Die Integrative Psychotherapie Innerer Systeme – IIFS – ist sowohl Methode als auch Haltung, körperlich und sinnlich für alle Menschen, Therapeut*innen und Klient*innen erfahrbar und anwendbar. Sie verbindet in ihrer Ausübung das Wissen um Achtsamkeit, Wahrnehmungsschule, Körperpsychotherapie und IFS. Ihre Anwendung eröffnet uns neue Wege und Möglichkeiten in der Psychotherapie, der Selbsterfahrung, der Supervision und auch in der Professionellen SELBST-Fürsorge – intrapersonell im System eines Menschen und interpersonell, wenn sie die Inneren Systeme von Klient*innen, Therapeut*innen und Supervisor*innen unter IIFS-Aspekten miteinander in Beziehung treten lässt – auch hier mit neuen Ideen. Sie schärft unsere Wahrnehmung, lässt uns neugierig und lebendig mit einem Anfänger-Geist in jede neue Begegnung gehen und kann auch dadurch neuronale Strukturen verändern.
In Psychotherapien und Supervisionen sollte sie nur von erfahrenen Therapeut*innen durchgeführt werden, da man mit dieser kleinen Methode sehr schnell ans »Eingemachte« gelangen kann.
Die IIFS wirft auch ein neues Licht auf das innere System bei schwerwiegenden psychischen und psychosomatischen Erkrankungen, wenn diese unter dem Aspekt polarisierter Teile gesehen werden. Komorbiditäten (wie Ängste, Panik, Süchte, Dissoziationen etc.) als beschützende Persönlichkeitsanteile zu sehen, eröffnet ebenso neue Behandlungsmöglichkeiten.
Für die (Professionelle) SELBST-Fürsorge kann sie in unterschiedlichem Ausmaß im täglichen Leben wie bei der Arbeit angewendet werden. Das könnte das persönliche, das professionelle und das Gemeinwohl mehren. Dem SELBST den Raum zu öffnen und mit seinen eigenen Anteilen in SELBST-Verantwortung zu leben, verändert schon viel.
Arbeiten in spürbarer Präsenz, also in SELBST-Qualität, fühlt sich nicht anstrengend an, aus Therapeuten-Teilen hingegen oftmals schon. Mit Professioneller SELBST-Fürsorge und IIFS können Psychotherapeut*innen und Ärzt*innen einen spannenden Zugang zu ihren berufstätigen Teilen gewinnen und sie ggf. entlasten. Auf diese Weise ist es möglich, ein Leben lang Freude und Überraschung in diesen manchmal so schweren und gleichzeitig so wunderbaren Berufen zu erleben und zu erhalten. Sie macht uns wieder neugierig und offen für uns selbst und die anderen, geht mit einer gewissen Leichtigkeit einher und ist gleichzeitig doch tiefgründig.
Was erwartet Sie nun beim Lesen dieses Buches?
Sie erhalten einen Einblick in das Fundament der Integrativen Systemischen Psychotherapie mit inneren Anteilen, in die Grundhaltungen und Gedanken humanistischer und ressourcenorientierter Psychotherapien, in die Systemische Therapie mit der Inneren Familie, in die achtsame Wahrnehmungsschulung mit Elementen aus der integrativen körperbezogenen Gestalttherapie und in die körpertherapeutische Ausrichtung der IIFS.
Der Selbst-Begriff wird Ihnen aus psychologischer, anthropologischer und philosophischer Perspektive nähergebracht und sein Platz in der IFS und der IIFS begründet.
Durch die detaillierte Beschreibung des Verhältnisses von SELBST und Persönlichkeitsanteilen gewinnen Sie theoretisch und praktisch einen profunden Einblick in die SELBST-Haltung und in das Wesen und die Dynamik der Interaktionen von SELBST und Teilen.
Mit vielen Anregungen zur Professionellen SELBST-Fürsorge, selbstständigen Übungen und Reflexionen sowie in Beispielen aus der Praxis können Sie vieles von dem Gelesenen an sich selbst, Ihren Persönlichkeitsanteilen und an sich SELBST erleben und erfahren. Wenn Sie mögen, können Sie mit dem Reichtum Ihrer Innenwelt und mehr und mehr mit den Unterschieden von SELBST-geführter und Teile-geleiteter Haltung im Leben und bei der Arbeit vertraut werden und in der Professionellen SELBST-Fürsorge schließlich von dem Gelernten profitieren.
