Das vorliegende Buch ist ein sachbezogener Ratgeber zum Thema Hormone und Zyklus. Es zeigt anhand von wissenschaftlichen Grundlagen auf, warum jeder Zyklus Ihnen eine ganze Reihe von Superkräften beschert und wo die Fallstricke sind, auf die Sie achten sollten. Wir sind alle verschieden, und die Wissenschaft kann keine Antworten auf alle Fragen liefern, aber ein neugieriger und entdeckungsfreudiger Geist vielleicht schon!
Natürlich tut sich in der Forschung mehr, als ich hier wiedergeben kann. Ich musste daher bewusst entscheiden, was ich in dieses Buch aufnehme und was nicht. Wenn ich Ihnen sage, dass man schon allein über ein Thema dieses Buchs eine ganze Doktorarbeit schreiben kann, dann haben Sie einen ungefähren Begriff davon, was ich alles auslassen musste. Natürlich steht es Ihnen frei, auf Grundlage der hier enthaltenen Informationen loszugehen und eigene Forschungen anzustellen! Hierfür wird der Anhang mit den Ressourcen und Referenzen besonders hilfreich sein.
Sie erhalten mit diesem Buch jede Menge praktische Werkzeuge, um die tief greifende innere Arbeit zu tun, die notwendig ist, um sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen, einschließlich der Anforderungen, die es mit sich bringt, eine Karriere zu haben und sie mit Ihren Beziehungen und vielleicht einer Mutterschaft in Einklang zu bringen. In diesem Buch mache ich keine Annahmen darüber, ob Sie in einer Beziehung leben oder Kinder haben (möchten). Ich gehe auch nicht davon aus, dass Sie sich selbst notwendigerweise als weiblich empfinden. Die meisten Bücher über Fortpflanzung und Sexualität benutzen immer noch cissexuelle (Anm. d. Übers.: Der Begriff Cissexualität, auch Zissexualität oder Cisgender, steht für Menschen, die mit einem bestimmten biologischen Geschlecht geboren werden und sich auch damit identifizieren, im Gegensatz zum Transgender.) Begriffe und Bezugsrahmen, etwa das Bezeichnen von Hormonen als „männlich“ oder „weiblich“ oder aller Menschen mit einer Gebärmutter als „Frauen“, was problematisch ist. Wenn wir Testosteron beispielsweise als männliches Hormon bezeichnen, dann ordnen wir alles, womit es in Verbindung gebracht wird – Ehrgeiz, sexuelles Verlangen und Muskelmasse – Männern zu, und das tut all jenen mit einem weiblichen Fortpflanzungssystem unrecht, weil diese Faktoren auch in unserem Leben eine wichtige Rolle spielen. Nicht jeder Mensch, der eine Frau ist, verfügt über einen Menstruationszyklus oder eine Gebärmutter, und ebenso ist nicht jeder Mensch, der menstruiert oder eine Gebärmutter besitzt, eine Frau. Es ist mir wichtig zu respektieren, dass Menschen aller Geschlechtsidentitäten einen Menstruationszyklus haben können. Daher habe ich möglichst auf den Einsatz von Pronomen verzichtet, um eine inklusive Sprache zu verwenden, die diese Diversität widerspiegelt. Der hierfür von mir teilweise verwendete Begriff der „menstruierenden Person“ ist nicht immer ideal, denn wenn Sie gerade nicht Ihre Regel haben, dann fühlen Sie sich womöglich nicht angesprochen. Auch kann es sein, dass Menschen sich auf eine Körperfunktion reduziert fühlen. „Menschen mit Periode“ klingt vielleicht ein wenig besser, auch wenn es das zuvor angesprochene Problem nicht löst. In den Fällen, in denen ich die Worte „Mädchen“ oder „Frau“ verwende, spiegele ich damit entweder die Sprache der zitierten Forschungen wider (hier wollte ich nicht sprachlich eingreifen, da es praktisch keine Forschungsergebnisse zu Menstruation und Transgendern gibt), oder ich verwende sie, um das Patriarchat zu verdeutlichen. Ich hoffe, dass meine Sprachwahl so ausgewogen und inklusiv ist, wie es meiner Intention entspricht.
In jedem Fall gehe ich davon aus, dass Sie jemand sind, der es verdient zu erfahren, was sich Monat für Monat in Ihrem Körper abspielt, und dass Ihnen daran liegt, Ihr Leben einfacher und angenehmer zu gestalten. Wenn Sie sich bewusst durch Ihren Menstruationszyklus zu bewegen wissen, dann sind Sie im Fluss. Ich bin mit dem Glauben aufgewachsen, dass meine biologische Ausstattung mir im Leben eher im Weg stehen und Ärger bescheren würde. Ich lernte nicht, meinem Körper zu vertrauen. Dieses Buch erwuchs aus dem Wunsch, gegen diese Überzeugungen anzugehen und zu zeigen, dass unsere Physiologie eine Superkraft ist und uns keineswegs ausbremsen muss. Der Menstruationszyklus wird nur selten beachtet, aber ich hoffe, dass Sie am Ende dieses Buchs erkannt haben werden, dass er das am wenigsten genutzte und geschätzte Werkzeug zur Verbesserung unseres Lebens darstellt.
Ja, wir sind hormongesteuerte Wesen – und das ist auch gut so.
