„Dann habt ihr wohl zusammengefunden?“, fragte Ruperts Tochter Katharina gerührt.
„Ja, beim Dreikönigsfest ging ein Hengst durch und verwandelte sich in eine rasende Bestie. Er stürmte auf eine Gruppe von Leuten zu, zu denen Annabellas Vater gehörte. Ich machte mich sofort auf, um ihm zu helfen und erwischte die Zügel des Hengstes und konnte ihn mit aller Gewalt herumreißen, sodass Annabellas Vater verschont blieb. Danach hat sich alles zum Guten gewendet und unsere Eltern haben uns die Erlaubnis zur Heirat gegeben. Sobald ich von der Pilgerfahrt zurückkehre, werden wir heiraten!“
„Ach, wie romantisch und was für einen schönen Namen Eure Verlobte hat!“
Katharina war ganz hin und weg von der Geschichte des jungen Ritters. Wie gerne wäre sie an Annabellas Stelle gewesen! Aber das sagte sie natürlich nicht.
„Wir hoffen für dich, dass die Pilgerreise nicht so lange dauert und dass du schnell wieder nach Hause in die Arme deiner Geliebten kommst“, sagte Eleonore, die auch für sich selbst hoffte, dass sie nicht zu lange unterwegs sein würden.
Der nächste Morgen begann mit dem Karfreitagsgottesdienst, ebenfalls in der Pfarrkirche. Danach machte man sich trotz des Feiertags an die weiteren Vorbereitungen. Zelte und Kleider wurden gerichtet und bereitgelegt. Die Frauen hatten viele kleine Gefächer in die Kleidung eingenäht, damit das benötigte Geld sicher versteckt werden konnte. Berthold überprüfte zum letzten Mal den Wagen, der eigens für die Pilgerreise umgebaut worden war. Man hatte über der Ladefläche, auf der sich auf beiden Seiten eine Sitzbank befand, ein Holzgestell angebracht, über welches man eine Plane aus gegerbtem Leder gezogen hatte. So würden die Frauen und das Gepäck vor Regen und Sturm geschützt sein. Berta ging zusammen mit Elvira durch, was an Kochgeschirr und Proviant eingepackt werden musste. Die Pferde bekamen die Tage besonders gutes Futter, damit sie die lange Reise gut überstehen würden. Die lange Strecke würde sehr anstrengend für die Tiere werden. Man würde nur die Besten mitnehmen.
Als der Ostersonntag gekommen war, begaben sich die Burgbewohner wieder in die Kirche und feierten die Auferstehung Jesu Christi. Philipp dachte, wie schon so oft an solchen Feierlichkeiten, wie praktisch es wäre, wenn der Flecken am Fuße der Homburg eine eigene Kirche hätte und man nicht immer nach Beeden ziehen müsste. Die Kapelle auf dem Südhof der Burg war einfach zu klein.
Die Fastenzeit war endlich vorbei. Die Edelfrauen, die nicht an den Reisevorbereitungen beteiligt waren, hatten hart gekochte Eier bunt gefärbt und verteilten sie nach dem Gottesdienst an die Dorfbewohner. Es waren auch noch genug Ostereier für die Reise übrig. Die Burgbewohner zogen wieder hoch zur Homburg, um ihr reichhaltiges Ostermahl zu genießen. Es gab Lamm, wie es an Ostern Tradition war.
Bruder Frederikus vom Kloster Wörschweiler war pünktlich zum Essen eingetroffen. Er hatte seinen Reisebeutel mitgebracht. Da er kein eigenes Pferd besaß, würde er eines aus Philipps Ställen bekommen.
„Seid Ihr mit den Reisevorbereitungen fertig geworden?“, fragte er den Grafen.
