Peter Jehle - Zivile Helden

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"Sie sitzen schon, mit hohen Augenbrauen, / Gelassen da und möchten gern erstaunen", heißt es im FAUST. Doch die Wirklichkeit ist anders. Im Parterre gibt es keine Sitzplätze, die den Blick der Zuschauer zwangsläufig auf die Bühne ausrichten würden; ausschließlich männliche Zuschauer kommentieren lautstark das Geschehen und drehen der Bühne nicht selten den Rücken zu, weil hinten im Saal oder oben auf den Rängen gerade das interessantere Schauspiel stattfindet. Im 18. Jahrhundert sind wir noch weit entfernt von den Momenten vollkommener Illusion, die sich Stendhal gewünscht hat. Und doch wird gerade das Theater zu einem der Orte, an denen die Produktion eines neuen gesellschaftlichen Subjekts betrieben wird – eines zivilen Helden, der den adligen Müßiggänger wie den soldatischen Typus in den Schatten stellt. Der zivile Held bezieht sein Selbstverständnis aus nützlicher Tätigkeit – nützlich für die vielen, die von ihrer Arbeitskraft leben müssen. Wie Diderots Enzyklopädie den nützlichen Wissenschaften ein Forum geboten hat, so das Theater dem zivilen Helden, der eine neue Lebensweise vorführt. Zum Bahnbrecher der modernen Welt, wie Gramsci sagt, wird nicht derjenige, der sich vor allem mit den Beziehungen zwischen Höflingen beschäftigt, sondern derjenige, der «Ratschläge zur Erbauung des Typus des Bürgers in der Zivilgesellschaft» gibt.

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Der Weg zum ›Publikum‹ des öffentlichen Theaters führt über die Anrufbarkeit des Einzelnen. Die Abschließung gegen »außen« erzeugt im Gegenzug die spezifische Offenheit für den Sinn des auf der Bühne Gezeigten. Erst jetzt kann es zur ›Botschaft‹ werden, das Zuschauen zur sinnverstehenden Aktivität. Wenn die »Privatisierung und Individua­lisierung des Zuschauers« (Orlich 1984, 444) erst im 19. Jahrhundert wirklich erreicht werden kann, so deshalb, weil erst jetzt die technischen Möglichkeiten gegeben sind, um die im Parterre auf ihre Plätze fixierten Zuschauer in ein ihre Vereinzelung akzentuierendes Dunkel zu tauchen.

Der »empfangsbereite« Zuschauer ist also weniger Resultat von Denkschriften oder polizeilichen Verordnungen als vielmehr Effekt ­einer architektonischen Anlage. Noch Goethe notierte den Widerspruch zwischen der Forderung Diderots nach »vollkommener Täuschung«, die erst die »natürlichste Natürlichkeit« bedingt, und den auf der Bühne noch immer üblichen Zuschauerplätzen, welche die »Illusion« zerstörten (DuW, 1. Teil, 3. Buch).41 Erst der Umbau des materiellen Dispositivs bewirkt die »Illusion des Realismus«, d. h. die ›Hermeneutisierung‹ des ganzen Vorgangs: Das Spiel der Schauspieler wird zur »Textinterpretation«, das Zuschauen zur sinnverstehenden Aktivität. Daher der Erfolg der romantischen Bewegung, die nicht etwa das Illusionstheater in Frage stellen, sondern dessen Produktionsweise revolutionieren wird. Die Momente »vollkommener Illusion« (Stendhal) sind durch keinerlei vorgängiges Regelwerk mehr zu erzeugen. Wenn die ›klassische‹ Darstellungsästhetik sich im sicheren Besitz einer Poetik wähnte, deren Wirkung auf die an ihre Plätze fixierten Subjekte gewissermaßen ›objektiv‹ verbürgt war, so stellt die romantische Erneuerung die Subjektivität der Zuschauer selbst in Rechnung. Die Illusion kann nur der Wechselwirkung von Darstellung und rezeptiver Gestimmtheit des Einzelnen entspringen. Das drame bourgeois, das die »Empfindsamkeit« der Zuschauer zugleich voraussetzt und entwickelt, ist nicht zufällig ein Meilenstein auf diesem Weg.

Die Einschließung des öffentlichen Theaters in einen festen Raum markiert – trotz der Klagen Bruscambilles – einen Wendepunkt. Herausgeschnitten aus dem Zusammenhang der öffentlichen Plätze, kann sich das Theater zu einem besonderen kulturellen Ereignis verfestigen, das von den honnêtes gens nach und nach in Besitz genommen wird. Das öffentliche Theatergebäude ist der sinnfällige Ausdruck der Abstrak­tion des Theaters aus den lokalen Bindungen und Traditionen: Seine Verbindung zur Festkultur des Volkes wird ebenso durchtrennt wie seine Einbindung in die ideolo­gische Macht Kirche.

