Christian Uetz - Das nackte Wort

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Der Erzähler, «alias Georg Niemann», verschränkt sein intimes Gedankenbuch mit der Schilderung seiner Beziehung zu Liv, mit der er zwei Kinder hat. Das Regelwerk ihrer Liebe umfasst beides: Unbedingtes Vertrauen und unbedingte Freiheit, die Sinnenlust zu leben, wann immer und mit wem auch immer sie sich zeigt. Entlang der Entwicklung ihrer Beziehung verfasst Georg seine Gedanken zum Eros, die radikal persönlich und politisch formuliert sind und ein neues männliches Selbstver- ständnis postulieren, das die Kluft der beiden Geschlechter in der Sprache überwinden will.

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Ich fürchtete, dass Liv sich ärgerte und wartete bange auf ihre Antwort. Bald aber schrieb sie in einer Kurznachricht, dass meine Mail wunderbar bei ihr angekommen sei. Ich trat auf den Balkon, sah die Sterne und sagte zu mir selbst: Ich war noch nie im Leben so glücklich!

Und als Liv von der Tagung zurückkehrend zur Tür hereintrat, war die gegenseitige Begeisterung unverkennbar, und da die Kinder schliefen, gingen auch wir bald ins Bett. Und siehe da, während ich an ihr unterging, hörte ich sie plötzlich sagen: Hör nicht auf!

Als Liv sich nach der gemeinsamen Zigarette aufs Sofa setzte, positionierte ich mich ihr zu Füßen. Zum ersten Mal plauderten wir, während ich am Boden hockend bald ihren einen, bald ihren anderen Fuß massierte.

–Kannst du dir denken, meine Herrscherin zu sein?

–Ich will nicht über dich herrschen, Georg!

–Wenn Frauen die besseren Herrscherinnen sind und dieser Verantwortung nicht ausweichen, müssten sie dann nicht zuerst privat konsequent durchziehen, über die Männer zu herrschen, um das Politische vorzubereiten? Und wenn ich dir im Bett diene und dir wie jetzt die Füße massiere, gefällt es dir doch auch?

–So habe ich nichts dagegen. Aber es missfällt mir, dass sich das Herrin-Diener-Modell in deinem Kopf zu verfestigen scheint und es so aussieht, als ob wir es vollends als fixe Rolle spielen sollen. Das passt mir nicht und engt mich ein.

–Dein Eindruck, dass ich mich darauf fixiere, trifft mich. Vielleicht hätte ich tatsächlich am liebsten das fix gelebte Modell des dich heiß Bedienenden und der mich kalt Unterwerfenden.

–Du bist eben auch in allem ein sehr obsessiver Charakter, darum steigerst du dich auch so obsessiv in solche Rollen hinein, und das gefällt mir ja besonders an dir, auch wenn es mir manchmal missfällt. Aber ich will nicht, dass du mein unterwürfiger Hund bist. Das passt nicht zu uns. Andererseits erinnere ich mich, wie ich dir doch schon vor Jahren vorgeworfen habe, dass du mir keinen Grund nennen konntest, warum du mich so überhöhst und anbetest, fernab aller Realität. Und da hast du gesagt, dass es keinen nennbaren Grund gäbe, sondern dass mich anzubeten deine größte Lust sei. Da hatte ich verstanden, dass es kein Warum braucht.

–Dass du meinen obsessiven Charakter zulässt, und zulässt, dass ich dich anbete, macht dich für mich nur umso anbetungswürdiger!

–Aber du willst das Leben immer feiern, obschon der Alltag oft ganz banal und freudlos und ärgerlich und fad ist.

–Weil jede Alltäglichkeit eine Beleidigung des Geistes ist. Also willst du eigentlich doch lieber nicht die Geschirrspülmaschine ausräumen?

–Doch, denn mir ist gerade alles umgekehrt: Nichts auch noch so Alltägliches ist alltäglich, auch das Allerbanalste nicht. Und das kann in allem und überall gegenwärtig bleiben, ob es nun beim Wäscheaufhängen ist oder in der Warteschlange an der Kasse oder im unendlichen Gequassel.