„Ja, wir haben alles vorbereitet. Der Rest muss noch auf den Wagen geladen werden und dann kann es losgehen.“
„Wie viele Leute werden wir sein?“
„Wir werden zu dreizehnt reisen. Ein Ritter aus Frankfurt hat sich unserem Zug angeschlossen. Er ist ebenfalls ein Pilger.“
„Das ist wirklich sehr gut. Bei einer so großen Gruppe werden wir keiner Gefahr ausgesetzt sein.“
„Ich denke, wir werden auch recht zügig vorankommen. Die Frauen sitzen in dem Wagen und ansonsten sind wir alle mit guten Pferden ausgestattet.“
„Bei meiner letzten Pilgerreise waren wir zu Fuß unterwegs und hatten auch Kranke dabei. Das hat sehr lange gedauert. Da wird diese Reise ein richtiges Vergnügen werden.“
Am nächsten Morgen wurde ein letzter Gottesdienst gefeiert. Die Pilger legten die Beichte ab und knieten vor dem Altar nieder. Dann sang der Priester Bußpsalme und Litaneien und betete für sie. Er segnete die Pilger und überreichte ihnen symbolisch Pilgerstab und Tasche. Auch er wäre gerne nach Santiago di Compostela gepilgert, aber er hatte auch eine Verantwortung gegenüber seiner Gemeinde.
Am Nachmittag begab sich Margareta zu Philipp.
„Können wir uns Morgen, wenn wir am Kloster Wörschweiler vorbeikommen, noch von Simon verabschieden?“
„Ja, daran dachte ich auch schon. Es wird uns nicht lange aufhalten.“
Margareta traf sich mit den Edelfrauen in ihrem Gemach.
„Morgen werden wir aufbrechen. Ich hoffe, dass ihr mich hier gut vertreten werdet.“
„Darauf könnt Ihr Euch verlassen, Gräfin!“, sagte Hannelore.
Eine kleine Träne lief ihr die Wange hinunter. Margareta nahm sie in den Arm. Auch die anderen Frauen umarmten nacheinander Margareta und Eleonore.
„Es ist mir zwar eine große Ehre Euch zu begleiten, aber ich wäre froh, wenn wir schon wieder wohlbehalten zurück wären“, sagte Eleonore. „Ich habe noch nie in meinem Leben eine solch lange Reise gemacht.“
„Ich war auch noch nie solange von zu Hause weg, aber ich bin mir ganz sicher, dass alles gut gehen wird. Außerdem spüre ich, dass die Pilgerfahrt auch ihren Zweck erfüllen wird. Es muss einfach so sein.“
„Wir wünschen Euch alle viel Glück und Gottes Segen, dass Euer Wunsch in Erfüllung gehen wird“, sagte Katharina.
Indes waren auch die Gaukler am Zusammenpacken. Auch sie hatten das Osterfest abgewartet, um aufzubrechen. Bei dem milden Wetter packte sie das Fernweh und nichts konnte sie mehr halten. Auf den Märkten würden sie jetzt wieder ihr Geld verdienen können. Philipp hatte ihnen für die Abendunterhaltung einen Beutel mit Münzen überreicht, obwohl sie schon Kost und Unterkunft über den ganzen Winter freigehabt hatten. Am nächsten Morgen würden sie gemeinsam mit dem Pilgerzug die Burg verlassen.
Für die Pilger wurde der Wagen fertig gepackt. Zelte, Kochgeschirr, Kleidung zum Wechseln, insbesondere auch Sommerkleidung, wurden eingeladen. Das frischgebackene Brot musste noch abkühlen. Die Trinkschläuche wurden gefüllt. Schinken, Eier, Honig, Gemüse und Äpfel wurden verstaut. Man machte alles für die Reise fertig, sodass am nächsten Morgen gleich aufgebrochen werden konnte.
Berta, die zusammen mit Johanna die Nahrungsmittel einlud, klammerte sich plötzlich an den Arm der Hauswirtschafterin.
„Johanna weißt du noch, wie ich vor der Jagd so ein ungutes Gefühl hatte?“, fragte die Köchin mit zitternder Stimme.
„Ja, ich erinnere mich.“
„Genau das gleiche Gefühl habe ich jetzt auch. Oh Gott, ich habe solche Angst, dass bei dieser Reise etwas passieren könnte!“
„Aber Berta! Male den Teufel doch nicht an die Wand! Damals hattest du viel Arbeit und heute auch. Das wird es wohl sein. Wir sind gleich fertig, dann kannst du dich ausruhen. Mach bloß der Gräfin nicht unnötig Angst. Du kannst sie ohnehin nicht aufhalten.“
Berta wusste nicht genau, was sie jetzt tun sollte. Sollte sie nicht doch Margareta warnen? Aber wahrscheinlich hatte Johanna recht und sie war nur ein wenig müde von der Arbeit. Berta beschloss, sich gleich ein wenig auszuruhen. Dann würde die Welt wieder ganz anders aussehen.
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