Achtung: Es ist anders, das heißt nicht lustfördernd und deswegen auch lusttötend, wenn man fremdgeht, weil der Sex mit dem Partner nicht mehr schön und befriedigend ist. Wenn man mit anderen Männern oder Frauen schläft, weil man keine Lust mehr auf den eigenen Partner hat. In diesem Fall wird das „Schlafen mit anderen“ den Rest der noch vorhandenen Lust töten und die Beziehung zerstören. Viele denken erst an „Fremdgehen“, wenn der Sex in der Partnerschaft schon sehr tot ist. Viele Menschen wagen es erst fremdzugehen, wenn ihre Sexualität seit Monaten, manchmal gar Jahren, stillgelegt ist; erst wenn der Partner einen sexuell überhaupt nicht mehr anzieht!
In einem solchen Fall warne ich die Menschen immer davor, Abenteuer mit anderen zu haben, ohne darüber mit dem Partner ganz klar zu reden. Oft verliebt man sich in diesem Fall in den Neuen und die Partnerschaft geht zu Bruch. Hier hat dann Sex mit jemand anderem als dem Partner sein Ziel verfehlt. Das passiert oft, wenn man Sex zu sehr mit der Liebe vereint.
In der Monogamieverschwindet die sexuelle Lust auf den Partner schnell. Um die Paare zu beruhigen, sagen Therapeuten, Psychologen, Forscher und Experten in der Branche, dass es normal sei, dass sich zwischen Paaren irgendwann die Prioritäten ändern. Man will uns weismachen, dass so etwas nach der Verliebtheitsphase normal wäre. Es ist nicht überraschend, dass diese Experten so etwas sagen. Sie meinen es vielleicht auch ehrlich, weil sie es selbst nicht anders kennen. Es läuft sexuell bei ihnen wie bei den meisten anderen Menschen auch.
Ich widerspreche dieser Theorie aber vehement. Meine eigene Erfahrung (und dies mit nicht nur einer Frau), die Berichte von vielen Menschen, die ich angesprochen habe, und das Ergebnis meiner Umfragen zeigen eine andere Realität. Nein, dass die Lust in einer Beziehung langsam zurückgeht, weil man lange zusammen ist, ist nicht normal. Ich habe mit reiferen Männern in Afrika geredet und auch mit meinem Vater. Die Antwort war klar: Auch nach 30, 40 Jahren Ehehatten sie immer noch sehr guten Sex mit ihren Ehefrauen. Die Lustintensität war nicht weniger. Die Qualität war sogar mit den Jahren noch besser geworden. Dies bestätigt, wie gesagt, auch meine eigene Erfahrung. Nach 12 Jahren Beziehung war der Sex im 12. Jahr viel besser als in den ersten Jahren. Bezüglich meiner Lust auf meine Partnerin hatte sich nichts geändert, im Gegenteil. Dass es Momente gibt, in denen man keine Lust auf Sex hat, ist natürlich, aber das hat nichts damit zu tun, dass man schon lange zusammen ist. Das kann genauso in einer frischen Beziehung passieren.
Die sexuelle Monogamie bringt auch die Monotoniemit sich. Es kommt nichts Neues, das Gleiche wird jahrelang gemacht, ohne Entwicklungen, ohne Abwechslung – immer die gleichen Positionen, der gleiche Ablauf. Die Frau weiß nicht, wie sie den Mann anmachen kann und der Mann weiß nicht richtig, wie er die Frau befriedigen kann. Die Erfahrungen, die man mit anderen Frauen oder Männern gemacht hätte und mit denen man die eigene Beziehung hätte bereichern können, fehlen.
Sexuelle Monogamie und Sex mit nur ein und
demselben Partner wird langfristig zu fast
100% die Lust auf diesen Partner auslöschen.
Die Triebunterdrückung ist fatal für die
Gesundheit und die Potenz. Am Ende werden
solche Paare, wenn sie sich nicht bereits
getrennt haben, wie Bruder und Schwester
leben; auch das kann gehen, aber man muss sich
fragen, ob man das möchte.