–So kann ich das auch sehen. Aber sein eigenes Leben zu feiern ist ignorant gegenüber allem Elend dieser Welt.

–Ja, ich weiß. Wir haben es auch schon oft besprochen, dass in meiner Sprachfeier eine unauslöschliche Verliebtheit brennt, die dem Jenseits gilt, um hier das Göttliche zu sehen.

–Aber wir haben auch schon oft besprochen, dass du recht hast, wenn du sagst, dass ein Leben ohne Lust sinnlos ist und dass es darum geht, weder die Freude zu verlieren noch das Engagement gegen Gleichgültigkeit und Empathielosigkeit.

–Aber dass ich es jetzt feiere, dir zu Füßen deine Füße zu massieren, ist das denn nun gut für dich?

–Das kann ich durchaus genießen.

–Du bist eben genuin eine Herrin.

Im Sommer 2018 hatte Liv beschlossen, nie mehr zu fliegen und kein Fleisch mehr zu essen, obschon sie bis dahin immer gerne auch mal für Ferien ans Mittelmeer geflogen war oder dann und wann ein Stück Fleisch gegessen hatte. Das Beste zur Rettung der Erde sei nicht das klimafreundliche Konsumieren, sondern der entschiedene Verzicht auf den Konsum. Das Leben werde nicht weniger intensiv ohne Fliegen und ohne Auto und ohne Fleisch. Ein Auto hatten wir sowieso nie. Plastik-, Wasser- und Energieverschwendungen kamen wie bei vielen Deutschen auch für Liv nicht in Frage. Im August 2019 hatte Liv mehrere Wochen einen Flüchtling aus Eritrea illegal in ihre Wohnung in Weimar aufgenommen, der allerdings kaum da war. Im Oktober 2019 nahm sie von einem Tag auf den anderen den ihr völlig unbekannten Syrer Almud in unsere Wohnung auf, der als Medizinstudent so lange bleiben sollte, bis er eine eigene Wohnung gefunden hatte, was kurz vor Weihnachten der Fall war. Er hätte aber gut noch viel länger bleiben können. Die Mädchen mochten ihn sehr. Liv hatte das Kinderzimmer für den gebrochen Deutsch redenden Almud freigemacht. Rosa und Eva schliefen so lange bei uns. Dass wir somit auch nachts keine Privatsphäre hatten, war sekundär. Liv war eine Urkommunistin und hätte auch gut in einer Kommune leben können. Dementsprechend frei war auch ihr Liebesleben. Sie hatte das so simple wie wirksame, Männer wie Frauen anziehende Schema der schlanken Blondine mit blauen Augen, dazu einen leichten Silberblick, der sie noch sinnlicher aussehen ließ. Obschon sie sich nie besonders sexy aufmachte, war ihre Ausstrahlung immer erotisch. Liv war Atheistin, aber nicht im provokativen Sinn. Sie hatte hohen Respekt vor allen, denen die Realität nicht die einzige Realität und die Welt nicht alles war. So schätzte sie auch mich dafür, dass ich in der Sprache den mangelnden Engel wahrzunehmen glaubte. Und ich wiederum fühlte mich durch Liv permanent darin herausgefordert, was es bedeutete, wenn einer in den Gedanken ein Jenseits sieht und ein Verhältnis zu allem hat, was nicht ist. Und ich hatte auch die uneingeschränkte Hochachtung davor, dass Liv nicht einfach glaubte, sondern redlich dazu stand, religiöse Dinge nicht zu wissen und offen zu bleiben für das Offene, eine das Erhoffte nicht erwartende Unentschiedenheit.

