Er geht mit seinen Mannen links ab; Hörner- und Lurenklang aus der Ferne.
Gregorius Jonsson zum Jarl, indem die Volksmenge sich zu zerstreuen beginnt. Bei der Eisenprobe dünktest Du mich zaghaft, und jetzt siehst Du so froh und zuversichtlich aus.
Jarl Skule vergnügt. Sahst Du, er hatte Sverres Augen, da er sprach? Die Wahl wird gut, mögen sie ihn oder mich zum König machen.
Gregorius Jonsson unruhig. Aber weiche nicht! Denk an die alle, die mit Deiner Sache fallen.
Jarl Skule. Hier steh' ich auf des Rechtes Grund; jetzt versteck' ich mich nicht vor dem Heiligen. Geht mit seinem Gefolge links ab.
Bischof Nikolas, Dagfinn nacheilend. Es geht schon, guter Dagfinn, es geht schon – aber halte den Jarl recht fern vom Könige, wenn er gewählt ist – halt' ihn ja recht fern!
Alle ab links hinter der Kirche.
Eine Halle im Königsschlosse.
Links im Vordergrunde ein niedriges Fenster; rechts eine Eingangstür; im Hintergrunde eine größere Tür, die zur Königshalle hineinführt. Am Fenster steht ein Tisch; sonst Stühle und Bänke. Frau Ragnhild und Margrete kommen durch die kleinere Tür; Sigrid folgt ihnen auf dem Fuße.
Frau Ragnhild. Hier herein!
Margrete. Ja, hier ist's am dunkelsten.
Frau Ragnhild ans Fenster tretend. Und hier kann man auf den Thingwall herniedersehen.
Margrete vorsichtig hinausblickend. Ja, drunten hinter der Kirche sind sie alle versammelt. Wendet sich schluchzend ab. Da unten soll nun das geschehen, das so folgenschwer sein wird.
Frau Ragnhild. Wer herrscht hier morgen in der Halle?
Margrete. O schweig! Nie hätt' ich gedacht, einen so schweren Tag zu erleben.
Frau Ragnhild. Der mußte kommen: Königsvormund zu sein, das war ein unzulängliches Geschäft für ihn .
Margrete. Ja, – der mußte kommen; der Königsname allein konnte ihm nicht genügen.
Frau Ragnhild. Von wem sprichst Du?
Margrete. Von Håkon.
Frau Ragnhild. Ich sprach vom Jarl.
Margrete. Es gibt keine stattlicheren Männer als die beiden.
Frau Ragnhild. Siehst Du Sigurd Ribbung? Wie arglistig er dasitzt, – recht wie ein Wolf in Ketten.
Margrete. Ja, sieh –! Er faltet die Hände vor sich über dem Schwertknauf und stützt das Kinn darauf.
Frau Ragnhild. Er beißt sich in den Schnurrbart und lacht –
Margrete. Wie häßlich er lacht.
Frau Ragnhild. Er weiß, niemand wird seine Sache vertreten – und das macht ihn so giftig. – Wer ist der Richtersmann, der jetzt redet?
Margrete. Das ist Gunnar Grjonbak.
Frau Ragnhild. Ist er für den Jarl?
Margrete. Nein, er ist wohl für den König –
Frau Ragnhild sieht sie groß an. Für wen, sagst Du?
Margrete. Für Håkon Håkonsson.
Frau Ragnhild blickt hinaus; nach kurzer Pause: Wo sitzt Guthorm Ingesson? – Ich seh' ihn nicht.
Margrete. Hinter seinen Leuten, dort , ganz unten, – im langwallenden Mantel.
Frau Ragnhild. Ja, dort.
Margrete. Er sieht aus, als schäme er sich –
Frau Ragnhild. Wohl der Mutter wegen.
Margrete. Das hat Håkon nicht nötig.
Frau Ragnhild. Wer spricht jetzt?
Margrete hinausblickend. Tord Skolle, Richter zu Ranafylke.
