Je größer das Trauma ist, umso größer ist auch die Gabe, die darunter verborgen liegt. Jeder ist voll verantwortlich. Obwohl jede Situation von allen daran beteiligten Menschen gemeinsam erschaffen wird, kann ein einziger Mensch, der zur Erkenntnis gelangt, Heilung für alle bewirken. Wenn ein Mensch ein höheres Maß an Freiheit erlangt, kommt dies uns allen zugute. Schuldzuweisungen, Urteile und Wut auf die Menschen, die uns zum Opfer gemacht haben, befreien uns niemals von der heimlichen Schuld, die wir dafür in uns tragen, dass wir zum Opfer gemacht wurden. Alle Dinge, derentwegen wir uns schlecht fühlen, zeugen im Grunde von einem Bereich, in dem wir uns schuldig fühlen. Wenn wir also zum Opfer gemacht werden, fühlen wir uns schuldig dafür, dass wir zu Schaden gekommen sind, haben aber auch die Schuld in uns getragen, die zu dieser Situation geführt hat.
Was Eigenverantwortung nicht bewirkt
Eigenverantwortung befreit dich nicht von Schmerz, vor allem dann nicht, wenn du bereits darin gefangen bist. Diese Aufgabe kommt der Heilung zu. Eigenverantwortung bringt dich jedoch rascher durch den Heilungsprozess hindurch. Wenn du einem anderen Menschen die Schuld an deiner Situation gibst, brauchst du – falls es dir überhaupt möglich ist – wesentlich länger, um Heilung zu erlangen. Im günstigsten Fall sind die Menschen, die du beschuldigst, genau dieselben Menschen, mit denen du eine geheime Absprache getroffen hast, um dich zurückzuhalten und dich vor deiner Angst vor dem nächsten Schritt zu schützen. Es ist hilfreich, anderen Menschen zu vergeben, weil sie die Anteile deines heimlichen Glaubenssystems verkörpern, die diese Situation zusammengefügt haben. Vergiss nicht, auch dir selbst und deinem Glaubenssystem sowie allen anderen Menschen für das zu vergeben, was geschieht.
In Ein Kurs in Wundern heißt es, dass wir selbst den Menschen dankbar sein können, die uns Schmerz bringen oder uns vermeintlich angreifen, weil uns genau dieser Schmerz oder dieser Angriff tief in uns verborgene Anteile unserer selbst zeigt, die sich in einem Konflikt befinden und uns angreifen. Es wäre uns ohne ihre „Hilfe“ vielleicht nicht gelungen, diese verschütteten Selbstkonzepte zu finden. Wir hätten sie weiterhin unbemerkt in uns getragen, und sie hätten uns zurückgehalten und uns inneren und äußeren Schaden zugefügt.
Du trägst den Schmerz bereits in dir und bist aufgerufen, ihn zu heilen. Wenn du es nicht tust, bleibt er bestehen und drückt dich nieder. Deine Abwehrmechanismen können dich nicht von deinem Schmerz befreien – er wartet ganz einfach, bis sich ein Auslöser findet. Abwehrmechanismen sind bestenfalls Notmaßnahmen. Sie können nicht verhindern, dass das Muster sich weiter negativ auf dich auswirkt und dein innerer Schmerz weiter an dir frisst. Abwehrmechanismen decken den Schmerz lediglich zu und schließen ihn in dir ein.
Vergebung bringt die Wahrheit mit sich, und die Wahrheit zeigt, dass dein Schmerz eine Illusion ist. Vergebung klärt die Vergangenheit. Vergebung bringt dort Frieden, wo zuvor Schmerz war. Manche Menschen brauchen nur einmal zu vergeben, damit die Situation transformiert wird. Andere müssen immer wieder vergeben, bis sie frei sind und Frieden finden. Dies ist sowohl eine Frage der persönlichen Handhabung als auch abhängig davon, wie viele Dinge es im Unterbewusstsein und im Unbewussten zu klären gibt.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es nicht schwierig ist, Schmerz oder die Muster zu heilen, die Schmerz erzeugen. Da jeder Mensch jedoch ein enorm hohes Maß an Schmerz in sich trägt, gibt es viele Schichten, die geheilt werden müssen. Der Schmerz steigt in immer neuen Schichten solange zur Oberfläche empor, bis alle Wurzeln geheilt sind. Wenn du den Schmerz in einer Situation überwunden hast, kann es passieren, dass du dich ihm auf einer tieferen Ebene oder aus einem anderen Blickwinkel erneut stellen musst. Das ist bei unseren größten Traumen der Fall. Es gibt auch bestimmte Themen, die wir verborgen haben, und wenn sie – ausgelöst durch ein Ereignis in der Gegenwart – ans Licht kommen, wollen wir den Menschen ins Unrecht setzen oder für schuldig erklären, der das betreffende Ereignis ausgelöst hat.
