Vergiss nicht: Lehrer und Schüler verwenden das gleiche Buch und nutzen dasselbe Klassenzimmer. Es ist ihr Sitzplatz, der sie definiert.
Master Chi
Auch wenn ich schon seit Jahren Zirkel leitete und die Arbeit als Medium lehrte, war es etwas ganz anderes, mich auf einen Schüler zu konzentrieren, vor allem, da mein Schüler schon viele unterschiedliche Meinungen gehört hatte, die ihn in Hinsicht auf seine Gabe verwirrten. Obwohl Steven schon mediale und spirituelle Erlebnisse gehabt hatte, wusste er nicht, was er davon halten sollte oder wie er beides unterscheiden könnte. Ich war daher sicher, es würde eine echte Herausforderung werden.
Statt ihm den Kopf mit noch mehr Lehren vollzustopfen, beschloss ich, ihn zurück auf null zu setzen und wieder ganz von vorne anzufangen.
Anfangs sollte man nicht danach streben, rasch Beweise für andere zu produzieren. Natürlich konnte auch Steven es kaum abwarten, seine Begabung unter Beweis zu stellen. Es ist zwar menschlich, an das zu glauben, was man tut, und auch, dass andere daran glauben. Häufig liegt jedoch genau hier der Hase im Pfeffer, denn dadurch glaubt man an Dinge, nur weil man daran glauben will – Dinge, die dem eigenen Geist entspringen und die weder medialer noch sensitiver Natur sind.
Als Erstes brachte ich Steven bei, in der Stille zu sitzen und nichts zu erwarten. Diese Form der Meditation in spiritistischen Kreisen nennen wir „die Stille“. Sie ist die Grundlage unserer Arbeit, denn wenn wir wissen, wie es sich anfühlt, ohne irgendwelche Erwartungen in Ruhe dazusitzen, können wir uns wirklich auf der geistigen Ebene mit uns selbst identifizieren/spüren. Das sage ich meinen Schülern ständig: Bevor man irgendetwas anderes tut, muss man erst seinen eigenen Geist kennenlernen und herausfinden, was er manifestieren kann. Man formt sonst zu leicht Gedanken, die einen etwas fühlen lassen – und bevor man sich versieht, redet man über alle möglichen Visionen und Erlebnisse, die zwar real wirken, jedoch nicht medialer oder sensitiver sind als der Stuhl, auf dem man sitzt.
Diesen Anfang hatte Steven nicht erwartet:
„Als Gordon mir diese Übung aufgab, war ich sehr überrascht, dass ich nicht versuchen sollte, eine Botschaft zu empfangen oder eine Verbindung zur feinstofflichen Welt herzustellen. Bisher hatte man mir beigebracht zu versuchen, Geistwesen durch Hellsicht zu sehen und eine Botschaft für die, die mit mir zusammensaßen, zu erhalten. Es war ein komisches Gefühl, stillzusitzen und nichts zu tun. Ich gebe zu, dass ich es (anfangs) nicht verstehen konnte, aber da Gordon mein neuer Lehrer/Lehrmeister war, gab ich mein Bestes. Jetzt halte ich es für die wichtigste Lehre in meiner Entwicklung; ohne sie wäre ich nie weitergekommen.“
In der Stille zu meditieren ist äußerst wichtig. Es klingt zwar einfach, aber wenn Sie es noch nie ausprobiert haben, stellen Sie womöglich fest, dass Ihr Geist/Verstand ein sehr aktiver, lauter Ort ist. Durch Übung und Entspannung kann er jedoch ein kraftvoller Zustand der Ruhe sein, der zu Ihrem Zentrum der Kontrolle werden kann.
Dies ist immer die erste Übung, die ich meinen Teilnehmern beibringe, weil sie eine Meditationsform ist, die man jederzeit anwenden kann, um zur Ruhe zu kommen oder in einer kniffligen Situation Klarheit zu bekommen. Man braucht dafür kein Medium zu sein; jeder kann sie anwenden. Durch sie werden zwar keine Geistwesen Sie aufsuchen, aber sie ist eine Starthilfe für Ihre mediale Reise, die im Grunde bei Ihnen selbst beginnt.
Übung 1: In der Stille meditieren
Nehmen Sie als Erstes eine bequeme Sitzhaltung ein. Entspannen Sie sich und fühlen Sie die Ruhe. Sorgen Sie dafür, dass Sie keine enge, unbequeme Kleidung tragen.
Schließen Sie die Augen.
Achten Sie bewusst auf Ihre Körperhaltung. Versuchen Sie, so gerade wie möglich zu sitzen. Halten Sie den Kopf so gerade und ruhig wie möglich. Wenn Sie merken, dass er nach vorne oder zur Seite sackt, dann stellen Sie sich vor, dass ein dünner Faden an Ihrer Scheitelkrone befestigt ist, der Ihren Kopf nach oben zieht.
