Das geht auch auf den biblischen Schöpfungsauftrag zurück: „Macht euch die Erde untertan!“ Diesen Imperativ hat der Mensch, wie vieles in der Ambivalenz der Dinge in seiner Selbstüberschätzung und Anmaßung missverstanden. Statt sie zu bewahren, hat er sie ausgebeutet.
Mir scheint, der Schöpfungs- wie der Taufbefehl stehen in einem gewissen Zusammenhang. Der Schöpfungsbefehl wird ohne Ehrfurcht und Rücksicht gegenüber der Schöpfung betrieben und hat ungeahnte Ausmaße angenommen. Dabei fand die gleichzeitige Mahnung der Bibel kaum Beachtung: „Herrscht über die Sünde!“ Das bedeutet, dass ein „Weniger“ im Sinne der Schöpfungserzählung und des Griffes nach dem Apfel „mehr“ wäre.
Aber was hat das mit dem Taufbefehl zu tun „Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker und lehret sie halten, alles, was ich euch befohlen habe. Und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis zur Vollendung der Schöpfung“? Auf uns bezogen, bedeutet das: Erst nach zwei Weltkriegen und dem Holocaust am jüdischen Volk im Namen Gottes hat der christliche Glaube tolerantere Züge angenommen und ein menschenfreundlicheres Gesicht bekommen. Bis dahin war auch die christliche Religion intolerant und militant. Wir brauchen eigentlich nicht sprach- und fassungslos zu sein, wie fanatisch andere Religionen sind und handeln. Haben Christen doch bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts andere Konfessionen und Religionen bekämpft und ausgerottet, was ihnen im Wege stand. Dazu kam und kommt noch immer die Demütigung und Ausbeutung anderer Völker und Staaten auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet, so dass wir auf Kosten und zu Lasten der Armen und Ärmsten leben, auch wenn es vorsichtiges und zaghaftes Umdenken und Handeln gibt.
Dabei hat kein Mensch Grund, sich über den anderen oder andere zu erheben. Worin wir den anderen anklagen, sind wir selbst verstrickt. Das ist nicht nur eine Faust- und Zeigefingerregel, sondern das stimmt wirklich! Das Gegenteil nimmt dieser Tage groteske Züge an: Selbsterhebung, Hochmut und Eigenlob wirken fatal. Wir stellen es merkwürdigerweise bei anderen schnell fest. Nur bei uns selbst merken wir es nicht. Worauf müssen wir hören? Worauf können wir uns verlassen?
Wenn wahr ist, was wir glauben, dass Gott im Regiment sitzt und er der Herr der Geschichte und auch unserer Geschicke ist, dann braucht uns um unsere Zukunft und um die der Kirche nicht bange zu sein. Aber wir müssen uns prüfen, ob wir in dem Maße, in dem wir uns mit uns selbst beschäftigen und um uns selber drehen, wir uns auch um die Probleme unserer Mitmenschen und unserer Umwelt kümmern. Wir müssen uns fragen und prüfen, wie wir selbst uns dafür einsetzen oder uns auf die Macht oder Ohnmacht des Staates verlassen und wie weit wir dabei auch der Macht und Kraft des Geistes Gottes vertrauen, die uns mit unserer kleinen Kraft beflügelt und leitet.
Dem allgemeinen Priestertum der Gläubigen, begründet von Martin Luther, entspricht auf gesellschaftlicher Ebene die demokratische Mitverantwortung aller. Man kann sich nicht nur auf andere, auf den Staat beziehen. Jeder muss auch selbst Verantwortung übernehmen, verantwortlich handeln. Vielleicht greift und wirkt hier auch alles zusammen. Kirche ist und bleibt nur Kirche, wenn sie nicht Kirche der Macht und der Mächtigen ist. Auch in einem weltanschaulich neutralen Staat sind der Kirche staatliche Zuwendungen und Sonderleistungen willkommen. Das kann abhängig machen und Mitbeteiligung an der Macht birgt Gefahren in sich. Es scheint, dass Kirche nur in der Bedrängnis ihrem ursprünglichem Auftrag nachkommt. Das schafft Solidarität und lässt uns auch an den Nächsten denken und für ihn handeln. Wenn wir das tun, dann wachsen wir als Kirche und reifen persönlich, auch im Sinne der Nächstenliebe.
