Entzündungen werden durch Funkstrahlung gefördert. Das lässt sich leicht durch die veränderte Zahl an Leukozyten feststellen. 45Saba Shahin und Mitarbeiter finden bei trächtigen Mäusen Entzündungen bereits bei einer täglichen Bestrahlung von 2 Stunden über 45 Tage mit 335.000 µW/m 2und 2,45 GHz. 46 47Dass Funkstrahlen auch Entzündungen hervorrufen können, wurde in der oben zitierten Stellungnahme von BERENIS, einem Beratergremium der Schweizer Regierung, anerkannt.
Das Blut enthält viele Stoffe, die nicht ins Gehirn gelangen dürfen. Das sicherzustellen ist die Aufgabe der Blut-Hirn-Schranke. Sie ist eine Barriere zwischen den Blutgefäßen und dem Hirn, die alle schädlichen Stoffe zurückhält. Ähnliche Schranken gibt es an mehreren Stellen im menschlichen Körper, beispielsweise gibt es eine Blut-Hoden-Schranke und eine Schranke in der Plazenta (Mutterkuchen), die den Embryo vor den Abbauprodukten im Blut der Mutter schützt. In vielen Experimenten an Ratten wurde nachgewiesen, dass Funkstrahlung unter gewissen Umständen die Blut-Hirn-Schranke öffnet. 48Der Mechanismus, der dem zugrunde liegt, ist gut erforscht. 49
Bei diesem Effekt gibt es ein „Energiefenster“, das heißt, er tritt am stärksten schon bei einem Tausendstel W/kg auf; bei stärkerer Bestrahlung ist er weniger ausgeprägt. Ein Tausendstel W/kg hat man bei einem Mobiltelefon schon in etwas mehr als einem Meter Abstand. Der genaue Wert hängt natürlich von der Sendeleistung, also vom Abstand zur nächsten Basisstation ab. Das bedeutet, dass bei einem Mobiltelefonat die umstehenden Personen geschädigt werden können.
Das ist für Schwangere besonders wichtig. Denn man muss davon ausgehen, dass die Plazenta-Schranke ähnlich reagiert wie die Blut-Hirn-Schranke.
Diese Ergebnisse wurden von Betreiberseite heftig angegriffen. Dabei scheute man sich nicht, gefälschte Studien vorzulegen. 50Nachdem der Betrug bekannt wurde, musste man aber die Richtigkeit der Ergebnisse akzeptieren.
Die Wirkungen von Funkstrahlung auf den Menschen werden in mehreren sehr guten Schriften zusammengefasst, in denen man auch die entsprechenden Literaturangaben findet. Hier sei besonders das Heft „5G als ernste globale Herausforderung“ 51von Martin Pall erwähnt. Außerdem sei auf den Bioinitiative Report von 2012, 52auf den Überblick von Isabel Wilke 53und auf die Literatur bei diagnose:funk 54hingewiesen. Die biochemischen Aspekte werden bei Igor Yakymenko et al. 55dargestellt; eine fast vollständige Liste von Veröffentlichungen findet man bei emfdata.org 56und emf-portal.org. 57Die Literaturangaben zu den folgenden speziellen Themen sollen dagegen im Regelfall nur die historischen Zusammenhänge erläutern.
Kombinierte Wirkung mehrerer Einflüsse?
In diesem Buch werden nur Erkrankungen besprochen, die durch Funkstrahlen allein ausgelöst werden können. Über die Kombinationswirkung von Funkstrahlung mit anderen schädlichen Einflüssen ist bisher noch wenig bekannt. Aber es fällt auf, dass sehr viele elektrohypersensible Menschen gleichzeitig eine Vorbelastung durch Schwermetalle haben, beispielsweise durch Amalgam in Zahnfüllungen. Bekannt ist auch der Einfluss schwacher Magnetfelder, die sich auf den Spin Freier Radikale auswirken, 58 59und das Zusammenwirken von Radarstrahlen mit Radioaktivität. 60Von den wenigen Untersuchungen, die das Zusammenwirken von Funkstrahlung mit anderen Einflüssen diskutieren, seien hier noch die Arbeit von Ronald N. Kostoff et al. 61und die darin zitierte Literatur erwähnt. Außerdem beschreibt Dimitris J. Panagopoulos die Kombination von UMTS-Strahlung weit unterhalb des Grenzwerts mit sehr hohen Dosen von Koffein – ein Gedanke, den man spontan wohl eher als seltsam abtun würde, wären das nicht harte experimentelle Fakten. 62
In Nordrhein-Westfalen gibt es einen Waldweg und einen Dorfweg, auf denen eine sehr geringe Funkstrahlung gemessen wird. Nur an wenigen Stellen strahlt ein Funkturm ein, der aber verdeckt ist und deshalb von Fremden nicht wahrgenommen werden kann. Auf diesen Weg wurden im Lauf der Zeit über 500 ortsfremde Besucher mit einem Dosimeter und einem Messgerät für den Puls geschickt. Manchmal wurden sie auch von Tieren (z. B. Lamas) begleitet, deren Puls ebenfalls gemessen wurde. Das Ergebnis für einen der Spaziergänger zeigt Bild 7.