Frau Ragnhild. Ist er für den Jarl?
Margrete. Nein, für – Håkon.
Frau Ragnhild. Wie unbeweglich der Jarl dasitzt und zuhört!
Margrete. Håkon scheint still, – aber doch zuversichtlich. Lebhaft. Stünde ein wildfremder Mann hier, er müßte die beiden unter all den tausend andern erkennen.
Frau Ragnhild. Sieh, Margrete; Dagfinn schiebt Håkon einen vergoldeten Stuhl hin –
Margrete. Paul Flida stellt ebenso einen hinter den Jarl.
Frau Ragnhild. Håkons Leute wollen es verhindern!
Margrete. Der Jarl hält den Stuhl fest –!
Frau Ragnhild. Håkon fährt ihn zornig an – Sie tritt mit einem Schrei vom Fenster zurück. O Jesus Christus! Sahst Du die Augen – und das Lächeln –! Nein, das war nicht der Jarl!
Margrete, die ebenfalls schaudernd zurückgefahren ist. Und auch nicht Håkon? Weder der Jarl noch Håkon!
Sigrid am Fenster. O erbärmlich, erbärmlich!
Margrete. Sigrid!
Frau Ragnhild. Du bist da?
Sigrid. So tief unten herum muß man schleichen, um auf den Königssitz hinauf zu gelangen!
Margrete. O, bete mit uns, daß sich alles zum besten wende.
Frau Ragnhild bleich und erschrocken zu Sigrid. Sahst Du ihn –? Sahst Du meinen Eheherrn –? Die Augen und das Lächeln, – ich hätte ihn nicht erkannt!
Sigrid. Glich er Sigurd Ribbung?
Frau Ragnhild leise. Ja, er glich Sigurd Ribbung!
Sigrid. Lachte er wie Sigurd?
Frau Ragnhild. Ja, ja!
Sigrid. Dann laßt uns alle beten.
Frau Ragnhild mit der Kraft der Verzweiflung. Der Jarl muß zum König erkoren werden! Er leidet Schaden an seiner Seele, wenn er nicht der erste Mann im Lande wird!
Sigrid kräftiger. Dann laßt uns alle beten!
Frau Ragnhild. Still! was ist das ? Am Fenster. Was für Rufe! Alle Männer haben sich erhoben – alle Banner und Zeichen flattern im Winde.
Sigrid ihren Arm packend. Bete, Weib! Bete für Deinen Eheherrn!
Frau Ragnhild. Ja, heiliger Olaf, gib ihm alle Macht in diesem Lande!
Sigrid leidenschaftlich. Keine, – keine! Sonst wird er nimmer gerettet!
Frau Ragnhild. Er muß die Macht haben. Alles Gute in ihm wird wachsen und blühen, wenn er sie bekommt –. Sieh hinaus, Margrete! Hör' hin! Sie weicht einen Schritt zurück. Alle Hände erheben sich zum Schwur!
Margrete lauscht am Fenster.
Frau Ragnhild. Bei Gott und dem heiligen Olaf, wem gilt das?
Sigrid. Bete!
Margrete lauscht und gebietet mit erhobener Hand Schweigen.
Frau Ragnhild nach einer Weile. Sprich! Hörner- und Lurenschall vom Thingwalle.
Frau Ragnhild. Bei Gott und dem heiligen Olaf, wem galt das?
Kurze Pause.
Margrete wendet den Kopf und spricht: Nun haben sie Håkon Håkonsson zum König erkoren. Die Musik des Königszuges fällt ein, zuerst gedämpft, dann näher und näher. Frau Ragnhild klammert sich schluchzend an Sigrid, die sie still hinausführt nach rechts; Margrete bleibt unbeweglich am Fenster stehen, gelehnt an den Rahmen. Die Leute des Königs öffnen die Flügeltür; man blickt in die Halle, die allmählich der Zug vom Thingwalle füllt.
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