Atmen Sie tief ein und aus. Ziehen Sie den Sauerstoff in den Körper und klären Sie wieder den Geist. Holen Sie sich in den Wachzustand des Bewusstseins zurück.
Und öffnen Sie die Augen.
Jetzt sind Sie für den Alltag bereit.
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Ich empfehle neuen Schülern, diese Übung mindestens einmal pro Woche allein durchzuführen. Wenn sie einer medialen Gruppe angehören oder Einzelunterricht nehmen – wie es bei Steven und mir war –, ist dies eine gute Übung, um Vertrauen und unsere eigene mediale Energie aufzubauen.
Vergessen Sie nicht: Mediale Entwicklung bedeutet, dass Sie Kraft in sich und eine Verbindung zur feinstofflichen Welt entwickeln müssen. Sie müssen sich darauf vorbereiten, die Verantwortung für Ihr Leben und Ihre Handlungen zu übernehmen. Achtsam und entspannt zu sein erleichtert es Ihnen, viel klarer zu erkennen, was richtig ist und was nicht.
Auch das Gefühl, geerdet zu sein, gehört zu den wichtigsten Dingen, die Sie auf den spirituellen Weg mitnehmen können. Wenn ich eine verwirrende Situation im Alltag bewältigen muss, bitte ich nicht meinen Geistführer, zu kommen und mir zu helfen, sondern wende stattdessen diese Meditation an. Dadurch erreiche ich ein Gefühl der Ruhe und Ausgeglichenheit, bevor ich etwas unternehme, um die Situation zu ändern.
Als ich Steven diese einfache Meditation zum ersten Mal machen ließ, hatte sie eine erstaunliche Wirkung auf ihn. Vorher hatte er geglaubt, wenn er meditierte, würden Geistwesen kommen und ihm den Kopf mit Bildern, Botschaften und allen möglichen Gedanken vollstopfen. Daher überraschte es ihn, als ich ihm sagte, dass er mit seiner Entwicklung umso weiterkommen würde, je weniger er empfange.
Genau das verstehen die meisten Anfänger nicht: Sie glauben, die feinstoffliche Welt hätte nichts Besseres zu tun, als unseren Kopf mit Botschaften zu überfluten, von denen die meisten keinen echten Sinn ergeben. Doch wenn wir tatsächlich üben, unseren Geist zu klären, können wir klarere Mitteilungen empfangen, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist.
Deshalb ermutigte ich meinen neuen Schüler, seinen Geist mit dieser Übung zu klären. Zu wissen, dass ich sie noch heute anwende – um je nach Situation Klarheit zu erhalten oder Verbindung mit meinem Geistführer aufzunehmen –, half ihm.
Außerdem sagte ich ihm, die Weiterentwicklung als Medium würde Jahre dauern, und wenn er nicht die Zeit dafür aufbringen wollte, sollte er unsere Sessions lieber jetzt beenden. Er wollte jedoch weitermachen und das Meditieren bis zur nächsten Sitzung üben, wann immer sie stattfinden würde. Da wusste ich, dass er medial wachsen würde und dass sich die geistige Welt ihm zeigen würde, wenn er bereit dafür war.
Um uns herum strömen viele unterschwellige Energien, die im Grunde unsere eigene Lebenskraft sind und mit denen wir uns vertraut machen müssen. Als ich mit dem Meditieren anfing, hatte ich immer das Gefühl, als würde mein Körper leicht vibrieren, und anfangs hielt ich das für meinen beschleunigten Herzschlag. Das Einzige, von dem ich wusste, dass es regelmäßige Pulsschläge aussendet, ist das Herz. Aber mittlerweile weiß ich, dass das Gefühl meine eigene Aura ist.
Die Aura ist eine Energie, die ein Teil von uns ist und die durch uns ausstrahlt. Für die meisten von uns ist es schwierig, sie zu identifizieren, da sie sehr subtil ist und in einer Geschwindigkeit vibriert, die normalerweise von unseren fünf Sinnen nicht wahrgenommen werden kann. Manche Hellsehende nehmen sie als ein helles Licht wahr, das den Körper eines Menschen umgibt. Mitunter sehen sie sogar in dem Licht Farben, die ihnen nähere Informationen über das Leben des Betreffenden geben. Über diese Energie gibt es noch viel zu lernen, doch meines Erachtens müssen wir zumindest erst einmal ihre Gegenwart als Teil von uns wahrnehmen.