Bei allen anderen und bei den Tieren war es ähnlich. Dabei ist bemerkenswert, dass selbst bei diesen relativ schwachen Feldern von maximal 1.000 µW/m 2ausnahmslos alle Besucher mit einer Erhöhung des Pulses reagierten. Erstaunlich ist auch, wie schnell der Puls selbst auf sehr kurze Bestrahlung reagierte. Meist dauerte es weniger als eine Minute.
Dabei erhöht Funkstrahlung die Herzfrequenz nicht immer. Wenn die Strahlung an anderen Organen auftrifft, senkt sie sie. 63Dass Funkstrahlung sich so stark auf den Herzschlag auswirkt, hat seinen Grund darin, dass dieser durch Schrittmacherzellen im Sinusknoten des Herzens gesteuert wird. Sie haben eine hohe Dichte an spannungsgesteuerten Calcium-Kanälen.
Bei Funkbestrahlung ändert sich aber auch die Herzratenvariabilität, d. h. die natürliche Variation der Zeit zwischen zwei aufeinanderfolgenden Herzschlägen. Für die Menschen ist eine gewisse Variabilität lebenswichtig. Sie ermöglicht, dass man sich schnell auf neue Situationen wie körperliche und psychische Belastung einstellen kann. Bei Bestrahlung verringert sie sich. Ein Techniker würde sagen, die Herzschläge werden durch die Funksignale synchronisiert. (Die Erklärung dafür wird in dem Buch von Hans-Christoph und Ana Scheiner 64gegeben: Selbst schwache Funkstrahlung kann den Adrenalin- und Noradrenalinspiegel erhöhen. 65Dadurch wird die Aktivität des „Sympathikus“ verstärkt, die das Verhalten unter Stress regelt, und die Aktivität des Gegenspielers „Parasympathikus“ gedämpft.)

Bild 7Unten: Funkbelastung; sie stammt ausschließlich von GSM-900, außer den schmalen Spikes um 17:43:30, 17:46:30 und 17:57:30 Uhr, die durch WLAN erzeugt wurden. Die Skala auf der linken Seite reicht von 0 bis 500 µW/m 2. Oben: Puls (Herzfrequenz) der Probandin. Die Herzfrequenz steigt meistens nach deutlich weniger als einer Minute nach Beginn der erhöhten Strahlenbelastung. Die Wirkung hängt von mehreren Faktoren ab, z. B. von der Dauer der Strahlung und von der Belastung unmittelbar zuvor.
Gehirn, gepulste Strahlung
Durch die Aufweichung der Blut-Hirn-Schranke können Giftstoffe ins Gehirn gelangen, die es nachhaltig schädigen. Den größeren Einfluss auf die unmittelbare Reaktion des Gehirns hat aber vermutlich die Pulsung der Funkstrahlung. Ihre Frequenzen liegen zum Teil im Bereich der Gehirnströme und verändern sie.
Dabei muss man bedenken, dass das Einströmen der Calcium-Ionen in die Zellen bei jedem Puls erfolgt und damit – wie oben beschrieben – bei jedem Puls einen Nervenimpuls erzeugen kann. (Ein Techniker würde sagen, die Zellen bilden einen Gleichrichter.)
So ist es nicht verwunderlich, dass der deutsche Medizinphysiker Lebrecht von Klitzing 1993 feststellte, 66dass gepulste Mobilfunksignale schon bei 10.000 µW/m 2, also weit unter den Grenzwerten, die Gehirnströme des Menschen verändern. Später konnte er diesen Effekt bereits bei 1.000 µW/m 2nachweisen. 67Ungepulste Wellen dagegen verändern das EEG nicht. 68
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