Dietrich Bonhoeffer als Gewährsmann des Glaubens in dunkelster Nacht auch und besonders für uns heute schreibt sinngemäß: Gott führt uns nicht um die Probleme des Lebens vorbei, aber er hilft uns hindurch. Dazu gibt er uns nur so viel Widerstandskraft, wie wir sie in der Situation brauchen, „damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.“
In der Liedstrophe von Matthias Claudius wird zusammengefasst, was der heutige Bibeltext beinhaltet: „Wir pflügen und wir streuen, den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen, liegt in des Himmels Hand. Der tut mit leisem Wehen, sich mild und heimlich auf und träuft, wenn wir heimgehen, Wuchs und Gedeihen drauf. Alle gute Gabe kommt her von Gott, dem Herrn. Drum dankt ihm dankt und hofft auf ihn.“
Wir brauchen nur zu tun, was uns aufgetragen ist, nicht mehr, aber auch nicht weniger. So wie die Saat von allein wächst, so reift die Frucht auch von selbst und dann wird sie abgehauen, denn die Ernte ist da. Wir sind Bettler und Lobsänger zugleich, das ist wahr.
Und der Friede Gottes, der alles menschliche Denken und Handeln übersteigt, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
ORT – KIRCHE – LANDSCHAFT
Vom Parthendorf zum Ortsteil
Schlaglichter aus der Panitzscher Geschichte
Birgit Horn-Kolditz
Einleitung
Panitzsch, ein altes Straßendorf, liegt im östlichen Vorfeld der Stadt Leipzig in guter Verkehrslage zur Bundesstraße 6 und zur Autobahn Halle-Dresden. Schaut man vom höchsten Punkt des Ortes, dem Wachberg mit Kirche und Friedhof, nach Nordwesten, erblickt man die Tauchaer Kirche und den Weinberg mit seinem Aussichtsturm. Im Norden und Nordosten ziehen sich die Sandhügel der Endmoränenkette hin, die sich von Weißenfels her über Rückmarsdorf gegen Eilenburg erstreckten. Gegen Osten schließt sich der bewaldete Rücken des Tresens an. Im Südosten zeigen sich die Porphyrkuppen, die hinter Brandis und Beucha aufsteigen. Auf der Hochfläche bei Liebertwolkwitz ragt das Völkerschlachtdenkmal empor. Im Westen aber erhebt sich die Silhouette der Großstadt Leipzig.
Die schriftlich nachweisbaren Wurzeln von Panitzsch reichen bis ins Jahr 1267 zurück. Die aus dem Slawischen stammende Bezeichnung des Ortsnamens als „villa Bansc“ oder „Bancz“ lässt sich frei übertragen als Panitzsch, das Dorf im Tal der Parthenaue. Die Schreibung des Ortsnamens wechselte mehrfach, beispielsweise in „Baynsch“ 1335, „Bans“ 1378, „Panczsch“ 1437, „Banczsch“ 1438 oder auch Bantzsch um 1547. Seit 1552 ist die heutige noch gültige Schreibweise überliefert. Auf älteren Karten finden sich allerdings auch danach noch andere Schreibweisen wie „Banitz“ und „Panisch“ (1730) oder „Panitsch“ (1873).
Die ursprünglich slawische Besiedlung setzte um das Jahr 1000 ein. Die Siedlungsweise der Slawen ist zum Teil noch heute im alten Ortskern an der Kirchgasse sichtbar. Durch deutsche Ansiedlungen im Bereich der „Langen Reihe“ (heute Lange Straße) und den Zuzug aus wüst gefallenen Dörfern (Ausbau um die Teichstraße) entstand aus der Auenrandsiedlung an der Parthe ein straßenangerähnliches, dreiflügeliges Zeilendorf mit Gewannfluren, wie auf der Flurkarte von 1840 (siehe S. 27) gut zu erkennen ist.
Die weithin sichtbare Panitzscher Kirche, 1928.
Urkundliche Ersterwähnung und häufiger Besitzwechsel
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