Eintragungen
DATUM
ZYKLUSTAG
Die Zählung beginnt mit dem ersten Tag Ihrer Blutung. Wenn Sie nicht wissen, an welchem Zyklustag Sie sich gerade befinden, dann fahren Sie mit den anderen Eintragungen fort und beginnen mit Ihrer Zählung bei der nächsten Blutung.
MONDPHASE
Die gegenwärtige Mondphase können Sie den meisten Zeitungen entnehmen. Zeichnen Sie ein kleines Symbol, um festzuhalten, ob es sich um Vollmond, Neumond, zunehmenden oder abnehmenden Mond handelt.
TRÄUME
Notieren Sie, wenn Sie sich an Ihre Träume erinnern können, das Grundgeschehen des Traums oder stark hervortretende Themen oder Bilder. Sie werden vielleicht feststellen, dass Sie sich zwar gleich beim Aufwachen an Ihre Träume erinnern können, sie aber dann nach wenigen Minuten vergessen haben. Deshalb sollten Sie versuchen, sie gleich nach dem Aufwachen schriftlich festzuhalten oder sie geistig nochmals detailliert zu rekapitulieren und sich dabei einzuprägen, dass Sie sich daran erinnern und sie, sobald Sie Zeit haben, aufschreiben wollen.
GEFÜHLE
Versuchen Sie festzuhalten, wie Sie sich tagsüber fühlen. Fühlen Sie sich glücklich, niedergeschlagen, müde, der Außenwelt zugewandt, zurückgezogen, intuitiv eingestellt, friedlich? Fühlen Sie sich zu bestimmten Aktivitäten oder einem bestimmten Kleiderstil hingezogen? Wie steht’s mit Ihrer Sexualität? Fühlen Sie sich sinnlich, liebevoll, freigebig, spirituell, kreativ, erotisch, ungestüm, fordernd, geil, aggressiv, leer? Es ist nicht wichtig zu verzeichnen, wie oft Sie Sex haben, wenn Sie in einer Partnerschaft leben, aber versuchen Sie, auf die Färbung Ihrer sexuellen Energie und ihrer Ausdrucksform zu achten.
GESUNDHEIT
Notieren Sie alle mit dem menstruellen Zyklus zusammenhängenden Schmerzen oder Unpässlichkeiten, irgendwelche speziellen Essensgelüste und auch, ob Sie sich unter Stress fühlen.
Es ist zwar wichtig, dass Sie zu einem Bewusstsein Ihres Zyklus und seiner Auswirkungen auf Sie gelangen, aber Sie müssen sich auch Ihre menstruelle Vergangenheit, die Sie umgebenden Beziehungen und Einflüsse damals wie heute anschauen. Nehmen Sie sich Zeit, um sich an Ihre erste Blutung zu erinnern. Wie viel wussten Sie damals über die Menstruation? War sie eine Angst einflößende oder peinliche Erfahrung? Wie haben Ihre Mutter, Ihre Familie oder Ihre Schulfreundinnen oder Lehrer und Lehrerinnen darauf reagiert? Denken Sie auch über die Einstellung Ihrer Mutter oder Ihrer nahen weiblichen Verwandten zur Menstruation nach. Wie benennen Frauen in Ihrem Umfeld die Menstruation?
Sprechen Sie mit ihnen über dieses Thema? Wie unterrichten Sie Ihre Kinder, falls Sie welche haben, über Ihren Zyklus, oder wie werden Sie sie unterrichten, und wie werden Sie sie, wenn es sich um Mädchen handelt, über ihren eigenen Zyklus aufklären?
Wie sieht es hinsichtlich der Menstruation und Ihrem Partner, Ihren Arbeitskollegen und -kolleginnen und Ihren Freundinnen und Freunden aus? Wird sie ignoriert, als »Frauenproblem«, als Witz oder irgendwie abfällig abgetan? Gehen Sie und Ihr Partner (oder Ihre Partnerin) ungern miteinander ins Bett, wenn Sie Ihre Blutung haben? Warum? Schreiben Sie eine Zusammenfassung Ihrer Gedanken im Journal nieder.
Im folgenden Kapitel stelle ich einige mit dem menstruellen Zyklus verbundene Konzeptionen und Gedanken vor, die verschiedenen Kulturen und Legenden entnommen und zu einer einzigen Geschichte, »Die Erweckung«, verwoben wurden. Ihre Themen, Symbole und Vorstellungen werden dann in den folgenden Kapiteln erweitert.