Was Steven erlebt hatte, bevor wir uns kannten, war sein eigenes Energiefeld, das sich ihm gezeigt hatte und das er für Kommunikation der feinstofflichen Welt gehalten hatte. Er hatte nicht geahnt, dass es seine eigene Energie war, und es ziemlich verstörend gefunden:
Bevor ich Gordon kennenlernte, beunruhigte mich vor allem, dass ich Herzrasen spürte, wenn ich dachte, ein Geistwesen sei in meiner Nähe. Manchmal war das ziemlich beängstigend, weil ich glaubte, mein Herz würde gleich bersten!
Ich hatte niemanden, der mir das erklären konnte, und diese Situation verstörte mich sehr, doch als ich Gordon davon erzählte, blieb er ganz ruhig und erklärte mir das mit der Aura. Da ergab das Ganze einen neuen Sinn und macht mir keine Angst mehr.
Mein Lehrmeister hatte Jahre dazu gebraucht, die Energie zu verstehen, mit der er arbeitet – aber durch ihn hatte ich sie innerhalb von wenigen Minuten begriffen. Ich denke oft an die Leute, die – wie ich damals – mediale Erlebnisse haben, die ihnen Angst machen. Jetzt freue ich mich, wenn ich das Vibrieren spüre, weil es mir zeigt, dass ich meinen Geist auf eine viel höhere Schwingung anhebe, von der aus ich mich mit der feinstofflichen Welt verbinden kann.
Ungefähr zu diesem Zeitpunkt fiel mir auf, wie sehr sich die Medialität geändert hatte. Medial Begabte meines Alters und Ältere hatten sich praktisch alle in medialen Zirkeln weiterentwickelt, doch Jüngere, wie mein neuer Schüler und andere, die erst vor kurzem diesen Weg eingeschlagen hatten, waren eher an Workshops und rasche – fast sofortige – Resultate gewöhnt.
All die Tricks und Spielchen, die heute angewendet werden, überzeugen mich nicht wirklich. Meines Erachtens muss die Lehre tiefer gehen. Einem medial begabten Schüler beizubringen, wie er einen Gegenstand lesen und Erinnerungen aus ihm herausholen kann, mag schön und gut sein, doch bei solchen Praktiken entsteht kein tieferes mediales Verständnis. Außerdem kann bei vielen oberflächlichen medialen Tricks Raten im Spiel sein oder sie können den Schüler dazu ermutigen, irrelevante Informationen aus der Person herauszuholen, was ich nicht mag. Dadurch eignet man sich schlechte Gewohnheiten als Ausbildungsgrundlage an, und so etwas lasse ich bei meinem Training nicht zu.
Es war auch für mich lehrreich, als ich Steven von der Art von Training abbrachte, an die er gewöhnt war. Es half mir zu betonen, was Schüler bei ihrer Entwicklung wirklich brauchen: eine gute Grundlage, eine unkomplizierte Vorstellung von der feinstofflichen Welt, wie wir mit ihr interagieren und aus welchen Gründen wir es tun. Es war an der Zeit, zu den Wurzeln zurückzukehren.
Alles, was ich Steven beibrachte, war einfach und leicht verständlich. Auch dachte ich mir Übungen aus, die ihm zeigten, was ich ihm beibringen wollte, und die es ihm ermöglichten, die feinstoffliche Essenz deutlicher zu spüren, statt nur noch mehr Worte zu hören. Damals merkte ich es zwar noch nicht, doch mein neuer Schüler lehrte mich tatsächlich, ein besserer Lehrer zu werden.
Alle Übungen in diesem Buch sind Übungen, die Steven halfen, Schritt für Schritt weiterzukommen, um letztendlich seine wahre Gabe nutzen zu können.
Mitunter kann es ziemlich entmutigend sein, etwas von Grund auf lernen zu müssen. Deshalb sage ich meinen Teilnehmern, dass es bei der medialen Entwicklung keinen richtigen Abschluss gibt. Das Üben wird einfach zu einem täglichen Teil des Alltags, was sehr positiv und fortschrittlich ist, wenn man es richtig betrachtet.
Egal, wie viel Sie schon zu wissen glauben oder wie weit Sie Ihrer Meinung nach auf dem medialen Weg schon gekommen sind – es lohnt sich immer, an den Anfang dieser Reise zurückzudenken. Mir tat es gut, an den Anfang zurückzukehren und mir näher anzusehen, was ich gelernt hatte, und dadurch lernte ich noch mehr darüber, da alles wieder ganz neu schien, weil ich es mit einem lernbegierigen Schüler teilte. Irgendwie gab mir das Unterrichten ein neues, aufregendes Gefühl.
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