Auch wenn ich seit über zwanzig Jahren an Entwicklungszirkeln teilgenommen habe und meine Fähigkeiten als Medium und Heiler entwickelt habe, freue ich mich immer noch über die Lehren, die ich aus der feinstofflichen Welt erhalte. Ich bin immer noch erstaunt und glücklich, ein Schüler der feinstofflichen Welt zu sein, und werde es wohl auch immer bleiben – bis ans Ende dieses Lebens und darüber hinaus. Und ich liebe es, diese Lehren an andere weiterzugeben und ihnen das beizubringen, was sie für ihre eigene mediale Entwicklung brauchen. Für viele ist es aufregend zu verstehen, wie die geistige Welt wirkt, und es kann sogar das ganze Leben verändern. In meinem Fall traf genau das zu, und deshalb drängt es mich, mein Wissen mit anderen zu teilen.
Seit Stevens erster Sitzung in der Stille wusste ich, dass die feinstoffliche Welt ihm ganz nahe war und wirklich mit ihm zusammenarbeiten wollte. Als ich ihm zuschaute, konnte ich sehen, wie sein Geistführer sein ganzes Gesicht veränderte. Doch ich war fest entschlossen, ihm nicht zu früh zu viel zu geben. Sein Kopf war schon mit allen möglichen archetypischen Vorstellungen, wie Geistwesen auszusehen hätten, vollgestopft. Das Letzte, was er brauchen konnte, waren noch mehr Informationen. Nun war es an der Zeit, seinen Geist zu klären und einen Weg zu finden, wie er das Geistwesen wahrnehmen konnte, das schon darauf wartete, sich ihm vorzustellen.
Wenn Sie über einen gewissen Zeitraum in der Stille meditieren, können Sie Ihre eigenen Gedanken erkennen und im Zustand der Entspannung Ihren Körper bewusst wahrnehmen. Es geht darum, erst sich selbst zu kennen; dann werden Sie alles Neue, das in Ihren Raum tritt, sofort spüren und identifizieren. So erkennen wir die Gegenwart von Geistwesen in unserer Nähe. Jedes von ihnen hat seine eigene Visitenkarte.
Steven erlebte Folgendes:
Ich weiß nicht mehr, wie oft ich zusammen mit Gordon in der Stille meditierte, doch nach einer Weile wurde das Gefühl, dass jemand neben mir stand, immer stärker. Außerdem spürte ich jedes Mal dasselbe: ein Kribbeln im Gesicht immer an derselben Stelle auf meiner linken Wange. Außer ein paar Gedanken, die keinen wirklichen Sinn ergaben, war das so ziemlich alles, was in jeder Sitzung mit Gordon passierte. Und am Ende der Session fühlte ich mich immer super. Ein früherer Lehrmeister hatte mir gesagt, ich hätte einen Geistführer aus Nordamerika, der Crazy Horse hieß, und ab diesem Zeitpunkt war ich mir ziemlich sicher gewesen, dieses Bild beim Meditieren im Geiste zu sehen. Aber immer wenn ich in den Sitzungen mit Gordon nach meinem Geistführer fragte, spürte ich nur dieses Kribbeln im Gesicht.
Als ich zum ersten Mal angewiesen wurde, meinen Geistführer zu bitten, sich mir zu nähern und zu zeigen, wurde das Kribbeln auf der Wange so stark, dass ich wusste: Er wollte mir auf diese Weise zeigen, dass er da war. Es war seine Visitenkarte für mich. Und sie war real – nicht so wie meine Vorstellungen über Crazy Horse.
Gordon hatte mich in dieser Sitzung nur angewiesen, die Visitenkarte zu bekommen, und genau das tat ich. Ich bat meinen Geistführer um nichts anderes. Aber es reichte auch. Es fühlte sich so wirklich an. Und dieses Zeichen war mein erster echter Kontakt mit meinem Geistführer.
Es ist ganz wichtig, eine Verbindung zu seinem Geistführer aufzubauen. Man kann entweder glauben, was andere einem erzählen – oder man kann es durch die richtigen Übungen ganz real selbst fühlen. Vertrauen Sie nicht dem, was Ihre Fantasie Ihnen vorgaukelt. Etwas zu sehen bedeutet nicht immer, dass es real ist – aber meiner Erfahrung nach ist es real, wenn Sie es fühlen.
Übung 2: Die Visitenkarte
Begeben Sie sich in die Stille, in Ihren eigenen stillen Raum, den Raum, der Sie in Ihre innere Mitte führt.
Sitzen Sie einfach still und ruhig im weißen Licht, das Ihnen bewusstmacht, wie ruhig und zufrieden Sie sind.