Durch vertiefende Einblicke in die Arbeit mit IIFS in der Welt der Scham, der Psychoonkologie, der Traumatherapie und der Supervision bekommen Sie von allen Autorinnen einen Einblick, wie die Integrative Systemische Therapie mit Inneren Anteilen in speziellen Kontexten eingesetzt werden kann.
Wir wünschen Ihnen beim Lesen viele inspirierende Anregungen, spannende Momente und Lust mehr zu erfahren über diese neuen Wege in der Psychotherapie, der SELBST-Erfahrung, der Supervision und der Professionellen SELBST-Fürsorge.
Zur Schreibweise : SELBST und selbst. Vielleicht mag es Sie irritieren, dass wir manchmal »selbst« klein und ein anderes Mal SELBST in großen Buchstaben schreiben. Zur Klärung: Wenn wir SELBST im Sinne von IIFS meinen, dann schreiben wir es in großen Lettern, lesen Sie es klein, dann benutzen wir das Wort »selbst« wie es in der herkömmlichen Alltagssprache verwendet wird. An dieser Stelle sei auch bemerkt, dass der Ausdruck »das SELBST« oder »mein SELBST« die falsche Vermutung aufkommen lassen kann, dass »mein« SELBST (Possessivpronomen) ein Teil sein könnte. Das SELBST ist kein Teil – dieser Satz kommt noch öfter in diesem Buch vor. Daher sprechen wir lieber in der Folge von der Person SELBST oder dem Menschen SELBST oder ich SELBST und schreiben SELBST dann immer in Großbuchstaben, wenn es sich um das IIFS-SELBST handelt. In seltenen Fällen, wenn es sich sprachlich einfach komisch anhören würde, sprechen wir auch mal von dem SELBST. Und da SELBST auch letztendlich etwas Größeres ist, als wir Menschen es glauben fassen zu können, versuchen wir hier auch nur eine Annäherung an ein irdisches SELBST anzustreben. SELBST im IIFS, wie wir es in diesem Buch so häufig verwenden, meint den Wesenskern eines jeden Menschen, der in SELBST-Qualitäten eben mehr oder weniger spürbar, erfahrbar und damit wirksam wird. Was wir Menschen tun können, ist dem SELBST mehr Raum zu bieten und seine Eigenschaften bewusst zu erkennen, wenn es denn da ist. SELBST kann man nicht machen, SELBST ist.
Die Schreibweisen der Geschlechter:Um allen Geschlechtern gerecht zu werden, verwenden wir bunte Schreibweisen, mal weiblich, mal männlich, mal divers, je nachdem, wie es sich im Verlauf flüssig liest. Wir möchten alle ein- und niemanden ausschließen. Es mögen sich immer alle gemeint fühlen. Wenn der Anfang eines Abschnitts das Gender-Sternchen trägt, gilt es für das Folgende, auch wenn das * nicht jedes Mal eingesetzt wurde.
Selbstverantwortung:Die Übungen und Anregungen, speziell mit der Einbeziehung von Körperwahrnehmung und Gefühlen, führen im Allgemeinen zu mehr Selbsterfahrung. Sie obliegen Ihrer eigenen Verantwortung und ersetzen keine Therapie. Wenn Sie damit den therapeutischen Erfahrungsraum betreten sollten, bitten wir Sie um Ihrer selbst Willen die Grenzen zu respektieren, die das Mit-sich-selbst-Arbeiten hat, und sich gegebenenfalls um therapeutische Unterstützung zu bemühen. Falls Sie das gerne mit IIFS tun möchten oder einfach mehr Erfahrungen mit IIFS unter Anleitung machen wollen, finden Sie im Anhang Kontaktadressen der IIFS-Institute.
Wegweiser durch das Buch: Jedes Kapitel ist in sich abgeschlossen. In jedem Kapitel werden Sie Grundhaltungen und Methoden der IIFS wiederfinden, was der konkreten Vertiefung der Haltung und Methode und der jeweiligen Veranschaulichung dienlich ist. Alle Texte, bis auf die anderweitig gekennzeichneten, sind von Uta Sonneborn. Etwaige Wiederholungen sind nicht unbeabsichtigt.
Teil 1
Grundlagen der Integrativen Systemischen Therapie mit der Inneren Familie
1
Die Humanistischen Psychotherapien
Grundhaltungen und Ideen
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