Günther Rühle - Ein alter Mann wird älter

Здесь есть возможность читать онлайн «Günther Rühle - Ein alter Mann wird älter» — ознакомительный отрывок электронной книги совершенно бесплатно, а после прочтения отрывка купить полную версию. В некоторых случаях можно слушать аудио, скачать через торрент в формате fb2 и присутствует краткое содержание. Жанр: unrecognised, на немецком языке. Описание произведения, (предисловие) а так же отзывы посетителей доступны на портале библиотеки ЛибКат.

Ein alter Mann wird älter: краткое содержание, описание и аннотация

Предлагаем к чтению аннотацию, описание, краткое содержание или предисловие (зависит от того, что написал сам автор книги «Ein alter Mann wird älter»). Если вы не нашли необходимую информацию о книге — напишите в комментариях, мы постараемся отыскать её.

Der andere Günther Rühle: «Ich suche mich, indem ich's hinschreibe.»
Vom fortschreitenden Verlust des Augenlichts gezeichnet und nachdem er die Vollendung des dritten Bandes seiner Geschichte des «Theaters in Deutschland» hat aufgeben müssen, beginnt Günther Rühle im Alter von 96 Tagebuch zu führen. Die Eintragungen, ein halbes Jahr umfassend, fangen im September 2020 an und enden im April 2021.
Rühle bekennt in seinen Tagebüchern, dass er in gut siebzig Jahren publizistischer Arbeit und nach «zigtausenden hingetippten Sätzen von mindestens 900 Kilometern Länge» versäumt habe, über sich selbst nachzudenken. «Am Rand des Lebens» angekommen, horcht er nun in sich hinein: Im Selbstgespräch ist er sich selbst der Stoff und beginnt, ins «Blinde» zu schreiben, denn lesen kann er die Zeilen nicht mehr.
Die Fragmente langer Tage und unruhiger Nächte schreiben sich in sein Tagebuch ein; verdrängte Gedanken und Gefühle, Eingebungen und Träume – «Bilder aus dem Dunkeln des Vergessens», in denen die Erinnerungen an die Kindheit, den Krieg, den Nationalsozialismus ebenso eine Rolle spielen wie die Rückblicke auf seine journalistische Arbeit (FAZ, Tagesspiegel), die Arbeit als Theaterintendant und prägende Lebensbegegnungen (u.a. Bernhard Minetti, Martin Wuttke, Einar Schleef).
Und natürlich immer gegenwärtig: das Nachdenken über das «Altern im Alter». Darf man noch gespannt sein auf die Zukunft, wenn man bei wachem Geist der «körperlichen Abrüstung» zuschauen muss? Eine endgültige Antwort gibt es nicht: «Die Gefühle lösen einander ab. Morgens in sich gespalten, wünscht man sich das Ende und greift noch nach dem Leben. Zweimal und oft am selben Tag.»
Der forschend aufspürende Theaterhistoriker ist diesmal sich selbst auf der Spur und muss in seinen Aufzeichnungen festhalten: «Ich treffe immer öfter auf einen Unbekannten, der doch Ich war.»

Ein alter Mann wird älter — читать онлайн ознакомительный отрывок

Ниже представлен текст книги, разбитый по страницам. Система сохранения места последней прочитанной страницы, позволяет с удобством читать онлайн бесплатно книгу «Ein alter Mann wird älter», без необходимости каждый раз заново искать на чём Вы остановились. Поставьте закладку, и сможете в любой момент перейти на страницу, на которой закончили чтение.

Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Wir alle haben in uns eine innere Uhr. Man kann schätzen, erfühlen, wie weit der Tag, die Arbeitszeit rum ist, wann die immer goldgekämmte Judith Rakers ihre Abendnachrichten beginnt. Wenn die Zeiten der inneren und der äußeren Uhr identisch sind, gibt es Glücksgefühle, wie gut, wie treffsicher es funktioniert hat. Man fühlt sich einen Augenblick als Herr der Zeit. Man, ich empfinde das auch schmunzelnd einverständlich, wenn der Wecker mir wohlgesinnt ist oder gar kokettiert, wenn er gerade die gleichen, sofort aufeinander folgenden drei oder vier Zahlen präsentiert. 12:34 Uhr zum Beispiel gibt es einmal am Tag. Das beim Aufstehen zu treffen ist schwierig, aber kommt vor, Glücksmomente. Ich spiele nachts gern mit diesen Zahlen. Aber der grimmige Zorn von heute Nacht kam daher, dass um 2:40 Uhr der Wecker 03:40 Uhr anzeigte. Wollte der mich ärgern, auf den Arm nehmen? Da kommt man auf die grundlegende Frage: Braucht man mit 96 noch einen Wecker? Muss man noch zum Flughafen, Bahnhof, Taxi? Zur Frühkonferenz um acht? Ach so, gestern Abend sagte meine Rumänin, bevor sie ging: »Nehmen Sie morgen früh die neuen Tropfen, stellen Sie sich den Wecker.«