Mit dieser Geschichte möchte ich Sie dazu ermuntern, sich mit bestimmten, mit dem menstruellen Zyklus verknüpften Gestalten und Bildern zu identifizieren. Das wird wiederum einen durchaus traditionellen Initiationsprozess in Gang setzen, das heißt, durch die Visualisierung dieser Bilder und Symbole werden Sie Einsichten gewinnen, Wissen erlangen. Durch die Teilnahme an dieser Geschichte, ob nun über ein Hören oder Lesen, werden in Ihnen Kräfte der Erkenntnis und Inspiration geweckt, da sich ihre Konzeptionen durch Ihre erlebten Emotionen und Gefühle mehr mit der intuitiven Seite Ihres Geistes als mit dem Intellekt verbinden.
»Die Erweckung« enthält viele Bedeutungsebenen. Machen Sie sich bitte keine Sorgen, wenn Sie das Gefühl haben, nicht all ihre Bedeutungen zu verstehen, denn vieles wird für Sie sichtbarer werden, wenn Sie sich im Verlauf dieses Buches durch die Bewusstseinsübungen durcharbeiten.
Wenn Sie schließlich alle Übungen in diesem Buch gelesen und durchgearbeitet haben, sollten Sie vielleicht nochmals zu dieser Geschichte und den nachfolgenden Kapiteln zurückkehren, um Ihr Verständnis von Ihrem eigenen Zyklus zu vertiefen und einen Vergleich mit den in der Mythologie und den Volksmärchen gefundenen Bildern und Gestalten anzustellen.
Die Erweckung
Eva lag im Dunkeln auf ihrem Bett und stieß einen tiefen Seufzer aus. Aus irgendeinem Grund war es ein wirklich mieser Tag gewesen; alles war schiefgegangen, und jetzt war sie auch noch in ihr Zimmer verbannt worden, weil sie sich mit ihrem Bruder gerauft hatte. Wütend und frustriert schleuderte sie ihr Kissen gegen die Tür und vergrub den Kopf in der Bettdecke. Draußen auf dem Treppenabsatz hörte sie ihre Mutter mit ihrem Bruder sprechen, der sich jammernd beklagte.
Sie rollte sich auf die Seite, das durch das Schlafzimmerfenster hereinströmende helle silbrige Licht zog sie an. Für einen Moment schien die Zeit stillzustehen und das Gemurmel von Fernseher und Familie war weit, weit weg. Eva kletterte langsam aus dem Bett und durchquerte das Zimmer, das ihr in all diesem silbrigen Licht gar nicht mehr vertraut vorkam. Am Fenster kniete sie sich auf einen alten, mit einem Haufen abgelegter Kleider belegten Stuhl, entriegelte das Fenster und lehnte sich in die Nacht hinaus, die nun warm und voller Magie war. Eine sanfte Brise spielte mit ihren Haarspitzen. Selbst die Stadt war von einer seltsamen Heiterkeit, und der Lärm des Nachtverkehrs war zu einem gedämpften Hintergrunddröhnen herabgesunken. Ihr Fenster blickte nach Süden, und Eva hatte von hier aus eine gute Aussicht über die Dächer.
Direkt vor ihr schien in einem tief dunkelblauen Himmel der Vollmond zu hängen, begleitet von einem einzigen Stern. Still sprach Eva einen Wunsch aus. Der über der pulsierenden Stadt schwebende Mond hatte etwas Seltsames an sich, und Eva fühlte, wie seine Magie sich ihrer bemächtigte und sie sanft in ihrem innersten Herzen berührte. Ihr Körper schien zu zerschmelzen und sich in einem Fluss mit dem Mondlicht und der Erde unter ihr zu vereinen, und sie wusste, dass derselbe Mond schon Millionen von Jahren über diesem Ort geschienen hatte. In diesem plötzlichen Erkennen wurde die Zeit sichtbar, ein schimmernder silberner Faden, der sich von Eva weg in das Dunkel der Vergangenheit spann. Die Füße in der Erde verwurzelt, wurde sie in ihrem Gewahrsein von der Zeit berührt, und eine Stadt aus früher Zeit entfaltete sich vor ihrem Blick, in der Feuer von den Bomben des Krieges loderten. Und wieder wurde sie von der Zeit berührt, und eine zwischen zwei Flüssen gelegene kleine Siedlung wurde von Eindringlingen angegriffen, die mit ihren Schiffen am kiesigen Ufer vor Anker gegangen waren.
In rascher Folge wechselten die Bilder; eine kleine Menschengruppe, die einen Graben mit Geweihschaufeln aushob; Wälder, die den Platz der Menschen einnahmen; Eis und Schnee, die in weißen Wellen das Land rein scheuerten. Wälder, Flüsse, Ozeane und Wüsten erstanden und vergingen, und immer schien darüber derselbe Mond. Land hob sich aus uranfänglichen Wassern, und für einen Moment erfasste dieser kleine Bewusstseinsfunke, der immer noch Eva war, das ungeheure Alter des Mondes und seine stille Begleitung all dessen, was gelebt hatte.
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