen vermutet.
Unser Verstand ist die meiste Zeit auf Autopilot eingestellt. Das unaufhörliche Geschwätz im Kopf ist ein gutes Beispiel für einen außer Kontrolle geratenen Verstand. Der hyperaktive Verstand, der heute so weit verbreitet ist, dass er als normal erachtet wird, verbraucht Unmengen von Energie und bringt uns ständig in Schwierigkeiten. Andere Symptome sind: Sich über die Zukunft Sorgen machen, über der Vergangenheit brüten, Langeweile, Frustration, Ärger, Ängstlichkeit und Furcht. Das alles sind Seile, die wie Schlangen aussehen. Ein trübes Bewusstsein macht unsere Welt zu einem Furcht erregenden Ort.
Bewusstsein ist immer und überall, wir schenken ihm nur keine Aufmerksamkeit. Ich weiß, das klingt etwas seltsam, doch es stimmt. Normalerweise sind wir mit Dingen, Menschen und Gedanken beschäftigt, die unseren Alltag ausmachen. Dieser Dinge sind wir uns bewusst, doch sind wir uns auch des Bewusstseins bewusst? Nicht oft. Die meisten von uns würden reines Bewusstsein nicht einmal erkennen, wenn es direkt auf sie zukäme und ihnen die Hand gäbe. Das alles ist dabei, sich zu ändern.
Bewusstsein ist immer und überall, wir schenken ihm nur keine Aufmerksamkeit.
Moment mal! Das ist es? Das ist das Geheimnis? Bewusstsein? Wahrscheinlich sind Sie jetzt ein wenig enttäuscht. Das wäre ich auch, wenn ich glaubte, ich hätte das Geheimnis des Universums schon gelüftet, indem ich ganz einfach das reine Bewusstsein erkenne. Dann verstehen Sie vielleicht noch nicht so ganz, was ich meine. Das liegt daran, dass der Verstand reines Bewusstsein nicht erfassen kann. Sie können es nicht „fotografieren“. Bewusstsein ist kein Gegenstand, keine Idee oder Emotion. Deshalb kann ein Gespräch darüber frustrieren, wenn Sie es mit dem Verstand erfassen wollen. Es ist nicht materiell, deshalb können Sie nicht danach greifen und es wie einen Hammer benutzen. Doch sobald Sie reines Bewusstsein erfahren haben, oder vielmehr nicht-erfahren haben, ergibt das alles auf wunderbare und vollkommene Weise Sinn.
Machen Sie sich keine Gedanken, falls Sie im Augenblick etwas verwirrt sind. Sie müssen überhaupt nichts vom Bewusstsein verstehen, damit es in Ihrem Leben Wunder wirken kann. Abgesehen davon ist es natürlich nützlich, etwas über das Bewusstsein zu wissen, damit Sie anderen erklären können, warum sie sich so rasch so gut fühlen können. Wie Sie selbst bald herausfinden werden, können Sie „Wunder“ bewirken, Spaß haben und reines Bewusstsein wird für Sie so selbstverständlich wie das Atmen. In Ordnung, sind Sie bereit für ein paar trockene Fakten? Gut!
Sie müssen überhaupt nichts vom Bewusstsein verstehen, damit es in Ihrem Leben „Wunder“ wirken kann.
3. Bewusstsein und das Universum
„Lasst uns nicht ärgerlich zurück und auch nicht ängstlich nach vorn schauen, sondern bewusst in die Gegenwart.“
James Thurber
„In dem Moment, in dem man etwas seine ganze Aufmerksamkeit schenkt, selbst einem Grashalm, wird es zu einer geheimnisvollen, Ehrfurcht gebietenden, unbeschreiblich großartigen eigenen Welt.“
Henry Miller
Schauen Sie sich die folgende Abbildung 1an, das Modell der Materie. Beginnen Sie mit der horizontalen Linie in der Abbildung unten. Sie repräsentiert die Grenze zwischen der sichtbaren Welt aus erschaffenen Dingen auf der einen Seite und dem Nichts (no-thing, zu Deutsch etwa: kein Ding), aus dem alles erschaffen wurde, auf der anderen. Darüber befindet sich die unendliche Schöpfung, darunter das grenzenlose Reich des reinen Bewusstseins.
Reines Bewusstsein ist eines, ohne Form. Das heißt, es hat keine Grenzen, die unser Verstand ausmachen kann. Unser Verstand arbeitet mit Dingen, die man an ihren unterschiedlichen Formen erkennt. Der Verstand gleicht einem Behälter für Gedanken und Emotionen. Durch unsere Sinne bleibt unser Verstand in Kontakt mit der materiellen Welt. Weil sie unterschiedlich aussehen, können wir einen Keks von einer Kröte unterscheiden. Das erscheint vielleicht allzu simpel, doch die Aufgabe des Verstandes ist es, verschiedene Formen zu erkennen, sie zu etikettieren und zu kategorisieren und dann entweder zu verwenden oder für den späteren Gebrauch abzulegen.