Für mich, alias Georg Niemann, war jeder Mensch verstiegen und im Denken abgehoben, weil er mit der Sprache stets über und jenseits der Realität war, also unweigerlich vermessen, aber zugleich gottgleich in der Realität der sprachlichen Illusion. Die Verstiegenheit bürgte mir auch für die Einzigkeit, die die subjektive Illusion zum objektivsten Faktum erklärt, so absolut, dass sie auch die Realität als Realität zu erfahren erst möglich macht. Sie war auch der Grund, warum ich ein Poet zu sein wähnte und ein Gedankenbuch schrieb:

Januar 2020

Der Mensch ist Gott, wenn er spricht, ob er das will und weiß oder nicht. Jeder, der über die Welt spricht, spricht wie Gott, auch wenn es nur die eigene Meinung ist und auch wenn sie gar nicht stimmt. Wer sagt, wie es ist, ob sachlich oder leidenschaftlich, ob wissenschaftlich oder journalistisch oder essayistisch oder literarisch, hat darin den Gottstatus der Herrschaft inne. Wir leben mehr vom Reden als von der Realität, und es ist uns realer als alle Realität. Im Sprechen sind wir Gott und es ist uns in der Sprache alles möglich. Darum können wir so selbstverständlich lügen ein ganzes Leben lang. Im Sprechen sind wir Gott und im Schweigen auch. Im Poetischen oft schönster Weise, im Politischen meist monströser Weise und im Alltäglichen unendlich quasselnder Weise sind wir in der Sprache Gott, in der Tat aber nicht. Und solange wir über alles nur plaudern miteinander, sind wir im Paradies. Es heißt mit recht Taten statt Worte, aber auch das ist ein Wort, und überdies eines, welches meistens nur gesagt wird, und es ist sonderbarerweise umgekehrt genauso wahr: Worte statt Taten, denn wenn wir über all den Horror, den wir Menschen begehen, nur reden würden statt ihn auch zu tun, würde er gar nicht geschehen. So viel ist gewiss: dass wir miteinander und zueinander sprechen können und ein Gespräch sind, ist noch immer das Unfassbarste an uns. Dass wir über alles reden können das ganze Leben, von morgens bis abends, Tag und Nacht, das ist noch immer ein so selbstverständlich gewordenes Wunder, dass es permanent vergessen wird. Wozu denn Göttinnen und Götter, wenn wir sie im Wort selbst sind? Weil wir sie nur im Wort sind, nur in Augenblicken im Fleisch, aber nicht in der Tat. Für das Wort wiederum reicht das Wort. Es sagt alles, was es ist und bringt uns zur Helle wie zur Hölle, zum Glanz wie zur Verblendung. Manche nennen es das Wunderbare, das Herrliche, das Heilige. Mir am liebsten ist es das allerpersönlichste Du. Und wenn Du Wunderbare sagst, wir brauchen keinen Gott, weil die Erde auch ohne Gott so viel Wunderbares und Furchtbares hat, so sprichst Du genau damit das Göttliche aus. Dass Du das Wunderbare und Grässliche auf der Erde aussprechend ans Licht bringst, ist schon die andere Helle. Wir haben die völlige Verantwortung über unser Tun, weil der Sprache die Gottverantwortung innewohnt. Darum ist die Frage nicht: Warum lässt Gott Gräueltaten zu? Sondern: Warum begeht der Mensch Gräuel, obwohl er in der Sprache Gott ist und damit die Verantwortung innehat und die Sprache ihn schon vor der Schrift zur Güte und in die Liebe drängt wie in eine allumfassende Vorschrift? Warum also noch immer überall und wieder und wieder Göttin und Gott, wo wir es im Wort doch selbst sind? Da wir uns in der Sprache der gottgleichen Redlichkeit und mit ihr einem Gerichtshof des Verantwortens und einem Horizont des Verdankens aussetzen, der uns übersteigt. Aber vielleicht macht es doch keinen Unterschied, ob das Wort mit oder ohne das Wort Gott Göttin ist. Das ist jetzt gar das Schönste! So ist allen in der Sprache Göttlichkeit geschenkt, ob angenommen oder nicht. Wie die Sonne für alle scheint, unabhängig von ihrem Tun und ihrem Glauben und ihren Worten und ihrem Sein, so erscheint auch die andere Helle in jeder Sprache und ist Gottlicht in jedem Erkennen.

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