23. Oktober 2020

Ich war immer ein wacher Mensch, schlief gern und gut, war aber ruckzuck auf. Mich hatte die Lust am Buch gepackt, an einer eigentlich unmöglichen Arbeit. Aber morgens um halb fünf war’s aus. Ich hatte Zeit bis Viertel nach sieben. Da musste das Frühstück fertig sein, die Frau musste zur Schule. Dann war noch mal frei für zwei Stunden. Um zehn dann ab in die Redaktion. Warum fällt mir das jetzt ein? Ich führte mich eben vorsichtig die Treppe hinab, sie ist breitstufig, bequem zu gehen – man grübelt immer, ob man da stürzt und mit welchen Folgen –, um zu schreiben, wie dieser dunkle Morgen die Schlafsucht verlängert. Und da setzt man sich hin und schreibt was ganz anderes. Der erste Satz ist wie ein Startschuss. Warum so anders auf einmal. Weckt die Treppe, löst sie die Glieder? Ich bin seit Tagen schwanger vom Verlangen, was anderes zu schreiben, wo man keine Studien braucht, die Augen nur für die Tasten wach sind. Das Verlangen nach aktiv sinnvoller Arbeit plagt einen also bis ins hohe Alter. Da fällt mir der Anfangsanfang von allem ein. Das ist überraschend neu, was da kommt. Viele haben gerufen, aber ich habe mich immer gewehrt gegen eine Biographie. Ich war mir nie interessant, oder nur soweit, mir neue Aufgaben und Themen zu suchen, um mich am Schreiben zu erkennen. Jetzt, wo es nichts mehr zu tun gibt, die eigene forschende Arbeit aufgegeben werden muss, drängt sich Erinnerbares wieder in den Kopf.

Also morgens halb fünf. Ich war fünf Jahre bei der Zeitung, meine Theaterkritiken wurden häufiger, eines Tages kam ein Anruf von Rudolf Hirsch, damals Direktor vom S. Fischer Verlag. Hirsch war ein hochgebildeter, zarter, leiser Mensch, schwärmend hingegeben an Hofmannsthal. 11Er wollte von mir ein Panorama des modernen Theaters, eine Sammlung von und für Theatrasten. Ich wollte nicht. Theater hat für mich mit Theorien nichts zu tun. Man kann im Methodischen streiten. Es gibt keine Theorie des Theaters, außer was es ist: Spiel. In den höchsten Momenten ein Schöpfungsakt. Die Zuschauerlust, Geber und Empfänger. Mit Theorien kommt man nicht an die Lebenskraft des Theaters. Ich machte Hirsch einen anderen Vorschlag. Ein Buch zu machen über das Theater der Zwanziger Jahre. Man sagte damals noch »Goldene Zwanziger Jahre«. Die waren nicht golden, glänzten nur manchmal so. Hirsch war ein Kind jener Zeit. In diesen zwanziger Jahren zerbrach das Jahrtausend. Die alten politischen Reiche, die Kirchenmächte, Glaubenswelten waren zerbrochen, man suchte Bauteile für eine neue Welt. Ich war mittendrin in diese Welt gekommen, ich schrieb jetzt Kritiken in der wichtigsten Zeitung, ich musste wissen, was geschah, wie man reagierte, wie man schrieb. Ich stürzte mich in diese Arbeit. Das daraus entstandene Buch ist ein Denkmal einer kurzen Epoche geworden. Damals setzte sich in mir fest, was mich dann begleitet hat bis heute, der Zusammenhang von Theater und Zeit. 12Egal wie es ist, es entsteht aus der Zeit für die Zeit. Deswegen morgens halb fünf. Wenn ich jetzt um halb fünf wach werde, zähle ich die Stunden, die ich noch schlafen kann. Und nach dem Frühstück kommt noch der Morgenschlaf. Lebensmüdigkeit ist auch eine körperliche Wahrheit.