Reines Bewusstsein ist eines, ohne Form, ohne ein Zweites. Das heißt, es hat keine Grenzen, die unser Verstand ausmachen kann.
Das alles leistet unser Denken, das selbst auch eine Form ist. Gedanken und Emotionen sind mentale Formen. Ideen, Überzeugungen, Hoffnungen und Philosophien sind eine Ansammlung von Gedanken zu einem zentralen Thema, ähnlich wie ein Stuhl eine Ansammlung von Molekülen ist, rund um die Vorstellung, Sie in einer Sitzposition zu halten.
Gedanken sind nicht so fassbar wie materielle Gegenstände, sie sind aber dennoch Gegenstände. Worauf es ankommt, ist, dass alle Dinge im Universum einzigartig und einmalig sind. Jeder Gegenstand wird durch seine einzigartige Form unterschieden und genau bestimmt.
Unter dem Strich finden wir das formlose, reine Bewusstsein. Stellen Sie es sich wie ein leeres Blatt Papier vor, auf das Worte geschrieben werden sollen. Das Bewusstsein ist formlos, grenzenlos, unterschiedslos und rein. Es ist eines, ohne ein Zweites. Weil das reine Bewusstsein formlos ist, kann es unser Verstand nicht erkennen. Wie sehr Sie sich auch anstrengen, Sie werden Bewusstsein nicht verstehen können und genauso wenig kontrollieren oder manipulieren. Es existiert nicht als Gegenstand, deshalb existiert es für den Verstand nicht. Doch es existiert sehr wohl.
Abbildung 1:Modell der Materie
Hier ist also die Aufgabe, die vor uns liegt. Es gilt etwas ohne Form oder Masse zu finden. Wir wollen mit diesem „Nichts“ vertrauter werden als mit unserem Verstand. Und letztlich wollen wir diese nicht verwendbare Nicht-Kraft dazu nutzen, uns selbst und andere zu heilen. Beginnen Sie nun zu verstehen, warum dieses Wissen ein Geheimnis ist? Es ist ein Geheimnis, weil wir in unserem Verstand leben und uns des Bewusstseins nicht bewusst sind. Obwohl wir schon unser ganzes Leben lang das Gegenteil erleben, glauben wir unserem Verstand, wenn er uns sagt, dass uns Dinge dauerhaft Freude, Frieden und Liebe bescheren. Immer und immer wieder fallen wir auf diesen alten Trick herein. Und genauso glauben wir ihm, wenn er uns weismachen will, das Nichts habe keinen Wert.
Hat es aber!
Obwohl wir schon unser ganzes Leben lang das Gegenteil erleben, glauben wir unserem Verstand, wenn er uns sagt, dass uns Dinge dauerhaft Freude, Frieden und Liebe bescheren.
Reines Bewusstsein ist grenzenlos, deshalb kann sich nichts daran ändern. Diese Art des Nichts existiert immer. Alle anderen Dinge, das heißt alles Erschaffene, verändert sich und hört letztlich auf zu existieren. Im Reich der Schöpfungen ist der Wandel das einzig Beständige. In dem Moment, in dem etwas erschaffen wird, tritt es die Reise zu seinem Ende an. Reines Bewusstsein verändert sich nie, stirbt nie. Es ist das Feld unvergänglicher Liebe und grenzenlosen Friedens.
Hier ist der Clou: Alles, was eine Form hat, kommt aus dem formlosen reinen Bewusstsein. Fragen Sie mich bitte nicht wie, es geschieht einfach. Aus dem Schoß des reinen Bewusstseins wird das Netz der Schöpfung gesponnen. Die Quantenphysik hat das Reich des reinen Bewusstseins entdeckt, zumindest theoretisch. David Bohm, einer der führenden theoretischen Physiker seiner Generation, stellte ein „grenzenloses Ganzes“ fest, das eine implizite Ordnung enthält. Das ist nicht zu verwechseln mit dem Nullpunktfeld oder Quantenzustand, dem energieärmsten Zustand eines Teilchens oder Gegenstandes. Der Zustand, den Bohm beschreibt, hat keine Energie. Einfach ausgedrückt enthält dieses Feld das „stoffliche Zeug“ der Schöpfung, das still darauf wartet, Form oder Energie zu werden. Bohm teilt uns also mit, dass alles aus dem Nichts kommt. Er sagt, und ich mache hier einen kleinen verallgemeinernden Sprung, dass die Schöpfung aus dem Nichts des reinen Bewusstseins hervorgeht. Diese Erfahrung werden Sie später auch machen, wenn Sie lernen, Ihre Gedanken anzuhalten, und dann beobachten, wie Ihre Gedanken wieder aus dem Nichts heraus konkrete Form annehmen. Schauen Sie jetzt in der Abbildung noch einmal auf die erschaffenen Formen oberhalb des Querstrichs.
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