Unsere Emotionen werden zu einer Form der Schuldzuweisung, wenn wir sie nicht sofort nutzen, um Heilung zu erlangen. Diese Schuldzuweisung kann beispielsweise die Form einer Botschaft mit schmerzhaftem Inhalt annehmen: „Du bist im Unrecht! Schau nur, was du mir angetan hast. Du bist schuld.“
Eine heilsame Version derselben Aussage könnte dagegen lauten: „Es tut mir leid, dass ich dir die Fehler zum Vorwurf mache, die ich selbst begangen habe. Ich fühle mich ihretwegen ganz offenbar schuldig, denn sonst hätte ich nicht versucht, sie dir zur Last zu legen.“
Du stößt vielleicht auf Ereignisse, bei denen du glaubtest, jemand habe dir auf eine ähnliche Weise ein Unrecht zugefügt, wie es jetzt der Fall ist. Letztlich gelangst du jedoch immer an den Ort zurück, an dem du einem anderen Menschen diese oder ähnliche Dinge angetan hast. Die Schuld, die wir wegen dieser Ereignisse auch dann empfinden, wenn wir sie aufgrund unserer Unabhängigkeit dissoziiert haben, hat das Muster in Gang gesetzt, das uns glauben lässt, jemand anderer habe uns diese Dinge angetan.
Eigenverantwortung nimmt dir also nicht den Schmerz, gibt dir aber die Möglichkeit, dich wesentlich rascher von ihm zu befreien, indem du Verantwortung übernimmst und an deiner Heilung arbeitest. Ein Kurs in Wundern beschreibt einen Weg, der uns rasch durch unseren Schmerz hindurchführen kann. Er fordert uns auf, die umfassende Verantwortung für ein Ereignis zu übernehmen und es dann sofort in die Hände des Heiligen Geistes zu legen, damit es aufgehoben werden kann. Ich habe diese Methode sowohl in persönlicher als auch in beruflicher Hinsicht immer als ausgesprochen hilfreich empfunden. Wenn ich feststelle, dass Menschen in meiner Welt durch ähnliche Themen hindurchgehen, dann weiß ich, dass sie ein Frühwarnsystem für das darstellen, was auf dem Weg zu mir ist, um geheilt zu werden. Dann kann ich daran arbeiten, ihnen entweder unmittelbar oder dadurch zu helfen, dass ich in mir selbst die Themen heile, die sie mir widerspiegeln; dass ich die Themen heile, die ich in meiner Welt sehe und die deshalb in meinem Bewusstsein noch vorhanden sind.
Wenn Emotionen aufbrechen und dafür sorgen, dass wir leiden, wollen wir sofort jemand anderem die Schuld daran zuweisen. Dann wollen wir uns selbst die Schuld geben. Dies ist jedoch nur eine Hinterlist des Egos, um uns aufzuhalten, festzuhalten und seine Unversehrtheit zu gewährleisten. Weder Schuld noch Schuldzuweisung sind wahr. Sie verhindern, dass wir Verantwortung übernehmen und dass Veränderung geschehen kann, und es sind wir und nicht die anderen Menschen, die zu dieser Veränderung aufgerufen sind. Die Welt ändert sich nicht und arbeitet nicht für uns, solange nicht auch wir uns entsprechend ändern. Eigenverantwortung kann uns also helfen, rasch durch unseren Schmerz hindurchzugelangen und es sogar zu tun, ehe er aufbricht, wenn wir unsere Probleme mit dieser Methode der Heilung angehen. Die meisten Menschen sind jedoch von Schmerz erfüllt, der bis zum tiefsten und am tiefsten verborgenen Kampf mit Gott bei unserem Fall aus dem Zustand des Einsseins zurückreicht.
Jeder ist bereits – und immer – hundertprozentig erfolgreich
Eigenverantwortung mag noch nicht der Weg der Heilung für alle Menschen sein, wird aber in der Entwicklung unserer Seele irgendwann einmal zu einem spannenden und wichtigen Bestandteil unseres Wachstums und unserer Selbstbestimmung werden. Wenn wir endgültig aufbören, anderen Menschen die Schuld an unseren Erfahrungen zu geben, ist Erleuchtung möglich. Jeder von uns trägt ein gewisses Maß an Groll und Schuldzuweisung in sich. Wir schauen auf die Welt und sehen unterschiedliche Grade an Erfolg, unterschiedliche Grade an Misserfolg und ganz viel Mittelmaß dazwischen. Es gibt aber auch noch eine andere Art, die Dinge zu betrachten. Wir könnten erkennen, dass wir alle immer zu hundert Prozent erfolgreich sind, wenn es darum geht, was wir uns wünschen und wofür wir uns entscheiden, und dass selbst das negativste Ereignis eine Entscheidung ist, die wir auf einer bestimmten Ebene getroffen haben. Wir sind immer erfolgreich darin, unsere Entscheidungen zu manifestieren, und wir brauchen lediglich zu erkennen, dass wir dort, wo wir unerwünschte Ergebnisse erzielen, falsche Entscheidungen getroffen haben. Wir können mithilfe unserer Intuition herausfinden, worin die falschen Entscheidungen bestehen, und dann neue, bessere Entscheidungen treffen.
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