Atmen Sie nun so tief wie möglich durch die Nase ein. Das entspannt den Körper und lässt ein erstes Gefühl der Ruhe aufkommen.
Nehmen Sie, während Sie tief in den Körper einatmen, wahr, wie sich Ihre Lunge mit Sauerstoff füllt, der Ihren Bauch anschwellen lässt. Entspannen Sie sich, während Sie – wieder durch die Nase – ausatmen, und lassen Sie die Luft aus dem Körper strömen.
Werden Sie sich des natürlichen Rhythmus Ihres Körpers bewusst, während Sie weiter ein- und ausatmen. Fühlen Sie, wie der natürliche Rhythmus Ihres Atems den Körper anschwellen und abflachen lässt.
Richten Sie Ihre ganze Aufmerksamkeit auf die Luft, die in Ihren Körper gezogen wird und wieder aus dem Körper entweicht.
Fühlen Sie, wie konzentriert und ruhig Sie durch diese einfache Übung werden.
Seien Sie sich Ihres Körpergewichts bewusst.
Stellen Sie sich nun ein üppiges klares weißes Licht direkt über Ihrer Scheitelkrone vor.
Lassen Sie das Licht durch den Kopf tief in den Körper strömen und sich im ganzen Körper ausbreiten.
Werden Sie sich bewusst, wie leicht und hell sich Ihr Körper anfühlt.
Lassen Sie das weiße Licht im Rhythmus Ihres Atems durch den Körper fließen.
Und spüren Sie das Gefühl von Frieden, das es mit sich bringt.
Nehmen Sie bewusst wahr, wie leicht Sie sich fühlen, so als könnten Sie weg von Ihrem Körper nach oben in einen höheren Teil Ihres Geistes schweben – in den Teil, in dem Sie Klarheit finden, weil Ihnen bewusst wird, dass alles gut ist.
Und schließen Sie mit sich Frieden; erkennen Sie, dass Sie in diesem Zustand ruhig, ausgeglichen und vollkommen zufrieden sind.
Senden Sie von diesem höheren geistigen Zustand Signale an Ihren Körper, indem Sie die leise innere Stimme nutzen, die den höheren mit dem niedrigen Geist verbindet. Schicken Sie positive Signale des Friedens und der Zufriedenheit an Ihren Körper.
Seien Sie sich bewusst, dass Sie in diesem Zustand der Klarheit keine Ängste kennen und dass alle Ängste, die Ihr Körper angesammelt hat und festhält, sich auflösen lassen.
Senden Sie Signale, dass alles gut ist und dass Sie genau da sind, wo Sie sein sollten, hinunter an Ihren Körper.
Bleiben Sie ruhig, auch wenn die Dinge um Sie herum in Bewegung sind.
Bleiben Sie im Angesicht aller Widrigkeiten ruhig.
Machen Sie sich bewusst, dass Sie diesen höheren Zustand des Seins jederzeit erreichen können und dass Sie das Recht dazu haben.
Nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit, diesen höheren geistigen Zustand zu genießen. Ruhen Sie in der Stille Ihres Geistes in Ihrer Kraft. Seien Sie eins mit sich selbst und spüren Sie, wie gut sich das anfühlt.
Nehmen Sie wahr, dass das wunderbare strahlend weiße Licht, in das Ihr Körper gehüllt ist, in alle Richtungen ausstrahlt.
Ziehen Sie langsam das Licht zurück in Ihren Körper. Spüren Sie, wie es alte Narben, alte Erinnerungen belebt und heilt. Lassen Sie das Licht alle dunklen Winkel im Körper erhellen, in denen Ängste schlummern könnten.
Fühlen Sie, wie das Licht erst durch den Körper und dann nach oben strömt und durch Ihre Scheitelkrone hinausfließt.
Nehmen Sie wahr, wie ein friedliches Gefühl durch Ihren Körper strömt, und fühlen Sie sich mit dem höheren Teil von Ihnen, der Sie mit allem verbindet, wieder vereint.
Fühlen Sie, wie Ihr Körper die Entspannung annimmt.
Und nehmen Sie Ihren Körper – sein Gewicht in diesem entspannten Zustand – noch bewusster wahr.
Atmen Sie wieder tiefer ein; lassen Sie die Luft tief in Ihre Lunge strömen und Körper und Geist wieder miteinander verbinden.
Seien Sie sich Ihres Körpers und des Ortes, an dem Sie sich befinden, mit jedem Atemzug bewusster.
Читать дальше