Ich hatte früher mit extremen Regelschmerzen zu kämpfen, und wenn ich extrem sage, dann meine ich das genau so. Ich musste mich an öffentlichen Orten auf den Boden legen, weil ich nicht mehr stehen konnte. Ich wusste oft nicht, wie ich es nach Hause schaffen sollte, wo ich mich verkriechen konnte. Regelmäßig wachte ich mit extremen Schmerzen auf und ließ mir um zwei Uhr nachts heiße Bäder ein, während ich verzweifelt darauf wartete, dass die Schmerztabletten endlich wirkten. Manchmal hatte ich das Gefühl, mein Steißbein und meine Hüften würden unter dem Druck zerbrechen. Ich habe mir drei Monate in Folge die Haut so stark verbrannt, dass ich Brandblasen bekam, weil eine heiße Wärmflasche das einzige Mittel war, das bei den rasenden Schmerzen wenigstens etwas zu helfen schien. Es gab Momente, in denen ich kurz davor stand, den Rettungsdienst zu rufen und die Sanitäter um Morphium anzubetteln.
Ich habe Jahre damit verbracht, diesen Schmerz zu heilen – am Anfang eher halbherzig, dann nahezu mit Besessenheit. Akupunktur, chinesische Kräuter, westliche Kräuter, Osteopathie, Reflexzonenmassage, Massage, Homöopathie, Ernährung, Achtsamkeit für den Menstruationszyklus, kognitive Verhaltenstherapie, Psychotherapie, Heilung durch Handauflegen, Yoga, Scheidung, Masturbation … Ich habe wirklich nichts ausgelassen. Ich habe flehentlich um Schmerzlinderung gebeten, im Stillen und bei Ärzten. Ich habe Unmengen von Schmerzmitteln genommen und muss sagen: ein Hoch auf alle Schmerzmittel, seien sie natürlich oder pharmazeutisch. Ich weiß nicht, was ich ohne sie getan hätte.
In den vergangenen fünf Jahren haben mich Regelschmerzen nicht mehr belastet. Mein eigener Heilungsweg war auch der Grund, warum ich es mir zur Aufgabe gemacht habe, andere Menschen dabei zu unterstützen, ihre Menstruations- und Hormonprobleme zu verstehen. Inspiriert wurde ich dabei von den weisen Frauen, von denen ich behandelt wurde und deren Therapieformen mich fasziniert haben. Ich habe mittlerweile einen Bachelor in Akupunktur sowie Diplome in Arvigo®-Therapie (Arvigo Techniques of Maya Abdominal Therapy®, kurz ATMAT, eine Form der Unterleibsmassage, siehe Seite 343), Aromatherapie und Reflexzonenmassage. Dann bin ich noch – wissbegierig, wie ich nun einmal bin – bei verschiedenen weltweit führenden Vertretern des wachsenden Felds der Menstrualität in die Lehre gegangen und habe erfahren, wie Ernährung und Lebensweise unseren Zyklus beeinflussen können und welche psychologischen Auswirkungen er hat.
Nach und nach konzentrierten sich mein persönliches ebenso wie mein Berufsleben immer stärker auf die Menstruationsgesundheit, und weil ich mich ja sozusagen selbst in den Dienst der Sache gestellt und so viele verschiedene Wege ausprobiert hatte, um meine eigene Gesundheit zu verbessern, wusste ich, wie ich Ratsuchenden helfen konnte und welche Techniken für ihre spezielle Situation oder ihren Zustand geeignet sein könnten. Der eine Ansatz aber, der sich für alle am einfachsten und effektivsten umsetzen ließ, war das Wissen darum, was tatsächlich in einem Menstruationszyklus abläuft und wie man seinen Alltag möglichst gut auf die eigenen Rhythmen und Bedürfnisse abstimmt. Immer wieder wurde ich gebeten, Diagramme zu zeichnen und Stichpunkte zu notieren, damit diese mit Freunden geteilt werden konnten. Aus diesem Grund begann ich irgendwann, neben meiner Einzelarbeit auch Workshops zur Menstruationsgesundheit zu geben. Hier wurde es dann erst richtig interessant, und meine Arbeit nahm neue Dimensionen an, denn es ist etwas sehr Machtvolles und Beeindruckendes, in einer Gruppe von Frauen zusammenzusitzen und gemeinsam die jeweiligen Zyklen zu erforschen. Die Teilnehmerinnen weinten. Ich weinte. Wir äußerten unsere Wut darüber, dass niemand uns diese wichtigen Informationen gegeben hatte, als wir vierzehn waren, oder dreißig, oder vierzig. In einigen Fällen sogar fünfzig. Es gab Frauen, die darum trauerten, aufgrund der Menopause keine Blutungen mehr zu bekommen, sodass sie das Wissen nicht mehr aktiv anwenden konnten. Aber sie zeigten auch Erleichterung, weil sie endlich verstanden, was während ihrer Menstruationsjahre abgelaufen war. Wir trauerten auch darum, dass niemand unsere Mütter aufgeklärt hatte, sodass sie ihrerseits nichts an uns hatten weitergeben können. Wir entdeckten die Themen, die uns miteinander verbanden – die eigene Geschichte und die der anderen waren oft ähnlich. Immer mehr Frauen kontaktierten mich und wollten liebend gerne zu einem Workshop kommen, aber die Entfernung sei einfach zu groß. Alle fragten sie, ob es noch einen anderen Weg gebe, mit mir zu arbeiten. Und so entstand die Idee zu diesem Buch.
Читать дальше