1.4 Die Entwicklung des Spielortes zur Schaubühne

Der Ausdruck Schau-Bühne lässt noch erkennen, dass es sich beim Thea­ter um die Verbindung zweier Räume handelt: Zuschauerraum und Bühnenraum. Historisch geht die Herausbildung eines besonderen Bühnenraums dem Interesse an der Durchformung des Zuschauerraums voraus. Anhand der Entwicklung der Bühne lässt sich der Umbau des Theaters in einen eigenständigen institutionalisierten Handlungsraum mit seinen dafür besonders zuständigen Subjekten, den Schau-Spielern, nachvollziehen. Weder das geistliche Drama des Mittelalters noch die Fastnachtspiele kennen eine besondere Bühne; nur vereinzelt wird ein Podium verwendet (vgl. Michael 1974, 14). In der Regel fügt sich der Spielort in die örtlichen Gegebenheiten ein. Das Theater gewinnt hier gegenüber seinem kulturellen Kontext, dem Gottesdienst oder dem Karneval, keine Eigenständigkeit. Das erste Theater, das ein Podium mit Rückabschluss gehabt und sich »völlig von allen lokalen Bindungen« befreit habe, soll das humanistische Schultheater in Straßburg gewesen sein (ebd., 15). Zur Aufführung der Mysterienspiele im 15. und 16. Jahrhundert, die meist auf dem Platz vor der Kirche stattfanden, wurde dann regelmäßig ein Podium verwendet, das die verschiedenen Orte des Geschehens simultan sichtbar machte (Simultanbühne). Man vermied damit die technischen Schwierigkeiten des Umbauens; auch die Schauspieler blieben – ohne Rücksicht auf die ›Wahrscheinlichkeit‹ – die ganze Zeit über sichtbar. Alle Orte und Akteure waren von Anfang bis Ende präsent. Da die Zuschauer die in diesem Theater erzählten Geschichten kannten, waren auch das jede Erzählung kennzeichnende Sukzessionsprinzip und die simultane Präsenz der einzelnen Glieder, ja von Ausgangs- und Endpunkt – die in einem vom christlichen Weltbild durchstrahlten Alltag ohnehin identisch waren – problemlos miteinander vereinbar.

Mit dieser simultanen Anordnung bricht der neue Typ von Bühne, der sich seit Anfang des 16. Jahrhunderts, zunächst in Italien, dann sehr schnell auch in Frankreich und im übrigen Europa, durchzusetzen beginnt: die Perspektivbühne. An die Stelle mehrerer, gleichzeitig sichtbarer Orte, rückt die Gestaltung eines einzigen Raumes. Die Bühne erweitert sich zum Bühnenraum, zum »Bild, das genau nach den Regeln der Perspektive ausgemalt wurde« (Flemming 1974, 20). Diese Auffassung der Bühne als Bild wird fürs Illusionstheater konstitutiv. Noch im 19. Jahrhundert fungierte »der große, möglichst kunstvoll gemalte Prospekt« – der hintere Abschluss der Bühne – als »Blickfang« (­Krengel-Strudthoff 1974, 170). Donato Bramante und Baldassare Peruzzi, Wegbereiter der neuen Bühnenform (vgl. Frenzel 1984, 20), sind nicht zufällig Architekten, Maler und Bühnenbildner in einem. Die neue Bühnenform unterstreicht die Eigenständigkeit und Geschlossenheit des Spielortes gegenüber dem Zuschauerraum, wenn auch die Präsenz von Zuschauern auf der Bühne und die architektonische Gesamtanlage42 die trennscharfe Gliederung der beiden Räume, Voraussetzung perfektionierter Illusionsproduktion, noch bis weit ins 18. Jahrhundert hinein verhindern sollten. Die Akteure werden jetzt im eigentlichen Sinn zu Schau-Spielern, die sich »innerhalb dieses Schauraumes« bewegen und ihm »eingegliedert« sind (Flemming 1974, 20). Die räumliche Konzentra­tion schließt die simultane Präsenz aller Schauspieler aus, die sich nun den Blicken der Zuschauer entziehen müssen, sobald ihre Anwesenheit nicht mehr nötig ist. Die Bühne wird zum Guckkasten, zu einem »›huis clos‹ dont une paroi semble artificiellement et clandestinement ouverte, par hasard, aux yeux des assistants« (Duvignaud 1973, 279f). Gerade die Ausschließung der Theaterbesucher vom Ort des Geschehens, ihre Stillstellung als Zuschauer, hat den paradoxen Effekt eines besonders intensiven Dabeiseins – wenn auch in der verrückten Form der Illusion.43 Die Illusion, die imaginäre Teilhabe am Geschehen, entspringt einer Anlage, die den Blick der Zuschauer auf eine geschlossene Spielwelt ausrichtet. Indem das Spiel als solches sich entnennt, tritt der »Sinn des Ganzen« hervor. Daher Diderots Rat an die Schauspieler: »Imaginez, sur le bord du théâtre, un grand mur qui vous sépare du parterre; jouez comme si la toile ne se levait pas.« (Poésie, 231)44 Für ein Theater, das den Blick von der »Idealität« weg- und auf die wirklichen Verhältnisse hinlenken will, ist diese Anlage hinderlich. Brecht geht es deshalb zunächst darum, das Theater wieder als solches erfahrbar zu machen. Um die Illusion zu zerstören, verlangt er, »dass die Dekoration dem Zuschauer sagt, dass er im Theater ist […]. Am besten ist es, die Maschinerie zu zeigen, die Flaschenzüge und den Schnürboden.« (GW 15, 79)

