Zuvor hatte Wally Glover Don Deaton vorgeschlagen, eine Auswahl von Rosaleens Werken in einer Galerie auszustellen und damit die Veröffentlichung der Faksimile-Ausgabe zu begleiten. So veranstaltete Deaton vom 1. bis 7. Oktober 1982 eine Ausstellung in der Galerie im ersten Stock des Exiles Bookshop unweit des Taylor Square. Diese Ausstellung hatte es sich zum Zweck gemacht, die verbleibenden Gemälde in einer „langsamen Auktion“ zu veräußern. Besucher, welche die Absicht hatten zu kaufen, wurden gebeten, die von ihnen ausgewählten Gemälde anzuzeigen und ein Höchstgebot für das jeweilige Werk abzugeben. Deaton würde dann später die erfolgreichen Bieter über ihre Käufe informieren.
Nur wenige der 37 ausgestellten Werke verrieten die Kunstfertigkeit von Roies frühen Gemälden und Zeichnungen. Die Sammlung enthielt unter anderem The Cauldrons , Asmodeus , Dionysus , The Bells , ein großes Werk, das The Seance genannt wurde, und ein seltsames und eher amateurhaftes Gemälde mit dem Titel Fur Fur the Storm Demon . Wie sich später herausstellte, gingen die Gemälde nicht an einzelne Käufer, sondern an einen Sammler namens Jack Parker, der sie alle zusammen für 5000 Pfund kaufte. Wie Deaton war auch Parker im Hotelgewerbe tätig und beanspruchte Rosaleens Werke, um sie in seinem Southern Cross Hotel in St. Peters, einem Industrievorort im Süden Sydneys auszustellen. Doch die Gemälde gefielen den Gästen seines Hotels nicht sehr. In einem Interview, das am 22. Dezember 1984 im Daily Telegraph abgedruckt wurde, berichtete Parker, dass zwei Drittel seiner Gäste, zumeist LKW-Fahrer, keinen Hehl daraus machten, dass sie die Werke hassten. Parker verkaufte die Gemälde dann an einen privaten Käufer weiter.
Während Parkers Sammlung zum größten Teil aus geringer wertigen oder schlecht ausgeführten Werken bestand – die Sorte Gemälde, die Roie hastig fertigstellte, um ein bisschen Geld extra zu verdienen – lieferte eine neue Veröffentlichung, die etwa zur selben Zeit schien, als Parker seine Sammlung veräußerte, einen klaren Hinweis auf die wirklichen Fähigkeiten Roies als Künstlerin.
Im Jahre 1984 brachte Wally Glover ein Werk heraus, dem er den Titel A Supplement to The Art of Rosaleen Norton gab. Diese kleine Ausgabe mit Spiralbindung und Farbabbildungen, deren Exemplare einzeln auf cremefarbenen Kunstpapier gedruckt wurden, ist sehr interessant, da es Reproduktionen von 19 Werken enthält, die im Jahre 1949 an der University of Melbourne gezeigt worden waren. Zur Zeit der Faksimile-Publikation im Jahre 1982 waren viele dieser Gemälde noch unbekannt. Jedoch hatte Wally Glover nach einem Radio-Interview den Brief einer gewissen Mrs. Y. Raphael-Oeser erhalten, deren verstorbener Mann zur Zeit der Ausstellung an der Universität dort Professor für Psychologie gewesen war. Glücklicherweise waren damals viele von Roies Originalen als Farbdiapositive fotografiert worden, sodass eine qualitativ hochwertige Reproduktion der Gemälde möglich war. Diese Werke stellten die Hauptattraktion des neuen Buches dar.
Es schien so, als wäre die Geschichte Rosaleen Nortons mit der zweiten Publikation von Wally Glover abgeschlossen gewesen. Doch es sollte nach ihrem Tod noch zwei bedeutsame Ereignisse geben – die Bühnenaufführung eines kurzen Zweiakters, der auf Roies Leben beruhte und der vorzeitige Tod von Gavin Greenlees.
Im Dezember 1982 erhielt ich einen Anruf von Wally Glover. Er erzählte mir, dass bald ein Theaterstück mit dem Titel Rosaleen – Böse Hexe aus dem Cross im Tom Mann Theater in Sydney uraufgeführt werden würde. Es wäre von Barry Lowe geschrieben worden, Regie würde Roddie Thomas von der Hullabaloo Theatre Company führen. Jane Parker würde Rosaleen und Alan Archer Pan spielen.
Durch die Einladung zur Uraufführung bekam ich die Gelegenheit, Gavin Greenlees das erste Mal persönlich zu treffen. Es war ihm kurz zuvor gestattet worden, das Alma Mater Heim in Kensington zu verlassen und so konnte er nun mit Wally zusammen zum ersten Mal sich selbst auf der Bühne sehen. Wally Glover wurde von Peter Laurence und Gavin von Christopher Lyons gespielt.
Leider wies das Stück selbst alle Schwächen einer Amateur-Produktion auf – es war nicht überzeugend gespielt und erntete keine guten Kritiken. Dennoch aber hatte es den Versuch unternommen, Rosaleen einfühlsam als ein „Opfer einer Zeit“ zu porträtieren, „in der keine Hoffnung darauf bestand, dass ihr Lebensstil verstanden werden würde.“ Der Inhalt des Stückes verdeutlichte auch, dass das Skript zwar auf dem Leben Rosaleen Nortons und der Epoche, in der sie wirkte, beruhte, „einige Episoden ihres Lebens allerdings mit einiger dichterischen Freiheit dargestellt wurden und wohl keine Absicht bestand, ein im strikten Sinne des Wortes faktisches Stück darzubieten.“34
Wally Glover, der stets ein jovialer Typ war, schien sich über das Theaterstück sehr zu amüsieren, während es für Gavin etwas darstellte, das zu seiner fernen und oft schmerzhaften Vergangenheit gehörte. Schwach und mitgenommen von den vielen Jahren, die er in Krankenhäusern und psychiatrischen Einrichtungen zugebracht hatte, war Gavin über Roies Tod erschüttert und so am Boden zerstört, dass er nicht in der Lage gewesen war, zu ihrer Beerdigung zu gehen. Obgleich er immer noch Roies Schwester Cecily ab und zu sah, erzeugte der Verlust von Roie selbst eine große Leere in seinem Leben.
Glücklicherweise hatte er andere Dinge, die ihn zeitweilig von seiner Niedergeschlagenheit ablenkten. Er erzählte mir, dass seine Hauptinteressen nun im Schreiben eines Romans und dem Enthusiasmus für europäische Literatur bestanden und er sich auch auf eine Reise nach Deutschland vorbereitete, zusammen mit seinem Sprachlehrer. Doch wie sich schließlich herausstellte, reichten seine Interessen nicht aus, um ihn psychisch zu halten.
Ich sah Gavin nicht wieder, erfuhr aber von seinem Tod noch im selben Jahr, wie die meisten anderen Leute auch aus der Tageszeitung. Gavin war aus Deutschland zurückgekehrt und hatte in einer Wohnung in Woolahra, einem Vorort von Sydney gelebt. Sein Körper wurde über einem Tisch gefunden, kollabiert neben einer Suppenschüssel. Die Polizei, die den Todesfall untersuchte, sagte, es gäbe dabei keine verdächtigen Umstände. Gavin war erst 54 Jahre alt und sein Todestag der 5. Dezember 1983 – auf den Tag genau vier Jahre nach dem Tod von Rosaleen Norton.
Untitled – von der Titelseite des Buches The Art of Rosaleen Norton
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