Auf den nächsten Seiten wird es nun steil fachlich. Ich will mit Ihnen ansehen, welche Erfahrungen die biblische Botschaft zu unserem Thema beisteuert.
Dritte Annäherung: Versuchungen in der biblischen Botschaft
In der Bibel begegnet uns der griechische Begriff »peirazein«/»peirasmos«, also »versuchen«/»Versuchung«, sowohl in der griechischen Übersetzung des Alten Testamentes – der so genannten Septuaginta – wie im Neuen Testament in zwei Bedeutungen, die gut zu unterscheiden sind.
»Peirazein«/»peirasmos« bedeutet zum einen: »auf die Probe stellen«. Das macht Gott, wenn er den Menschen prüft. Weil wir Menschen Werde-Wesen sind, müssen wir uns immer wieder zwischen mehreren Möglichkeiten entscheiden. Die Versuchbarkeit zwischen Gut und Böse ist sozusagen mit der menschlichen Existenz mitgegeben. In diesem Sinne führt Gott in Versuchung.
Ein Beispiel für diese Bedeutung findet sich im Jakobusbrief: »Seid voll Freude, wenn ihr in mancherlei Versuchung geratet. Ihr wisst, dass die Prüfung eures Glaubens Ausdauer bewirkt. Die Ausdauer aber soll zu einem vollendeten Werk führen: denn so werdet ihr vollendet und untadelig sein, es wird euch nichts mehr fehlen« (Jak 1,2–4).
Zum anderen bedeutet der Begriff: »zur Sünde verführen«. Solches machen der Teufel, böse Mitmenschen und die eigenen bösen Neigungen. Im selben Jakobusbrief lesen wir in diesem Sinn ein paar Zeilen später: »Glücklich der Mensch, der in der Versuchung standhält. Denn wenn er sich bewährt, wird er den Kranz des Lebens erhalten, der denen verheißen ist, die Gott lieben. Keiner, der in Versuchung gerät, soll sagen: Ich werde von Gott in Versuchung geführt. Denn Gott kann nicht in die Versuchung kommen, Böses zu tun, und er führt auch selbst niemanden in Versuchung. Jeder wird von seiner eigenen Begierde, die ihn lockt und fängt, in Versuchung geführt. Wenn die Begierde dann schwanger geworden ist, bringt sie die Sünde zur Welt; ist die Sünde reif geworden, bringt sie den Tod hervor« (Jak 1,12–15).
Im Alten Testament finden wir Versuchungen durch den Teufel nur an wenigen Stellen: Adam und Eva werden im Paradies von der Schlange versucht, in der die spätere Tradition den Teufel sieht (Gen 3). Im Buch Hiob versucht der Teufel – mit ausdrücklicher Erlaubnis Gottes – Hiob. Als König David das Volk Israel zählen will, ist es der Teufel, der ihn dazu anstachelt. »Der Satan trat gegen Israel auf und reizte David, Israel zu zählen« (1 Chr 21,1).
Die weitaus meisten Texte des Alten Testamentes sprechen von einer Prüfung durch Gott, der durch einen Eingriff in das Leben eines Menschen dessen Treue auf die Probe stellt. Die Geschichte von der gerade noch verhinderten Opferung Isaaks durch Abraham wird traditionell so verstanden (Gen 22,1–19).
In den Geschichten vom Sündenfall im Paradies und von der Opferung Isaaks sowie im Hiobbuch haben wir die klassischen Stellen des Alten Testamentes über Versuchungen. Der Vollständigkeit halber sei noch angemerkt, dass nach dem Alten Testament auch die Menschen Gott versuchen: Nach dem Auszug aus Ägypten beschwert sich das Volk nicht nur bei Mose, dass er es in die Wüste geführt hat, sondern es stellt Gott auf die Probe durch offenes Murren und durch Zweifel an seiner Führung (Ex 17,1–7). Gott versuchen bedeutet dabei so viel wie: an der Macht Gottes zweifeln. Und das ist ein Zeichen von Unglauben.
Das Neue Testament schreibt große Macht dem Teufel zu, wenn es deutlich machen will, wieso Menschen Versuchungen erliegen und sündigen. Dieser stiftet zum Unheil an, verführt zur Sünde und nutzt die Menschen aus. Die wahre Ursache zur Sünde aber ist die Begierde, die im Menschen wohnt. Ihr zu widerstehen ist möglich. Die wohl eindrucksvollste Versuchungsgeschichte im Neuen Testament ist die Erzählung von der Versuchung Jesu (Mk 1,12–13; Mt 4,1– 11 und Lk 4,1–13). Wie Moses (Ex 34,28; Dtn 9,9.18) fastet auch Jesus vierzig Tage und vierzig Nächte. Auf diese Geschichte werde ich im nächsten Kapitel zurückkommen.
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