Schicken Sie am stärksten und intensivsten Punkt der Meditation einen Gedanken an Ihren Geistführer – nur einen einzigen Gedanken, mehr nicht. Fragen Sie ihn, ob er zulässt, dass Sie seine Gegenwart in Ihrem Raum fühlen.
Warten Sie darauf, dass sich irgendwas verändert – irgendeine Sinneswahrnehmung oder ein Gefühl. Stellen Sie keine weiteren Fragen. Tun Sie nichts, außer darauf zu achten, welche Veränderung – falls zutreffend – Sie fühlen.
Sitzen Sie einfach in Gegenwart Ihres Geistführers da und teilen Sie das Gefühl, ihn in Ihrem Raum zu haben, für einen Augenblick mit ihm.
Nun bitten Sie ihn, sich wieder zu entfernen.
Achten Sie darauf, ob sich das Gefühl verändert – achten Sie auf Ihre eigene Atmosphäre und ob sie sich verändert hat.
Atmen Sie nun wieder tief ein.
Werden Sie bei jedem Atemzug bewusster, bis Sie spüren, dass Sie bereit sind, die Augen wieder aufzumachen.
Öffnen Sie die Augen.
Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit, das soeben Erlebte langsam zu überdenken. Betrachten Sie es aus einer ganz ruhigen Position heraus und fragen Sie sich, ob Sie wirklich eine Veränderung um sich herum gespürt haben und nicht nur irgendwas im Geiste gesehen haben. Vergessen Sie nicht: Es geht hier darum, eine Präsenz zu fühlen, und nicht, Bilder zu sehen.
***
Wenn Sie diese Übung in Ihre Meditation einbringen, müssen Sie dafür sorgen, dass sie genauso real bleibt, wie wenn Sie sich in die Stille begeben. Ermuntern Sie nicht grundlos irgendwelche Geistwesen, Sie zu besuchen. Bleiben Sie sich selbst treu. Achten Sie bei jeder Übungssession darauf, ob die Sinneswahrnehmung, die Sie für die Visitenkarte Ihres Geistführers halten, immer auftaucht, und schließen Sie alles andere aus, was ein solches Gefühl verursachen könnte.
Eine Frau, mit der ich vor vielen Jahren in einem Zirkel meditierte, erwähnte immer wieder die leichte Brise, die sie an den Fußknöcheln spürte, immer wenn ein Geistwesen zu ihr kam. Nur saß sie leider vor einem bodentiefen Fenster, das in der Ecke neben ihr ein Loch hatte …
Wie die Frau, die den Luftzug an den Knöcheln spürte, hielt auch ich einmal etwas für eine geistige Energie um mich herum, nur um später festzustellen, dass es etwas ganz Banales war, was durch die Räumlichkeiten verursacht wurde. Auch das war eine „übersinnliche“ Brise, die sich als Luftzug durch ein kaputtes Fenster herausstellte. Versuchen Sie immer, zuerst Ihren gesunden Menschenverstand anzuwenden, und gehen Sie erst dann, wenn alle anderen möglichen Ursachen ausscheiden, davon aus, dass die Energie oder Sinneswahrnehmung feinstofflicher Natur ist.
In diesem Stadium ist es wichtig, die Dinge so einfach wie möglich zu halten und zu warten, bis Sie wirklich die Gegenwart eines Geistwesens fühlen. Glauben Sie mir: Wenn es geschieht, werden Sie es wissen! Mehr müssen Sie zu diesem Zeitpunkt bei der Übung nicht tun.
Gehen Sie es langsam an. Es dauerte Jahre, bis ich meinen Geistführer Master Chi wirklich kennenlernte, und vieles, was mich verwirrte, wurde durch meine eigene Ungeduld verursacht. Anfangs hielt ich jedes Bild, das mir kam – beispielsweise das eines Tempelritters oder Indianers –, für das Aussehen meines Geistführers. Es waren jedoch alles nur meine Hirngespinste. Mein echter Geistführer stellte sich mir durch Gefühle vor – ich fühlte seine Gegenwart mehr, als dass ich ihn sah. Nach einer Weile wusste ich, dass er ein kleiner älterer Herr war. Dann suchte ich das Medium Albert Best auf. Er sagte mir: „Ich sollte Ihnen so was zwar nicht sagen, aber es ist der richtige Zeitpunkt: Ihr Geistführer ist ein orientalischer Gentleman.“
Am Tag darauf zeichnete meine hellsehende Freundin Dronma ihn für mich. Und am Abend darauf teilte mir meine Lehrmeisterin Mrs. Primrose mit: „Ich muss dir das sagen, weil dein Geistführer es so will.“ Und sie beschrieb ihn mir wie erwartet. Es war ein tolles Gefühl, mein eigenes Bild innerhalb von so kurzer Zeit dreimal bestätigt zu bekommen.
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