26. Oktober 2020

Ich war im Beruf immer im Betrieb, Zeitungsmenschen kennen kein ruhiges Wochenende. Veranstaltungen, Termine, Sonntagsdienst. Ich war immer froh, wenn ich mal allein war. Das Alleinsein jetzt ist eine Plage. Sind allein und einsam identisch? Bin ich einsam und / oder allein? Ich werde dem nachspüren, aber nur keine Grübelei. Grübeln zerfrisst einen. Ich lechze nach Aufgaben, aber wo gibt es die noch. Mir fehlt meine Arbeit jeden Tag mehr. Mein Text der Theatergeschichte, den ich abgeben musste, hängt noch im Computer. Ich musste heute zum sechsten Mal aufgeben, ihn zu lesen. Die Vergrößerung auf 28 Punkt hält man nicht durch. Das Erkennen strapaziert Augen und Hirn. Ich muss selbst die Versuche aufgeben, den Buchstabensalat, den ich hier im Drauflosbenutzen der Tasten anrichte, zu kontrollieren. Ich spür jetzt auch schon eine sich einschleichende, eine wachsende Scheu, einige der fertigen Stücke noch mal zu lesen. Die Selbstkritik ist erbarmungslos, sie verlässt einen nicht, und vorgelesen werden meine Sätze sicher andere, als sie geschrieben sind. Ich nannte sie abgekürzt TGIII. Ich möchte jetzt rufen, laut, dass es hallt: »TGIII, komm zurück.« Auch das Begriffene schmerzt. Die Sache ist in guten Händen. Ich bin auf der Suche nach Zufriedenheit und Heiterkeit. Vielleicht finde ich morgens etwas, was den Tag leicht macht.

27. Oktober 2020

Jetzt bin ich entsetzt, die besseren Gefühle sind dem Erschrecken gewichen. Ich bin an meine bisher geschriebenen Texte geraten, mache Stichproben, ob man das so machen kann, hoffte auf Bestätigung. Ich habe versucht zu lesen und viele Sätze und Wörter nicht mehr verstanden. Die Augen dicht vor dem Bildschirm, um noch was zu erkennen, und ich erkannte, dass das Drauflosschreiben manche Texte zum Gestrüpp macht. Cora war heute Morgen da und sagte, sie nimmt die Ausdrucke mit und korrigiert oder schreibt neu. Ich kann ihr das gar nicht zumuten. Ich bin auf mich selbst zurückgeworfen. Der Verwirrer flotter Sätze bin ich. Das heißt: Mein lebenslang geübtes Zweifingersystem, das in den gut siebzig Jahren zigtausend Sätze von mindestens 900 Kilometern Länge hingetippt hat, ist nicht mehr treffsicher. Selbst wenn die Finger nicht zittern, ich hau daneben. Statt einem G ein F oder ein H oder V oder ein T. Jeder Buchstabe hat mindestens zwei, meistens vier Nachbarn. Ich werde ein Hersteller von Wortsalat.

28. Oktober 2020

Vorgestern musste ich doch den Sohn von den lieben Nachbarn zu Hilfe holen. Er ist wohl Ende 30, fährt gern Motorrad, ist Lehrer in der Fachschule, Optiker, aber mit Computer-Kenntnissen. Gestern kam er, ordnete und führte mehrere Dateien auf einen Stick. Der Lektor im Verlag wollte den Text von einem Band. Der kam gerade, als auch Dumitru mit seinem Sohn kam, der ist elf. Als der Optiklehrer das Problem probierend löste, stand Rares mit ruhigem Gesicht daneben. Er war nahe am Weinen, sagte seine Mutter tags darauf. Er hätte sich so gerne hilfreich gezeigt.

Wenn ich zusammenzähle, arbeiten jetzt schon vier Generationen an dem Support, der sich mir jetzt immer schneller entzieht. Drei davon sind schon Nachwuchs. Zwei haben die Anfänge des Digitalen Zeitalters nicht mehr erreicht. Ich sitze bei den Hilfsaktionen staunend dabei und wundere mich, was sie draufhaben. Bewundere das Tempo ihrer tastendrückenden Hände, staune, was sie alles machen, und dass der Apparat all das kann, was sie aus ihm herausholen. Ich spüre, sie leben schon in einer anderen Welt, obwohl wir noch beieinander sind. Eins habe ich aber allein. Ich weiß noch, wie alles anfing. Vor gut 50 Jahren kam Kollege Held aus Silicon Valley in die Redaktion zurück und verkündete uns Ungläubigen die Verwandlung, die jetzt Wirklichkeit ist.

Читать дальше
Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Похожие книги на «Ein alter Mann wird älter»

Представляем Вашему вниманию похожие книги на «Ein alter Mann wird älter» списком для выбора. Мы отобрали схожую по названию и смыслу литературу в надежде предоставить читателям больше вариантов отыскать новые, интересные, ещё непрочитанные произведения.


Отзывы о книге «Ein alter Mann wird älter»

Обсуждение, отзывы о книге «Ein alter Mann wird älter» и просто собственные мнения читателей. Оставьте ваши комментарии, напишите, что Вы думаете о произведении, его смысле или главных героях. Укажите что конкретно понравилось, а что нет, и почему Вы так считаете.

x