Die veränderte räumliche Anlage des Theaters lässt die Aufführung selbst, was und wie etwas gezeigt wird, nicht unberührt. Sebastiano Serlio, der um die Mitte des 16. Jahrhunderts eine zusammenfassende Darstellung der Bemühungen um die Perspektivbühne gibt, sieht die Verwendung von drei Grunddekorationen vor: die tragische, die komische und die Schäferspiel-Szene (vgl. Frenzel 1984, 21f). Natürlich hat er dabei nur das Theater an den italienischen Fürstenhöfen im Blick. Mit der Auffassung der Bühne als Bild rückt die ›reine‹ Theorie, die das Bühnengeschehen zwischen den Polen Tragödie und Komödie aufteilt, an die Aufführungspraxis heran. Die ästhetische Ordnung, die von den Theoretikern des 16. Jahrhunderts ausgearbeitet wird, bekommt mit der Perspektivbühne ihr materielles Substrat. Aber erst mit der Gründung der Comédie-Française gegen Ende des 17. Jahrhunderts, als es darum geht, den Großen – Corneille, Racine, Molière – eine ›würdige‹ Heimstatt zu bieten, gewinnt die Entmischung des theatralen Ereignisses auf der Linie des Komischen und Tragischen die entsprechende Infrastruktur, deren Gesetz die »règle de l’alternance« ist, die idealiter den täglichen Wechsel der Gattungen verlangt (Lagrave 1972, 310).45 Dem Theater der öffentlichen Plätze war diese Trennung fremd. Und auch im Hôtel de Bourgogne wurde noch zu Beginn des 17. Jahrhunderts diese Entmischungsregel nicht beachtet. Lanson kommentiert vom Standpunkt des ›klassischen‹ Theaters: »A la veille du Cid, le spectacle offre un singulier mélange d’extrême grossièreté et de recherche extravagante. La tragicomédie ou la tragédie jusque vers 1635 est précédée du Prologue, vrai boniment de foire, énorme de bouffonnerie et d’obscénité: elle est suivie de la farce, qui est salée […) Au milieu de ces divertissements tout populaires, la tragi-comédie étale ses inventions surprenantes et ­stériles« (1903, 417f). Das Nebeneinander von Prolog, Tragödie und Farce erscheint als »singulier mélange«, als unerlaubte Vermischung von nicht Zusammengehörendem. Wie in Spanien noch lange über Lope hinaus ist die Vorstellung als lockerer Zusam­menhang einzelner ›Nummern‹ organisiert; die Zerstreuung der Zuschauer – das »divertir« – mittels einer Fülle von Ereignissen und überraschender Wen­dungen ist konstitutiv. Das sinnverstehende Zuschauen wird dagegen mit »utilité« und »instruire« verknüpft. Einer der Anhänger Corneilles in der Querelle du Cid konnte noch sagen, dass er den »mérite des pieces selon le plaisir« bemesse (in: Gasté 1898/1970, 231). Seine gebildeten Gegner, eine in der Antike gängige Unterscheidung aufnehmend, betonen dagegen den Vorrang des instruire gegenüber dem divertir. Diese Konstruktion füllt sich mit frischer Bedeutung. D’Aubignac behauptet daher, das Theater sei »l’École du Peuple«, die »Schule des Volkes« (Pratique, 40), denn die Schauspiele seien »non seulement utiles, mais absolument nécessaires au Peuple pour l’instruire, et pour lui donner quelque teinture des vertus morales« (ebd., 39). Hier der im Original kursiv gesetzte Lehrplan in Kurzfassung: »Que la Félicité consiste moins dans la possession des choses, que dans le mépris; Que la Vertu ne cherche point d’autre récompense que soi-même; Qu’il n’y a point d’intérêt assez grand pour obliger un Homme d’honneur à faire une lâcheté.« (40) Nur wer nichts hat, glaubt im Besitz das Glück zu erhaschen. Die aristokratischen Moralisten, die im sicheren Bewusstsein ihres Besitzes die Schlechtigkeit der Welt beklagen, wissen es besser. Das Theater lehrt das Absehen vom Besitz als den Weg zum wahren Glück – zum Glück für die Besitzenden.

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