Viele werden es nicht glauben wollen, dass ein gemeinsames Bett nicht unbedingt fördernd für den gemeinsamen Sex ist. Man lebt doch schon seit Generationen so, überall in den Medien wird das als völlig normal dargestellt, viele Sex- und Paartherapeuten erklären immer wieder, warum das gemeinsame Zimmer modern und gut für die Beziehung ist. Beobachtet euch und andere gut! Ihr werdet sehen, dass viele Paare, die sich noch so sehr lieben (ihr vielleicht auch) und im gleichen Bett schlafen, immer seltener Sexmiteinander haben. Macht doch einen kleinen Test für einige Wochen (nur vier Wochen!): Der Mann schläft im Gästezimmer oder im Wohnzimmer und die Frau im Schlafzimmer. Ihr werdet sehen, dass ihr in den vier Wochen viel mehr Sex habt, als die Wochen davor. Ihr werdet sehen, dass ihr häufig mitten in der Nacht starke Lust auf den anderen bekommt, dass frühmorgens oft der eine voller Lust zum anderen kommt, sich in sein Bett schleicht und dass der andere Partner sich darüber freut. Ihr werdet sehen, dass der Sex intensiver wird und dass das gemeinsame Aufstehen danach toll ist. Der Partner erscheint wieder wie neu. Das ist ein kleines Experiment, das hilft zu verstehen, wie das gemeinsame Zimmer mit der Zeit die Lust, die Spannung, die Neugier auf den Partner lahmlegt. Einer der größten Lusttöterin einer Beziehung ist das gemeinsame Schlafzimmer. Das gemeinsame Bett ist ein gefährlicher, stiller Lustkiller, der sich ganz leise einschleicht. Diese gesellschaftlich aufgezwungene Art der Beziehung hat nichts mit dem Naturell der Menschen zu tun. Jeder Mensch hat das Bedürfnis, sich mal zurückziehenzu wollen und einen Ort zu haben, wo er für sich allein ist. Wo er sich fallenlassen kann, wie er will.
Ich habe dies bei meinen Eltern gesehen. Jeder von ihnen hatte sein eigenes Zimmer und dabei habe ich gemerkt, dass jeder sein Zimmer anders gestaltet als der andere. Meine Mutter liebte zum Beispiel große amerikanische Matratzen, aber meinem Vater waren sie zu weich, er wollte lieber eine sehr dünne Matratze. Ich frage mich, wie sie mit diesen unterschiedlichen Geschmäckern umgegangen wären, hätten sie ein gemeinsames Schlafzimmer gehabt? Man hätte Kompromisse gefunden, ganz sicher. Aber warum und wozu? Macht man nicht schon genug Kompromisseim Leben? Ich habe im Gegenteil gesehen, dass sie sehr zufrieden waren mit dieser Aufteilung, die sie aber nicht daran hinderte, hin und her zu pendeln. Allein dieses Bewegen und sich zum anderen auf den Weg machen zu müssen war schon erotisch und anziehend genug.
Am Anfang, wenn man noch total verliebt ist, findet man das vielleicht noch goldig, mit dem Partner im gleichen Bett zu schlafen. Aber irgendwann ist es nur noch Gewohnheitoder man fühlt sich wegen der sozialen Normen und der Definition der Liebe (unbewusst) dazu verpflichtet.
Es gibt viele Dinge, die Lust töten. „Kleine“ Kleinigkeiten, wie Schnarchen, Mundgeruch, Blähungen, Sprechen im Schlaf, sich ständig umdrehen, nachts raus müssen, Sabber im Mundwinkel, Erkältung und die ganze Nacht Husten usw. Das stresst die Beziehung und den Körper unbewusst und lässt langsam aber stetig die Lust verschwinden, ohne dass es dem Paar bewusst wird.
Jede Nacht nebeneinander zu schlafen erzeugt
zu viel Nähe und zu wenig Sinnlichkeit. Das ist
schlecht für die Intimität. Das gemeinsame
Schlafzimmer nimmt den Zauber und lässt
Paare in die Alltäglichkeit verfallen.
3. Liebe und Sex vereinen, Überromantisierung der Liebe und der Beziehung, Konsumliebe
Sex und Liebe zu vereinen kann langfristig die Lust auf Sex töten. Sex haben bedeutet nicht, dass man liebt, und man kann lieben, ohne Sex zu haben. Sex und Liebe zu liieren ist ein fataler Fehler, der viele Menschen hemmt und vieles verhindert. Sex und Liebe sind etwa wie Zucker und Wasser: Zusammen schmecken sie gut, sehr gut - aber auch ohne Wasser ist Zucker weiter süß und lecker.
Laut bewiesener Wissenschaft ist die Liebe, so wie der Sex, keine Herzensangelegenheit. Die Liebe entsteht durch komplexe biochemische Prozesse, die im Gehirn und im Darm passieren. Nur werden beim Sex andere Hirnbereiche aktiviert als bei der Liebe. Die Menschen haben die Liebe zur Herzensangelegenheit gemacht, obwohl das Herz gar nicht direkt damit zu tun hat.
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